Blog

Segeln auf der Milchstrasse

Autor: Michael Kunst
  

Keine Angst vor Nachttörns – sie zählen zu den schönsten Erlebnissen im Leben eines Seglers.

Segeln auf der Milchstrasse
Auch das gehört zum Nachtsegeln, wunderschöne Sonnenuntergänge

Die Sonne ist längst untergegangen. Am Horizont verraten nur noch wenige schwach leuchtende, dunkelrote Lichtstreifen, dass der Himmel den ganzen Tag über von dem gleissenden Fixstern beherrscht wurde. Von Osten her verschleiert ein dunkles Band den Himmel, zwischen dem erste Sterne aufblinken – die Magie beginnt. Langsam verwandeln sich die Konturen der Wellen zu einem diffusen, riesigen Etwas, das Boot und Crew wohlwollend und sicher durch die schwarzen Stunden tragen wird. Die Wellenkämme blaken im Dunkel der Nacht, das seltsam veränderte Rauschen und Gurgeln des Rumpfes im Wasser lassen erahnen, dass bald die Stunde kommen wird, in der „das Meer dir seine letzten Geheimnisse verraten wird“.

Respekt und Selbstvertrauen

Eigentlich ist es erstaunlich, dass bei Umfragen so viele gestandene Skipper erklären, sie seien noch nie durch die Nacht gesegelt. „Furcht vor dem Unsichtbaren“ zählt zu den am häufigsten genannten Gründen und „mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“
Zwei Argumente, deren Essenzen übrigens durchaus wichtig für eine erste Nachtausfahrt sind. Denn eine gehörige Portion Respekt vor dem Meer und der Natur und eine gesunde Selbsteinschätzung sind Grundvoraussetzungen für einen gelungenen Törn unterm Sternenhimmel.

Elf Tipps für den ersten "Schlag in die Nacht"

1. Revier. Wählen Sie ein möglichst „einfaches“ Revier, das keine ausserordentlichen navigatorischen Kenntnisse voraussetzt. Die offene See ohne Untiefen und wenig Schiffsverkehr wäre ideal.

2. Hindernisse. Informieren Sie sich über alle Besonderheiten des Reviers und der angepeilten Strecke. Wo liegen Hindernisse/Untiefen, wie umgehe ich dieselben?

3. Navigationssystem. Wie tagsüber auch, verlassen Sie sich nachts nicht nur auf ein Navigationssystem. Wer also am liebsten nach GPS segelt, sollte auch Karten zur Hand haben und umgekehrt. „Überflieger“ (Übersichtskarte) für das gesamte Revier sind für die gewissenhafte Vorbereitung ebenfalls unerlässlich. Checken Sie nachts häufiger als tagsüber ihre Position, da man ja nur bedingt „auf Sicht“ fahren kann.

4. Radarreflektoren und/oder Radarantenne korrekt installiert? Batterien optimal geladen für dauerhaften Radar- und /oder ASI-Einsatz?

5. Lichterführung/Positionslampen an Bord. Überprüfen Sie die Mast-, Bug- und Heckbeleuchtung auf einwandfreie Funktion.

6. Lichterführung der anderen. Frischen Sie Ihre Kenntnisse in Bezug auf Lichterführung anderer Boote auf! Halten Sie ein entsprechendes Handbuch und ein lichtstarkes Fernglas parat.

7. Wetter. Laufen Sie zu ihrem ersten Nachttörn nicht bei unklarer Wetterlage aus. Muten Sie sich keine unruhige See oder zu starken Wind zu. Merke: Nachts fühlt sich der Wind mindestens 1-2 Beaufort stärker an als tagsüber.

8. Beginnen Sie einen Törn möglichst nicht mit Ihrer ersten Nachtfahrt, schon wegen der höheren Seekrankheitsanfälligkeit im Dunkeln.

9. Segelfläche. Reffen Sie nachts früher als tagsüber. Sie wollen ja keine Rekorde fahren.

10. Beleuchtung. Viele Fahrtenschiffe haben einen bereits installierten Spot für Arbeiten am Grosssegel. Nutzen Sie denselben nicht zu oft! Sie werden erstaunt sein, wie schnell sich die Augen an das diffuse Licht gewöhnen und wie viel sie erkennen können. Denn alle Lichtquellen haben bekanntlich im Schwarz der Nacht den Effekt, dass sich die Augen (nach dem Ausschalten der Lampen) erst lange wieder an das Dunkel gewöhnen müssen. Das gilt übrigens im Besonderen für Stirnlampen – die spenden für kleinere Arbeiten an Bord zwar sehr effizient Licht, vermeiden Sie aber, Ihre Crewkollegen damit zu blenden! Sonst sehen die nämlich ganz andere Sterne als die der Milchstrasse!

11. Gönnen Sie sich was Gutes! Bereiten Sie aussergewöhnliche Snacks vor oder sorgen Sie dafür, dass der (seefeste) Smutje unter Deck besonders Schmackhaftes zubereitet. Vermeiden Sie jeglichen Alkohol, auch wenn Ihre Wache ja „erst in ein par Stunden“ beginnt…

12. Segeln Sie Ihren ersten Nachttörn nicht alleine! Auch wenn die nächtliche Solofahrt später seinen besonderen Reiz haben mag, sammeln sich ersten Erfahrungen am besten mit einer Crew.

Wenn Ihnen nun die meisten der o.g. Regeln sowieso schon vom Segeln bei Tageslicht bekannt vorkommen, so ist das reine Absicht: Im Prinzip ist Segeln bei Nacht in erster Linie eben doch… Segeln! Gute Seemannschaft im Sinne einer korrekten Vorbereitung des Törns und sicheren Handhabe des Schiffes sind und bleiben für jeden „Schlag“ Grundvoraussetzung. Ob bei Tag oder bei Nacht.
Und vielleicht erleben Sie dann ja ihren nächtlichen Törn ähnlich intensiv wie es einst der grosse Bernard Moitessier beschrieben hat: „Erst war da die Milchstrasse in einer Schönheit, wie ich sie sonst nirgendwo gesehen habe. Alles war so nah, als segle ich auf ihr in die unendlichen Weiten des Alls. Dann ging der Mond auf und „Joshua“ steuerte genau auf seiner glitzernden Spiegelung dem Horizont entgegen. Es war reine Magie!“

Thema

Segeln

Autor

Geschrieben von

Seit 25 Jahren als Reporter unterwegs, segelt seit er im Midlife-Crisis-Alter ist, ein gebrauchten Laser.

Der vergessene Held

Der vergessene Held

Der britische Abenteurer und mehrfache Weltumsegler David Cowper (74) ist nach dem Umstieg auf Motorkraft weiter auf Rekordkursen unterwegs. Er hat mit seinem Sohn Fred auf der «Polar Bound» den schwierigsten Abschnitt der Nordwest-Passage bezwungen. Sie passierten mit dem 48 Fuss langen, speziell für die Eisfahrt verstärkten Aluminium-Konstruktion die Fury-und-Hecla-Strasse, eine 160 Kilometer lange und 35 Kilometer breite Meerenge, die erst 1822 entdeckt worden war.

Segeln im Film

Segeln im Film

Ist die Wetterlage eher ungemütlich, das Boot winterfest verpackt, und die heimische Popcornproduktion läuft auf Hochtouren…dann ist Film-Zeit in unseren Gefilden.

Kinder an Bord, alle in einem Boot

Kinder an Bord, alle in einem Boot

Sie wollen, sie wollen nicht oder vielleicht doch, aber nur ein bisschen? Das Thema beschäftigt Eltern, seitdem Wassersport nicht mehr nur eine Freizeitbeschäftigung fürs betuchte Adelsgeschlecht ist: Nehmen wir unseren Nachwuchs mit aufs Boot und verbringen unsere Ferien oder Wochenenden gemeinsam auf dem Wasser? Oder ist das weder für Eltern noch für die Kinder zumutbar?

Kundenfeedbacks
Feedbacks“Boot nach 3 Tagen Aufschaltung verkauft. Ihre Seite ist genial!”
Zahlungsarten
Visa MasterCard American Express Postcard Rechnung PayPal

Visa, MasterCard, American Express, Postcard, Rechnung oder PayPal

Sicherheitssystem
No Spam

Unser Sicherheitssystem schützt Sie sicher vor Werbe-E-Mails und Onlinebetrügern.

© 2002 – 2017 boot24.ch, eine Dienstleistung der ayon GmbH | www.caravan24.ch