Patrouillenboot, Hochsee-Fischer oder elegante Flybridge-Yacht: Rodman beherrscht mehrere Spielarten des Motorbootbaus. Die spanische Werft bringt dabei Erfahrungen aus dem professionellen Schiffbau mit – und genau das macht viele ihrer Freizeitboote bis heute unverwechselbar.
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Rodman
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Wer an spanische Motoryachten denkt, hat vielleicht zuerst mediterrane Marinas, Sonnenpolster und möglichst viel Platz für möglichst viele Gäste vor Augen. Bei Rodman führt diese Vorstellung ein wenig in die falsche Richtung. Die Werft aus Galicien baut zwar komfortable Freizeitboote und Flybridge-Yachten, ihre Wurzeln und ein wichtiger Teil ihrer heutigen Tätigkeit liegen aber im professionellen Schiffbau ausserhalb der Freizeitbranche. Das merkt man vielen Rodman-Modellen an. Sie wollen nicht nur im Hafen gut aussehen, sondern vor allem auf dem Wasser funktionieren. Fischer und Angler gehören deshalb ebenso zur traditionellen Kundschaft wie Skipper, die ein solides Fahrtenmotorboot suchen.
Wer steckt hinter Rodman?
Die Geschichte von Rodman beginnt 1974. Damals gründete der spanische Unternehmer Manuel Rodríguez das Unternehmen Rodman Construcciones Navales e Industriales. Der Standort passt: Rodman sitzt in Galicien an der Ría de Vigo, einer Region, in der Fischerei und Schiffbau seit Jahrhunderten zum Alltag gehören. Aus dem Unternehmen entwickelte sich die heutige Rodman-Gruppe mit unterschiedlichen Sparten. Neben Freizeitbooten entstehen beziehungsweise entstanden hier Patrouillen- und Arbeitsboote, Passagierkatamarane und andere Spezial-Boote und -Schiffe. Zur Gruppe gehört ausserdem Metalships & Docks in Vigo, eine auf grössere Stahl- und Aluminiumschiffe spezialisierte Werft. Rodman Polyships fertigt seine GFK-Boote in Meira bei Moaña. Das dortige Werftareal umfasst nach Angaben der Hafenbehörde von Vigo rund 105.000 Quadratmeter und verfügt über direkten Zugang zum Meer. Seit der Gründung wurden laut Rodman mehr als 15.000 Boote gebaut.
Vom Arbeitsboot zur Motoryacht
Die Verbindung von professionellem und privatem Bootsbau erklärt, warum Rodman lange hauptsächlich mit kräftig gebauten Angel- und Cruiser-Modellen bekannt wurde. Typisch waren und sind geschützte Steuerstände, breite Seitendecks, grosse Cockpits und Rumpfformen, für den eher unruhigen Atlantik. Rodman-Boote wirken sachlicher als manche klassische mediterrane Motoryacht – sie sind gerade deshalb erstaunlich zeitlos.
Rodman 1250: der Dauerläufer
Kaum ein Modell steht stärker für die Marke als die Rodman 1250. Der Fisher-Cruiser kam in den 1990er-Jahren auf den Markt und blieb über zwei Jahrzehnte in unterschiedlichen Versionen im Programm. Kennzeichnend sind der stark ausgestellte Bug, ein grosszügiges Achtercockpit und gut begehbare Seitendecks. Das Konzept war stark auf Hochseeangler zugeschnitten: Wer mit einem Fisch an der Leine um das Boot herum muss, lernt sichere Laufwege schnell zu schätzen. Beim Familien- und Fahrtenbetrieb sind sie ebenfalls kein Nachteil. Während der langen Bauzeit wurden Motorisierung, Innenausbau und Antriebskonzepte verändert. Der Rumpf erwies sich dagegen als ausgesprochen langlebig und bildete schliesslich die Grundlage für die modernere Rodman 1290 Evolution.
Evolution: alte Tugenden, moderner verpackt
Mit der Evolution-Reihe modernisierte Rodman seine traditionelle Fisher/Angler-Cruiser-Linie. Bewährte Rumpfkonzepte und die praktische Ausrichtung blieben, Fensterflächen, Innenräume, Deckslayout und Erscheinungsbild wurden zeitgemässer. Die Rodman 1090 Evolution misst mit integrierter Badeplattform 10,48 Meter bei 3,46 Meter Breite und wird mit zwei Dieselmotoren von jeweils 270 bis 300 PS angeboten. Darüber rangiert die 1290 Evolution, die wesentliche Merkmale des bewährten 1250-Rumpfes übernimmt. Zur Familie gehören ausserdem die stärker auf Sportfischer zugeschnittene 1290 Fisher Pro und die Rodman 33 Offshore. Letztere setzt auf Aussenbordmotorisierung und ein offeneres Deckskonzept.
Ventura: Aussenborder statt Maschinenraum
Mit den Ventura-Modellen bedient Rodman ein jüngeres, unkomplizierteres Konzept. Modelle wie die 690 Ventura CC, 790 Ventura CC oder die grössere 890 Ventura richten sich an Eigner, die Tages-, Freizeit- und Angelboot miteinander verbinden wollen. Bei den Center-Console-Versionen stehen freie Bewegungsflächen, ein zentraler Steuerstand und flexible Nutzungsmöglichkeiten stärker im Vordergrund als grosse Kabinen und aufwendiger Innenausbau.
Rodman Muse: Darf es etwas eleganter Sein?
Dass Rodman auch anders kann, zeigt die Muse-Reihe, die in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Fulvio De Simoni entstand. Mit ihr bewegte sich die Werft deutlich stärker in Richtung klassischer Flybridge- und Performance-Motoryacht. Die Muse 44 etwa bietet bei 13,60 Meter Gesamtlänge und 4,28 Meter Breite drei Kabinen und erreicht je nach Motorisierung Geschwindigkeiten um 30 Knoten.
Welche Rodman passt zu wem?
Wer viel angelt, ein grosses Arbeitscockpit schätzt oder auch bei schlechterem Wetter unterwegs sein möchte, dürfte bei den klassischen Fisher-Cruisern und heutigen Evolution-Modellen landen. Für Tagesfahrten und sportlichere Nutzung bieten sich Ventura und 33 Offshore an. Wer dagegen eine klassische Motoryacht mit mehreren Kabinen und Flybridge sucht, sollte sich die Muse-Baureihe ansehen. Auf dem Gebrauchtmarkt sind ausserdem ältere Rodman 800, 900, 1040, 1120 und 1250 interessant. Sie repräsentieren jene eher schnörkellose Epoche, die den Ruf der Werft wesentlich geprägt hat.
Rodman gebraucht kaufen
Bei gebrauchten Rodman-Motoryachten lohnt sich ein genauer Blick auf Baujahr und Ausführung. Einige Modelle wurden lange produziert und während ihrer Laufzeit verändert. Zwei Rodman 1250 können deshalb trotz gleicher Modellbezeichnung in Details deutlich voneinander abweichen.
Boote aus dem „Arbeiterviertel“
Rodman gehört zu jenen Werften, deren Herkunft man ihren Booten noch ansieht. Die galicischen Wurzeln, der professionelle Schiffbau und die jahrzehntelange Erfahrung mit Fisher-Cruisern haben eine Marke hervorgebracht, die lange eher mit Funktion als mit Glamour punktete. Heute reicht das Spektrum vom Aussenborder-Dayboat bis zur Flybridge-Motoryacht. Besonders die klassischen Fisher und ihre Evolution-Nachfolger zeigen aber weiterhin, woher Rodman kommt: vom Boot, das zuerst fahren und funktionieren muss – und danach hübsch aussehen darf.
Testberichte
Rodman Spirit 31 HT Outboard PDF 1.4 MB
marina.ch Ausgabe Oktober 2018
Rodman Ventura 890 PDF 1.5 MB
marina.ch Ausgabe August 2017
