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Die grösste Segelyacht der Welt!

Autor: Michael Kunst
  

Die „Sailing Yacht A“ des russischen Unternehmers Andrei Igorewitsch Melnitschenko ist vom Stapel gelaufen. Spätestens seitdem sich das längste Segelschiff der Welt in der Kieler Förde erstmals zu Probefahrten zeigte, polarisiert die Yacht. Doch warum eigentlich?

Die grösste Segelyacht der Welt!
Und die Länge zählt doch!

Sowas nennt man wohl ein „Upgrade“! Nachdem sich der russische Milliardär Melnitschenko bereits mit seiner „A“ einen gewissen Namen unter den Eignern überdimensionierter Motoryachten gemacht hatte, wechselt er nun zur anderen Wassersportgemeinde und darf sich in Zukunft Segler nennen. Zumindest theoretisch.

Mussten sich Melnitschenko und seine Gattin Aleksandra auf ihrem 119 Meter langen und 18,4 Meter breiten Motorboot bisher mit dem wie Understatement wirkenden Rang 16 in der Liste der längsten Motoryachten der Welt zufrieden geben, gönnten sich die Konvertiten nun bei ihrem Übertritt zum Segel“sport“ nicht weniger als das längste Segelschiff der Welt.

142, 81 Meter Länge über alles, 24,88 Meter Breite, acht Meter Tiefgang… das sind die Rahmenwerte eines Monsterprojektes, das bei Baubeginn vor knapp drei Jahren in der Kieler Werft German Naval Yads selbst den Super- und Megareichen ein ungläubiges Augenbrauenzucken entlockte.

Ein Wunderwerk der Technik

Drei Masten, die jeweils knapp 100 Meter lang sind, tragen einrollbare Segel, deren grösstes unfassbare 1,767 Quadratmeter misst. Die Riggs, die von „Dykstra Naval Architects“ gezeichnet wurden, halten mehr als der zweifachen Belastung stand, die etwa die Flügel einer Boeing Dreamliner 787 ertragen würden.

Nach Aussagen der Hersteller „Magma Structures“ im englischen Portsmouth zählen die drei Masten zu den technisch anspruchvollsten, freistehenden Karbonstrukturen der Welt. Sie übertreffen selbst die derzeit grössten Windräder in punkto Länge und Biegebelastung im Einsatz.

Dabei wiegt jeder der Masten nicht mehr als 50 Tonnen, betonen die Konstrukteure. Sie sind mit Sensoren gespickt, die sicherstellen sollen, dass materialbedingte Ermüdungserscheinungen an besonders kritischen Stellen rechtzeitig entdeckt werden. An der Entwicklung arbeiteten über drei Jahre hinweg 70 Spezialisten, die bereits Erfahrungen beim Bau von Brückenstrukturen und Stadien sammeln konnten.

Hatte die ausschliesslich motorbetriebene „A“ noch läppische 200 Millionen Euro gekostet, greift Melnitschenko für den Bau seiner „Sailing Yacht A“ deutlich tiefer ins Portemonnaie. Der Boss der MDM-Gruppe, eines der führenden russischen Finanz- und Industrieunternehmen, wird schätzungsweise 400 Millionen Euro für das Segelschiff berappen müssen.

Lüster und Laster

Dafür bekommt er Luxus bis zum Abwinken, aber auch innovative Technik vom Allerfeinsten. Auf acht Decks können die Melnitschenkos und bis zu 20 Gäste in Zukunft flanieren, sonnenbaden und stilgerecht beherbergt werden.

Die 54 Personen starke Besatzung ist selbstredend möglichst weit entfernt von den Eignern und ihren Gästen untergebracht, doch soll deren Behausung immer noch ausgesprochen annehmlich ausgestattet sein.

Über die Gestaltung des Interieurs der „Sailing Yacht A“ ist bis dato nur wenig bekannt. Zwar soll Melnitschenko „an nichts gespart haben“, doch gibt man sich bezüglich Details gewohnt russisch, also zurückhaltend.

Nur die Innendesigner und Auftraggeber wissen somit, wie Schlafzimmer, Salons, Bäder, Fitnessräume, Bar und die anderen Annehmlichkeiten aussehen werden, die spätere Sailing-Yacht-A-Törns zum unvergesslichen Erlebnis machen sollen.

Sogar von grossflächigen Kristallspiegeln und –lüstern in allen Räumlichkeiten ist die Rede. Und dieses allzu russische Klischee vom mondänen Spielcasino auf der Yacht hält sich ebenfalls hartnäckig.

Als wollte er dem Ganzen noch ein I-Tüpfelchen aufsetzen, liess Melnitschenko im Kielbereich der Yacht ein 1,8 Tonnen schweres Glaskonstrukt für Unterwasser¬beobachtungen einbauen. So entstand das wohl grösste mobile Unterwasserobservatorium, das jemals über die Weltmeere fuhr.

Was nicht verheimlicht werden konnte, weil seit einigen Wochen offensichtlich: Das Oberdeck ist über die gesamte Länge mit Holz ausgelegt. Ob es sich dabei um Teak oder vielleicht sogar eine weniger geschützte Baumart handelt, ist bisher noch nicht bekannt.

Echt Starck?

Wie schon das Motor-Pendant, wurde auch die „Sailing Yacht A“ von Philippe Starck entworfen. Der Kult-Designer hatte „vollständig freie Hand“, wie oftmals behauptet wird. Böse Zungen meinen jedoch, diese Yacht sehe allem ähnlich, bloss nicht einem Starck-Entwurf. Zu eckig, zu unelegant, zu klassisch und irgendwie vulgär seien die Formen. Alles sei eben nur auf die schiere Länge ausgerichtet.

Neid? Verleumdung? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Schliesslich soll gerade in der Welt der wassersportelnden Superreichen das Gesetz „Nur Länge zählt“ gelten und allem anderen untergeordnet werden. Bei der baldigen Jungfernfahrt unter Segeln der „Sailing Yacht A“ werden sich dann jedenfalls einige Megayacht-Besitzer so fühlen, als sei ihnen gehörig auf dem seidenen Schlips herumgetrampelt worden.

Doch zurück zum gigantischen Schmuckstück als solchem, das bis vor Kurzem noch, sozusagen als Arbeitstitel , „White Pearl“ genannt wurde. Wer den etwas hinkenden Vergleich zum Kleinod aufbrachte, weiss heute niemand mehr. Was jedoch keinen daran hinderte, sich angesichts der gigantomanischen Ausmasse der Yacht herzlich darüber lustig zu machen.

Deshalb (oder aus Prinzip?) möchte der Eigner ab sofort weder „White“ noch „Pearl“ im Zusammenhang mit seinem Schiff vernehmen – er lässt derzeit ausgesprochen höflich über seine Agenturen bitten, in Zukunft nur noch den Namen „Sailing Yacht A“ zu benutzen.

Ganz nach vorne

Das „A“ stehe, wie auch beim Motorboot, für den Anfangsbuchstaben des Vornamens seiner Gattin Aleksandra. Vermuten die Einen. Andere behaupten, der Name sei nur deshalb gewählt worden, weil so die Yacht ganz am Anfang des monegassischen Bootsregisters stehen würde.

Wie auch immer, die Sailing Yacht A bringt Andrei Igorewitsch Melnitschenko genau dort hin, wo er ganz offensichtlich nicht nur finanziell stehen möchte: Ganz vorne, mitten im Rampenlicht.

Und das Schiff positioniert den Russen über all’ die Neider, Spötter und Hämischen, die sich spätestens seit der ersten Probefahrt am 21.September 2015 in der Kieler Förde darüber aufregen, wie hässlich, unansehnlich und monströs das Milliardärsspielzeug doch sei.

Merke: Natürlich ist die Sailing Yacht A dekadent. Wahrscheinlich ist sie ein völlig unnützes Milliardärsspielzeug. Und vielleicht ist sie auch geschmacklos. Doch was kümmert das wohl Herrn Melnitschenko? Der ist in einer Liga unterwegs, in der nicht alles einen Sinn und Zweck haben muss. Sondern vielleicht einfach nur Spass machen sollte.

Irgendwann wird er auf seinem Vorschiff stehen, in der linken Hand einen Champagnerkelch, in der rechten eine Havanna. Wird unter Segeln an der „Gorch Fock“ in Luv vorbei ziehen und sich beim Blick nach unten auf den Grosssegler wundern, dass man selbst auf so kleinen Schiffen schon drei Masten aufstellte.

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Seit 25 Jahren als Reporter unterwegs, segelt seit er im Midlife-Crisis-Alter ist, ein gebrauchten Laser.

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