Alinghi, America's Cup & Louis Vuitton Cup

Ein Segelteam-Update von Brad Butterworth...

Ivo Rovira / Alinghi
Foto: Ivo Rovira / Alinghi

Während der Louis Vuitton Cup in vollem Gange ist, bleibt Alinghi auf sich allein gestellt – die Konzentration ist intensiv, das Ziel ist klar. Wer den America’s Cup erneut gewinnen will, muss sehr viele Renntrainings absolvieren und genau das tut der Titelverteidiger. Team-Skipper Brad Butterworth über den aktuellen Stand der Dinge im Segelteam und seine Einschätzungen der Konkurrenz:

Womit beschäftigt sich Alinghi, während die Herausforderer gegeneinander antreten?

«Eigentlich machen wir nichts anderes als die Herausforderer. Wir segeln jeden Tag Rennen, manchmal absolvieren wir zwei pro Tag. Wir machen ganze Serien von Vorstarts, aber wir sind auf uns allein gestellt, deshalb segeln wir so viel wir können und geben alles. So versuchen wir die Challenger Series nachzuahmen.»

Wie laufen die Vorbereitungen?

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf, aber natürlich weiss man bis zum Schluss nie, wo man genau steht. Wir haben einfach versucht, ein Level zu erreichen, das gleich hoch oder besser ist als das der Herausforderer – hoffentlich haben wir das geschafft.

Wie fühlt man sich in der Rolle des Titelverteidigers?

«Es ist immer ein anderes Gefühl. Wir haben dieses Mal versucht, alles ein wenig neu zu organisieren, damit wir viel mit den Herausforderern segeln können – das hat Spass gemacht. Jetzt sind wir auf uns allein gestellt und niemand schenkt uns grosse Beachtung – auch das ist angenehm. Wir versuchen also, mit Spass bei der Sache zu sein, und warten auf unseren Einsatz.»

Wie schwierig ist es, fokussiert zu bleiben?

«Das ist gar nicht so schwierig. Wir haben eine starke, motivierte Truppe. Jeder hier will gewinnen und jeder gibt sein Bestes und sogar ein bisschen mehr – mehr kann man nicht verlangen.»

Spürt ihr jetzt als Titelverteidiger mehr Druck?

«Ich denke nicht. Für jeden, der in diesem Wettkampf segelt, ist der Druck sehr gross. Wenn es dann um den eigentlichen America’s Cup geht, steht natürlich viel auf dem Spiel. Doch am Ende wird das beste Team gewinnen – und ich hoffe, dass wir das sind.»

Gegen welches Team würdet ihr am liebsten antreten?

«Wenn ich wählen könnte, würde ich wohl Luna Rossa nehmen. Dass der Cup in Europa ist, ist fantastisch – und wenn wir gegen sie segeln, ist es hundertprozentig sicher, dass der Cup in Europa bleibt. Gegen Luna Rossa um den Cup zu kämpfen, wäre grossartig.»

Wo liegen Alinghis Stärken und Schwächen?

«Wir haben nicht die Möglichkeit, gegen verschiedene Teams anzutreten und uns mit den verschiedenen Stilen der Leute, welche die Boote segeln, auseinanderzusetzen – das ist mit Sicherheit eine Schwachstelle. Unsere Stärke kommt von innerhalb unseres Teams. Wir haben hier eine einzigartige Truppe. Jeder, der sich unser Team von aussen anschaut, würde sofort jeden dieser Jungs und auch die Leute von der Landcrew und vom Designteam anstellen. Wir sind ein starkes Team.»

Ivo Rovira / Alinghi
Foto: Ivo Rovira / Alinghi

Welches sind die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Titelverteidigung?

«Das wichtigste ist, ein gutes Boot zu entwerfen, zu bauen und zu segeln. Wir haben ein grossartiges Designteam, aber auch der Einfluss der Designer ist begrenzt. Die Segel und der Mast müssen perfekt sein und das Boot muss gut gesegelt werden. Die Schlüsselfaktoren sind für jedes Team gleich: Man muss als erster fünf Rennen gewinnen und ein gutes, schnelles Boot haben.»

Welches sind die grössten Stärken dieses Teams?

«Die Erfahrung. Wir vereinen einen riesigen Erfahrungsschatz. Wir haben Top-Segler, Top-Designer und Top-Bootsbauer. Beim Cup dreht sich alles darum, wie stark ein Team ist.»

Was habt ihr diese Woche so gemacht?

«Wir sind Rennen gesegelt und haben einige Drills gemacht. Wir sind in der Feinabstimmung und schauen ganz genau, wie wir das Boot um den Rennkurs bewegen. Zudem stimmen wir die Kommunikation zwischen den Crew-Mitgliedern ab und optimieren das Segeln des Bootes per se. Wir absolvieren sehr viele Renntrainings, starten aus verschiedenen Positionen und versuchen Rennen zu gewinnen. Wir lernen sehr viel, das ist sehr wertvoll.»