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Motorboot Abenteurer

Autor: Carsten Kemmling
  

Historie: 1970 bezwingen die Finnen Seppo Muraja und Arto Kulmala den Atlantik auf einem 4,30 Meter kurzen Marino Mustang Motorboot. Sie schleppen Benzintanks im Wasser hinterher.

Motorboot Abenteurer
Die Abenteurer vor ihrer Abfahrt in Dakar mit geschleppten Sprit-Tanks © Kulmala

Der Finne Seppo Muraja war schon immer ein durchgeknallter Typ. In den 60er Jahren machte er sich einen Namen als Wasserski-Pionier, wurde in diesem Sport Finnischer Meister und brach den Speed-Weltrekord auf Wasserskiern, indem er sich von einem Flugzeug ziehen liess.

Aber den Platz in den Geschichtsbüchern des Wassersports sichert ihm ein anderes besonders irres Abenteuer. Der junge Architekt bezwingt 1970 mit einem kleinen Mustang-Marino-Motorboot den Atlantik. Zusammen mit seinem Freund Arto Kulmalja kommt er auf die Idee, das verrückte Unternehmen zu starten. Dabei hat er nicht einmal ein Boot.

Doch für ihn zählt das nicht als Hindernis. Die beiden Finnen aus Turku nehmen Kontakt mit der einheimischen Marino Werft auf, und präsentieren dem Besitzer Tor-Björn Fagerström ihren verrückten Plan. Schwer zu glauben, dass er die Youngster nicht sofort aus dem Büro jagt, aber das Werbepotenzial dieses Vorhabens liegt auf der Hand - wenn es denn wirklich klappen sollte.

Der legendaere Marino Mustang auf eine Messe in Finnland © Kulmala Der legendaere Marino Mustang auf eine Messe in Finnland © Kulmala

Seetüchtiges Rennboot

Er bietet den Abenteurern einen 6.10 Meter langen Cruiser aus seiner Angebotspalette an, aber die Finnen hatten längst ihr Auge auf den deutlich kleineren Mustang geworfen. Nur 4,30 Meter kurz und 1,70 Meter breit ist das Schiffchen, das seit einem Jahrzehnt in Skandinavien als eines der beliebtesten Motorboot-Typen gilt. Es soll als Rennboot auf offenem Wasser schon eine gute Figur gemacht haben. Muraja und Kulmalja glauben an seine Seetüchtigkeit.

Der Werftchef lässt sich überzeugen und verspricht ein neues Boot als Prämie, wenn sie die Tortour überstehen. Seine Mechaniker bereiten das Schiff vor, rüsten es mit einem kleinen Mast und Segel aus, und hängen einem Volvo Penta Aussenbord-Motor vom Typ Archimedes mit 36 PS an. Ausserdem wird im Achterschiff eine Art Kiste installiert, um Gepäck und Sprit stauen zu können. Schlafraum bestand für einen Mann unter dem Vordeck.

Das Boot wird per Frachter zum Startpunkt nach Dakar im Senegal verschifft, weil von dort die Strecke über den Atlantik nach Südamerika am kürzesten ist. Mangels Geld macht sich die Crew per erhobenem Daumen als Tramper auf den langen Weg nach Afrika.

Die Strecke über den Atlantik © Kulmala Die Strecke über den Atlantik © Kulmala

Tank Torpedos hinterher schleppen

Vor Ort müssen die Möchtegern-Abenteurer aber erkennen, dass ihr Plan, zusätzlichen Sprit in zwei nachgeschleppten Tanks zu transportieren, problematisch würde. Sie haben zwar ohnehin geplant, sich überwiegend von der Strömung und vom üblicherweise wehenden Ost-Passatwind schieben zu lassen. Doch es ist klar, dass das kleine Segel am Stummelmast nicht viel Vortrieb bringen wird. Andererseits wäre eine Überfahrt allein mit Sprit nicht zu schaffen. Das kleine Boot könnte das benötige Volumen nicht bewältigen.

So starten sie mit den zwei geschleppten Tank-Torpedos. Aber es dauert nicht lange, bis klar ist, dass die Behälter in den Wellen unterschneiden und schliesslich undicht werden. Sie drehen um, und installieren statt der Schlepptanks eine 200 Liter fassende Blech-Kapsel mittschiffs. Damit ist deutlich weniger Sprit an Bord, als ursprünglich vorgesehen.

Umso mehr müssen sich die Finnen auf den ohnehin gefassten Plan verlassen, den Motor-Antrieb nur zu nutzen, wenn sie grosse Schiffe erreichen konnten, die zufällig auf der Atlantik-Route ihren Weg kreuzten. Bei diesen Begegnungen wollen sie ihre Proviant- und Treibstoff-Vorräte auffüllen.

Hilfe vom Frachter

Eine ausgefeilte Strategie ist das nicht. Aber nach einigen Wochen auf See erwischten sie tatsächlich einen brasilianischen Frachter. Von dessen Besatzung erfahren sie auch ihre aktuelle Position, die sie offenbar per Sextant nicht so genau bestimmen können. Es ist eine grosse Enttäuschung, dass sie zu diesem Zeitpunkt erst 1000 Kilometer Strecke absolviert haben.

Versuch mit dem Sextanten die Position zu bestimmen © Kulmala Versuch mit dem Sextanten die Position zu bestimmen © Kulmala

Aber sie geben nicht auf und verabschieden sich wieder von den Brasilianern. Dabei macht ihnen extreme Hitze zu schaffen. Bis zu 40 Grad im Schatten sollen geherrscht haben. Sie versuchen sich mit Plastik-Helmen vor dem Sonnenbrand zu schützen und tauchen trotz grosser Angst vor Haien regelmässig ab ins Wasser. Doch die Haut wird an einigen Stellen wund und entzündet sich. Auf dem Wasser verläuft die Heilung nur langsam.
Dann ändert sich das Wetter. In einem heftigen Sturm kentert die Nussschale. Grosse Teile des Proviants gehen verloren. Mit letzter Kraft gelingt es, das Motorboot wieder in Schwimmlage zu bringen. Irgendwie schaffen sie es, den Aussenborder so zu bewegen, dass sie ihn als seitliches Gewicht zum Aufrichten nutzen können.

Kapitän will sie nicht weiter lassen

Wieder setzen sie den Weg fort, bis sie erneut in Schwierigkeiten. Völlig erschöpft und ausgehungert werden sie von einem norwegischen Frachter, der auf dem Weg in die USA ist, gerettet.

Aber die beiden Abenteurer haben immer noch nicht genug. Sie wollen den Atlantik unbedingt bezwingen. Nun ist der Kapitän des Frachters ein Problem. Er hat wenig Verständnis für den Leichtsinn der jungen Männer. Er fühlt sich für ihr Schicksal verantwortlich und will sie nicht ihren Weg fortsetzen lassen.

Mit Engelszungen reden die Finnen auf den Kapitän ein. Er solle ihrem Traum nicht im Weg stehen. Schliesslich lässt er sie frisch bestückt mit Proviant und Treibstoff ziehen. Sie schaffen es tatsächlich. Nach 47 Tagen erreichen Muraja und Kulmala mit ihrem kleinen Motorboot Georgetown in Britisch Guayana an der Nordküste von Südamerika.

Der Marino-Werftchef kann es kaum glauben, als die Extremisten wieder in seinem Büro stehen. Aber er hält Wort. Der Lohn für die lebensgefährliche Altantik-Überfahrt ist ein nagelneuer Mustang-Flitzer.

Autor

Carsten Kemmling

Geschrieben von

Segel-Journalist (segelreporter.com), Reporter, Match-Racer, Fahrtensegler.

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