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Dem Rätsel auf der Spur

Autor: Michael Kunst

Sind die Mysterien des Bermuda Dreiecks nun gelöst? Ein britischer Wissenschaftler meint den Grund für das Verschwinden der Schiffe gefunden zu haben. Aber was ist mit den Flugzeugen?

Dem Rätsel auf der Spur
Schaurig schön© Pixabay/chengtzf

Geben wir es doch zu: Wir lieben diese Geschichten rund um das Bermuda-Dreieck! Das Geheimnisvolle, Mysteriöse, Unwahrscheinliche und irgendwie kaum Fassbare rund um eine geometrische Form auf der See- und Landkarte, die von den Bermudas im Atlantik hinüber nach Florida, weiter nach Puerto Rico und wieder zurück zu den Bermudas gezogen wird. Diese Mythen von Schiffen und (später auch) Flugzeugen, die spurlos verschwanden. Einfach so, auf Nimmerwiedersehen.

Teuflische Inseln

Bevor das Bermuda-Dreieck in unseren Breitengraden sozusagen populär wurde, waren die namensgebenden Inseln unter Seeleuten längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon vor Hunderten von Jahren berichteten Seereisende von den «verzauberten Inseln» mitten im Atlantik. Später wurde aus «verzaubert» ein «verteufelt», wohl weil einige Unglückliche, die vor den Bermudas auf den Felsen strandeten, eine ziemlich harte Zeit hatten, bis sie von anderen Seefahrern gefunden und gerettet wurden. Ausserdem soll das Gekreische der Sturmvögel und Wildschwein-Grunzen aus der Ferne höllisch geklungen haben. Erst im 17.Jahrhundert verbrachten dort die ersten Menschen eine längere Zeit (10 Monate) – gezwungenermassen, denn die Englischen Kolonisten waren auf dem Weg nach Virginia (heute USA) in einem Sturm auf der Insel gestrandet und brauchten die Zeit, um aus den Resten ihres Schiffes eine Art Rettungsboot für die Tausend Seemeilen lange Überfahrt Richtung Amerika zu basteln.

Kurz, die Bermudas waren per se wenig anziehend. Doch damit nicht genug, zudem wurden den Inseln und den sie umgebenden Wasserflächen üble, weil unerklärliche Dinge nachgesagt. Schon Kolumbus berichtete über das Seegebiet, weil dort sein Kompass völlig verrückt gespielt habe. In den darauf folgenden Jahrhunderten verschwanden in dem Bereich, der später als Bermuda-Dreieck Berühmtheit erlangen sollte, auffallend viele Schiffe mehr oder weniger spurlos.

Von riesigen Seeungeheuern, die Schiffe auf den Meeresgrund ziehen war die Rede, von gewaltigen Stürmen und monatelangen, todbringenden Flauten, in denen die Schiffscrews verdursteten und die Schiffe später in gewaltigen Mahlströmen in die Tiefe der Meere gezogen wurden.

Bermuda Dreieck Bermuda Dreieck © Wikipedia/Danilo94

Zeitlöcher, Seeungeheuer, Aliens

Im Laufe der vergangenen 500 Jahre sind nachweislich etwa 50 Schiffe und 20 Flugzeuge im Seegebiet des Bermuda-Dreiecks verschwunden. Viele gingen verloren, obwohl die See angeblich ruhig gewesen sein soll (was niemals vollständig bewiesen wurde, weil rund um die Bermudas tropische Stürme relativ rasch aufziehen und mit verheerender Wucht zuschlagen können). Dieses «Verschwinden in der Flaute» oder bei «allerbestem Flugwetter» nährte wiederum moderne Mythenbildungen. Plötzlich war von «Zeitlöchern» oder «Tor zu anderen Dimensionen» die Rede. Auch Aliens bedienten sich offenbar häufig im Bermuda-Dreieck und entführten dort vorzugsweise ihre menschlichen Forschungsobjekte.

Das tatsächlich Auffallende an den meisten Verlustmeldungen war jedoch, dass die Schiffe und Flugzeuge verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Nur die «Marie Celeste», eine 103 Fuss lange Brigantine, die 1872 im Bermuda Dreieck verloren ging, tauchte später vor der Küste Portugals treibend wieder auf. Von der Besatzung keine Spur.

Ganz anders der vielleicht berühmteste Fall in jüngster Zeit. Am Nachmittag des 5. Dezember 1945 starteten von Fort Lauderdale/Florida aus fünf TBM Avenger Torpedo Bomber in das Seegebiet des Bermuda Dreiecks. Es sollte lediglich ein zweistündiger Trainingseinsatz werden, doch nach einem letzten Funkkontakt um 16 Uhr verschwanden die Flugzeuge und 27 Männer für immer. Spurlos, als hätten sie niemals existiert. Oder um es mit den Worten des damaligen Marineberichts zu beschreiben: «Verschwunden, als wären sie zum Mars geflogen!»

Seitdem haben Verschwörungstheoretiker und Phantasten das Bermuda-Dreieck als ihr ganz persönliches Nirvana entdeckt (Atlantis-Bewohner entführen Schiff und Besatzung, Aliens landen und starten dort regelmässig, längst ausgestorben geglaubte Seeungeheuer holen sich Segelyachten zum Frühstück, Wurmlöcher öffnen den Weg zum anderen Ende des Universums etc.).

Doch auch die (seriöse) Wissenschaft bemüht sich um Erklärungen für das vermeintlich Unerklärliche. Von starken Magnetfeldern war bereits die Rede, von Stürmen, die aus heiterem Himmel aufziehen, von geheimnisvollen Strömungen und von Methangas-Blowouts auf der Meeresoberfläche, in deren Folge Schiffe, die direkt über dem Blowout fahren, aufgrund der geringeren Dichte von Methan sinken können. Auch eine Entzündung von Methangas an Flugzeug-Motoren könnte rein theoretisch in Flughöhe möglich sein.

Aber 2018 gab es den wissenschaftlichen Nachweis für eine durchaus einleuchtende Erklärung: Freak-Waves.

Sind die Geschehnisse im Bermuda Dreieck alle nur «Fantasy»? Sind die Geschehnisse im Bermuda Dreieck alle nur «Fantasy»? © Pixabay/Noupload

Satelliten finden Monsterwellen

Auch die Existenz der schon seit vielen Jahren geraunten Monsterwellen, die bis zu 35 Meter hoch werden können und eine entsprechend brachiale Zerstörungskraft haben, wurde – ähnlich wie die Phänomene des Bermuda-Dreiecks – immer wieder angezweifelt. Doch mit Hilfe von Satelliten-Aufnahmen und -Messungen konnte mittlerweile diese zuvor zum Seemannsgarn diskreditierten Wellen als real identifiziert werden. (siehe Monster-Wellen: Gibt es sie wirklich?).

Genau diese zerstörerischen, in jeder Hinsicht gefrässigen Riesenwellen auf hoher See gibt der britische Wissenschaftler Dr. Simon Boxall und sein Team nun als Grund für das seltsame Verschwinden im Bermuda Dreieck an. Boxall stellte jahrzehntelange Forschungen in einem Dokumentarfilm zusammen (ausgestrahlt auf «my5 TV/Channel 5», im Web hier). Er zeigte auf, dass Monsterwellen in einer Höhe von bis zu 40 Meter im Prinzip alle Schiffe zum Kentern und Sinken bringen können.

Nicht zuletzt aufgrund der erwähnten Satellitenbeobachtung ist mittlerweile nachgewiesen, dass in bestimmten Gebieten auf unseren Sieben Meeren die Wahrscheinlichkeit, auf eine dieser Freak-Waves zu treffen ungleich höher ist, als in anderen Gebieten. Das Kap Horn zählt dazu, das Kap der Guten Hoffnung und… das Bermuda Dreieck.

Mit einem Modellversuch zeigte Boxall, wie eine dieser Riesenwellen im Bermuda Dreieck entstehen und welchen Schaden sie anrichten könnte. Dafür bauten er und sein Team von der Southampton University ein Modell der USS Cyclops nach. Das 1910 in Dienst gestellte Kohleschiff der US Navy verschwand am 4. März 1918 im Bermudadreieck. 306 Menschen liessen damals ihr Leben – das Wrack wurde nie gefunden.

Laut Boxall hatten sich im Atlantik zum Zeitpunkt des Cyclop-Verschwindens drei Stürme im Atlantik gekreuzt, die aus drei verschiedenen Richtungen auf das Schiff trafen.

Mit dem Modellversuch zeigte Boxall, wie sich Wellengang (Wellenhöhe und Wellenrichtung) auf die «Cyclop» auswirken konnte. Im Wassertank-Versuch ist deutlich zu sehen, wie sich die Monsterwelle bildete und das Modell-Kohlenschiff unter sich begräbt.

Monsterwellen als Lösung für die Rätsel im Bermuda-Dreieck? Möglich und nach den Boxall’schen Forschungen auch durchaus nachgewiesen – zumindest für Schiffe. Aber wie ist das nun mit den Flugzeugen, die buchstäblich aus «heiterem Himmel verschwanden?»

[USS Cyclops ging mit 306 Männern Besatzung im Bermuda Dreieck verloren [USS Cyclops ging mit 306 Männern Besatzung im Bermuda Dreieck verloren © Wikipedia/Public Domain

Ist überhaupt was dran am Mysterium?

Nahezu zeitgleich mit der Boxall-Lösung, die nach Bekanntwerden in mehrfacher Hinsicht «Wellen schlug», meldete sich der australische Wissenschaftskommunikator Karl Kruszelnicki zum Thema Bermuda Dreieck zu Wort. Er stellte klar, was auch andere Forschungsinstitute bereits vermutet oder sogar belegt hatten: An den Phänomenen rund um das Bermuda Dreieck ist nichts dran!

Seine Konklusion nach Faktenauswertung von Logbüchern, Seenotmeldungen, Wetterin-formationen und Statistiken ergab, dass in dem verkehrsreichen Gebiet vor den USA keineswegs überproportional viele Schiffe und Flugzeuge abstürzten, sanken… eben verschwanden. Es sei logisch, so «Dr. Karl» Kruszelnicki, dass dort, wo viel Verkehrsaufkommen herrsche, auch mehr Unfälle passieren. Jedoch seien insbesondere in den letzten Jahrzehnten die Anzahl verschwundener Flugzeuge und Schiffe deutlich gesunden. Eine Folge besserer Navigations-möglichkeiten, genauerer Wettervorhersagen, besser ausgebildeter Kapitäne und Piloten. Doch warum nahezu alle havarierten Schiffe und abgestürzten Flugzeuge spurlos verschwanden und auch in modernen Zeiten keine Überbleibsel mehr zu entdecken waren… dafür hat Kruszelnicki auch keine Erklärung.

Also bleibt alles wie’s war? Das Bermuda Dreieck ist und bleibt ein Phänomen? Kommt drauf an, wem oder was wir glauben wollen.

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Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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