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„Segelndes Schweizer Messer“

Autor: Michael Kunst
  

Loïck Peyron ist als Segler längst Legende. Was ihn nicht davon abhält, weiter bei den spannendsten, grössten und verrücktesten Segelanlässen auf der ganzen Welt mitzumischen. Ein Portrait.

„Segelndes Schweizer Messer“

Was ist das grösste Lob, das einem Hochseesegler widerfahren kann? Ein „der Junge kann was“ von Eric Tabarly? Ein „nur mein Bruder kann das besser, sonst keiner!“ vom (damals frisch gekürten) schnellsten Weltumsegler Bruno Peyron? Ein „hoffentlich entscheidet der sich nie fürs Moth-Segeln“ von Moth-Weltmeister Outteridge, nachdem er ihm erstmals seine kippelige Kiste geliehen hatte? Loïck Peyron kann darüber nur milde lächeln. Denn sein grösstes Kompliment, das er wohl je erhalten hat, kommt ausgerechnet von einem Schweizer: Ernesto Bertarelli, der Mann, der die begehrteste Segeltrophäe der Welt, den America’s Cup, in die Schweiz geholt hatte, nannte den quirligen Franzosen schlicht „das Schweizer Messer des Segelns“.

Und meinte damit nicht, dass Peyron leicht und geschmeidig einschnappt, sondern dass dieser Mann für alles, was irgendwie mit schnellem Segeln zu tun hat, das richtige Werkzeug ist. Aus dem Mund eines Schweizers das wohl schönste Lob für einen Segler wie Loïck Peyron; auch dann, wenn er die zuvor genannten Komplimente tatsächlich ebenfalls gehört hatte.

Harte Arbeit

Talent hin oder her, wer es in Frankreich als Segler so weit bringen möchte, dass er allerorten als Held und „Allzweckwaffe“ gefeiert und sogar in die Ehrenlegion als Offizier aufgenommen wird, muss sich das hart erarbeiten. „Für Erfolg beim Segeln kann man nur drei Dinge tun: segeln, segeln, segeln!“ äussert sich Peyron gerne in Interviews. Logisch, dass man damit bereits in frühester Jugend beginnen musste. „Meine Mitschüler sind mit dem Bus in die Schule auf der anderen Seite der Bucht gefahren, ich mit dem Fahrrad runter in den Jollenhafen und dann mit dem Boot rübergesegelt“.

Schon als 12 jähriger erlebt er eine Art Initialzündung, als er gemeinsam mit seinem Onkel Jean-Yves Terlain (ein anderes Segel-Monument Frankreichs) den 39 m langen Einrumpfer “Vendredi 13" (Freitag, der 13.) für die Einhand-Transat 1972 zu Wasser liess. „Ich war völlig fasziniert von der Vorstellung, so ein riesiges Schiff alleine über den Ozean zu steuern. In diesem Moment wusste ich, dass es für mich nur eines geben kann im Leben: Profisegler!“

41mal über den Teich

Wie besessen schipperte er von da an auf allem, was Segel hatte: Jollen, die Familienyacht, Katamarane. Mit 18 segelte er erstmals über den Atlantik rüber nach Amerika – eine Strecke, die er bisher 41mal wiederholte, davon immerhin 15mal einhand! Und drei Mal umrundete er unter Segeln nonstop die Erde – was ihm aber offensichtlich nicht ausreicht. „Ich bedaure wirklich,“ hat er kürzlich beschrieben, „dass ich noch nicht die Vendée Globe gewinnen konnte!“ Dabei festigte er ausgerechnet bei dieser Solo-Round-Nonstop-Regatta seinen Heldenstatus (nicht nur) in der französischen Segelgemeinde.

Während der ersten VG (1989-90) wurde der bereits Erfolggewohnte „nur“ Zweiter, nachdem er den havarierten Phillippe Poupon auf Höhe des Kaps der Guten Hoffnung gerettet hatte. Genau das ist der Stoff, aus dem Legenden geschnitzt werden…

Apropos Legenden: Loïck Peyron hat neben seinem seglerischen Können im Laufe der Jahre auch einen sicheren Instinkt bewiesen, mit dem er sich die Sympathie der Medien sicherte. Der Abenteurer und dennoch begeisterte Familienvater (verheiratet, 4 Kinder) ist ein lässiger Kommunikationsmensch, der es verstanden hat, immer zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort die richtigen Worte zu äussern.

Schiffshusten

Die Medien lieben ihn dafür, ausnahmslos. Seine Rekordfahrt auf “Banque Populaire”, einem gigantischen Trimaran, mit dem er tatsächlich den einst von seinem Bruder aufgestellten Rekord nonstop um die Welt in 45 Tagen, 15 Stunden förmlich pulverisierte, war wochenlang auf den Sportseiten der französischen Presse und im französischen TV präsent, auch weil der Meister unterwegs freimütig Interviews gab.

Der Tageszeitung „Liberation“ beschrieb er über Satellitentelefon, woher sein Erfolg im Umgang mit Schiff und Mannschaft rührt: „Als Skipper auf so einer Rekordfahrt muss man vor allem den Einsatz von Mensch und Material abwägen. Ich stehe seit unserem Start jeden Tag, jede Stunde unter Strom.

Ich bin immer körperlich angespannt, höre ohne Unterlass auf die Geräusche des Schiffes. Mir entgeht nicht die kleinste Vibration, und dafür muss ich nicht mal Ruder gehen. Was hat das Schiff für Probleme, was bereitet ihm gerade Schwierigkeiten? Wo ächzt es? … Hustet es? Ähnlich ist es mit der Mannschaft: Ich bin eine Art demokratischer Diktator, muss die kollektive Temperatur messen, sozusagen. Wenn’s kühler wird greife ich ein, wenn’s sich zu sehr erhitzt, ebenfalls. So segele ich seit 30 Jahren, und das ist ganz schön anstrengend.“

Loïck Peyron geht dabei gerne den Zen-Weg der Mitte – und das ist bekanntlich ein Zeichen für innere Grösse, die wahre Würde. „Obwohl mir Bertarelli damals so ein wunderbares Kompliment machte, war die Niederlage beim AC gegen Oracle ein Desaster für mich,“ erinnerte sich der Franzose kürzlich. Ausgerechnet er, der relativ spät als vermeintliches Allzweckwerkzeug für alles, was irgendwie mit Mehrrumpfbooten zu tun hat eingesetzt wurde, ausgerechnet er muss auf dem vermeintlichen Zenith als Steuermann gegn die Amerikaner verlieren. „Das Schweizer Messer war stumpf geworden,“ soll er gesagt haben. Dabei wusste jeder, dass er viel zu spät ins Team berufen wurde und „die Kiste nicht mehr aus dem Dreck ziehen konnte“.

Doch wer nun glaubt, einer wie Peyron werde sich entspannt irgendwo auf einer Insel im Kreise seiner Lieben ausruhen und den Gott der Winde einen guten Mann sein lassen, der hat die Rechnung ohne die Würde dieses Mannes gemacht. Denn ein Loïck Peyron, nach Moitessier und Tabarly die wohl grösste Segellegende Frankreichs, kann sich nicht einfach so sang- und klanglos aus einem Business verabschieden, in dem er Niederlagen einstecken musste. „Seit der AC-Cup auf Mehrrumpfbooten ausgetragen wird, ist er meine Spielwiese geworden,“ sagte er bereits vor Jahren. Und macht seitdem alles, um mitspielen zu dürfen.

Eine Frage der Würde

Nach der Alinghi-Kampagne schlug er sich im (eigenen) Energy-Team während der AC45-Kampagne 2012/13 mehr als beachtlich und wurde Ende letzten Jahres ins America’s Cup-Herausforderer-Team „Artemis“ berufen. Man wolle sich die Chance, den wohl erfolgreichsten Multihull-Hochseesegler dabei zu haben, nicht entgehen lassen, hiess es aus Artemis-Kreisen.

Loïck arbeitet dort nun vor allem als „Flüsterer“ respektive Berater für Steuermann Outteridge. Dies war übrigens auch der Grund, warum Peyron bei der fatalen Kenterung der „Artemis“, bei der ein Toter zu beklagen war, nicht an Bord war – Loïck studierte (ausnahmsweise) von einem Begleitboot aus die Manöver.

Somit war er einer der Ersten, die vor Ort halfen, die Verunglückten aus dem Wasser zu ziehen. Alle, bis auf einen. Andrew Simpson starb eingeklemmt unter dem starren Flügel. Und Loïck Peyron war fassungslos: „Ich hab auf den Ozeanen die verrücktesten Mehrrumpfboote in den wildesten Situationen gesegelt. Doch in diesem Moment wusste ich, dass wir ein Limit überschritten hatten!“

Was also tun? Aufgeben, das Artemis-Team und den America’s Cup verlassen? Oder wahre Grösse zeigen und (auch im Sinne des Verstorbenen) das einmal angefangene Projekt erfolgreich zu Ende bringen? Für Loïck Peyron eine Frage der Würde: In diesen Tagen segelt er auf der nagelneuen Artemis wieder Trainings- und Testschläge in der Bucht von San Francisco. Und lässt die Jungen an seinem enormen Wissen teilhaben, das er sich auf den Meeren dieses Planeten ersegelt hat. So zeigt sich eben wahre Grösse!

Steckbrief Loïck Peyron

Geboren am 1. Dezember 1959 in Nantes, Frankreich. Verheiratet, 4 Kinder.

Karriere auf dem Wasser:

  • 1987: La Baule-Dakar, einhand, 1.
  • 1990: Vendée Globe, einhand, 2.
  • 1990: Transat, einhand, 1. (und 1996, 2008)
  • 1996: WM Mehrrumpfer 1. (und 1997, 1999, 2002)
  • 1999: Transat Jaques Fabre, zweihand, 1. (und 2005 mit Jean-Pierre Dick)
  • 2001: The Race, 2.
  • 2011: Barcelona World Race, zweihand mit Jean-Pierre Dick, 1
  • 2012: Energy-Team AC45 America’s Cu
  • 2013: Berater bei Artemis, Herausforderer beim America’s Cup

Thema

Segeln

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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