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Seemannschaft10 min Lesezeit

nomen est omen – oder wie heisst dein Boot?

Wie viel menschliche Persönlichkeit steckt im Namen eines Bootes?

nomen est omen – oder wie heisst dein Boot?
Wie das wohl gemeint ist? © Boat24.com

Ein Name am Heck ist weit mehr als Farbe auf GFK oder Holz. Seit Jahrtausenden geben Menschen ihren Booten Namen – aus Aberglauben, aus Angst vor dem Unbekannten, aus Stolz, Liebe oder purem Übermut. Zwischen Pflichtangaben, Familienkürzeln, martialischen Regattanamen und stiller Mythologie erzählt jeder Schiffsname etwas über seinen Eigner – und über die Zeit, in der er entstand. Eine persönliche Reise durch Psychologie, Seefahrertradition und die Frage, warum selbst im Zeitalter von KI kaum jemand wirklich namenlos in See stechen will.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 15.02.2025

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Ein sehr persönlicher Streifzug durch die Welt der Bootsnamen
  • Woher kommen die Bootsnamen?
  • Gibt es Pflichten?
  • Warum sind Boote immer weiblich?
  • Wie sieht die Zukunft aus?

Welche Pflichten sind im Zusammenhang mit den Bootsnamen zu beachten?


EU / Binnen- und Seeschifffahrt

  • Amtliche Registrierungsnummer auf allen registrierten Booten sichtbar anbringen.
  • Schiffsname + Heimathafen auf beiden Seiten des Bugs und am Heck, wenn Name im Register eingetragen ist.
  • Schriftbild dauerhaft, gut lesbar, kontrastreich (Lateinische Buchstaben).
  • Für Hochseeschiffe zusätzlich offizielle Seeschiffsnummer / IMO-Nummer sichtbar führen.

Schweiz

  • Registrierungsnummer (CH-Nummer) auf beiden Seiten des Bootes sichtbar.
  • Bootsname auf beiden Seiten und am Heck, wenn Name im amtlichen Register eingetragen ist.
  • Heimathafen am Heck angegeben.
  • Schrift dauerhaft und gut lesbar.

Sichtbare Registrierungsnummer + Name (falls registriert) + Heimathafen, dauerhaft und gut lesbar – das ist das gesetzlich verpflichtende Minimum.

Darf der Autor eines Artikels, dessen Inhalt sich rund um die Namensgebung von Booten und Schiffen drehen soll, allzu Persönliches ins Spiel bringen? Und was kann das mit KI zu tun haben? Ganz einfach: In Zeiten der Künstlichen Intelligenz wird allen Schreibern und solchen, die sich dafür halten, empfohlen, möglichst oft die persönliche Note in ihre Werke einzubringen. Denn genau diesen emotionalen Aspekt kann KI „nicht so richtig“. Von der Authentizität des selbst erlebten und geschriebenen Wortes (von dem die KI keine Ahnung haben kann) ganz zu schweigen.

Beginnen wir also mit einer kleinen Geschichte aus den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Damals bescherte mein Vater unserer Familie das erste Segelboot: Eine Holz-Koralle, stolz unseres Stammhalters, der kurz zuvor seinen Segelschein auf der Möhnetalsperre gemacht hatte. Und dort so ziemlich alles über Brauchtum, Regeln und Verbote an Bord lernte – nur nicht „schnelles Segeln“. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sagt der Name alles aus?

Entsprechend wollte mein alter Herr sein, pardon: unser Boot „Albatros“, „Möwe“oder „Fernweh“ nennen, was jedoch seine Gemahlin, also die Mutter des Autors, angesichts des zukünftigen Bootsliegeplatzes – Goldkanal, ein Altrheinarm im Südwesten Deutschlands – etwas übertrieben fand. Feinfühlig hatte sie dann gleich eine Alternative parat: Wenn schon Familienboot, dann auch ein Familienname. HeHo war ihr erster Vorschlag, die Kürzel für Helga und Horst. Sie ahnen es: die Vornamen meiner Eltern. Abgelehnt, meinte Vater nur lapidar; das würde zu sehr nach Galeere klingen, was sollen da die Kumpel denken? MiFriSte, die Kürzel der Vornamen von uns drei Brüdern, erhielt schliesslich den Zuschlag. Was zumindest bei uns beiden älteren Brüdern peinlich berührtes Stirnrunzeln hervorrief. Der Jüngste trug noch Windeln, dem war's schnuppe.

Rambler, ganz schön rasant für einen "Wanderer" / Quelle: Youtube, Mundo Náutica

Rückblickend lagen meine Eltern damals voll im Trend. Boote mit den Namen von Familienmitgliedern, Erbtanten, Seefahrer-Onkeln oder schlicht der Angetrauten waren Gang und Gäbe. Allein bei uns im Club lagen damals mindestens ein Dutzend Boote mit ähnlicher Kürzel-Akrobatik auf dem Heck: Gerlander (Gertrud und Alexander), HeMa (Helmut und Maritta), Mamasi (Manfred, Margot und Siegfried) oder Lucea (Luise, Cecilia) waren durchaus akzeptierte Bezeichnungen. Die somit den erwähnten Familienbezug, aber auch eine oberflächlich entstaubte Kreativität offenbarten. HeHo – immer noch besser als „Fromme Helene“ (Wilhelm Busch, die älteren Leser kennen das noch), die auch bei uns im Hafen dümpelte.

Dem Trend folgen oder selbst kreativ sein?

Als der Autor dieser Zeilen ein paar Jahre später als End-Jugendlicher am Trapezdraht hing und für die 420er-, 490er- und 470er-Regattagrössen im Club den Spi im meist richtigen Winkel vor den Wind hielt, war man schon etwas frecher, wenn nicht sogar euphorischer, was die meist plakativ auf dem Rumpf angebrachten Bootsnamen betraf. So hiess etwa der Renner von einem dieser Steuermänner „Shadow“ – hatte wohl was mit Lucky Luke zu tun, der bekanntlich schneller als sein Schatten den Colt zog. Und gesegelt wurde gegen den gar nicht so gemütlichen Bierdiesel, den rasanten Sea Runner, den giftigen Curare oder es wurde gehässig auf dem Heck die Frage gestellt: „Haste Wind?“. Da lag es fast schon auf der Hand, dass der 470er, den unser Vater meinem Bruder und mir später als Gebrauchtboot spendierte (eine Legende, die 2626 vom Deutschen Meister Kalle Dehler), den Namen „Kamikaze“ erhielt. Allerdings dachten wir dabei nicht an selbstmörderische Einsätze, wir wollten uns mit diesem martialisch klingenden Namen wohl eher Respekt in der Startphase verschaffen.

Understatement: Der Name des Bootes ist weltweit bekannt. Also wird er nur vergleichsweise winzig im Heckbereich aufgemalt / Quelle: Youtube, Yachting World

Moment mal, auf einem Gebrauchtboot wurde ein (neuer) Name angebracht? Selbstverständlich wäre das ohne entsprechendes Zeremoniell kaum möglich gewesen. Schliesslich sind Seehelden und Binnen-Abenteurer abergläubische Menschen. Ein Boot darf seinen Namen nicht einfach wechseln. Alte Namen müssen „beerdigt“ werden, neue Namen feierlich „geboren“. Wer dies missachtet, riskiert Unglück auf See. Doch konnten in diesem Fall umständliche Zeremonien mit alkoholhaltigen Getränken und Räucherwerk unterlassen werden. Denn damals hatte bereits eine unpersönliche Sitte um sich gegriffen: Auf den reinen Regattajollen der Spitzensegler fand man immer seltener einen Namen. Den ersetzte auf den Ergebnislisten die Segelnummer. Eine eigentlich öde Angewohnheit, die bis heute anhält.

Stimmt!
Stimmt! © Boat24.com

Bleiben wir noch ein wenig in der Familienhistorie. Unser alter Herr kaufte sich gemeinsam mit seinem besten Kumpel erst eine Delanta, dann eine Optima. Beide Boote hiessen „Auriga“ – damals gab es noch kein GPS, es wurde mit „Koppeln“ navigiert und nachts einer der hellsten Fixsterne angepeilt. Orion, Andromeda, Pegasus oder Polarstern waren gängige Bootsnamen. Auriga hatte da fast schon etwas Exotisches!

Totale Kreativität bei den Kleinen

Ein weiterer Sprung um Jahrzehnte. Die gerade mal neun Jahre junge Tochter des Autors bekam aufgrund korrekter Leistungen in der B-Wertung der Optimisten-Klasse einen deutlich schnelleren Club-Opti zugeteilt, um auch die „A-ler“ aufzumischen. Jetzt hiess es besonders kreativ sein, angesichts amüsanter, aber eben konkurrierender Bootsnamen wie „Gorch Föckle“, „OptiRocket“, „Nu mach’ schon!“, „Habrichtischwasdruff“ oder „Treib(t)gut …… Wer bei uns dann ausgerechnet für „Optimiststück“ verantwortlich war, wird bis heute diskutiert. Die Tochter fand’s jedenfalls cool.

Träumt da jemand von 1001 Nacht?
Träumt da jemand von 1001 Nacht? © Boat24.com

Womit wir bei einem weiteren Phänomen in der Namensgebung speziell von Regattajollen, -booten und -yachten angelangt wären. Bis in die heutige Zeit gilt: Je kreativer und durchgeknallter, desto schön. Olympiajollen wie 49er oder Laser, zieren, wie gesagt, selten Namen. Doch bei den ganz grossen und ganz kleinen Booten und Yachten geht es nicht ohne. Beispiele? Die TP52 von Harm Müller Speer namens „Platoon“ ist zudem im martialischen Panzerkreuzer-Airbrush gestylt. Doch wer jetzt an den berühmten Kriegsfilm denkt, irrt. Denn Platoon steht auch für Teamwork und „gemeinsam für alle“ – unabdingbar auf einer der schnellsten Monorumpf-Regattayachten überhaupt. Apropos: Die Maxi 100 „Comanche“ steht als Symbol für Schnelligkeit und Aggressivität: Die Komantschen waren bekannt für windschnelle Pferde, Mobilität, Wildheit, Kampfgeist. Passt ganz gut zu einer Maxi-Yacht, die bereits mehrere Geschwindigkeitsrekorde und Unmengen Regattasiege „auf der Logge“ hat. „Rambler“ war ebenfalls berüchtigt für spektakuläre Regatta-Auftritte. Das Boot war berühmt in der Szene, auch weil sein Name wohl falsch übersetzt oder interpretiert wurde. Denn eigentlich ist doch „Wanderer“ etwas langweilig für einen Regatta-Renner, oder? Allerdings geht es auch auf grossen Booten durchaus frecher. In den internaitonalen Häfen finden sich Bootsnamen wie "Now, who's the Loser, Dad?", "Usain Boat" (in Anlehnung an Usain Bolt), "Ship Happens", "bullship", "kann richtig was", "Hartz IV" (für Boote über 15 m Länge sehr geeignet), "Affähre", "demi-sec", "easy-glider" und und und …

Ausser der Farbe sonst noch eine Gemeinsamkeit mit Ferrari?
Ausser der Farbe sonst noch eine Gemeinsamkeit mit Ferrari? © Boat24.com

Ein letztes Beispiel aus der familiären Bootshistorie. Als ich vor zehn Jahren den Mini Prototypen 247 kaufte, auf dem u.a. der IMOCA-Champion Thomas Ruyant seine erste Transatlantik-Regatta segelte, fand ich neben den üblichen Sponsoren-Schriftzügen dezent auf dem Heckspiegel ein „Nat’ché“. Das wiederum bedeutet im Picard-Dialekt (Ruyant stammt aus der Region Pas de Calais) bezeichnenderweise „nass“. Das eigentlich Interessante daran: Auch als verhältnismässig junger Segler hielt Ruyant (abergläubisch?) an dem Namen für alle weiteren Boote fest. Obwohl auch seine segelnden Untersätze grundsätzlich mit Sponsoren- oder Produktnamen verunstaltet wurden. Auch auf seinem jüngsten IMOCA prangt – dezent, aber immerhin – weiterhin auf dem Heck ein „Nat’ché“. Ehrensache (oder Sorge um einen etwaigen Fluch?), dass ich den Namen auf meinem Mini beibehalten habe. Es gab ein paar denkwürdige Tage im gemeinsamen Heimathafen Lorient, als zwei IMOCA-Natché und (m)ein Mini-Natché hintereinander am Steg lagen.

Brauchen diese schwimmenden Dinger überhaupt einen Namen?

Doch warum tragen ausgerechnet Schiffe und Boote traditionell Namen? Und das nachweislich bereits seit Jahrtausenden? Ein Boot zu benennen ist selbst heute noch viel mehr als ein bürokratischer Akt; es ist auch kein Spleen von Seglern mit romantischer Ader. Der Impuls reicht tief in menschliche Geschichte und Psychologie zurück. Schon frühe Seefahrer gaben ihren Schiffen Namen, um eine unberechenbare Welt fassbarer zu machen. Wer sein Leben auf dem Meer riskierte, suchte nach Halt – und fand ihn in der Personifikation des eigenen Schiffs.

Klare Ansage!
Klare Ansage! © M. Kunst

Ein Name verlieh dem fragilen Holzrumpf Charakter, Loyalität, manchmal sogar eine Art Schutzgeist. Göttinnen, Heilige oder mythologische Figuren sollten Glück bringen, denn das Meer galt überall als Schwellenraum zwischen Ordnung und Chaos. Aus psychologischer Sicht betrachtet: Personifikation reduziert Angst und steigert die wahrgenommene Kontrolle. Seefahrt war und ist existenziell gefährlich. Ein Name, besonders von Göttern oder den glücksbringenden Frauen, wurde als Schutzzauber verstanden. Göttinnen symbolisierten Fürsorge und Schutz. Deshalb so viele Isis, Nike, Maria, Fortuna auf den Rümpfen. Nicht nur der grossen „Entdecker“, sondern auch der „kleinen“ Fischer, die allesamt dem gleichen Ozean und Meer trotzten. Und häufig genug darin umkamen.

Selbstvertrauen ist alles. Alles!
Selbstvertrauen ist alles. Alles! © Boat24.com

Das Meer galt in allen Kulturen als Ort der Gefahr. Dem Schiff einen Namen zu geben hiess: Man gibt dem Chaos eine Form, setzt der Furcht etwas Persönliches, fast schon Intimes entgegen. Oder anders betrachtet: Die Benennung domestiziert regelrecht das Unbekannte. Somit wird der Name auf dem „Objekt“, das einen sicher übers Meer in den nächsten Hafen bringen soll, ein psychologischer „Anker“ in einer feindlichen Umwelt.

Auch die Crew auf einem Kriegsschiff akzeptiert wohl eher ihr fragwürdiges Schicksal, wenn das Schiff HMS Victory, USS Enterprise oder HMS Invincible heisst. Ein Schlachtschiff namens „Süsse Seeschwalbe“ würde den Gegner höchstens durch Lachkrämpfe besiegen.

Zieht Euch warm an!
Zieht Euch warm an! © M. Kunst

Ebenso beliebt: Schiffe wurden häufig nach wichtigen Personen benannt (Herrscher, Dichter, Politiker). Und im Monumentalen, meist bei den grössten oder mächtigsten Schiffen ihrer Epoche, musste gleich ein Land respektive eine Nation als Namensgeber herhalten: France, Britannia, Deutschland …

Wenig erhellende Studie

Doch zurück zum Wassersport, zu den Booten und Yachten, die nach wie vor und bis heute ein Name ziert. Vor einigen Jahren erstellte Dr. Freienstein von der Uni Augsburg eine Studie über das Zustandekommen von Bootsnamen. Seine entsprechenden Fragen erreichten die Bootseigner u.a. über die Zeitschriften „Yacht“ und „Boote“. Mit einer Fallzahl von über 400 Antworten wurden die gängigsten Namen auf Fahrtenbooten und Regattayachten gefiltert. Wenig erstaunlich: „Antares“, „Delphin“, „Calypso“, „Odin“, „Shanty“ waren zu Zeiten der Studie (2006) besonders beliebt. Experimente wurden, wie bereits angedeutet, nur im sehr verhaltenen Rahmen gemacht. Überhaupt glänzte die Studie nicht mit bahnbrechenden Erkenntnissen. Sie zeigte jedoch auf, dass typische Eigenschaften der Boote in der Moderne gerne als Bootsbezeichnung verwendet werden. Kürzlich kreuzte ein Boot namens „Gierhals“ den Kurs des Autors (gieren = eigenmächtiges Anluven des Bootes in einer Böe).

Scharfe Sauce?
Scharfe Sauce? © Wylderice / pixabay.com

Auch der erwähnte Name „Nat’ché (nass) fällt in diese Kategorie. Ein Indikator für die Namensgebung erstaunte dann aber doch. Freienstein: „Es gibt Menschen, die ihr Boot ziemlich krude benennen – damit über sie und mit ihnen geredet wird. Ein kryptischer Bootsname sorgt nämlich flugs für Gesprächsstoff.“ Ob das der Grund ist, warum der Korsar meines Bruders – den er sich nach den rühmlichen gemeinsamen Jahren im erwähnten 470er Kamikaze zulegte – letztlich „Knutscherpuffer“ hiess?

Blick zurück nach vorn

Wie geht es weiter? Wagt man sich an eine Prognose über vermeintlich Banales wie Bootsnamen, kann zumindest angenommen werden, dass sie immer seltener einen gesellschaftlichen oder gar politischen Trend wiedergeben. Die Zeiten, in denen Schiffe oder Boote nach dem Kaiser, der Königin, dem Kanzler oder Präsidenten benannt werden, sind zumindest in europäischen Breitengraden vorbei. Auch politische Stellungnahmen werden nur noch selten mit Schiffsnamen kommuniziert (Democratia). Und die eingangs erwähnten Familiennamen finden sich zumindest auf Booten der jüngeren Generationen nur noch selten.

Wer jetzt? Boot oder Skipperin?
Wer jetzt? Boot oder Skipperin? © M. Kunst

Vielmehr sind Schiffs- und Bootsnamen Ausdruck individueller Kreativität geworden. Sicherlich weiterhin abhängig von Trends, allgemeinen Stimmungen oder eben „Modeerscheinungen“. Eine gewisse, aber keineswegs zentrale Rolle könnte dabei die Künstliche Intelligenz spielen. Sie wird, wie in anderen Domänen auch, inspirieren und die Qual der Wahl durch mehr Auswahl vergrössern. Letztlich werden jedoch Charakter, Neigungen und Überzeugungen des Namensgebers sowie sowie seine Kreativität den Ausschlag geben – ganz egal, ob die KI involviert wurde oder nicht. Letztlich bleibt alles unter dem etwas banal wirkenden Motto: Alles verändert sich, ausser dem, das gleich bleibt.

Das Boot ist weiblich.

In der deutschen Sprache wie auch in vielen anderen europäischen Sprachen gelten Boote und Schiffe traditionell als „weiblich“ – man spricht vom Boot als „sie“. Historisch hängt dies mit Symbolik, Mythologie und personifizierender Wahrnehmung zusammen: Das Schiff war der Schutzraum auf dem Meer, oft mit Leben und Gefahren verbunden, und wurde daher als schützend, lebendig und fürsorglich wahrgenommen – Eigenschaften, die in patriarchalen Kulturen stereotyp mit Weiblichkeit assoziiert wurden. Im alten Hochdeutsch und im Seefahrervokabular wurde das Schiff häufig als „Mutter“ des Seemanns bezeichnet, in der Mythologie etwa mit Göttinnen wie Isis oder Fortuna in Verbindung gebracht, die Schutz und Glück boten. Auch in anderen Sprachen wie Englisch (she, her) bleibt diese Tradition erhalten, dagegen im Französischen ist das Schiff maskulin („le bateau, il“), auch wenn Segler oft poetisch die weibliche Personifizierung wählen. Moderne Entwicklungen, zunehmende Gleichberechtigung und technisches Verständnis von Schiffen führen jedoch dazu, dass diese feminisierte Sichtweise aufgeweicht wird. Insbesondere bei technischen, automatisierten oder industriellen Booten wird oft neutral von „es“ gesprochen, und die Personifizierung nimmt ab. Dennoch überdauert die weibliche Form in der Freizeit- und Traditionsseefahrt als romantisches, kulturelles Relikt.