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«Heronia» das Boot zum Mast und Kiel

Autor: Erdmann Braschos

Es ist interessant, was Yachtkonstrukteure für sich selbst entwerfen und segeln. Ihre Boote zeigen, was sie als schön und praktisch empfinden, wie die Architekten ticken: Zum Beispiel das 23m Familienboot «Heronia» von German Frers. Für dieses Boot gab es zunächst nur den Mast und den Kiel.

«Heronia» das Boot zum Mast und Kiel
Heronia am Wind© Fraser Yachts

Vor einer Weile besuchte ich den argentinischen Yachtkonstrukteur German Frers in Mailand. Als ich ihn zum Abschluss des Interviews fragte, was er selbst segele, druckste er herum. «Es ist so eine Art Patchworkboot und wird nicht fertig, weil ich keine Zeit habe, mich darum zu kümmern. Es begann damit, dass ich mal den 33 m Mast eines Maxi und den Kiel eines America’s Cup Zwölfers geschenkt bekam. Dazu habe ich mir dann ein Boot ausgedacht.» Ich versprach erst darüber zu schreiben, wenn Frers es verkauft hat. Er zeigte die Pläne einer eleganten Slup, dessen Deck von einem eckigen und flachen Aufbau überragt wird, wie ihn die Bootswelt von der Wally 77 «Genie of the Lamp», «Magic Carpet», «Askherout», «Slingshot» oder «Yam», der 104 füssigen «Mandrake» und «Rrose Selavy» kennt.

Wir hatten zuvor lange über Deckshäuser gesprochen und Frers hatte seine sogenannte Tischform, einen niedrigen kantigen Aufbau mit eingelassenem Fensterband, dessen Dach an den Ecken von Säulen gehalten wird, als sein Ideal beschrieben, das ihm am besten gefällt. Frers hatte diese Form Ende der Achtziger schon für den Aufbau von Giovanni Agnellis vielbeachteten 36 m Schlitten «Extra Beat» vorgesehen. Agnelli wollte aber ihn aber anders haben. Frers mag reduzierte, klare und schlichte Formen. Man kann es an vielen seiner Boote sehen.

Gae Aulenti Interieur Gae Aulenti Interieur © Fraser Yachts

Wie bei der letzten Generation der Amerika Pokal Zwölfer üblich sollte der Upside Down Kiel das Blei bei limitiertem Tiefgang unterbringen. «Der Rio de la Plata ist ein Flachwasserrevier, da gehen drei Meter Tiefgang gerade noch. Ich habe es in Feierabend-Arbeit, gewissermassen heimlich zuhause entworfen. Denn ich wollte keine Kommentare meiner Mitarbeiter. Gebaut wurde es in Argentinien bei der Werft Astilleros Sarmiento aus einer formverleimten Holz-Epoxid Schale mit Glasfaser-beschichteter Aussenhaut. «Am schwierigsten war der Ausbau des Bootes, den meine Frau und ich oft änderten», bis Frers die italienische Architektin Gae Aulenti fragte. Das Ergebnis ist ein von achtern bis zum Vorschiff offenes Interieur. Es ist in glänzend lackierter Kirsche mit weissen Deckenpaneelen und mattweiss gehaltener Wegerung ausgebaut. So stilvoll und praktisch richten Südländer ein Schiff fürs Bordleben bei hochsommerlichen Bedingungen ein.

Blick aus dem Vorschiff von Heronia Blick aus dem Vorschiff von Heronia © Fraser Yachts

Als Patriot nannte Frers sein Boot «Heroina» – nach der privaten Fregatte eines Landsmannes, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit kühnen Kaperfahrten die Falklandinseln für Argentinien beanspruchte. «Heroina» wurde von Buenos Aires zu den Balearen überführt, von wo die Familie Frers dann einige schöne Segelsommer rings um Korsika, Sardinien, auf dem thyrrenischen Meer und in der Ägäis an Bord verbrachte. «Ich habe mir Zeit gelassen mit «Heronia» und ich glaube, sie ist ganz schön geworden. Sie ist gewissermassen von selbst gereift» meinte Frers später bei einem zweiten Treffen mit dem für ihn typischen scheuen Lächeln.

Übersichtliches Deck Heronia Übersichtliches Deck Heronia © Fraser Yachts

Frers mag keine senkrechten Vorsteven. Das Deck seines Bootes ist abgesehen vom Aufbau flach und bietet Sicht nach vorn. Es endet über der Rundung eines klassisch positiv geneigten Yachthecks, wie es bei Fahrtenbooten praktisch ist, weil es ein Maximum an Decksfläche bietet. Ein schlichtes, ansehnliches Tourenboot für sportliches Segeln, mit Platz zum Legen der Segel oder Herumlungern an Deck. «Heroina» erhielt zugunsten der Formstabilität des Rumpfes und des Platzes an und unter Deck eine gewisse Breite. Die 14 t Blei standen in Gestalt des vorhandenen Kiels bereits von vornherein fest. Wie der Kiel greift das säbelartige Ruderblatt 3 Meter tief ins Wasser. Es ist ein modernes, leicht drehendes, säbelartiges Vollschweberuder.

Ein ansehnlicher Mix aus traditionellem Look und modernem Yachtbau, zusammengefügt mit der unaufgeregten stilistischen Raffinesse des argentinischen Ästheten. «Heroina» segelt heute an der amerikanischen Ostküste. Man findet die gestalterische Gelassenheit des Argentiniers bei den gediegenen Swan Yachten der angesehenen Nautor Werft, die auch gebraucht eine ausgezeichnete Wahl sind.

Frers an Bord von Heronia Frers an Bord von Heronia © German Frers

Heroina
Entwurf: German Frers (Buenos Aires/Mailand)
Werft: Astilleros Sarmiento (Argentinien)
Bau: 1989 bis 1994
Länge: 22,55m
Wasserlinie: 17,76m
Breite: 5,70m
Tiefgang: 3m
Verdrängung leer: 36t
Ballast: 14t
Segelfläche 223 qm
Maschine 163 PS Steyr
750 l Diesel
850 l Wasser

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Segeln

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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