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Webb Chiles: Zufrieden unterwegs

Autor: Erdmann Braschos

Der Amerikaner Webb Chiles kennt zwei Lebensweisen. Die Erwartung des richtigen Lebens und das Leben des richtigen Lebens. Für Chiles ist richtig Leben Segeln. Und zwar schön lange Seereisen. Deshalb ist er, von Pausen abgesehen, seit 1974 auf den Weltmeeren unterwegs. Mit gebrauchten, simplen und verblüffend kleinen Booten.

Webb Chiles: Zufrieden unterwegs
Webb Chiles auf hoher See© Webb Chiles

Er segelt nicht aus vorgeschobenen Gründen, nicht für andere, den Ruhm, Eitelkeit, die Nation, irgendwelche Sponsoren oder – wie neuerdings üblich – die Umwelt. Segeln ist für ihn die einzig sinnvolle Antwort auf die Frage, wie er Leben möchte. Im April 19 kehrte er von seiner sechsten Weltumseglung nach San Diego zurück. Es fiel ihm ziemlich schwer. Er war froh, den wochenlangen Schlag von Panama gegenan bei vorlichem Wind mit vielen Flauten geschafft zu haben. Wie seine melancholischen Youtube Videos kurz vor San Diego zeigen, war er sich darüber im Klaren, dass ein Lebensabschnitt, die Jahrzehnte des Hochseesegelns für ihn vorbei sind. Mit 77 schien es Zeit das amphibische Leben auf den Weltmeeren durch ein vom Alter erzwungenes Dasein an Land zu ersetzen.

Chiles blickt auf mehrere Beziehungen, einige Boote und etwa so viele Weltumseglungen zurück. Ein leichtfertiger Hallodri ist der Vagabund der Ozeane dennoch nicht. Dazu ist der Mann viel zu ernst.

Webb Chiles Weltumsegelungen Webb Chiles Weltumsegelungen © Webb Chiles

«Ich wuchs in einer Vorstadt von Saint Louis auf, wo es mir nicht gefiel» berichtet Webb Chiles auf seiner lesenswerten Webseite inthepresentsea.com und setzt fort: «Mark Twain, mein Kollege aus Missouri, meinte einmal, alle Abenteuer begönnen mit einem Buch und der Flucht von Zuhause. Mein Abenteuer begann ganz gewiss mit Büchern. Meine Frau Carol meint, ich würde immer noch von zuhause weglaufen. Das stimmt nicht. Denn die meiste Zeit meines Lebens als Erwachsener waren Boote mein Zuhause. Die Zeit, die ich an Land verbrachte, war ein Kompromiss, den ich gern zugunsten der Liebe eingegangen bin. Obwohl es mir wichtig war von Missouri fort zu sein, bedeutet mir Segeln aber noch mehr. Segeln ist Freiheit von den Einschränkungen, Vorschriften, Banalitäten, der allgegenwärtigen Hässlichkeit modernen Stadtlebens. Zwar lässt sich Schönheit auch in Städten finden, aber allein in flüchtig zu erblickenden Oasen zwischen Telegrafenmasten, Reklametafeln und reizlosen Gebäuden.»

1974 legt er mit Anfang Dreissig in San Diego in einem gebrauchten 10 ½ m Serienboot vom Typ Ericson 35 ab. Probleme mit dem Ruder erzwingen die Rückkehr. Ein Jahr später versucht er es wieder – und segelt einhand um Kap Hoorn, durch die Wasserwüste des Southern Ocean nach Auckland bis Papeete auf Tahiti – mit einem Riss im Unterwasserschiff. Dass mit einem kleineren Boot schöne Seereisen möglich sind beweisen die Törns, die er zunächst mit seiner dritten Frau an Bord eines offenen Drascombe Lugger in der Südsee unternimmt. Er hat die 300 Kg Jolle von San Diego dorthin alleine quer durch den meistens friedlichen Pazifik überführt.

Als sie aussteigt und nach Amerika zurückkehrt - niemand ist so genügsam und kaum eine Frau so minimalistisch wie Chiles - folgt er ihr auf eigenem Kiel. Einen Törn überlebt er während einer langen Drift neben seinem vollgeschlagenen Zuhause im Schlauchboot. Später segelt Chiles fünftausend Meilen mit seinem Bonsai-Zweimaster über den Indischen Ozean nach Afrika, später durch‘s Rote Meer und das Mittelmeer bis zu den Kanarischen Inseln. Chiles hat in Büchern wie «Storm Passage, Alone around Cape Hoorn», in «The Open Boat, Across the Pacific» oder in «The Ocean Waits» darüber berichtet.

Buchcover «The Open Boat, Across the Pacific» und «The Ocean Waits» Buchcover «The Open Boat, Across the Pacific» und «The Ocean Waits» © Webb Chiles

Während seiner vorerst letzten Seereise drückt er die Kamera am Heck seines flachbordigen 8 m Bootes zurecht, macht es sich auf einem umfunktionierten Sessel bei schöner Musik bequem und nimmt einen Schluck Wasser. Ein friedlicher Nachmittag irgendwo ganz weit draussen, wo die Welt eine mittelblaue Scheibe unter einem nurblauen Himmel ist.

Den Frühsommer verbrachte er mit seiner Frau Carol an Land. Neulich kehrte er wieder nach San Diego zurück um ein bisschen an seinem Zuhause, dem blauwassertauglichen 24 Fuss Daysailer zu arbeiten. Webb Chiles möchte nochmal ein paar Wochen auf der grossen blauen Scheibe mit Kurs Neuseeland zu verbringen. Er ist noch nicht ganz fertig mit dem richtigen Leben.

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Thema

Segeln

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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