Typischer Fall von „eigentlich ganz einfach oder doch nicht?“. Ein Zweimaster ist ein Schiff oder Boot mit zwei Masten. So weit, so gut. Der gewisse Unterschied liegt jedoch im Detail: Wo stehen die Masten im Boot, wie lang sind sie und welche Segel werden daran gesetzt.
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Zwei Masten auf einem Boot
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Zwei Masten auf einem Boot, einer Yacht oder gar einem Schiff – nicht nur für Individualisten und „Segelfreaks“ die erste Wahl. Viele Langfahrt- und Blauwasser-Segler schwören darauf.
Inhalt
Zunächst zu den Klassikern, also den Vorläufern der aktuell in der Wassersportbranche verwendeten Zweimaster.
Schoner
Beim Schoner ist der hintere Mast (Grossmast) deutlich höher als der vordere (Fockmast). Auf Schonern wurden meist Gaffel- oder Bermudasegel gesetzt, mehrere Vorsegel, hintereinander „aufgereiht“ waren bis etwa 6-7 Beaufort gängig. Schoner galten als relativ leicht mit kleiner Crew zu manövrieren und erreichten für die damalige Zeit /17. - bis frühes 20. Jahrhundert), hervorragende Geschwindigkeiten auf raumen Kursen.
!Brigg
Bei dieser Takelungsart ragten beide Masten etwa gleich hoch gen Himmel, oder der Fockmast war sogar höher als der Grossmast. Auf der Brigg wurden an beiden Masten Rahsegel gesetzt, was die Schiffe hauptsächlich auf raumen oder Vorwindkursen effizient machte. Um die Amwind-Eigenschaften sowie die die Manövrierbarkeit der Briggs zu verbessern, wurden Focksegel (vom Fockmast zum Sprietbaum) gesetzt. Zusätzlich wurden zwischen Fock- und Grossmast sogenannte Stagesegel gehisst. Briggs wurden als Handels- und Kriegsschiffe über Jahrhunderte hinweg eingesetzt.
Brigantine
Hier ist der Fockmast (vorderer Mast) meist rahgetakelt, am Grossmast, also dem hinteren Mast, werden Gaffel oder Bermudasegel (Schratsegel) gesetzt, oft ergänzt durch zusätzliche Rahsegel. Der Grossmast ist meist der höhere der beiden Masten.
Im modernen Wassersport und im Besonderen auf dem Gebrauchtbootmarkt werden zwei Arten von Zweimastern angeboten: die Ketsch (oder Ketch) und die Yawl. Beide Modelle zählen zwar nicht zu den Verkaufsschlagern, werden jedoch hauptsächlich von Individualisten und/oder Langfahrtseglern immer wieder gesucht (und, ganz nebenbei bemerkt, bei Boot24 gefunden).
Die Ketsch
Dieser Zweimaster definiert sich in erster Linie durch die Position des kleineren, hinteren Besanmastes: Das Ruder respektive der Steuerstand einer Ketsch befindet sich per Definition hinter dem Besanmast. Die Grosssegel sind, wie bei nahezu allen modernen Booten üblich, überwiegend Schratsegel, eher selten Gaffelsegel. Sie können am Grossmast (also der vordere Mast) ähnlich gefahren werden wie eine Sloop, also mit Grosssegel, Vorsegel und Spinnaker (symmetrisch wie asymmetrisch). Auch am kleineren, hinteren Besanmast wird ein (deutlich kleineres) Grosssegel/meist Schratsegel gesetzt. Dort sind ebenfalls diverse Spi-Arten möglich (zwischen den beiden Masten. Die Ketsch gilt, in welcher Grösse, Form und Verdrängung auch immer, als ein besonders zuverlässiges Fahrtenboot für die Langstrecke. Viele Blauwassersegler schwören auf das ruhige Segelverhalten einer Ketsch bei schwerem Wetter und hoher See. So reffen etwa Ketsch-Skipper im Sturm das Grosssegel am Grossmast maximal bzw. holen es vollständig ein und verlassen sich ausschliesslich auf das (ebenfalls reffbare) Besansegel.
Nachteil: Eine Ketsch ist im direkten Vergleich mit Einmastern vornehmlich die teurere Variante. Ebenso ziehen zwei Riggs entsprechend mehr Unterhaltskosten nach sich. Vor allem Eigner älterer Ketsch-Yachten bemängeln ein eher mässiges Am-Wind-Verhalten.
Yawl
Noch ein Zweimaster, mit einem (überwiegend) deutlich niedrigeren Besanmast (also hinteren Mast). Unterschied zur Ketsch: Der Mast ist hinter dem Ruder respektive Steuerstand aufgepflanzt. Das zieht nach sich, dass der Besanbaum der Yawl häufig weit über das Heck hinaus ragt. Yawl-Eigner sehen ihren Besanmast weniger als Vortrieb-Hilfe, sondern als „Instrument“ zum Kurstrimm etwa am Wind. Vor der Zeit der Autopiloten galten Yawls als besonders kursstabil bei den meisten Windeinfallwinkeln. Somit trägt das Besansegel einer Yawl weniger zum Vortrieb bei, erhöht aber die Performance am Wind. Auf diesem Kurs ist sie grösstenteils schneller als eine Ketsch, jedoch langsamer als eine Sloop. Nachteile: Auch hier gilt, ähnlich wie bei der Ketsch, „Zwei Riggs verursachen mehr Kosten als ein Rigg“.
Besonderheiten
Einige Regattayachten, z. B. Cat Ketch Twins oder Performance Cruising Cat-Rig, haben zwei Masten gleicher Höhe: Vorderer Mast = Grossmast. Hinterer Mast = gleich hoch, überwiegend kleinerer Segelplan (Bermuda oder Gaffel).
Interessante Zweimaster sind auch Katamarane und Proas, auf denen Zwillingsmasten (Twin-mast) – auf jedem Schwimmer bzw. auf Rumpf und Ausleger (bei Proa) – stehen. Die Idee stammt ursprünglich aus der polynesischen Seefahrt, wurde aber im 20. Jahrhundert von Multihull-Designern wie Wharram wieder aufgegriffen.
Ein besonders gewagter Vertreter dieser Zweimast-Gattung war der Katamaran Team Philips. Er wurde in den 1990ern für die Weltumseglungs-Regatta „The Race“ entworfen und segelte erstmals im Jahr 2000. Der 120-Fuss-Katamaran war mit Twin Masts ausgestattet (je einer auf jedem Rumpf), entworfen für die Hochsee-Weltumseglung The Race. Das Projekt schlug fehl: Bei einem Sturm ging das Boot verloren, wenige Wochen bevor „The Race“ gestartet wurde.
