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Der vergessene Held

Autor: Carsten Kemmling
  

Der britische Abenteurer und mehrfache Weltumsegler David Cowper (74) ist nach dem Umstieg auf Motorkraft weiter auf Rekordkursen unterwegs. Er hat mit seinem Sohn Fred auf der «Polar Bound» den schwierigsten Abschnitt der Nordwest-Passage bezwungen. Sie passierten mit dem 48 Fuss langen, speziell für die Eisfahrt verstärkten Aluminium-Konstruktion die Fury-und-Hecla-Strasse, eine 160 Kilometer lange und 35 Kilometer breite Meerenge, die erst 1822 entdeckt worden war.

Der vergessene Held
David Cowper mit seinem Sohn Fred nach dem erfolgreichen Törn durch die Bordwest-Passage © Cowper

Cowper hatte das Schiff zuerst alleine nach Grönland gefahren und war dann in der Arktis mit seinem Sohn unterwegs. Dabei überstanden die beiden mit der «Polar Bound» in starken Srömungsabschnitten mehr als sieben Meter hohe Wellen und 60 Knoten starken Wind. Dabei befand sich das Schiff mehrfach kurz vor dem Überschlag, wenn sie mit dem Bug in ein Wellental stach.

Aber das spezielle eiförmige Design widerstand allen Belastungen. Es soll mit seinen 15 bis 20 Millimeter dicken Aluminium Aussenhaut Eisdruck von 62 Tonnen aushalten und sich im Falle einer Kenterung selber aufrichten. Es ist mit zahlreichen Schotten bestückt, die im Falle eines Lecks wasserdicht verschlossen werden können. Das Steuerhaus ist mit 18 Millimeter dickem Glas-Fenstern verstärkt, die auch bei professionellen Rettungsbooten verbaut werden. Der Antrieb besteht aus einem 150 PS Gardner Acht-Zylinder LXB Diesel-Maschine. Eine Tankfüllung kostet rund 24.000 Euro. Versichert ist das Schiff nicht. Der Perfektionist Cowper sagt, er vertraue darauf, dass er sein Material zu 100 Prozent im besten Zustand habe.

«Polar Bound» hat sich bestens im Eismeer bewährt. © Cowper «Polar Bound» hat sich bestens im Eismeer bewährt. © Cowper

Cowper hat das Abenteuer gewissenhaft vorbereitet. Kein Wunder, denn mit seiner Erfahrung kann es kein anderer aufnehmen. Er ist der erste Mensch, der mit seiner 41 Fuss-Yacht nacheinander zweimal alleine um die Welt segelte in beiden Richtungen und der als erster Segler einhand die Nordwest-Passage bezwang. Insgesamt sechsmal schaffte er die Weltumrundung auf Schiffen. Fünfmal passierte er die Northwest Passage, viermal davon alleine.

Der Weg durch die Fury-und-Hecla-Strasse in der Nordwest-Passage. Der Weg durch die Fury-und-Hecla-Strasse in der Nordwest-Passage.

Seit 1984 ist er per Motor-Antrieb unterwegs. Der Wechsel hatte mit seinem fortgeschrittenen Alter zu tun aber insbesondere auch damit, dass er seine Expeditionen immer mehr in den Polar-Gebieten unternahm. Und in diesen Regionen fehlt häufig der Wind, um voran zu kommen.

Die mächtige Acht-Zylinder-Diesel-Maschine. © Cowper Die mächtige Acht-Zylinder-Diesel-Maschine. © Cowper

Der erste Einhand- Motorboot-Törn in die Arktis mit dem umgebauten Rettungskreuzer «Mabel E Holland» dauerte mit Unterbrechungen vier Jahre. Dabei sank das Schiff eingeschlossen von Packeis. Zwei Jahre lang blieb es an seiner Position. Erst danach gelang es Cowper, das Schiff nach einiger Zeit wieder zu heben und zu reparieren.

Eisiges Vergügen. © Cowper Eisiges Vergügen. © Cowper

2003 startete der Brite erstmal mit seiner neuen «Polar Bound» zur Langfahrt, die ihn unter anderem rund Kap Hoorn brachte. 2009 begann er dann seine sechste Weltumrundung, die er im Oktober 2011 beendete. Danach machte er Schlagzeilen, als die NASA ein Boot suchte, mit dem der verlorenen gegangene Prototyp eines 2,5 Millionen Dollar teuren Senders zu finden wäre, der im Pazifik verloren gegangen war.

Cowper machte sich auf den 900 Meilen langen Weg, um die Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Und tatsächlich schaffte er es das zweieinhalb Meter lange Gerät in der Wasserwüste zu lokalisieren und an Bord zu nehmen.

Die geborgene NASA-Bake. © Cowper Die geborgene NASA-Bake. © Cowper

Angesichts der Leistungen und Rekorde auf hoher See ist es erstaunlich, dass der Brite in der Öffentlichkeit kaum Beachtung findet. Auch sein jüngstes Abenteuer ist kaum gewürdigt worden. Dabei zählt Cowper für Insider zu den grössten Helden der Yachtie-Szene auf der Welt.

Aber um einen solchen Status geht es dem Abenteurer nicht. Er hat sich nie ernsthaft um Sponsoren, und Veröffentlichungen und Aussendarstellung bemüht. Vielleicht mag es daran liegen, dass er seine Reisen nicht besonders hoch wertet im Vergleich zu den wahren Helden, den echten Pionieren früherer Zeiten. Das sei damals etwas völlig anderes gewesen.

Autor

Carsten Kemmling

Geschrieben von

Segel-Journalist (segelreporter.com), Reporter, Match-Racer, Fahrtensegler.

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