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Leckende Fenster ersetzen – Lästige kleine Leckagen

Autor: Erdmann Braschos

Wenn Sie ein Boot übernehmen, prüfen Sie ob es dicht ist. Spritzen Sie es am Liegeplatz mit dem Schlauch ab und Sie sehen unter welchen Luken und Fenstern es tropft. Nichts ist lästiger, als feuchte Polster, die klamme Koje, salzige Klamotten. Ärgerlich, wenn das Handy, die Kamera oder das Portemonnaie nass werden.

Leckende Fenster ersetzen – Lästige kleine Leckagen
© E. Braschos

Wasser findet durch leckende Beschläge oder Fenster immer einen Weg unter Deck. Ich schlage mich an Bord meiner Swede 55, eines Kunststoffbootes Baujahr 1979 eine Weile mit lästigen kleinen Leckagen herum. Nachdem ich vor einigen Jahren die original Skylights der Marke Goiot durch neue der Moonlight Serie des dänischen Herstellers BSI ersetzte, baute ich sämtliche Decksbeschläge für die Wanten (die sogenannten Püttinge) aus und neu mit Sikaflex ein. Ein Bootsbauer nahm sich den eleganten Vorlukdeckel mit abgewinkelter Frontpartie vor. Seitdem ist auch er bei deftigen Bedingungen mit viel Schräglage und Wasser an Deck dicht. Die zehn Fenster im vorderen Kajütaufbau habe ich wiederholt ausgebaut, mit neuen Original-Dichtungen und schliesslich auch noch mit Sikaflex montiert. Ein arbeitsintensives Provisorium, von dem ich angesichts der dürftigen Ergebnisse abrate.

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Bei praktisch jedem Kunststoffboot ist das Fenster im Prinzip eine zweiteilige Konstruktion. Sie besteht aus einem Aluminium-Aussenrahmen, der mit Blechtreibschrauben zum Innenrahmen gezogen wird. Der Zug auf den Schrauben hält die Fensterscheibe in einer separaten Neoprendichtung zwischen den Rahmen. Zugleich drückt er die Dichtung des Aussenrahmens auf die Kajütwand. Wenn der Ausschnitt genau zum Rahmen passt, die Dichtung nicht versprödet und die Schrauben alle gleichmässig handwarm angezogen wurden, ist das Fenster theoretisch dicht.

3 x Wenn und 1 x Aber: denn die Praxis sieht leider anders an. Wellige Fensterausschnitte mit ausgefranstem Gelcoat, fehlende, geschrumpfte oder verzogene Dichtungen ergeben lästig leckende Fenster. Hinzu kommt: ein sportlich gesegeltes Boot verwindet sich im Seegang. Deshalb sind im Hafen dicht erscheinende Fenster auf See undicht. Es ist mühsam und müssig die Ursache zu finden. Reparieren lässt sich das kaum. Denn bei alten Fenstern sitzen die Niroschrauben wie angeschweisst im Aluminium (Elektrolyse). Einige Schrauben liessen sich mit einem Spezialwerkzeug, einem Schlagschrauber, lösen. Bei anderen rissen die Köpfe ab. Das machte es nur noch schlimmer. Retten lassen sich solche Rahmen dann nicht mehr.

Zeit für neue Fenster. Dazu wurden die alten Fenster beim Einwintern des Bootes ausgebaut, die Fensterausschnitte im Boot ausgemessen (Länge und Höhe der Ausschnitte im Boot, vorhandene Radien und Wandstärke der Aufbauseiten, Krümmung der Kajütseitenwand) und die Fensterrahmen mit nach Hause genommen. Nächster Schritt waren Zeichnungen der vorhandenen Fensterausschnitte. Entscheidend sind die Radien. Denn Sie werden vermutlich nicht die Original-Rahmen bekommen. Jeder Bootsfenster-Hersteller arbeitet mit anderen Profilen, Biegewerkzeugen und Radien.

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Nach beharrlicher Suche wurde ich auf die dänische Firma Ertec aufmerksam. Ich geriet an einem Verkäufer namens Sam Shad. Er erklärt gut. Die Beratung ist auf den Punkt. Sie orientiert sich zweckmässig am Fensterausschnitt und nicht am Aussen- oder Innenmass des Rahmens. Das Design ist schlicht und formschön, der Preis im Vergleich zu anderen Anbietern in Ordnung. Ich kaufte acht Fenster montagefertig.

Vor allem ist die Bauweise anders als bei alten Fenstern. Die Aussendichtung ist ab Werk mit dem Aluminium verklebt. Ebenso bilden der Aussenrahmen und die Scheibe eine Einheit, durch die kein Wasser dringen kann. Meine Anfrage wurde prompt beantwortet und meine E-Mails zur technischen Klärung ebenso. Besonders interessant ist die 9,5 mm breite Dichtfläche zwischen Fensterausschnitt und Aussenkante des Ertec-Fensters. Diese Breite verzeiht Fehler beim Anpassen des Ausschnitts in der Kajütwand.

Wichtig bei neuen Fenstern ist auch die etwaige Krümmung der Kajütwand. Diese lässt sich mit einer aussen aufgelegten Latte leicht ermitteln. Eine geringe Krümmung von zwei, drei Millimetern auf beispielsweise 70 cm lange Fenster machen die Rahmen und Scheiben Sam Shad zufolge problemlos mit. Grössere Biegungen werden vorgekrümmt geliefert.

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Zugunsten vollständig aufliegender Dichtflächen der neuen Rahmen entschied ich mich für etwas grössere Ausschnitte in der Kajütseitenwand. Sam Shad schickte mir die Zeichnungen der Fensterausschnitte 1:1 ausgedruckt. Diese klebte ich mit Prittstift auf eine dünne Faserplatte (Baumarkt), schnitt sie mit der Stichsäge aus und zeichnete den neuen Ausschnitt mit einem Filzstift auf der Kajütseitenwand an.

Zur Änderung der Fensterausschnitte im Boot gibt es theoretisch vier Möglichkeiten: Oberfräse (braucht seitliche Führung und Übung, gefährlich in der Handhabung), den Raspel (beschädigt das Gelcoat), die Stichsäge (reisst ebenso Gelcoat vom Laminat) und die sogenannte Schleifhülse, einen empfehlenswerten, weil preiswerten und einfach zu handhabenden Bohrmaschinenaufsatz. Tipp: besorgen Sie im Baumarkt oder Werkzeugfachgeschäft eine Schleifhülse deren Radius annähernd der Rundung des Fensterausschnitts entspricht. Etwas kleiner sollte er sein. (Kosten 30 €).

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Da Glasfaser-Schleifstaub sehr schädlich ist, unbedingt mit einer hochwertigen Atemmaske der Filterklasse 3 arbeiten, die Mund und Nase umschliesst. (Kosten ca 75 €).

Die 10 bis 14 mm Wandungen der Aufbauseiten meines Bootes waren mit der Schleifhülse in achtziger Körnung flott angepasst. Wider Erwarten kam ich mit einer Schleifhülse für alle acht Fensterausschnitte aus. Sogar den geraden Flanken der Fensterausschnitte liessen sich mit der Schleifhülse zügig Material wegnehmen. Abschliessend wurde das werftseitig beim Anbringen der Fensterausschnitte beschädigte Gelcoat mit Epoxidspachtel geglättet, um eine breite Auflagefläche für die Dichtung zwischen Rahmen und Kajütwand zu schaffen und Leckagen auszuschliessen.

Die Montage der Fenster war mit fertig vorgebohrten Rahmen und griffigen 20er Torx-Blechtreibschrauben flott gemacht. Das aufwändigste an der Sache war es zu verstehen wie es geht, den richtigen Bootsfenster-Lieferanten zu finden und die Vorbereitung der Schablonen zum Anzeichnen. Fackeln Sie beim undichten Bootsfenstern nicht lange. Das Herumdoktern an alten Rahmen macht keinen Spass und ist vergeudete Zeit. Machen Sie es gleich richtig und freuen sich über eine ringsum trockene Kajüte.

Aufwand
Suche des geeigneten Bootsfenster-Herstellers und technische Klärung: 8 Stunden
Ausbau der alten Rahmen: 4 Stunden
Ausbau der Handläufe und Teakleisten entlang der Rahmen: 3 Stunden
Reinigen der alten Fensterausschnitte: 4 Stunden
Anfertigen von drei Schablonen für verschiedene Fenstergrössen: 2 Stunden
Beschaffung Werkzeuge und Atemschutz: 1 Stunde
Anzeichnen der geänderten Fensterausschnitte: ½ Stunde
Anpassen der Fensterausschnitte per Schleifhülse: 2 Stunden
Spachteln: 1 Stunde
Montage 8 Fenster: 1 1/2 Stunden
Einbau der Handläufe und Teakleisten 2 Stunden
Reinigung der Kajüte 2 Stunden
Arbeitszeit: 31 Stunden

Kosten
8 Rahmen 2.250 € inkl. Verpackung/Versand und dänischer Mehrwertsteuer, Werkzeug/Atemschutz ca. 100 €
Lieferzeit ca 6 Wochen

Thema

Segeln

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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