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Bootsnamen - Wohin mit dem Buchstaben?

Autor: Erdmann Braschos

Bisher war die Sache klar. Der Bootsname gehört ans Heck. Darunter steht der Heimathafen und der Club, wo das Boot registriert ist. Früher waren die Buchstaben aus Messing (angeschraubt) oder in den Rumpf geschnitzt und mit Gold ausgelegt. Die Entwicklung ist über gemalte Buchstaben oder solche aus selbstklebender Folie hinweg.

Bootsnamen - Wohin mit dem Buchstaben?
Motoryacht «A»© Charter World

Der Russische Eigner Andrei Igorewitsch Melnitschenko macht keine halben Sachen. Er lässt extravagante Pötte im Philippe Starck-Design vom Stapel. Er nennt sie nach dem Anfangsbuchstaben des Vornamens seiner Frau Aleksandra «A». Darunter steht schlicht und ergreifend Hamilton. Das ist praktisch. Am Funkgerät sagt man bloss «Alpha» und ist schon fertig. Einen Buchstaben kann sich jeder merken.

Bei grossen Motoryachten wird der Name seitlich am Aufbau wiederholt. Das wird bei Kreuzfahrtschiffen schon länger so gemacht. Damit man sein Boot nachts bei der Rückkehr von der Bar findet, und der Kahn auch in der Dunkelheit was her macht, haben sich beleuchtete Lettern durchgesetzt. Es gibt eine spezielle Branche, die von Hintergrundbeleuchtung bis hin zu wechselnden Farben erhabener Lettern aus beschichtetem Plexiglas Bootsnamen und Werftlogos gekonnt inszeniert. Entsprechend bunt geht es in Antibes, Palma de Mallorca oder Fort Lauderdale zu.

Solchen Schnickschnack brauchen klassische Boote nicht. Da reichen Goldlettern auf klar lackiertem Mahagoni – mit einer Goldbordüre aussen rum, wie sie der neuenglische Yachtkonstrukteur Bruce King seinen Spirit of Tradition-Yachten mit auf die Reise gab. Sehenswert ist das bei Otto Happels aktueller «Hetairos», wo die Lettern in den traditionell geneigten Spiegel eingelassen sind. Das Gebälk der Speigatten darüber im Stil der Royal Yacht Squadron-Kutter des 19. Jahrhunderts ist übrigens auch ein gekonnter Fake. Denn das Boot ist ein Hightech-Bau aus Karbon, Epoxidharzen und Aramidpappe. Wie der Blick auf das flache Unterwasserschiff verrät, ultraleicht und beeindruckend schnell. Ein Schild in der Besan-Baumstütze informiert Schaulustige im Hafen, die sich ungern bücken. Früher waren beschriftete Rettungsringe üblich, auf denen der Bootsname steht.

Hetairos im Travellift Hetairos im Travellift © STP Shipyard Palma

Der Münchener Bootsbauer Helmut Fischer hat seinen Vierziger Schärenkreuzer «Aphrodite» genannt und den Bootsnamen seitlich an der Kajüte angebracht. Fischer segelt auf dem Starnberger See. Wenn er mal Durst hat legt er bei einem Wirt am Ufer an. Abends fährt er einfach an seine Boje. Anders als an der Cote und Riviera geht das alles ohne Funkgerät und Buchstabieren des Bootsnamens zur Platzreservierung.

Aphrodite Aphrodite © Sven Föhring

Auf der leuchtend blauen 50 m Wally «Better Place» gibt es natürlich genug Platz für den Bootsnamen. Damit er Tagsüber nicht übersehen wird, steht er auf nochmal der Fock. Seit einer Weile setzen sich Schriftzüge, Logos und durchgängige Farben auf der Besegelung durch. Zunehmend wird auch bei Tourenbooten auf den gestylten Auftritt geachtet: von Gennaker und Farbe der Schoten und Backstagen über die Ziergöhl (dem Streifen unter der Deckskante), dem Wasserpass bis hin zu Crewshirts und Segeljacken. Beim vielbeachteten Daysailer «Firefly» steht der Bootsname sogar auf den farblich passenden Bootsschuhen.

Wally «Better Place» Wally «Better Place» © Wally Yachts

Den Bootsnamen samt Segelnummer unübersehbar auf die Baumpersenning nähen zu lassen, ist allerdings leider Achtziger und beinahe so peinlich wie protziger Crewshirts mit grossen Lettern. Das sieht man in jedem Hafen - an der Ostsee. Besonders vernarrte Eigner wiederholen den Namen auf dem Steuerrad und lassen ihn sogar auf die Winsch gravieren.

«Whitefin» Baumpersenning «Whitefin» Baumpersenning © www.whitefin.it
«Whitefin» Steuerrad «Whitefin» Steuerrad © www.whitefin.it

Auf der Regattabahn ist der Bootsname Programm und Schlachtruf zugleich. Im Talentpool der TP52 Klasse, wo stilvoll zurückhaltende Farbwahl dominiert, fällt der schrottige Look mit den unübersehbaren Lettern von Harm Müller-Spreers «Platoon» aus dem Rahmen. Dessen Kriegsbemalung macht die Illusion derb vernieteter Bleche perfekt. Das Dekor steht in der Tradition der Trompe-l’œi Malerei. Diesen erschütternden Kontrapunkt im martialischen Schlachtschifflook sollte man sich leisten können - und vorne segeln.

Platoon Platoon © Premier Composite Technologies

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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