FavoritenAnmelden

Seemannschaft6 min Lesezeit

Feuer an Bord!

Ursachen, Prävention und Massnahmen, wenn es buchstäblich brenzlig wird

Feuer an Bord!
Es wird brenzlig!

Bootsbrände sind zwar selten, doch wenn sie auftreten, enden sie oft fatal: GFK-Yachten brennen schnell, technische Fehler und unvorsichtiges Verhalten erhöhen das Risiko massiv. Prävention, geeignete Löschmittel und ein geübtes Notfallverhalten entscheiden über die Sicherheit von Crew und Boot.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 26.11.2025

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Gefahr im Alltag: Erfahren Sie, wie ein harmloser Herdunfall auf Ihrer Yacht binnen Minuten zu einem lodernden Brand führen kann.
  • Technische Risiken: Welche elektrischen Fehler, Batterieprobleme oder Gaslecks die Hauptursachen für Feuer an Bord sind.
  • Schnelle Entstehung: Warum GFK-Yachten extrem schnell brennen und der Zeitraum zwischen Entzündung und Entdeckung entscheidend ist.
  • Prävention: Wie regelmässige Kontrollen von Elektrik, Motor, Gas und Batterien die Gefahr drastisch reduzieren.
  • Löschmittel & Notfallmanagement: Welche Feuerlöscher, Löschdecken und Ausrüstungsmassnahmen an Bord Pflicht sind.
  • Selten, aber kritisch: Warum Bootsbrände zwar selten sind, aber bei Totalverlust und Gefahr für Crew höchste Aufmerksamkeit verlangen.

Artikel vorlesen lassen

Warum GFK schnell brennt:

  • Glasfasern: rein anorganisch, nicht brennbar.
  • Kunstharz (Epoxid, Polyester, Vinylester): organisch, brennbar.
  • Füllstoffe/Additive: Können die Brennbarkeit nur bedingt reduzieren.
  • Das eigentliche Brennmaterial ist Harz, das als Matrix die Glasfasern zusammenhält.

Brandverhalten von GFK

  • Schnelle Hitzeausbreitung: Harze erhitzen sich schnell, Rauch- und Gasentwicklung erfolgt schon bei niedrigen Temperaturen.
  • Selbstverstärkender Effekt
  • Schmelzen & Tropfen: Bei einigen Harztypen tropft geschmolzenes Material, was neue Brandherde erzeugen kann.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Mittag auf Ihrer Segelyacht – Zeit für einen Lunch. Auf See ist es gerade etwas ungemütlich. Seegang, Nieselregen, fiese Böen … Da kommt eine kleine Mahlzeit gerade recht. Während im Cockpit aufmerksam Kurs gehalten wird, köchelt unten schon auf dem kardanisch aufgehängten Herd das Süppchen. Und dann diese eine, etwas ungünstig einfallende Böe, typischerweise gepaart mit einer querlaufenden Welle. Der Smutje wird gegen die Pantry geschubst, der Topf kommt aus dem Gleichgewicht, mit dem Handtuch in der Hand wird versucht, das drohende Malheur zu verhindern. Nur kurz ist die Herdflamme «frei», das Handtuch fängt Feuer, erschrocken schüttelt es Smutje ab, es rutscht rüber unter die Gardine, die ebenfalls sofort Feuer fängt. Ohne Übertreibung: Im Nu züngeln Flammen entlang der Plastikverkleidung, dunkler Rauch breitet sich rasch aus. Wo war der Feuerlöscher? Und wie war das mit der Branddecke? Schon 20 Minuten später kann es sein, dass die Crew in der Rettungsinsel sitzt und dem Untergang ihres lichterloh brennenden, so heiss geliebten GFK-Bootes beiwohnt (und hoffentlich bald gerettet wird).

Ein anderes Beispiel: Auf einer Motoryacht, irgendwo in der Ostsee. Plötzlich quillt schwarzer Rauch aus dem Motorraum. Als die Crew die Luke öffnet, schlagen Flammen gefährlich hoch. Der Feuerlöscher ist rasch zur Hand, doch der Brand kann nicht gelöscht werden. Hustend retten sich alle ins Cockpit und später in die Rettungsinsel. Schon wenige Minuten später muss das Boot aufgegeben werden.

Wie sich Brände an Bord (meistens) entfachen

Beide Szenerien kommen ihnen etwas übertrieben vor. Sie irren sich – die Gefahr eines Brandes an Bord von Yachten und Booten ist allgegenwärtig. Auch wenn «Feuer an Bord» nicht zu den häufigsten Havarie-Gründen zählt, so enden Szenarien wie die oben beschriebenen meist fatal.

Das GFK-Material moderner Yachten brennt rasant und kann kaum mehr gelöscht werden, sobald es richtig Feuer gefangen hat. Experten warnen, dass «der Zeitraum zwischen Entzündung und Entdeckung entscheidend» sei.

Die Hauptursachen für Brände an Bord sind grösstenteils technischer Natur. Auch wenn nur wenige belastbare Statistiken darüber existieren, kann man davon ausgehen, dass die meisten Yachtbrände durch Fehler in der Bordelektrik ausgelöst werden. Als typische Gefahrenquellen gelten defekte Kabel, lose Polanschlüsse, korrodierte Steckverbinder oder fehlende Sicherungen (die Kurzschlüsse erzeugen können). Die Feuerwehr warnt: Dauerhaft stromführende Leitungen gehören in Schutzrohre – offene Kabel am Motor oder in Ecken sind Brandfallen.

Unsachgemäss installierte Batterien und schlechte Anschlüsse sind ebenso riskant. Moderne Lithium-Ionen-Batterien stellen ein zusätzliches Risiko dar: Ein Feuchtigkeitseinbruch oder Kurzschluss kann zu einer unkontrollierbaren thermischen Reaktion führen und eine Kettenreaktion auslösen. Überlastete oder unsachgemäss abgesicherte Geräte (z.B. Generatoren, Spannungswandler, Ladegeräte) können überhitzen. Ältere Boote, deren Leitungen für heutige elektronische Lasten nicht ausgelegt sind, gelten übrigens als besonders gefährdet.

Ältere Boote, alte Kabel, neue Gefahren

Apropos ältere, oder nicht seriös gewartete Boote: Benzin-/Diesellecks durch poröse Schläuche oder lockere Verbindungen führen zu gefährlichen Dampfansammlungen im Motor- oder Tankraum. Selbst ein kleiner Funke (z.B. am Anlasser oder Relais) kann reichen, um die explosive Mischung zu entzünden. Diesel brennt heiss (hohe Flammentemperatur) und kann somit zudem durch defekte Motorenteile Überhitzungen verursachen. Speziell bei Bränden auf Motorbooten wurde zudem vermehrt festgestellt, dass ein Motor, der ohne Kühlwasser läuft, eine verstopfte Frischwasserpumpe oder ein verschlissener Impeller zu extremer Hitzeentwicklung führen kann. Das gilt übrigens auch für Hilfsaggregate. Eine nachgerüstete, feuerfeste Isolierung im Motorraum, wie sie bei modernen Yachten mittlerweile zum Pflichtprogramm gehört, minimiert das Risiko.

Ein weiterer «Klassiker» gefällig? Eine undichte Propangasflasche oder fehlerhafte Gasleitungen können Gasansammlungen im Unterdeck verursachen. Flammen aus dem Herd oder einem Grill können ausser Kontrolle geraten (siehe oben).

Was wir einst in der Schule lernten, jedoch heute längst wieder in Vergessenheit geraten ist (es sei denn, Sie sind Koch von Beruf): Wasser auf Fettbränden führt zur Explosion der heissen Fette und somit zu Stichflammen. Deshalb niemals Öl- oder Fettbrände mit Wasser löschen – eine Brand- respektive Löschdecke ist hier die praktischste und wirksamste Lösung.
Last not least eine Brandursache an Bord, die wohl am häufigsten unterschätzt wird – Blitzschlag! Entsprechende Blitzschutzmassnahmen sind daher mehr als empfehlenswert, sondern ebenfalls Pflichtprogramm. Vor allem auf Segelbooten und -yachten.

Präventive Massnahmen

Um Brandgefahren zu minimieren, sollten Bootsführer regelmässige Vorsichtsmassnahmen ergreifen. Elektrische Leitungen, Batteriekabel und Anschlüsse müssen sauber, fest und feuchtigkeitsgeschützt sein. Veraltete oder beschädigte Kabel (besonders im Motorraum) regelmässig überprüfen und sofort (nicht erst im nächsten Frühjahr) ersetzen. Batteriepole mit Schutzkappen versehen und einen Hauptschalter installieren. Auch die Maschine selbst sowie alle Pumpen und Lüfter prüfen. Für das Winterlager sollte zusätzlich die Batterie abgeklemmt werden.

In der Pantry: Gasanlage regelmässig kontrollieren und warten (die Sicherheitshinweise der jeweiligen Hersteller beachten). Beim Kochen und Braten das sich erhitzende Fett oder Öl möglichst niemals unbeaufsichtigt lassen. (Konsequenzen siehe oben). Eine Löschdecke sollte auf jedem Boot, auf dem gekocht wird (auch wenn ausschliesslich «in Ruhe» im Hafen oder vor Anker der Kochlöffel geschwungen wird), griffbereit in der Pantry lagern, um Fett- oder sonstige typische Küchenbrände ersticken zu können.

Löschmittel und Ausrüstung an Bord

Feuerlöscher: Tragbare ABC-Pulverlöscher (für feste Stoffe, Flüssigkeiten, Gase) sind Pflicht. Nach ADAC-Skipper-Empfehlung gehören Feuerlöscher in entsprechender Anzahl und Grösse an Bord. Üblich sind mindestens 6 kg Pulverlöschmittel (z.B. ein grosser 6‑kg-Feuerlöscher oder mehrere kleinere zu je 2–3 kg). Dabei entspricht ein Löschvolumen von 6 kg etwa 10 Sekunden Löscheinsatz, kleinere 2–3 kg-Feuerlöscher etwa 4–6 Sekunden. Mehr ist besser – bei Unterschreiten der Mindestzahl sollte aufgerüstet werden. Idealerweise sollte ein Feuerlöscher in der Pantry, einer im Cockpit, einer im Motorraum griffbereit sein.

Die erwähnte Löschdecke gehört unbedingt in die Nähe des Herdes. Sie kann Fett- oder Ölbrände schnell ersticken, wenn sie rasch über die Pfanne geworfen wird. Ebenfalls hilfreich ist ein Deckel oder eine feuerfeste Schale, um einen brennenden Topf abzudecken. Übrigens: Häufig führt ein Brand auch zu Leckagen. Eine Lenzpumpe ist in den meisten moderneren Booten ohnehin eingebaut. Bei einem grösseren Wassereinbruch ist jedoch ein energischer Einsatz mit der Pütz «unschlagbar», um schnell zum Leck vorzudringen und es notdürftig abzudichten.

Selten, aber häufig vermeidbar

Statistiken zeigen: Bootsbrände sind aussergewöhnliche Ereignisse in Bezug auf die Gesamtzahl der Einsätze mit Sportbootbeteiligung durch Rettungsgesellschaften. In Deutschland sind es deutlich unter 1 % der DGzRS-Einsätze im Bereich Wassersport. International ist eine Diversifizierung zwischen Rauchentwicklung (mit relativ niedriger Schadensquote), «Feuer an Bord» (mit partiellen Schäden an Bord) oder Bränden mit Totalverlust des Bootes nur schwer möglich. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass höchstens zwei Prozent aller Havarien aus der Welt des Wassersports aufgrund von Bränden an Bord gemeldet wurden. Trotzdem haben diese seltenen Fälle oft ein hohes Schadenspotenzial (Bootsverlust, Gefahr für Personen), weshalb Prävention und gutes Notfallmanagement wichtig sind.

Verhalten auf See im Brandfall

  • Ruhe bewahren – Menschenleben vor Schiff.
  • Alle durch „Feuer an Bord“ informieren. Keine Panik, ruhig und besonnen handeln.
  • Löschversuch nur, wenn gefahrlos möglich.
  • Gegebenenfalls Maschinen abschalten
  • Wenn auf See: Boot möglichst gegen den Wind auf Position halten.
  • Wenn vor Anker oder im Hafen: Liegenachbarn sofort warnen.
  • Notruf absetzen: MAYDAY mit Position, Bootsdaten, Personen an Bord.
  • DSC-Alarm drücken (sofern vorhanden).
  • Ggf. MOB-/Ping-Signal senden.
  • Evakuierung vorbereiten.
  • Rettungswesten anlegen, Rettungsinsel bereithalten.
  • Leinen/Schleppleine/Festmacher klarieren.
  • Wenn Brand ausser Kontrolle, Boot ohne Hektik verlassen.
  • Funkkontakt über Handfunkgerät halten, andere Boote zur Vorsicht aufrufen.