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Grosse Helden auf kleinen Booten (Teil 2)

Autor: Michael Kunst

Die Skipper der Mini 6.50 und ihre legendäre Regatta Mini Transat sind die wahren Sympathieträger des Regattasports.

Grosse Helden auf kleinen Booten (Teil 2)
© Classe Mini

Tollkühne Segler, fliegende Kisten

Doch was macht denn nun den Charme der Mini 6.50 aus? Stimmt – es sind die „tollkühnen Seglerinnen und Segler in ihren fliegenden Kisten“, die mit ihren Abenteuern an Bord für den Stoff sorgen, aus dem Träume gemacht und Legenden gebildet werden. Und dabei geht es seit jeher um das hehre Ziel eines jeden engagierten Mini-Seglers: Die Minitransat – die mythische Regatta der kleinen Boote über den grossen Teich.

  • Bereits 1977 wurde die MiniTransat von dem Briten Bob Salmon ins Leben gerufen; damals gab es noch keine Klasse im eigentlichen Sinne, die Boote durften lediglich eine Maximallänge von 6.50 m nicht überschreiten. So kam es etwa, dass der Deutsche Wolfgang Quix auf einer Waarship 5.70 mitsegelte. Die erste Etappe, die damals schon zu den kanarischen Inseln führte, war für die 24 Einhandsegler noch eine reine Überbringer-Strecke – regattiert wurde erst ab Teneriffa. Was sich jedoch schon bei der nächsten Ausgabe ändern sollte… Übrigens mussten die schnellsten Segler im Ziel auf den Organisator des Rennens noch warten – er segelte selbst mit. Ein Belgier verschwand spurlos während der Atlantiketappe.

  • Zwei Jahre später, die MiniTransat wird seither immer in ungeraden Jahren gesegelt, siegte bereits der erste Protoyp, der speziell für diese Regatta konzipiert wurde. Der Amerikaner Norton Smith hatte u.a. die Möglichkeit, zwei Vorsegel gleichzeitig im Passatwind auszubaumen; sein Boot war das erste mit Wasserballast. Und das erste mit namhaftem Sponsor: American Express!

  • Die Ausgabe 1981 war geprägt von dramatischen Wetterverhältnissen. Ein Mini-Segler verlor noch vor dem Start im Englischen Kanal in einem Sturm sein Leben, zwei weitere versenkten später im Hurrikan „Irene“ ihre Minis, konnten aber gerettet werden. 14 Segler mussten Corogne als Nothafen anlaufen. Zwei Tage nach dem Start auf den Kanarischen Inseln sank der Mini des Kanadiers Steven Callahan. Er trieb danach sagenhafte 76 Tage auf seiner Rettungsinsel quer über den Atlantik, bis er vor den Westindischen Inseln gerettet wird.
  • 1983 öffnet sich die Transat erstmals für Zwei-Personen-Teams, die ein Drittel der Flotte und prompt das zweitplatzierte Schiff stellen.

  • 1985 geht die Regatta in französische Hände über – Bob Salmon wollte lieber segeln als organisieren. Yves Parlier gewinnt auf einem selbst gebauten Proto aus Karbon – trotz 16 Stunden Strafe wegen Abkürzung in der Biskaya.

  • 1987 kommt sensationell die Französin Isabell Autissier als Erste vor den Kanarischen Inseln an, findet aber die Ziellinie nicht und wird von einem Schweizer Zweihand-Team überholt. Ein weiterer Schweizer – der spätere Katamaran-Spezialist Laurent Bourgnon aus Genf – siegt auf der langen Etappe und wird Gesamtzweiter.

  • 1991 schlagen die Wettergötter wieder grausam zu: Die beiden Franzosen Marie Agnes Peron und Philippe Graber verschwinden spurlos in der Biskaya. Ein gewisser Michel Desjoyeaux gewinnt die zweite Etappe auf dem ersten Prototypen mit Schwenkkiel!

  • 1993 musste die erste Etappe neutralisiert werden, weil ein Sturm die Biskaya zum Hexenkessel machte.

  • 1995 siegt Yvan Bourgnon, Bruder von Laurent und setzt endgültig Schweizer Akzente in diesem Rennen.

  • 1999 sind unglaubliche 70 Boote am Start, Grund genug für die Organisatoren, Qualifikationskriterien einzuführen, die auch heute noch erfüllt werden müssen: Teilnahme an mehreren Mini-Regatten im Vorfeld und eine 1.000sm-Strecke einhand nonstop. Hürden, an denen bis heute über Hundert Segler scheiterten…

Serien-Skipper: Schweizer sind Referenz

Die MiniTransat wurde über die Jahre hinweg zu einer der wichtigsten, aber auch verlässlichsten Offshore-Regatten überhaupt. Sie bot (späteren) Segelgrössen wie Parlier, Bestaveen, Desjoyeaux, Bourgnon aber auch Isabelle Autissier und last not least Ellen MacArthur eine Spielwiese, auf der sie sich als „Youngster“ austoben und Erfahrung sammeln konnten.

Doch nicht alles in der Mini 6.50-Szene ist auf die MiniTransat ausgerichtet. Immer mehr Regatten, mit teils über 100 Teilnehmern, finden vor allem vor den französischen, britischen aber auch italienischen Küsten statt – die Italiener sind übrigens drauf und dran, sich als die zweitstärkste Nation unter allen Mini-Seglern zu etablieren.

Die Schweizer „Ministen“ sind dagegen nicht gerade zahlreich vertreten, halten dafür aber die qualitative Flagge hoch, legen sie sogar auf eine sehr hohe Messlatte. Denn nach den erwähnten Erfolgen der Bourgnon-Brüder, nach einem Mini-Intermezzo des Open-60-Stars Bernhard Stamm mischen derzeit zwei eidgenössische Segler die Klasse auf: Justine Mettraux und Simon Koster. Beide sind in Serien-Minis unterwegs und führen auf den Plätzen 2 und 3 heute die Rangliste mit an.

Der 28jährigen Justine wird übrigens zugetraut, die diesjährige MiniTransat als erste Frau überhaupt zu gewinnen. Zu bestechend ist ihre seglerische Performance – ihr „Biss“ auch in schwierigen Situationen bereits legendär!

Wer also in den nächsten Tagen zum 471. Mal auf den America’s Cup angesprochen wird und deshalb vielleicht schon leicht genervt ist, der hat ab dem 13. Oktober eine passende Antwort parat: MiniTransat auf Mini 6.50. Cooler geht’s gar nimmermehr!

Thema

Segeln

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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