Schnelle Boote waren bei den Molinaris keine Freizeitbeschäftigung, sondern Familientradition. Rennbootbau und Motorbootsport gehörten längst dazu, als Paolo Molinari 1976 am Comer See Airon Marine gründete. Aus den Rennsport-Genen wurden komfortable Sportcruiser – schnell, italienisch und bis heute erstaunlich individuell.
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Sportliche Italiener aus einer Bootsbauer-Familie
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Airon Marine
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Der Comer See ist nicht nur Kulisse für Villen, Filmstars und ziemlich teure Espressi. Rund um den See entwickelte sich auch eine bemerkenswerte Tradition des Motorbootbaus. Namen wie Abbate und Molinari sind eng mit Rennbooten und schnellen Freizeitbooten verbunden. Aus genau diesem Milieu stammt Airon Marine. Die Werft baut keine schwimmenden Paläste, sondern vor allem sportliche offene Motorboote und Cruiser mittlerer Grösse – und das seit inzwischen einem halben Jahrhundert.
Eine Familie mit Benzin im Blut
Paolo Molinari gründete Airon Marine 1976 im Alter von 25 Jahren in Lezzeno am Comer See. Boote waren für ihn kein neu entdecktes Geschäftsmodell: Die Familie Molinari war bereits tief im Motorbootsport und Bootsbau verwurzelt; mehrere Familienmitglieder machten sich mit Rennbooten und deren Konstruktion einen Namen. Gemeinsam mit Walter Posca entwickelte Paolo Molinari sein erstes grösseres Motorboot. Von Beginn an spielte dabei die Rumpfform eine zentrale Rolle. Schnelligkeit allein genügte nicht: Die Boote sollten mit möglichst ausgewogenem Trimm, überschaubarem Leistungsbedarf und komfortablem Verhalten in der Welle unterwegs sein. Die historische Werft befindet sich bis heute in Lezzeno. Die eigentliche Produktion wurde später zusätzlich nach Casnate con Bernate bei Como verlagert.
Der Rumpf macht den Unterschied
Während andere Hersteller ihre Geschichte gerne über Designer und Interieurs erzählen, dreht sich bei Airon Marine auffällig viel um das Unterwasserschiff. Paolo Molinari entwickelte die Rümpfe über Jahrzehnte selbst beziehungsweise gemeinsam mit Walter Posca. Ein gutes Beispiel ist die Airon Marine 425: Ihr V-Rumpf besitzt eine variable Geometrie, die vom sehr tiefen Vorschiff zum Heck hin flacher wird. Ziel ist ein möglichst weiches Einsetzen in die Welle, verbunden mit stabilem Trimm und sportlichen Fahrleistungen. Dass Airon Marine diesem Thema so viel Bedeutung beimisst, passt zur Herkunft der Familie aus dem Rennbootbau. Der Unterschied: Ein Freizeitcruiser muss nicht nur schnell sein. Nach der Fahrt sollen Gläser und Besatzung möglichst ebenfalls noch an ihrem Platz stehen.
Italienischer Sportcruiser statt schwimmender Salon
Modelle wie Airon 277, 325, 345, 388, 425 oder 4300 T-Top prägten über Jahre das Bild der Marke. Charakteristisch sind schlanke Linien, grosse offene Cockpits und kräftige Innenbordmotorisierungen. Unter Deck steckt dennoch mehr Fahrtenboot, als die sportliche Silhouette zunächst vermuten lässt. Grössere Airon wurden mit mehreren Kabinen, Dinette, Pantry und Bad angeboten. Bei der 425 beispielsweise liessen sich auf gut 13 Metern drei Kabinen unterbringen. Hinzu kommt ein für eine Serienwerft relativ hoher Grad an Individualisierung.
AmX: die jüngere Generation
Mit der AmX-Reihe begann Airon Marine, seine Modellpalette neu auszurichten. Den Anfang machte die AmX 28, die zum 40-jährigen Bestehen der Werft 2016 präsentiert wurde. Heute reicht die AmX-Familie vom kompakten AmX 25 über AmX 28 und AmX 34 bis zu grösseren Varianten wie der AmX 36. Das Grundrezept bleibt italienisch: sportliche Linien, viel Platz im Cockpit und ausreichend Komfort für Wochenenden oder kurze Reisen.
Kleine Werft, schwierige Zeiten
Airon Marine ist auch deshalb interessant, weil die Werft nicht zur üblichen Geschichte vom ungebremsten Wachstum passt. Vor der Finanzkrise baute das Unternehmen nach Angaben Paolo Molinaris zeitweise rund 95 Boote jährlich. 2016 war die Produktion auf weniger als ein Drittel davon gefallen. Die Werft überlebte jedoch, blieb in Familienhand und setzte weiterhin auf ihre vergleichsweise überschaubare Fertigung. Neben Paolo Molinari sind auch seine Söhne Camillo und Tommaso in das Unternehmen eingestiegen.
Airon Marine gebraucht kaufen
Auf dem Gebrauchtmarkt ist die Auswahl wesentlich grösser als es das heutige Programm vermuten lässt. Bei älteren Booten sollte besonders die Motorisierung geprüft werden. Viele Airon sind mit kräftigen Benzin- oder Diesel-Innenbordern und Z-Antrieben ausgestattet. Wartungshistorie, Kühlsystem und und Antriebe verdienen entsprechend Aufmerksamkeit.
Vom Rennboot zum Familiencruiser
Airon Marine ist ein Stück jener besonderen Motorbootkultur, die sich rund um den Comer See entwickelt hat. Die Molinaris kamen vom schnellen Boot, Paolo Molinari machte daraus komfortable Sportcruiser. Die Rennsport-Gene der Familie Molinari sind dabei nicht verschwunden. Sie wurden nur alltagstauglicher: mit Kabinen, Pantry und Sonnenpolstern drumherum.
Testberichte
Airon Marine AmX 28 PDF 1.4 MB
marina.ch Ausgabe April 2023

