Mehrrumpfboote haben sich vom polynesischen Auslegerkanu zur Hochleistungsplattform moderner Regatten entwickelt. Ob Katamaran, Trimaran oder experimentelle Tetramaran-Konzepte: Multihulls prägen heute den Hochsee- und Freizeitsegelmarkt, während sie zugleich in der Motorbootwelt als effiziente Fähren und Forschungsschiffe etabliert sind.
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Alle 12 Angebote anzeigenVon den „fliegenden Proas“ der Pazifikvölker bis zu den foilenden Hightech-Kats des America’s Cup spannt sich die Geschichte der Mehrrumpfboote. Was einst als Seefahrtskunst indigener Kulturen begann, ist heute Synonym für Geschwindigkeit, Stabilität und Effizienz auf den Weltmeeren.
Inhalt
Unter einem Mehrrumpfboot versteht man ein Wasserfahrzeug (Wind- oder Motorantrieb), dessen Auftrieb und Stabilität auf mehr als einem Rumpf basieren. Im Gegensatz zu Einrumpfbooten (Monohulls) zeichnen sich Mehrrumpfboote durch eine grössere Anfangsstabilität, geringeren Tiefgang und häufig höhere Geschwindigkeitspotenziale aus. International gebräuchliche Synonyme sind Multihull (engl.), während die wichtigsten Unterarten Katamaran, Trimaran, Proa und experimentelle Formen wie Tetramaran genannt werden. Umgangssprachlich wird der Begriff Mehrrumpfboote in deutscher Sprache eher selten verwendet. Meist geht man direkt auf die (im Folgenden beschriebenen) Unterarten wie Katamaran oder Trimaran ein.
Historische Entwicklung
Polynesische Seefahrer nutzten bereits vor über 2000 Jahren Auslegerkanus (Proas, Doppelkanus), die enorme Reichweiten über den Pazifik ermöglichten. Die moderne Archäologie geht davon aus, dass der gesamte pazifische Raum, insbeondere Polynesien und Hawaii, auf Proas besiedelt wurde. Europäische Berichte über diese „fliegenden Proas“ stammen u. a. von Antonio Pigafetta, dem Chronisten der Magellan-Expedition (1521). In Europa und Nordamerika begann die systematische Entwicklung moderner Mehrrumpfboote ab den 1950er Jahren, massgeblich vorangetrieben von Pionieren wie Arthur Piver (Trimarane) und James Wharram (Katamarane nach polynesischem Vorbild).
Typen von Mehrrumpfbooten (Segeln)
Katamaran
Definition: Zwei gleich grosse, parallele Rümpfe, verbunden durch Brückendeck oder Trägerstruktur.
Eigenschaften: Hohe Stabilität, in modernen Versionen grosser Wohn- und Nutzraum (Brückendeck), geringer Tiefgang.
Bei Segelkatamaranen: hohe Geschwindigkeitspotenziale durch schlanke Rümpfe, verhältnismässig ruhige Lage bei Seegang (Stichwort: Seekrankheit), kaum Krängung, sehr komfortabel auf langen Strecken.
Nachteile: nach Kenterung ist ein Wiederaufrichten ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich. Zudem erschwert das breite Schiffsmass Hafenmanöver. In kleineren Häfen können Platzprobleme entstehen.
Trimaran
Definition: Zentralrumpf (Hauptschiff) mit zwei kleineren Auslegern (Schwimmern) an Auslegerarmen.
Eigenschaften: Geringer Wasserwiderstand bei gleichzeitig hoher Stabilität, hohe Geschwindigkeiten auch bei Cruising-Einsatz möglich.
Nachteile: Breite, komplexere Bauweise als Katamaran. Benötigt viel Platz in Häfen. Manche Trimaran-Serienmodelle (Segel) klappen für Hafenmanöver die Schwimmer an den Rumpf und verringern so die Breite ihrer Boote.
Proa
Definition: Ursprünglich aus Mikronesien; asymmetrisches Boot mit einem Haupt- und einem Auslegerrumpf. Wird durch Shunting (Wechsel der Fahrtrichtung ohne Wenden) gesegelt.
Eigenschaften: Leicht und schnell, aussergewöhnlich.
Nachteile: Erfordert hohe praktische Erfahrung.
Vier- und Fünfrumpfboote (Tetramarane, Pentamarane)
Definition: Boote mit vier oder mehr Rümpfen; im Segelsport nur vereinzelt zu finden, keine Serienproduktion.
Eigenschaften: Enorme Plattformbreite, hohe Anfangsstabilität, theoretisch grosse Geschwindigkeitspotenziale, in der Praxis eher enttäuschend. Im Wassersport wegen enormer Breite nicht einsetzbar.
Mehrrumpfboote werden im Segelsport sowohl als Regatta- als auch als Cruisingboote eingesetzt. Bei Hochseeregatten wie der Route du Rhum starten sie aus guten Gründen in der ersten Reihe – nur wenige Maxi-Monorumpf-Boote sind ähnlich schnell wie die eher kleineren oder mittelgrossen Mehrrumpfboote. So halten etwa die gigantischen Ultim-Trimarane die Rekorde der schnellsten Weltumseglung (einhand wie auch im Team/Trophy Jules Verne). Und die ehemalige olympische Klasse Tornado galt über Jahrzehnte hinweg als schnellste Jollen-Klasse überhaupt. Mittlerweile wurde sie von den foilenden Nacra 17 bei den Spielen abgelöst. Auch im America’s Cup setzte man ab 2010 auf Multihulls; seit 2021 werden jedoch Foiling-Monohulls (AC75) verwendet.
Allerdings punkten beide Bootstypen auch als beliebte Blauwasser-Boote. Vor allem Katamarane erfreuen sich als Luxus-Fahrtenyacht steigender Beliebtheit.
Mehrrumpfboote mit Motorantrieb
Auch im Motorbootsektor haben Mehrrumpfkonstruktionen grosse Bedeutung erlangt, wenngleich mit anderer Zielsetzung:
Motorkatamarane kommen als Fährschiffe, Arbeitsboote, vereinzelt auch als Luxus- und Superyachten zum Einsatz . Vorteile sind hohe Stabilität, niedriger Energieverbrauch pro Tonne, grosser Decks- und Nutzraum.
Motortrimarane und Tetramarane werden dagegen häufig als Fahrzeuge für spezielle Einsätze bei Militär und Forschung genutzt. Vorteile: hervorragende Seegangeigenschaften, hohe Reichweite, reduzierter Treibstoffverbrauch.
Besonderheiten: Anders als im Segelsport dient hier das Mehrrumpfkonzept primär der Effizienz, Tragfähigkeit und Komfortsteigerung, weniger der maximalen Geschwindigkeit.
