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Flying Dutchman

Eine rasante Rennjolle, die genau das hält, was ihre Linien versprechen

Flying Dutchman
Segelzeichen Flying Dutchman

Eine Legende auf dem Wasser: Die Flying Dutchman Jolle oder kurz: der FD ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts der Inbegriff des sportlich-athletischen Segelns auf Jollen. Kaum eine andere Zwei-Personen-Jolle (doublehanded) fordert von seinem im Trapez stehenden Vorschoter und dem ausreitenden Steuermann mehr athletischen Einsatz schon bei mittleren bis frischen Winden. Die Übertakelung des Bootes, vor allem die riesige Genua, verlangen vollständige Bootsbeherrschung in jeder Situation.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 12.10.2022

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Riss von den Niederländern, Name vom Präsidenten

Als der Flying Dutchman Anfang der Fünfzigerjahre von den beiden Niederländern Gülcher und van Essen als Prototyp vorgestellt wurde, schlug die lang gezogene Rennjolle gleich ein wie ein Sprengkörper. Damals war in Sachen Jollen-Speed und Regatta-Affinität der Sharpie das Maß der Dinge in der europäischen Szene. Doch mit dem „Fliegenden Holländer“ sollten nun neue Zeiten anbrechen. Bei Vergleichsregatten für die übernächsten Olympischen Spiele düpierte der FD – der übrigens seinen Namen von dem damaligen IYRU-Präsidenten und nicht von seinen beiden Erfindern erhielt – alle anderen Klassen. Darunter eben auch der Sharpie und die Hornet.

Von der Spitrompete bis zum Fenster im Vorsegel

Was dann folgte ist längst Segelgeschichte: Von 1960 bis einschließlich 1992 war der Flying Dutchman DIE repräsentative Jolle unter den Olympischen Ringen. Sie eroberte neben dem Olympia-Zirkus auch im Nu die „restliche“ Regattawelt: Schon Ende der Sechzigerjahre gab es Nationale Klassenvereinigungen des FD auf allen Kontinenten und in den (damals) aktivsten Regatta-Ländern wie USA, Deutschland, Frankreich, Australien, Neuseeland, Schweiz, Österreich, in allen skandinavischen Ländern und und und. Doch nicht nur die enorme Verbreitung und Akzeptanz der rassigen Jolle zeichnete für das fast schon mythische Image verantwortlich. Auch zahlreiche Innovationen, die heute längst Standard auf vielen Rennjollen sind, stammen aus dem FD. Wie zum Beispiel die Spinnaker-Trompete, das Endlos-Trapez, der Mastfall, das Fenster in der Genua.

Mehr seglerische Qualität geht nicht

Bis heute sind die Flying Dutchmen und -women eine enorm aktive Regattaklasse, die auf allen Kontinenten und vor allem in europäischen Ländern hochrangig besetzten Regatten organisieren und deren Meisterschaften häufig als „WM des Segelns“ bezeichnet werden. Eine Klasse, die trotz ihres Alters nicht an Popularität verliert. Flying Dutchmen sind echte Überflieger!

Segelriss Flying Dutchman
Segelriss Flying Dutchman