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I Roboat

Autor: Michael Kunst
  

Die Vorstellung, dass uns hochentwickelte Maschinen eines Tages einen Grossteil unserer Arbeit abnehmen, fasziniert den Menschen seit Beginn des Technologiezeitalters. In Amsterdam sollen schon nächstes Jahr erste Roboterbooten zum Einsatz kommen – Beginn einer neuen Ära?

I Roboat

Viele Science Fiction-Autoren unterhalten mit dem Thema „Roboter“ seit mehr als 150 Jahren ihre Leser und auch in Filmproduktionen mit dem gewissen „Blick in die Zukunft“ zählt der Roboter seit jeher zur festen Besetzungsliste.

Heute ist der Roboter im gewissen Sinne längst „sozialer Partner“ des Menschen geworden, obwohl dies ein unnötig humanisierter Begriff ist: „Helfer“ reicht doch! Viele Aufgaben, wie etwa in der industriellen Fertigung, werden von zum Teil autonom agierenden Maschinen übernommen.

Moderne Roboter können bereits einen Hausputz erledigen, den Rasen mähen, Bomben entschärfen, Haushaltsgeräte ersetzen aber auch Drecksarbeiten erledigen, wie etwa kleinere Aufräumjobs im stark verstrahlten Fukushima-Reaktor.

Autonom auf den Grachten Amsterdams

Dass die Wassersportler bei der Entwicklung, vor allem aber beim erfolgreichen Einsatz von Robotern vergleichsweise sehr gute Fortschritte gemacht haben, wird schon seit einigen Jahren von vielen branchenfremden Technologen bestätigt. Vor allem der Umgang mit dem komplexen Prinzip des Segelns, unter Einbeziehung von Wetterdaten und Umgebungsparametern wie etwa Wellengang etc. wird als „fortgeschritten“ bezeichnet (siehe hierzu auch Kein Leben auf der MARS).

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Da erscheint es fast schon konsequent, bestimmt aber folgerichtig, dass in Zeiten, in denen grosse Automobil-Hersteller und Flugzeugbauer längst mit selbststeuernden, autonomen Fahrzeug- bzw. Flugrobotern experimentieren und diese bereits in vielen Bereichen einsetzen, dass auch zu Wasser endlich autonom arbeitende Roboter als „Helfer“ im menschlichen Alltag Einzug halten.

So soll das neue, in der Konzeption kürzlich vorgestellte „Roboat“ autonom Personen und Güter über die Wasserstrassen Amsterdams transportieren. Die Roboterboote werden mit „sauberen Elektromotoren“ angetrieben, wie das federführende Institut AMS (Amsterdam Institute for Advanced Metropolitain Solutions) mitteilte.

Auf den weltbekannten „Grachten“ der niederländischen Metropole sollen die autonom agierenden, mehr an Flösse und Pontons erinnernden Roboterboote schon in Kürze nicht nur als Transportmittel, sondern auch als „dynamische Infrastrukturmassnahme“ eingesetzt werden. Mobile Brücken oder Anlegestege können dann nach bestem (militärischen) Pionier-Vorbild in kurzer Zeit selbständig „gebaut“ werden.

Brücken bauen

So können beispielsweise mobile Brücken oder Anlegestege nach bestem militärischem „Pionier“-Vorbild in kurzer Zeit „selbständig“ zum Einsatz kommen bzw. durch mehrere der schwimmenden Roboter erst gebildet werden.

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Denkt man nur an Stadtfeste oder Festivals in Grossstädten, die von Wasserstrassen mehr oder weniger durchzogen sind, könnten je nach „Verkehrsaufkommen“ an strategisch richtigen Stellen in kürzester Zeit zusätzliche Brücken aus autonom agierenden Roboats entstehen, die so die „Personendichte“ merklich entlasten. Um nur ein Beispiel im infrastrukturellen Bereich zu nennen.

An dem 25-Millionen-Euro-Projekt beteiligen sich über einen Zeitraum von fünf Jahren das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit Know-how und 20 Millionen Euro sowie die technische Universität Delft, die Uni Wageningen und das erwähnte AMS. Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Prototypen ihr Können auf den Grachten von Amsterdam zeigen.

Die beteiligten Forscher versprechen sich von dem Projekt vor allem zukunftsweisende Erkenntnisse für die Infrastruktur in Schwellenländern und den Metropolen auf der ganzen Welt. Ein hoher Anteil aller Grossstädte liege an Wasserstrassen und Kanälen, wird das AMS weiter zitiert.

Bleiben wir beim Beispiel Amsterdam: Dort standen die Grachten früher im Mittelpunkt der Infrastruktur und hatten beispielsweise als Transportwege hohe Bedeutung, werden heute aber oft nur noch für touristische Zwecke genutzt.

Zudem seien weitere Einsatzmöglichkeiten denkbar: Die autonomen „Roboats“ können etwa über Sensoren wichtige Daten zur Vermeidung von Lärmbelästigung und zur Verbesserung der Wasserqualität sammeln. Treibender Müll könnte mit den Roboats „eingesammelt“ werden und durch häufige Wasserprobenentnahmen sogar Epidemien buchstäblich im Keim erstickt werden.

Den Müll sammelt der Roboter

Die am Projekt „Roboats“ beteiligten Forscher sind sich einig, dass Amsterdam, dessen Fläche immerhin zu 25 % aus Wasserstrassen, Kanälen und kleinen Seen besteht, der geeignete Ort für die Inbetriebnahme der autonomen Roboter ist. Hier können nahezu alle potentiellen Einsatzbereiche der Roboterboote getestet werden; auch die Sicherheitsbedenken einiger Kritiker des Projektes sind auf den Amsterdamer Wasserstrassen unter (fast) allen Umständen prüfbar.

Nirgendwo in Europa gibt es ein derart dicht befahrenes Wasserstrassennetz, höchstens in Venedig ist die Wasserstruktur ebenfalls seit Jahrhunderten konsequent auf den täglichen Nutzen der Stadtbewohner ausgerichtet. Entsprechend können die Roboats genau die Arbeiten autonom ausführen, die sowieso täglich (von Menschen) auf den Grachten durchgeführt werden müssen.

Damit ist etwa das Einsammeln und Auffischen von treibendem Müll gemeint, die erwähnten „spontan“ notwendigen Brücken- oder Anlegestegbauten und last not least das „Herumkutschieren“ kleiner Besuchergruppen. Die dann, ähnlich wie früher mit einem Skipper, etwa nur ein Fahrtziel, Zwischenstationen oder das Tempo angeben müssen, mit dem die anvisierte Strecke zu bewältigen ist.

Und apropos „Müll einsammeln“: In Amsterdam sucht man immer noch nach effizienten Möglichkeiten, wie man die etwa 14.000 Fahrräder die im Durchschnitt pro Jahr in den Grachten abtauchen und meistens auf Nimmerwiedersehen verschwinden, effizient und ohne grossen Manpower-Aufwand schon aus ökologischen Gründen wiederfinden könnte. Eine Aufgabe für Roboats, die sich unermüdlich Tag und Nacht, mit den entsprechenden Sensortechniken ausgestattet, auf die Suche nach den abgetauchten Drahteseln machen könnten…

In Zeiten, da selbst autonom fahrende Roboterautos und –lastwagen kaum noch jemand „hinterm Ofen vorlocken“, sind die „Roboats“ eigentlich nur die logische Fortführung dieser „Vision“ von den Maschinen, die uns und unsere Güter durch die Landschaften kutschieren sollen.
Wie weit sich Amsterdam unter sicherheitsrelevanten Aspekten tatsächlich für einen Ersteinsatz der Roboats eignet, sei allerdings dahingestellt. Denn die Grachten im „Venedig des Nordens“ gelten verkehrstechnisch als extrem überlastet. Und für viele kommerzielle und private Motorbootfahrer und Segler (die dann meistens auch unter Motor) wären diese, in ihrem „Verhalten“ schlecht einzuschätzenden Roboats, nichts anderes als unberechenbare Hindernisse.

Ein Aspekt, der sich nahtlos in die derzeit schwelende Diskussion rund um das Für und Wider von Roboterautomobilen einfügt.

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Autor

Michael Kunst

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Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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