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Sizilianische Familienboote mit Sinn fürs richtige Maß

Saver Logo

Open, Cabin oder Walkaround: Saver konzentriert sich seit Jahrzehnten auf kompakte GFK-Motorboote und bleibt damit meist knapp unter der magischen Zehn-Meter-Grenze. Mit der neuen 35 GT wird diese Prämisse etwas „gedehnt“ respektive pfiffig ausgelegt.

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Saver

Wer ausserhalb Italiens den Namen Saver noch nie gehört hat, befindet sich in guter Gesellschaft. Die sizilianische Werft gehört nicht zu den international omnipräsenten Yachtmarken, baut aber bereits seit 1986 Motorboote. Saver ist vor allem in Südeuropa etabliert und setzt auf Motorboot-Standards wie GFK-Rümpfe, Aussenbordmotoren, viel Nutz- und Wohnraum.

Eine sizilianische Familiengeschichte

Saver Imbarcazioni wurde 1986 in Piraino in der Provinz Messina gegründet. Initiator war Giuseppe Sorbera; später stiegen auch seine Kinder in das Unternehmen ein. Bis heute wird Saver als Familienbetrieb geführt. Einen wichtigen Wachstumsschritt machte die Werft 2002 mit dem neu bezogenen Produktionsstandort in Piraino. Dort stehen rund 6.000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung, einschliesslich eigener Tischlerei. Hinzu kommt ein etwa 4.000 Quadratmeter grosser Standort im benachbarten Gioiosa Marea, wo Rümpfe und GFK-Bauteile gefertigt werden. Saver blieb dabei ein Spezialist für vergleichsweise kompakte Motorboote.

Bloss nicht unnötig wachsen

Bemerkenswert ist die langjährige Konzentration auf Boote rund um und unter zehn Meter Zulassungslänge. Das hat in Italien einen handfesten Hintergrund: Bis zehn Meter Rumpflänge gelten Freizeitboote grundsätzlich als „natanti da diporto“ und unterliegen einfacheren Registrierungsregeln als grössere „imbarcazioni da diporto“. Saver nutzt diese Grenze konsequent aus. Das Programm reicht von kleinen offenen Booten über Cabin-Cruiser bis zu stattlichen Walkarounds. Dabei geht es weniger um spektakuläres Design als darum, möglichst viel Cockpit, Sonnenliege, Stauraum und bei den grösseren Modellen auch Übernachtungskomfort auf überschaubaren Abmessungen unterzubringen.

Open: unkompliziert aufs Wasser

Den Einstieg bilden die Open-Modelle. Die Saver 520 Open ist etwas über fünf Meter lang; darüber folgen grössere Varianten wie die 585 Open und die 19 Open. Das Konzept ist klassisch mediterran: offenes Cockpit, zentrale beziehungsweise geschützte Steuerposition, Sitzgelegenheiten und Sonnenflächen – ohne unnötig viel Boot drumherum. Damit eignen sich diese Saver vor allem für Tagesfahrten, Badeausflüge und küstennahes Cruisen. Aussenborder vereinfachen Antrieb und Wartung und halten im Boot selbst Platz frei.

Walkaround: vom Dayboat zum Cruiser

Deutlich umfangreicher ist die Walkaround-Reihe. Hier reicht das Angebot von kompakten Modellen bis zur Saver 330 Walkaround, die lange das Flaggschiff der Werft war. Nomen est omen: Seitliche Laufwege, grosszügige Sonnenflächen im Bug und ein Cockpit, das sich je nach Bedarf zum Essen, Sitzen oder Sonnen eignet, laden auch zum „Herumlaufen“ ein. Bei grösseren Modellen kommt unter Deck erstaunlich viel Wohnraum hinzu. Die 750 Walkaround misst 7,75 Meter bei 2,55 Meter Breite und kann mit zwei Aussenbordern à 175 PS ausgerüstet werden. Unter Deck gibt es eine zur Doppelkoje umbaubare Dinette und einen separaten Toilettenraum. Die 330 Walkaround geht deutlich weiter. Bei 9,96 Meter Länge und drei Meter Breite bietet sie zwei Schlafbereiche, Pantry und Bad. Bis zu zweimal 400 PS hängen am Heck; zugelassen ist sie für zwölf Personen. Damit wird aus dem klassischen Dayboat bereits ein kleiner Cruiser.

Cabin: ein Dach über dem Kopf

Wer mehr Wetterschutz bevorzugt, findet bei Saver die Cabin-Reihe. Modelle wie die 690 Cabin Sport, 750 Cabin oder 870 Cabin verbinden geschlossenere Aufbauten mit den für die Marke typischen kompakten Abmessungen.

Saver 35 GT: zehn Meter – also doch?

Mit der Saver 35 GT schlägt die Werft aktuell ein neues Kapitel auf. Sie ist das neue Flaggschiff und zugleich Auftakt einer GT-Linie. Interessant sind dabei schon die Masse: Die offizielle Zulassungslänge beträgt 9,98 Meter, über alles misst die 35 GT jedoch stolze 11,66 Meter. Bei 3,50 Meter Breite bietet sie eine Bugkabine mit Doppelbett, eine zweite Schlafkabine achtern, Pantry und separates Bad. Im Cockpit befinden sich L-Sofa, wandelbarer Tisch und Aussenküchenoption. Bei der Motorisierung wird endgültig klar, dass Saver hier nicht mehr im Kleinbootrevier unterwegs ist: Empfohlen werden zwei 350-PS-Aussenborder, maximal sind zweimal 600 PS möglich.

Saver-Boote gebraucht kaufen

Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich vor allem Saver Open, Cabin und Walkaround aus unterschiedlichen Generationen. Neben dem allgemeinen Zustand von Rumpf, Deck und Einbauten sollte besonderes Augenmerk auf die Aussenborder gelegt werden. Betriebsstunden, Wartungshistorie, Korrosion und Kühlsystem können für die Folgekosten entscheidender sein als ein glänzendes Gelcoat. Da Saver ausserhalb Südeuropas weniger bekannt ist als manche internationale Grossserienmarke, lohnt ausserdem ein Blick auf Händler- und Servicenetz am künftigen Liegeplatz.

Sizilianische Massarbeit

Saver ist keine Werft für Eigner, die möglichst viele Meter Boot vor dem Steg präsentieren wollen. Seit vier Jahrzehnten verfolgt der Familienbetrieb eher das Gegenteil: Auf überschaubarer Länge soll möglichst viel nutzbares Motorboot entstehen. Von der kleinen Open bis zum ausgewachsenen Walkaround funktioniert dieses Rezept erstaunlich konsequent. Und die neue 35 GT? Nun, es gibt immer ausnahmen von der Regel!