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Umwelt- und Meeresschutz10 min Lesezeit

Marine Hitzewellen: Ein Meer, zwei Realitäten

Was sich unter der Wasseroberfläche abspielt, während wir darüber hinwegsegeln.

Marine Hitzewellen: Ein Meer, zwei Realitäten
Oben ruhige Idylle, unten Hitzewelle © unsplash (oben) /// Olivier Dugornay IFREMER via Wiki (unten)

Marine Hitzewellen bleiben an der Oberfläche meist unsichtbar, können darunter jedoch ganze Lebensgemeinschaften verändern. Warum ausgerechnet Flaute ihre Entstehung begünstigt, weshalb 33 Grad warmes Mittelmeerwasser allein noch keine Hitzewelle definieren – und was geschieht, wenn das Meer die gespeicherte Wärme nicht mehr loswird.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 15.10.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Warum 33 Grad Wassertemperatur allein noch keine marine Hitzewelle ausmachen
  • Weshalb anhaltende Flaute das Aufheizen des Meeres begünstigen kann
  • Warum die ungewöhnliche Wärme keineswegs an der Wasseroberfläche endet
  • Welche Meeresbewohner unter thermischem Stress leiden – und welche davon profitieren
  • Weshalb Wassersportler über ein Extremereignis hinwegsegeln können, ohne es zu bemerken

33,02 Grad Celsius Wassertemperatur! Gemessen auf See am 5. August 2026 von einer Forschungsboje vor Mallorca. 33,02° C. – nur zum Vergleich: In einem Swimmingpool werden 27° von vielen Badenden und Planschenden bereits als wenig erfrischend empfunden. Hinzu kommt, dass ein Meer eben kein Swimmingpool, sondern ein sensibles Ökosystem ist. Und „die paar Grad mehr oder weniger“ fatale Folgen nach sich ziehen.

Marine Hitzewelle im August 2026 in Europa © wikipedia/Copernicus Sentinel data 2026
Marine Hitzewelle im August 2026 in Europa © wikipedia/Copernicus Sentinel data 2026

Ohnehin erzählen die 33 Grad nur einen kleinen Teil der Geschichte, weil sie eben „die Spitze des Eisberges sind“ (fast schon zynisch, diese Metapher). Im Sommer 2026 waren nach Auswertungen von Mercator Ocean International und Copernicus 95 Prozent der Mittelmeerfläche mindestens zeitweise von einer starken oder noch intensiveren marinen Hitzewelle betroffen. Und während die grosse Sommerhitze an Land längst aus den Nachrichten verschwunden war, hielt sich die ungewöhnliche Wärme im Wasser noch bis weit in den September hinein.
Womit wir schon bei einer bemerkenswerten Eigenschaft der marinen Hitzewelle angelangt wären: Man sieht sie nicht. Kein bedrohlich schwarzer Himmel zieht auf, keine Böenwalze kündigt sie an, keine aussergewöhnliche Dünung lässt den Skipper vorsichtshalber das Gross reffen. Ein Boot kann tagelang über ein aussergewöhnlich warmes Meer segeln, ohne dass seine Besatzung überhaupt bemerkt, dass unter dem Rumpf gerade ein extremes Naturereignis stattfindet.

Boot in der Flaute © pixabay/bruno
Boot in der Flaute © pixabay/bruno

Beim Medicane, den wir bei boat24.com bereits näher betrachtet haben, war das warme Mittelmeer noch einer der möglichen Energielieferanten für ein atmosphärisches Wettersystem. Aussergewöhnlich warmes Wasser kann einem geeigneten Tief zusätzliche Wärme und Feuchtigkeit zur Verfügung stellen und dessen Intensivierung begünstigen. Was wiederum heftige Folgen haben kann. Dieses Mal drehen wir die Blickrichtung jedoch um: nicht vom Meer hinauf in die Atmosphäre, sondern von der Wasseroberfläche hinunter in die Tiefen der See. Denn was geschieht eigentlich mit dem Meer, wenn es seine Hitzewallungen über Tage, Wochen oder sogar Monate nicht mehr loswird?

Die andere „Welle“ im Meer.

Eine Wassertemperatur von 29 Grad vor Kreta ist nicht automatisch aussergewöhnlich, nur weil ein Nordsee-Segler sie als geradezu tropisch empfindet. Umgekehrt können deutlich niedrigere Temperaturen vor der Bretagne bereits ein extremes Ereignis darstellen. Entscheidend ist nicht allein die absolute Temperatur, sondern wie stark sie für einen bestimmten Ort und eine bestimmte Jahreszeit vom Normalzustand abweicht.

© jzen via pixabay
© jzen via pixabay

Die heute international gebräuchliche Definition geht wesentlich auf den australischen Meeresforscher Alistair Hobday und seine Kollegen zurück. Vereinfacht ausgedrückt sprechen Ozeanografen von einer marinen Hitzewelle – Marine Heatwave oder MHW –, wenn die Wassertemperatur mindestens fünf aufeinanderfolgende Tage über einem statistisch bestimmten Schwellenwert liegt. Dieser entspricht dem sogenannten 90. Perzentil – also jener Temperaturgrenze, die nur von den wärmsten zehn Prozent der langjährigen Vergleichswerte überschritten wird. Das klingt zunächst nach statistischer Haarspalterei, verhindert aber einen entscheidenden Denkfehler: Eine marine Hitzewelle wird nicht durch eine bestimmte Wassertemperatur definiert.

33 Grad sind deshalb spektakulär, aber allein noch keine wissenschaftliche Definition einer Hitzewelle. Und vergleichsweise kühle 20 oder 22 Grad können unter anderen geografischen und jahreszeitlichen Bedingungen sehr wohl dazugehören. Man könnte es auch so beschreiben: Die Weltmeere haben ihre eigene Vorstellung davon, wann es ihnen zu warm wird oder werden könnte.

Ausgerechnet Flaute

Wer an aussergewöhnlich warmes Meerwasser denkt, sieht vermutlich zuerst eine gnadenlose Sonne über einem wolkenlosen Mittelmeer vor sich. Das ist zwar nicht falsch, aber nur ein Teil der Geschichte. Eine 2025 in Nature Geoscience veröffentlichte Untersuchung hat sommerliche marine Hitzewellen im Mittelmeer zwischen 1982 und 2022 analysiert und dabei einen Mechanismus herausgearbeitet, der Seglern einleuchtet: Anhaltend schwacher Wind schafft besonders günstige Bedingungen dafür, dass sich das Meer immer weiter erwärmt.
Anhaltende subtropische Hochdruckrücken können typische Windsysteme des Mittelmeers abschwächen. Weniger Wind bedeutet weniger Verdunstung, weil die feuchte Luft unmittelbar über der Wasseroberfläche schlechter abtransportiert wird. Damit verliert das Meer zugleich weniger Wärme durch Verdunstung – und kann sich stärker aufheizen. Nach Berechnungen der Forscher kann die verringerte Abgabe latenter Wärme in den untersuchten Regionen mehr als 70 Prozent der Veränderung des gesamten Wärmeflusses erklären. Hinzu kommen starke Sonneneinstrahlung und eine geringere windbedingte Durchmischung des Oberflächenwassers. Was die Segler zur Verzweiflung treiben kann, gefällt der Hitzewelle also: Flaute.

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© jzen via pixabay

Normalerweise wirkt Wind auf das Meer wie ein gigantisches Rührwerk. Er bewegt die Oberfläche, unterstützt die Verdunstung und mischt wärmeres oberflächennahes mit kühlerem tieferem Wasser. Fällt dieser Austausch über längere Zeit schwach aus, kann sich oben eine besonders warme Wasserschicht bilden und stabilisieren.

Das Meer vergisst langsamer

Vor allem Wassersportler wissen: Luft reagiert schnell. Eine Kaltfront zieht durch, ein Gewitter entlädt sich, der Wind dreht, und innerhalb weniger Stunden kann sich die gefühlte Welt von angenehm warm in reichlich kühl und ziemlich nass verändern.

Wasser ist dagegen träger. Es besitzt eine hohe Wärmekapazität und kann gewaltige Energiemengen aufnehmen, speichern und später wieder abgeben. Was meteorologisch längst vorbei ist, kann ozeanografisch deshalb noch fortbestehen. Man kann es auch anders ausdrücken: Das Meer hat ein Gedächtnis. Natürlich keines im eigentlichen Sinne, doch gerade für den Menschen, der das Meer überwiegend von seiner Oberfläche kennt, ist diese thermische Trägheit leicht zu unterschätzen. Wir sehen die Wellen, spüren den Wind, beobachten Wolken und Lufttemperatur – und neigen dazu, das Wasser darunter als vergleichsweise konstante Kulisse wahrzunehmen. Was wir daraus lernen können (übrigens auch fürs restliche Leben): Oberflächliches erzählt per se keineswegs die gesamte Geschichte.

Die Hitze geht in die Tiefe

Satelliten sind hervorragend darin, die Temperatur der Meeresoberfläche zu erfassen. Daher stammen viele jener farbenprächtigen Karten, auf denen sich marine Hitzewellen in Gelb, Orange und Dunkelrot über ganze Meeresbecken ausbreiten. Doch ein Meer ist nun mal dreidimensional. Wie stark eine Hitzewelle ein Ökosystem trifft, hängt deshalb nicht nur davon ab, welche Temperatur unmittelbar an der Oberfläche gemessen wird, sondern auch davon, wie weit die ungewöhnliche Wärme nach unten reicht, wie lange sie dort verbleibt und welche Organismen ihr ausgesetzt sind. Ein 2024 in Mediterranean Marine Science veröffentlichter Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu marinen Hitzewellen im Mittelmeer macht deutlich, dass der Blick auf die Oberflächentemperatur allein nicht ausreicht, um deren ökologische Auswirkungen zu beurteilen. Für den Wassersportler ist das ein interessanter Perspektivwechsel. Der Sprung von der Badeplattform ins Meerwasser mag verlockend sein – aber über die Verhältnisse in zehn, zwanzig oder fünfzig Metern Tiefe sagt beides wenig aus. Dort unten kann Wärme länger gespeichert werden, können sich Schichtungen verändern und Organismen betroffen sein, die zuvor niemals mit der sommerlich warmen Oberfläche in Berührung gekommen sind.

Warm = weniger Sauerstoff

Zur Temperatur kommt ein zweiter physikalischer Zusammenhang, der zunächst banal klingt, für Meeresökosysteme aber erheblich werden kann: Je wärmer das Wasser, desto geringer ist seine Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen. Gleichzeitig kann eine ausgeprägte Temperaturschichtung verhindern, dass sauerstoffreiches Oberflächenwasser ausreichend mit tieferen Wasserschichten vermischt wird. Allerdings wäre die einfache Gleichung „Hitzewelle gleich Sauerstoffmangel“ falsch.

Mitunter fehlt die violette Färbung ganz oder teilweise. Sie haben den Anstieg der Wassertemperatur nicht überlebt. © Olivier Dugornay, IFREMER, Pôle Images via Wikipedia
Mitunter fehlt die violette Färbung ganz oder teilweise. Sie haben den Anstieg der Wassertemperatur nicht überlebt. © Olivier Dugornay, IFREMER, Pôle Images via Wikipedia

Wind, Strömungen, Wassertiefe, Nährstoffe und biologische Prozesse spielen ebenfalls eine Rolle. Ein offenes, stark durchströmtes Seegebiet reagiert anders als eine geschützte, schlecht durchmischte Bucht.

Wer nicht wegschwimmen kann, hat ein Problem

Ein Fisch besitzt zumindest theoretisch eine naheliegende Möglichkeit, wenn ihm das Wasser dauerhaft zu warm wird: Er kann versuchen, günstigere Bedingungen zu finden.
Eine Muschel kann das nicht, und auch Schwämme, Korallen oder Seegraswiesen sind ihrem Standort ziemlich treu – zwangsläufig. Gerade solche wenig mobilen Organismen reagieren daher empfindlich auf länger anhaltende thermische Extreme. Eine grossangelegte Untersuchung der Jahre 2015 bis 2019 dokumentierte im Mittelmeer während aller fünf untersuchten Jahre grossräumige Massenmortalitäten.

Posidonia-oceanica-Wiese – Unterwasserbeobachtung und -erkundung – Calanque de Sormiou © Karim Saari via Wikipedia
Posidonia-oceanica-Wiese – Unterwasserbeobachtung und -erkundung – Calanque de Sormiou © Karim Saari via Wikipedia

Betroffen waren 50 verschiedene biologische Gruppen beziehungsweise Arten aus acht grösseren Tier- und Pflanzengruppen, verteilt über Tausende Kilometer Mittelmeerküste und von der Wasseroberfläche bis in etwa 45 Meter Tiefe. Die Häufigkeit dieser Massensterben hing deutlich mit der thermischen Belastung durch marine Hitzewellen zusammen.

Damit bekommt die zunächst abstrakte Temperaturkurve plötzlich eine biologische Dimension.
Es geht nicht darum, dass ein aussergewöhnlich warmer Sommertag „das Mittelmeer tötet“. Denn Ökosysteme sind erheblich komplizierter, manche Arten sind widerstandsfähiger als andere, Populationen können sich erholen und natürliche Schwankungen gehören zum Meer.
Problematisch wird vielmehr die Kombination aus Intensität, Dauer und Wiederholung. Wer zwischen zwei Belastungen genügend Zeit zur Regeneration bekommt, kann sich erholen. Wer die nächste Hitzewelle erlebt, bevor die Folgen der vorherigen überwunden sind, möglicherweise nicht.

Die Wiese unter dem Kiel

Kaum ein Lebensraum macht den Bezug zum Wassersport deutlicher als Posidonia oceanica. Die ausgedehnten dunklen Seegraswiesen gehören für Mittelmeersegler zum vertrauten Bild einer Ankerbucht. Man erkennt Sandflecken zwischen den Pflanzen, sucht idealerweise genau dort seinen Ankergrund und sieht beim Schnorcheln anschliessend vielleicht kleine Fische zwischen langen grünen Blättern verschwinden.

Posidonia ist jedoch weit mehr als dekoratives Unterwassergrün. Die Wiesen bieten zahlreichen Arten Lebensraum und Kinderstube, stabilisieren Sedimente, beeinflussen die Wasserqualität und speichern Kohlenstoff – und sie reagieren auf aussergewöhnliche Wärme.

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Posidonia-oceanica-Wiese – Unterwasserbeobachtung und -erkundung – Calanque de Sormiou © Karim Saari via Wikipedia

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung an 442 Standorten in sämtlichen Mittelmeer-Ökoregionen dokumentierte nach den extremen Hitzewellen des Jahres 2022 eine aussergewöhnlich verbreitete Blüte von Posidonia oceanica. An 76 Prozent der untersuchten Standorte wurde Blüte beobachtet; in einigen Regionen, darunter das Balearenmeer und das ligurisch-provenzalische Gebiet, waren es mehr als 90 Prozent. Nun klingt Blühen zunächst eher nach guter Nachricht. Tatsächlich kann verstärkte Fortpflanzung einer Pflanze helfen, genetische Vielfalt zu schaffen und neue Standorte zu besiedeln. Gleichzeitig interpretieren Wissenschaftler aussergewöhnlich starke Blühereignisse bei Posidonia als mögliche Reaktion auf thermischen Stress.

Es gibt allerdings Gewinner

Wenn sich Umweltbedingungen verändern, verschwinden nicht plötzlich alle Bewohner eines Meeres. Zwar geraten Arten, deren thermische Wohlfühlzone überschritten wird, unter Druck oder verschieben ihre Verbreitungsgebiete. Wärmeliebende Kollegen können dagegen profitieren und Gebiete besiedeln, die ihnen früher zu kühl waren.

Im Mittelmeer bekommt dieser Prozess eine besondere Dynamik, weil über den Suezkanal seit langem Arten aus dem Roten Meer und dem Indopazifik einwandern. Ein wärmer werdendes Mittelmeer kann einigen dieser Neuankömmlinge günstigere Bedingungen bieten. Meeresbiologen sprechen in diesem Zusammenhang von einer Thermophilisierung der Lebensgemeinschaften: Vereinfacht gesagt und nachvollziehbar steigt der Anteil jener Arten, die höhere Temperaturen bevorzugen. Das muss für den Segler nicht bedeuten, dass er beim nächsten Mittelmeertörn plötzlich durch ein tropisches Aquarium fährt. Veränderungen in Ökosystemen vollziehen sich häufig leise, regional unterschiedlich und über längere Zeiträume.

Aber wer dasselbe Revier über Jahrzehnte kennt, könnte feststellen, dass nicht nur Marinas, Preise und Hafenpromenaden anders aussehen als früher. Sondern auch das Leben unter seinem Boot.

Fieber = erhöhte Temperatur.

Dass marine Hitzewellen keineswegs ausschliesslich ein Problem ohnehin warmer Meere sind, zeigte 2026 eindrucksvoll die Biskaya. Zwischen Juni und August lag ihre durchschnittliche Oberflächentemperatur bei etwa 21,4 Grad Celsius und damit mehr als 2,4 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Bis Ende August waren dort bereits 186 Tage mit Marine-Heatwave-Bedingungen zusammengekommen.

An Teilen der nordspanischen Küste sind zugleich ausgedehnte Kelpwälder stark zurückgegangen. Wissenschaftler beobachten dort Veränderungen ganzer Lebensgemeinschaften, mit Folgen für Arten, die diese Unterwasserwälder als Schutz-, Nahrungs- und Fortpflanzungsraum nutzen. Das bringt das Phänomen geografisch näher an Reviere, die niemand spontan mit tropischer Hitze verbindet. Biskaya, Bretagne, Ärmelkanal oder Nordsee können marine Hitzewellen erleben, obwohl ihre absoluten Wassertemperaturen weit unter denen des östlichen Mittelmeers liegen. Noch einmal: Nicht die Zahl auf dem Thermometer entscheidet allein, sondern ihre Abweichung vom Gewohnten.

Und was hat das nun wieder mit dem Wetter zu tun?

Alles spielt seine Rolle im gesamten Gefüge der Natur – Meer und Atmosphäre sind keine getrennten Welten, auch wenn wir Menschen die Grenze zwischen beiden so deutlich wahrnehmen. An der Wasseroberfläche werden fortwährend Wärme und Feuchtigkeit ausgetauscht. Verändert sich einer der beiden Partner, beeinflusst das auch diesen Austausch.
Das Meer und sein „Gedächtnis“ spielen dabei eine elementare Rolle!

Ein Extremereignis, über das man hinwegsegeln kann

Stürme haben den Vorteil, dass sie unsere Aufmerksamkeit erzwingen. Spätestens wenn der Wind heult, das Boot krängt und die ersten Brecher übers Vorschiff laufen, diskutiert niemand mehr darüber, ob gerade ein aussergewöhnliches Wetterereignis stattfindet. Eine marine Hitzewelle besitzt diesen dramatischen Auftritt nicht.

Man kann in Badehose im Cockpit sitzen, in einer spiegelglatten Bucht ankern, abends den Grill anwerfen und über einem Ökosystem schwimmen, das gerade aussergewöhnlicher thermischer Belastung ausgesetzt ist. Vielleicht zeigt nur das Thermometer ein paar Grad mehr an als gewohnt; vielleicht bemerkt man überhaupt nichts. Denn wir Wassersportler betrachten das Meer zwangsläufig hauptsächlich von oben und sinnbildlich „von oben herab“. Wir beurteilen Wind, Wellen und Strömung, suchen nach Untiefen und freuen uns über eine geschützte Ankerbucht. Das Wasser selbst erscheint dabei leicht als die grosse Konstante, als jener verlässliche Teil der Landschaft, auf dem sich lediglich das Wetter abspielt. Viele denken, das Meer sei eine Art Bühne, auf der man sich nach Herzenslust vergnügen kann. Doch in Wirklichkeit ist es einer der Hauptdarsteller in einem epischen Stück mit einem vielleicht allzu hitzigen Ende.