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Transatlantik unter Motor

Autor: Michael Kunst
  

Während derzeit Hunderte Segelyachten im Jahr den „Sprung über den Grossen Teich“ wagen – ganz egal ob solo, in der Flotte, einhand oder mit Crew, von Ost nach West oder umgekehrt – gilt die gleiche Route mit dem Motorboot noch als echte Herausforderung, an die sich nur wenige Enthusiasten wagen.

Transatlantik unter Motor
Eine Elling 4 in der Bucht von San Francisco © Elling

Eigentlich kaum erstaunlich: So verhalten sich Motorboote in hohem Seegang deutlich „ungesünder“ als Segelyachten. Sie rollen, wiegen und stampfen mehr als Boote unter Segeln, sie können vor brechenden Wellen quer schlagen, kentern und haben dabei nur selten ein tatsächlich verlässliches, aufrichtendes Moment. Und das Treibstoffproblem für die zwischen 2.000 und 3.000 Seemeilen lange Reise erweist sich in nahezu jedem Fall als besondere Herausforderung – wohin nur mit den Tausenden Litern für die zumeist gefrässigen Verbrennungsmotoren?
Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von mehrstöckigen 80 Meter-Megayachten, sondern von Motorbooten im wahrsten Sinne der Bezeichnung, die folgerichtig schon bei 15 Metern als „lang“ bezeichnet werden. Mit so einer motorisierten „Nussschale“ von Kontinent zu Kontinent zu fahren, artet schnell in ein echtes Abenteuer aus.

Die Liste derjenigen, die solch eine Fahrt seit Erfindung des Verbrennungsmotors gewagt haben, ist kürzer als man angesichts des Zeitraumes annehmen könnte. Dafür ist sie gespickt mit skurrilen „Booten“ und erstaunlichen Erlebnissen. Eine Auswahl…

Kerosingetränktes Ölzeug

Heldenhafte Pioniere waren kurz nach Erfindung des Verbrennungsmotors William und Edward Newman. Vater (54) und Sohn (16) tuckerten auf der hölzernen, Karweel beplankten und 11,50 m langen „Abiel Abbot Low“ im Auftrag eines gleichnamigen Motorenherstellers. Sie sollten im Jahre 1902 die Verlässlichkeit von Kerosin-Motoren beweisen.

Was ihnen eindeutig gelang: Der 10-PS-Motor schnurrte ohne eine einzige Panne 37 Tage und Nächte lang über die gesamte Nordatlantik-Route. Dafür fiel im pausenlos miserablen Wetter das vibrierende Boot nahezu auseinander und die Tanks leckten. Die beiden Skipper verbrachten einen Grossteil der geschätzt 3.000 Seemeilen langen Strecke in Kerosin-getränkter Kleidung, Nahrungsmittel wurden knapp und der Kapitän zur See Newman konnte aufgrund der Wetterlage kein Besteck mehr nehmen. Dennoch kamen die beiden nach fünf Wochen vor der Südküste Englands an, wo sie einen Fischer nach dem Weg fragen mussten. Aber was soll’s: Mission erfüllt – Motoren können auch auf See verlässlich sein!

Nur „halb sicher“?

48 Jahre später war dann die „Half Safe“ auf der südlicheren Route von den USA Richtung Afrika unterwegs. Hier ist der Name Programm: Der umgebaute Schwimm- und Landungs-“Jeep“ Ford GPA aus US-Armee-Beständen (im Original mit 50-Liter-Tank gebaut) wurde von dem australischen Paar Elinore und Ben Carlin um etliche weitere Tanks „erweitert“: An das 4,55 Meter lange Allradfahrzeug schweissten sie „Aussentanks“, die 2.000 Liter fassten. Zudem schleppten sie einen schwimmenden Tank mit 1.280 Litern hinter sich her. Elinore konnte sich auf der Rückbank „ausstrecken“, Ben schlief hinterm Steuer. Unmöglich? Vielleicht – aber die beiden schafften den Törn über die Azoren und Kapverden tatsächlich ohne grössere Komplikationen, obwohl sie mehrere Stürme abwettern mussten und der „halb sichere“ Motor mehrfach ausfiel.

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Die "Half Safe" mit Elinore und Ben Carlin bei ihrer Ankunft in Europa © carlin

1971 fuhr schliesslich der Däne Hans Tholstrup auf der nördlicheen Wikinger-Route mit dem Day-Gleiter „Red Eric“ von Ost nach West. Die 6,10 m kurze Draco Daycap2000 hatte einen 90-PS-Aussenbordmotor und war mit Zusatztanks für 1.600 km versorgt. Also musste vorbildgetreu ein Zwischenstopp auf Grönland eingelegt werden, um Treibstoff zu bunkern. Mitten im Nordatlantik fällt Tholstrup auf, dass der Weg rüber nach Neufundland zu weit für die Reserven seines Bootes ist. Er funkt einen vorbeifahrenden Tanker an, der ihn mit Treibstoff und Ersatzteilen für die ausgefallene Steuerung versorgt. Sieben Wochen dauerte die Überfahrt des wagemutigen Wikinger-Nachfahren.

50 Knoten Höchstgeschwindigkeit

Es gibt ein gutes Dutzend dieser Geschichten, die Bücher füllen könnten. Wie z.B. die von Richard Branson, dem berühmten Virgin-Milliardär. Der hatte seine Abenteurer-Karriere nämlich auf dem Langstrecken-Powerboot „Virgin Atlantic Challenger“ begonnen. Ziel: Das „blaue Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung. Der erste Versuch scheiterte 200 Meilen vor dem Ziel – das Boot sank, die Crew wurde gerettet. Beim zweiten Versuch bretterte der 22 Meter lange Monohull aus Aluminium mit 47 Knoten Durchschnitt und 50 Knoten Höchstgeschwindigkeit über den Nordatlantik. Mehrere Tankstopps auf hoher See (12.000 Liter in einer Stunde von einem Tanker) bremsen das Etmal jedoch. Zuletzt gelingt die Rekordfahrt – mit einem Vorsprung von 2 Stunden auf den Liniendampfer „United States“

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Bransons Powerboat Virgin Atlantic Challenger © carlin

Dann waren da noch die Brüder Ralph und Robert Brown, die auf einem offenen „Flat-Boat“ von Florida über Grönland nach… Wiesbaden fuhren! Und damit im Guiness Book der Weltrekorde landeten. Unterwegs trafen sie auf die Deutschen Silvia und Harald Paul, die mit ihrer 12 Motoryacht „Gypsy Life“ ebenfalls zwischen Eisbergen unterwegs waren.

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Mit dem Flatboat auf der Nordroute © brown

Mittlerweile wurde es ein wenig ruhiger in der Szene, zumindest was die Skurrilität der Boote anbelangt. Mehr Werften bauen Motorboote, die in der CE-Kategorie A (Hochsee) zertifiziert und per se durchaus für einen Törn über den Grossen Teich geeignet sind.
So fuhren im Sommer 2009 die frischgebackenen Eigner von drei 15-Meter-Motoryachten Typ Elling E4 mit nahezu jungfräulichen Motoren gleich nach Bootsauslieferung in Holland rüber in die USA. 15 Tage brauchte die Flottille für 2580 Seemeilen von den Kanaren in die Karibik – es gab keinerlei Schäden, weder an Motor noch am Schiff.

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In der Flottille über den Atlantik © Elling

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Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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