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Staatsyachten

Die drei schönsten Staatsyachten

Staatsyachten
Die "Dannebrog" am heimatlichen Liegeplatz in Kopenhagen © Wikimedia Commons / Colin

Die schönsten von Ihnen sind mehr als stattlich. Staatsyachten wie «Britannia», «Dannebrog» oder «Norge» sind wunderbar von gestern, charmante Zeugnisse des Schiffbaues vergangener Zeiten.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 03.11.2020

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • die Geschichte der drei schönsten klassischen Staatsyachten
  • Einzelheiten zu Britannia, Dannebrog und Norge
  • wie viele Besatzungsmitglieder die Schiffe brauchen

Die älteste ist die «Dannebrog». Von Pausen abgesehen ist sie seit ihrer Inbetriebnahme im Mai 1932 für das dänische Königshaus unterwegs. Sie entstand in der Kopenhagener Orlogsværftet (Kriegsschiffwerft). Wie bei Dampfern dieser Ära üblich, erinnert ihr Rumpf mit kühnem Klippersteven, Klüverbaum und prächtiger Bugverzierung an die letzten Großsegler. Das gestreckte weiße Schiff mit unzähligen Bullaugen, ockerfarbenen Aufbauten und rückwärts geneigtem Schornstein erscheint wie aus einer anderen Welt. Die «Dannebrog» ist oft bei der Ansteuerung der Kopenhagener Innenstadt an backbord gegenüber vom Langelinie Park zu sehen, wo die Schönheit zwischen einer Muringboje und der südwärts schützenden Mole vertäut ist. Die Besatzung ist vor dem Schornstein untergebracht. Sie setzt sich aus neun Offizieren, sieben Bootsleuten, zwei Zeitsoldaten und 35 Wehrpflichtigen zusammen. Ist die Königin mit bis zu 14 Passagieren an Bord, kommen 27 Bedienstete des königlichen Haushalts dazu. Der bessere hintere Teil der dänischen Staatsyacht ist für die königliche Familie und ihre Gäste reserviert. Vermutlich wird es dann auf dem 10m breiten und 78m langen Schiff etwas eng. Im Zweiten Weltkrieg diente die «Dannebrog» als Lazarettschiff. Die Patienten waren achtern in den königlichen Gemächern untergebracht. In den Achtzigerjahren erhielt das Schiff neue Dieselmotoren und ein Bugstrahlruder.

Staatstragend beflaggt, die "Dannebrog" mit stattlicher Landesfahne
Staatstragend beflaggt, die "Dannebrog" mit stattlicher Landesfahne © Wikimedia Commons / Hein Mück

Etwas jünger und moderner ist die «Norge». Sie entstand als «Philante» des englischen Flugzeugfabrikanten und passionierten Seglers T.O.M Sopwith, der sich zuvor mit den J-Class Rennern «Endeavour» um den America’s Cup bemüht hatte. Der 80m lange Vierdecker lief 1937 in Southampton bei der Camper & Nicholson-Werft vom Stapel. Im Zweiten Weltkrieg war «Philante» für die englische Marine als Konvoi-Begleitschiff im Atlantik unterwegs. 1947 wurde das Schiff König Haakon VII. von Norwegen als Staatsyacht vorgeschlagen. Er erhielt zu seinem 75. Geburtstag zunächst einmal ein Modell. Mit «Philante», einer der größten Privatyachten überhaupt, ging ein seit 1905 gehegter Traum des Königshauses in Erfüllung. Möglich wurde er durch Spenden vieler Norweger, die damals die stolze Summe von 1,5 Millionen norwegische Kronen sammelten. Seit Überholung der etwas verwohnten Kajüten ist es als «Norge» für die mittlerweile dritte Generation des norwegischen Königshauses unterwegs, ab und zu als Begleitschiff einer der «Fram» genannten Regattaboote des norwegischen Königs. Von Mai bis September kümmert sich eine 54-köpfige Besatzung um «Norge». Die Wintermonate über pflegen 20 Mann das stillgelegte Schiff. «Norge» ist oft in Oslo zu sehen. Die königliche Flagge am hinteren Mast zeigt an, wenn sich der König an Bord befindet.

Die "Norge" in Oslo
Die "Norge" in Oslo © Wikimedia Commons / Ein Dahmer

Die englische Königin «Elisabeth» gilt als Inbegriff von Disziplin. Sie ist nicht für Emotionen bei öffentlichen Auftritten bekannt. Als aber die Staatsyacht «Britannia» 1997 stillgelegt wurde, soll sie eine Träne vergossen haben. Sie hatte das Schiff 1953 getauft. Seitdem war es zu fast 700 Besuchen im Ausland und 272 Visiten rings um Großbritannien unterwegs gewesen. «Britannia» entstand bei der Werft John Brown & Company am Clyde in Schottland. Prinz Charles und seine Frau Diana verbrachten 1981 ihre Flitterwochen an Bord. Die 126 m lange und 17 m breite Yacht beschäftigte eine 136-köpfige Besatzung. Zugunsten des vibrationsarmen und entsprechend komfortablen Betriebs erhielt «Britannia» Dampfturbinen statt Dieselmotoren, die aber auch bei reduzierter Fahrt viel verfeuerten. Der große Spritverbrauch begrenzte die Reichweite. «Britannia» war so entworfen, dass sie im Krieg als schwimmendes Krankenhaus eingesetzt werden konnte und bei einem Atomkrieg die königliche Familie beherbergt. Angesichte der laufenden Kosten von 30 Millionen Euro jährlich, an denen sich das Königshaus nicht beteiligen mochte, sollte «Britannia» durch ein moderneres Schiff ersetzt werden. Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Die elegante dunkelblaue «Britannia» ist heute als Museumsschiff zugänglich und kann als Location für zünftige Parties gemietet werden. Das Bondgirl - Dr. No und Casino Royal - Ursula Andress feierte ihren Siebzigsten an Bord.

"Britannia" in Kanada
"Britannia" in Kanada © Dept. of National Defence Canada

Dannebrog

Länge über Alles: 78 m
Breite: 10,40 m
Tiefgang: 3,62 m
Verdrängung: 1.238 t
Höchstgeschwindigkeit: 14,75 kn
Dieselmotoren: 2 x 1.740 PS

Norge

Länge über Alles: 80,20 m
Breite: 11,60 m
Tiefgang: 4,70 m
Verdrängung: 1.628 t
zwei Dieselmotoren zusammen 3.520 PS
Höchstgeschwindigkeit: 16 kn

Britannia

Länge über Alles: 126 m
Breite: 17 m
Tiefgang: 4,6 m
Verdrängung: 4.320 t
Maschinen: Dampturbinen mit zusammen 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: 21,5 kn

VG