Umwelt- und Meeresschutz11 min Lesezeit
Hurrikane im Mittelmeer? – Was hinter Medicanes steckt
Medicanes sehen aus wie kleine Hurrikane, können Sturm, extreme Regenfälle und hohe See bringen!

Medicanes sehen aus wie kleine Hurrikane und können mitten im Mittelmeer entstehen – dort, wo Tausende Yachten unterwegs sind. Was steckt hinter den seltenen Wirbelstürmen, und werden sie durch den Klimawandel gefährlicher?
Von Michael Kunst
Das erwartet Sie in diesem Artikel
- Was ein Medicane ist – und warum er kein kleiner Hurrikan ist.
- Welche meteorologischen Bedingungen einen Medicane entstehen lassen.
- Was Ianos, Qendresa und Daniel so aussergewöhnlich machte.
- Warum Medicanes für Segler und Motorbootfahrer gefährlich werden können.
- Weshalb ein wärmeres Mittelmeer nicht automatisch mehr, aber möglicherweise stärkere Medicanes bedeutet.
Es ist eine jener Satellitenaufnahmen, bei denen man für einen Moment glaubt, sich im Ozean geirrt zu haben. Wolkenbänder drehen sich um ein fast wolkenfreies Zentrum, in der Mitte zeichnet sich etwas ab, das verdächtig nach dem Auge eines tropischen Wirbelsturms aussieht. Florida? Karibik? Golf von Mexiko? Nein – Mittelmeer! Was dort zwischen Italien, Griechenland, Malta und Nordafrika gelegentlich entsteht, trägt einen Namen, der ein wenig nach sprachlicher Bastelstunde klingt: Medicane. Zusammengesetzt aus Mediterranean und Hurricane. Und tatsächlich können diese Wirbelstürme auf Satellitenbildern aussehen wie die kleineren Geschwister tropischer Hurrikane. Nur: sie sind eben keine Hurrikane. Meteorologisch gehören Medicanes zu den interessantesten Zutaten der europäischen Wetterküche. Sie besitzen Eigenschaften tropischer Wirbelstürme, entstehen jedoch unter Bedingungen, die sich teilweise erheblich von denen eines klassischen Hurrikans unterscheiden. Und sie können genau dort ohne lange Vorwarnzeiten auftreten, wo im Spätsommer noch Tausende Segel- und Motorboote unterwegs sind.
Was ist eigentlich ein Medicane?
Auch die Wissenschaft hat erstaunlich lange darum gerungen, was genau unter einem Medicane (Glossar siehe unten) zu verstehen ist. Erst 2025 legte eine internationale Forschergruppe im Bulletin of the American Meteorological Society einen Vorschlag für eine einheitliche Definition vor. Demnach ist ein Medicane ein mesoskaliger Zyklon (ein räumlich begrenztes, rotierendes Tiefdrucksystem), der sich über dem Mittelmeer entwickelt und typische Merkmale tropischer Wirbelstürme zeigt: Einen bis in die obere Troposphäre reichenden warmen Kern, ein augenähnliches Zentrum mit spiralförmigen Wolkenbändern sowie eine nahezu symmetrische Windzirkulation um ein vergleichsweise windarmes Zentrum. Damit unterscheidet sich ein Medicane von den wesentlich häufigeren normalen Mittelmeertiefs.
Die Dimensionen eines Medicanes sind andere als bei einem ausgewachsenen Hurrikan. Atlantische tropische Wirbelstürme können Durchmesser von mehreren hundert bis weit über tausend Kilometern erreichen. Medicanes sind erheblich kompakter. Gerade diese geringe Grösse macht ihre Vorhersage allerdings nicht unbedingt einfacher. Denn sie entstehen selten: Je nachdem, welche wissenschaftlichen Kriterien zur Identifikation verwendet werden, kommen Studien auf ungefähr ein bis anderthalb Ereignisse pro Jahr im langjährigen Mittel. In manchen Jahren gibt es keinen einzigen, in anderen mehrere. Eine Untersuchung (AGU Journals) von 15 ausgewählten mediterranen Tropical-Like Cyclones spricht von durchschnittlich etwa 1,5 Ereignissen jährlich.
Warum ein Medicane kein kleiner Hurrikan ist
Ein klassischer tropischer Hurrikan ist im Wesentlichen eine gewaltige Wärmekraftmaschine.
Über sehr warmem Ozeanwasser verdunstet enorm viel Wasser. Feuchtwarme Luft steigt auf, Wasserdampf kondensiert, dabei wird latente Wärme frei. Der Luftdruck sinkt, weitere feuchte Luft strömt nach. Unter günstigen Bedingungen organisiert sich daraus ein rotierendes System mit warmem Kern. Geringe vertikale Windscherung sorgt dafür, dass diese Struktur nicht auseinandergerissen wird. Für tropische Wirbelstürme gilt eine Meeresoberflächentemperatur von ungefähr 26 bis 27 Grad Celsius häufig als günstiger Richtwert. Und genau hier wird es im Mittelmeer interessant! Denn Medicanes können auch bei niedrigeren Wassertemperaturen entstehen. Der entscheidende Punkt ist nicht allein, wie warm das Wasser ist, sondern wie gross der Temperaturunterschied zwischen Meer und darüberliegender Atmosphäre ausfällt.
Das Grundprinzip kennt jeder Segler von der Thermik: Relativ warme Luft steigt in einer kälteren Umgebung auf. Dringt in grosser Höhe sehr kalte Luft über vergleichsweise warmes Mittelmeerwasser, wird die Atmosphäre instabil. Feuchte Luft steigt auf, Gewitter entstehen, bei der Kondensation wird zusätzlich Wärme freigesetzt. Ein zunächst klassisches, aussertropisches Tief kann unter günstigen Umständen tropenähnliche Eigenschaften entwickeln. Medicanes sind deshalb meteorologische Mischwesen. Viele beginnen ihr Leben eher wie ein europäisches Tiefdruckgebiet und entwickeln erst später jene warmkernige, annähernd symmetrische Struktur, die sie einem tropischen Wirbelsturm ähnlich macht. Oder, weniger meteorologisch ausgedrückt: Ein Medicane wird nicht unbedingt als Medicane geboren. Er kann sich dazu entwickeln.
Wenn aus einem Tief plötzlich ein Wirbel wird
Damit das geschieht, müssen mehrere Zutaten einigermassen passend zusammenkommen. Zunächst braucht es ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet oder eine Störung in höheren Luftschichten. Häufig spielt ein sogenanntes Cut-off Low eine Rolle – ein von der grossräumigen Westwindströmung abgeschnürtes Höhentief mit kalter Luft. Darunter liegt das vergleichsweise warme Mittelmeer – der grosse Temperaturunterschied fördert kräftige Konvektion, also das Aufsteigen warmer, feuchter Luftmassen. Gewitterzellen entstehen und setzen bei der Kondensation enorme Energiemengen frei. Gleichzeitig darf die vertikale Windscherung nicht zu stark sein. Wehen die Winde in verschiedenen Höhen mit stark unterschiedlicher Geschwindigkeit oder Richtung, wird der sich organisierende Wirbel gewissermassen auseinandergezogen.
Stimmen die Bedingungen, kann sich die Konvektion immer symmetrischer um das Tiefdruckzentrum anordnen. Der Kern erwärmt sich und spiralige Wolkenbänder entstehen. Manchmal öffnet sich sogar ein deutlich sichtbares Auge. Das ist der Moment, wenn das System auf Satellitenbildern verblüffend tropisch aussieht. Genau diese Mischung erklärt auch, warum die Gleichung „warmes Mittelmeer = Medicane“ falsch wäre. Die Meeresoberflächentemperatur ist wichtig, aber sie ist nur eine Zutat unter mehreren. Eine 2024 veröffentlichte Studie des italienischen CNR (Consiglio Nazionale delle Ricerche, Nationaler Forschungsrat Italiens) untersuchte 15 Ereignisse aus vier Jahrzehnten. Das Ergebnis war differenziert: Zu Beginn der meisten Systeme fanden die Forschenden keineswegs aussergewöhnlich hohe Wassertemperaturanomalien. Bei der Intensivierung besonders starker Medicanes spielte warmes Oberflächenwasser dagegen eine erkennbare Rolle.
Ianos: als das Ionische Meer zur Wetterküche wurde
Wie ernst das werden kann, zeigte im September 2020 „Ianos“. Das System entstand Mitte September über dem zentralen Mittelmeer und entwickelte zunehmend tropische Eigenschaften. Am 17. September erreichte es Griechenland. Besonders betroffen waren die Ionischen Inseln und anschliessend Teile des griechischen Festlands. Auf Kefalonia fielen innerhalb von 48 Stunden bis zu 769 Liter Regen pro Quadratmeter – rund 95 Prozent dessen, was an der Wetterstation Argostoli normalerweise in einem ganzen Jahr fällt. In Thessalien lösten die Niederschläge Überschwemmungen, Erdrutsche und Muren aus; Strassen und Brücken wurden beschädigt.
Auch meteorologisch wurde Ianos zum Forschungsobjekt. In Simulationen veränderten Wissenschaftler die Meeresoberflächentemperatur künstlich um ein oder zwei Grad nach oben und unten. Bei zwei Grad wärmerem Wasser stieg der mittlere Energiefluss vom Meer in die Atmosphäre erheblich; Windgeschwindigkeit und Niederschlag nahmen in den Simulationen ebenfalls zu. Zwei Grad kühleres Wasser bewirkten das Gegenteil. Das ist nun kein Beweis dafür, dass Ianos „durch den Klimawandel verursacht“ wurde. Es zeigt aber ziemlich eindrucksvoll, wie empfindlich ein bereits entstandenes System auf die Temperatur des Meeres reagieren kann.
Qendresa: 984 Hektopascal über Malta
Ein weiteres Lehrbuchbeispiel lieferte Qendresa im November 2014. Der Wirbel entwickelte sich südlich von Sizilien, zog über Malta und erreichte anschliessend Ostsizilien. Auf Malta wurde ein minimaler Luftdruck von 984 Hektopascal gemessen; auf Lampedusa erreichten die anhaltenden Winde 23,7 Meter pro Sekunde, rund 46 Knoten. Bemerkenswert war auch hier das Meer: Entlang der Zugbahn lagen die Oberflächentemperaturen teilweise ein bis 2,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Für einen Segler sind 46 Knoten Wind zwar ausgesprochen harte Bedingungen, jedoch noch kein exotisches, meteorologisches Ereignis. Solche Windstärken erlebt man auch bei einem kräftigen Mistral oder einer ausgewachsenen Bora. Nein, der Unterschied liegt in der Kombination. Bei einem Medicane können extreme Niederschläge, rasch wechselnde Windrichtungen, Sturmflut, hohe See und ein kompakter rotierender Sturm gleichzeitig auftreten. Die Windrichtung hängt zudem entscheidend davon ab, auf welcher Seite des Zentrums sich das Boot befindet. Das macht die Sache auf See ausgesprochen ungemütlich.
Daniel – die Katastrophe von 2023
Und dann war da Daniel. Im September 2023 wütete zunächst ein mediterraner Zyklon, der Griechenland, Bulgarien und die Türkei mit extremen Niederschlägen traf. Anschliessend zog das System über das ungewöhnlich warme Mittelmeer und entwickelte tropenähnliche Eigenschaften.
Spätestens vor der libyschen Küste wurde Daniel von Forschenden als Medicane eingestuft. Der ECMWF (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen) rekonstruierte ein achttägiges Wettersystem, das sechs Tage über dem Mittelmeer verbrachte. Beim späteren Abschnitt vor beziehungsweise über Libyen erreichte Daniel seine ausgeprägte tropenähnliche Struktur. Die Folgen in Libyen waren katastrophal. Extreme Niederschläge liessen bei Derna zwei Dämme brechen; die Flut zerstörte grosse Teile der Stadt und forderte Tausende Menschenleben.
Gerade Daniel zeigt allerdings auch, warum man mit dem Etikett Medicane vorsichtig umgehen sollte.Denn die verheerenden Niederschläge in Griechenland ereigneten sich bereits, als Daniel noch ein intensiver mediterraner Zyklon war. Erst später entwickelte sich das System stärker in Richtung eines tropenähnlichen Wirbels. Die Katastrophe war also nicht einfach das Ergebnis eines „Mittelmeer-Hurrikans“, sondern einer ungewöhnlich langlebigen und komplexen Wetterlage. Eine 2025 veröffentlichte wissenschaftliche Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die grossräumige atmosphärische Zirkulation der entscheidende Motor war. Gleichzeitig lieferte das ungewöhnlich warme Mittelmeer zusätzliche Feuchtigkeit und dürfte die Intensivierung unterstützt haben.
Was bedeutet das für Wassersportler?
Für die Sportschifffahrt steckt darin eine unangenehme Besonderheit. Ein Atlantik-Hurrikan wird oft über Tage verfolgt. Seine Zugbahn wird von spezialisierten Wetterdiensten beobachtet, regelmässig aktualisiert und mit Wahrscheinlichkeitskorridoren versehen. Wer mit einer Fahrtenyacht im Atlantik oder in der Karibik unterwegs ist, kennt die entsprechenden Warnsysteme. Medicanes dagegen sind kleiner und können sich aus zunächst vertraut wirkenden Mittelmeertiefs entwickeln. Das bedeutet nicht, dass sie plötzlich aus heiterem Himmel auftauchen. Moderne Wettermodelle und Satelliten erfassen die zugrunde liegenden Tiefdruckentwicklungen selbstverständlich. Schwieriger ist vielmehr die exakte Prognose, ob, wann und wie stark ein solches Tief tropische Eigenschaften entwickelt und wo (!) sein kleines Sturmzentrum entlangzieht. Für eine Yacht können wenige Dutzend Seemeilen einen erheblichen Unterschied machen. Hinzu kommt die Küstengeografie des Mittelmeers. Hohe Gebirge reichen vielerorts unmittelbar bis ans Meer – Starkregen wird dadurch verstärkt. Sturm erzeugt kurzen, steilen Seegang, und bei ungünstiger Windrichtung können selbst vermeintlich sichere Liegeplätze plötzlich ziemlich unsicher werden. Der wichtigste Rat für Skipper ist deshalb geradezu lapidar: Ein intensives Mittelmeertief im Herbst nicht deshalb unterschätzen, weil im Wetterbericht nirgendwo das Wort „Hurrikan“ steht.
Wird das Mittelmeer zur neuen Karibik?
An dieser Frage wird aus dem Interesse letztlich noch Spannung. Das Mittelmeer erwärmt sich, Marine Hitzewellen nehmen zu. Und diese Medicanes beziehen einen Teil ihrer Energie aus dem Meer. Also müsste es künftig immer mehr Medicanes geben! Klingt logisch, ist nach heutigem Forschungsstand aber wahrscheinlich falsch. Der IPCC (Weltklimarat der Vereinten Nationen) fasst die Modellprojektionen vielmehr so zusammen: Die Häufigkeit von Medicanes dürfte im Zuge des Klimawandels eher ab-, ihre maximale Intensität dagegen zunehmen. Für einen bereits beobachtbaren langfristigen Trend reicht die Datenlage bislang nicht aus. Eine grosse 2025 erschienene Übersichtsarbeit in Reviews of Geophysics kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Klimamodelle weisen tendenziell auf weniger mediterrane Zyklonen und Medicanes hin, zugleich können die verbleibenden tropenähnlichen Systeme intensiver, langlebiger und potenziell zerstörerischer werden. Die Unsicherheiten bleiben allerdings. Das scheinbare Paradox hat einen Grund: Klimawandel verändert nicht nur die Wassertemperatur. Er verändert zugleich atmosphärische Zirkulation, Temperaturgradienten, Stabilität, Feuchtigkeit und Windscherung. Manche dieser Veränderungen fördern bestimmte Entwicklungsphasen eines Medicane, andere können seine Entstehung erschweren.
Wenn das Meer selbst zur Energiereserve wird
Hier treffen Medicanes und marine Hitzewellen aufeinander: Aussergewöhnlich warmes Mittelmeerwasser kann einem geeigneten Wettersystem zusätzliche Energie und Feuchtigkeit liefern und damit seine Intensivierung begünstigen. Untersuchungen von Ianos, Zorbas und Apollo zeigen solche Zusammenhänge – eine marine Hitzewelle erzeugt also keinen Medicane, kann aber gewissermassen dessen Energietank vergrössern.
Ein Medicane bleibt dennoch kein kleiner Hurrikan, sondern ein eigenständiges mediterranes Wetterphänomen mit tropischen und aussertropischen Eigenschaften. Für Segler ist die wichtigste Erkenntnis deshalb weniger exotisch als der Name Medicane.
Ein warmes Mittelmeer ist keine Karibik. Und es wird nach heutigem Forschungsstand auch nicht einfach zu einer werden. Doch das Meer verändert sich – und mit ihm verändern sich die Bedingungen, unter denen extreme Wetterereignisse entstehen.Vielleicht werden Medicanes künftig seltener, sie könnten allerdings kräftiger werden. Und das ist für alle, die ihre Boote und Yachten gerne im Mittelmeer bewegen, vermutlich der wichtigere Teil dieser Prognose.
Glossar: Die wichtigsten Begriffe zum Medicane
Atmosphärische Zirkulation
Grossräumige Bewegung und Verteilung von Luftmassen in der Atmosphäre. Sie bestimmt wesentlich, wo Hoch- und Tiefdruckgebiete entstehen und entlang welcher Bahnen sie ziehen.
Aussertropisches Tief
Tiefdruckgebiet der mittleren Breiten, das seine Energie vorwiegend aus Temperaturunterschieden zwischen verschiedenen Luftmassen bezieht.
Cut-off Low/Höhentief
Von der grossräumigen Höhenströmung abgeschnürtes Tief mit kalter Luft in höheren Atmosphärenschichten. Kann die Entstehung kräftiger Gewitter und Medicanes begünstigen.
Energiefluss
Übertragung von Wärme und Feuchtigkeit vom Meer in die Atmosphäre. Je grösser der Temperaturunterschied zwischen Wasser und darüberliegender Luft, desto intensiver kann dieser Austausch ausfallen.
Hektopascal (hPa)
Masseinheit des Luftdrucks. Der mittlere Luftdruck auf Meereshöhe beträgt etwa 1013 hPa; deutlich niedrigere Werte kennzeichnen kräftige Tiefdruckgebiete.
Kondensation
Übergang von Wasserdampf zu flüssigem Wasser, etwa bei der Wolkenbildung. Dabei wird Wärme an die Umgebungsluft abgegeben.
Konvektion
Vertikale Bewegung erwärmter, feuchter Luft. Sie steigt auf, kühlt dabei ab und kann Wolken, Gewitter und starke Niederschläge erzeugen.
Latente Wärme
Energie, die bei einem Phasenwechsel von Wasser aufgenommen oder freigesetzt wird. Kondensiert Wasserdampf zu Wassertröpfchen, wird Wärme an die Atmosphäre abgegeben – ein wichtiger Energielieferant tropischer Wirbelstürme und Medicanes.
Marine Hitzewelle / Marine Heatwave
Ungewöhnlich lange Phase stark erhöhter Meerestemperaturen. Wissenschaftlich meist als mindestens fünf Tage andauernde Überschreitung eines jahreszeitlich und regional definierten Temperatur-Schwellenwertes bezeichnet.
Medicane
Kurzform aus Mediterranean und Hurricane. Seltener Mittelmeerzyklon mit Eigenschaften tropischer Wirbelstürme, etwa warmem Kern, annähernd symmetrischer Zirkulation und teilweise einem augenähnlichen Zentrum.
Meeresoberflächentemperatur SST
Temperatur der obersten Wasserschicht; international als Sea Surface Temperature bezeichnet. Sie beeinflusst den Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch zwischen Meer und Atmosphäre.
Mesoskala / mesoskalig
Meteorologische Grössenordnung zwischen sehr kleinräumigen Wettererscheinungen und grossräumigen Hoch- und Tiefdrucksystemen. Ein mesoskaliger Zyklon ist entsprechend ein räumlich begrenztes, rotierendes Tiefdrucksystem.
Orografische Verstärkung
Verstärkung von Niederschlägen durch Gebirge: Feuchte Luft wird zum Aufsteigen gezwungen, kühlt ab und bildet verstärkt Wolken und Niederschlag.
Sturmflut
Durch starken Wind und niedrigen Luftdruck verursachter aussergewöhnlicher Anstieg des Wasserstands an einer Küste. Im Mittelmeer meist kleinräumiger als an Nord- oder Ostsee, lokal aber dennoch gefährlich.
Temperaturanomalie
Abweichung einer gemessenen Temperatur vom langjährigen Durchschnitt für denselben Ort und Zeitraum. Eine positive Anomalie bedeutet: wärmer als üblich.
Troposphäre
Unterste Schicht der Erdatmosphäre, in der sich nahezu das gesamte Wetter abspielt. Sie reicht je nach geografischer Breite ungefähr 8 bis 18 Kilometer hoch.
Tropenähnlicher Zyklon / Tropical-Like Cyclone
Wirbelsturm ausserhalb der klassischen Tropen, der zeitweise typische Merkmale tropischer Zyklonen entwickelt. Medicanes gehören in diese Kategorie.
Tropischer Wirbelsturm / Hurrikan
Starkes, warmkerniges Tiefdrucksystem, das sich über warmen tropischen Meeren entwickelt. Als Hurrikan werden tropische Wirbelstürme im Atlantik und nordöstlichen Pazifik ab einer bestimmten Windstärke bezeichnet.
Vertikale Windscherung
Änderung von Windgeschwindigkeit und/oder Windrichtung mit der Höhe. Starke Windscherung kann die vertikale Struktur eines Medicane stören und seine Entwicklung hemmen.
Warmer Kern / Warm Core
Bereich relativ warmer Luft im Zentrum eines Wirbelsturms. Ein ausgeprägter warmer Kern gehört zu den charakteristischen Merkmalen tropischer Zyklonen und Medicanes.
Zyklon
Allgemeine Bezeichnung für ein Tiefdruckgebiet, in dem die Luft um ein Zentrum rotiert. Auf der Nordhalbkugel erfolgt die Drehung gegen den Uhrzeigersinn.
