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Schwimmender Transformer, nicht nur für die Bucht

Autor: Erdmann Braschos

Ein Motorboot muss cool aussehen, flott zur Badebucht brettern, Platz zum Chillen bieten, mit ruppiger See zurechtkommen – und verblüffen.

Schwimmender Transformer, nicht nur für die Bucht
© evoyachts.com

Zunächst mal sieht die Evo der gleichnamigen neapolitanischen Marke aus wie eine der mittlerweile zahlreichen Wally-Nachahmungen. Steiler Bug, maskuline Linie, klare Kante, seitliche Lufteinlässe. Das ganze clean, ohne den üblichen Klöterkram zum Vertäuen oder Ankern.

Dass die Evo-Range offener Motorboote und Weekender mehr als ein Wally-Verschnitt ist, zeigt sich bei Ankunft in der Badebucht. Da entpuppt sie sich als schwimmender Transformer, der auf Knopfdruck den Anker aus dem Vorschiff hebt, das Achterdeck auf Megayachtbreite bringt und dahinter das Wassermotorrad aussetzt. Bei der Gelegenheit wird die schönste Badeanstalt der Welt, das Meer, über die Freitreppe zugänglich. Dazu gibt es einen pfiffig aus dem Heck geklappten privaten Bootssteg. Als Sonnenschutz oder wenn es abends abkühlt, lässt sich das Cockpit wie beim Cabrio mit einem semiautomatischen Klappverdeck schliessen.

© evoyachts.com

Auch die Lehnen der Sonnenliegen machen keine Mühe. Um die kümmert sich ein weiteres hydraulisches Helferlein. Bedient werden die Finessen per Touchscreen auf dem vertrauten Tablet oder Smartphone. Ebenso wird der Fussboden unter Deck zum Mittelteil einer Liegewiese oder Tisch angehoben. Eine Fläche, drei Ebenen, drei Funktionen.

Wenn sich zuhause die Garage, das Rollo, die Heizung oder Klimaanlage per App fernsteuern lässt, geht das auch mit den Gadgets an Bord, meinen die neapolitanischen Konstrukteure und Bootsbauer von Evo Yachts. Evo steht für Evolution.

Nun gibt es Tischlein Deck-Dich-Lösungen auf sehr grossen Yachten bereits in der einen oder anderen Form. Dort ist bekanntlich nichts unmöglich. Aber auf 43 Fuss, wie dem vor einigen Jahren vorgestellten Prototypen der 2015 gegründeten Werft, hat das noch keiner gemacht. Sowas trauen sich in solcher Konsequenz nur echte italienische Bambinis.

Der um 18 Grad aufgekimmte Rumpf vereint Rauhwasser-Eigenschaften mit dem zugunsten der Gleitfahrt wünschenswerten Auftrieb. Bewegt werden die circa 12t von Volvo Penta IPS Antrieben mit wahlweise 740 der 870 PS. Damit sind 30 Knoten Reisegeschwindigkeit und Vollgas 38 Knoten drin.

© evoyachts.com

Am Ankerplatz für den Tag angekommen wischt man am Armaturenbrett oder dem Tablet herum und tut so, als wäre so ein schwimmender Transformer die selbstverständlichste Sache der Welt. Das Boot gibt es in Batmanschwarz, Schneewittchenweiss und sämtlichen denkbaren Metalliclackierungen. Die 43er ist der Auftakt einer Motoryacht-Range, die 2019 um drei weitere Modelle namens R3, R5 und R6 ergänzt wird. Auch bei den Bootsnamen kann man mal aufräumen.

Nicht ganz so einfach ist die hinter den Gadgets steckende Technik. Elektrik und Hydraulik an Bord funktionieren im Prinzip einwandfrei. Zweifellos, wenn Sie neu ist. Im korrosivem Salzwasserbetrieb verlangt sie jedoch Zuwendung in Gestalt beharrlicher Pflege. Auf Megayachten gibt es dafür den Bordingenieur. Solche Sachen stehen sich durch Vernachlässigung und seltenen Gebrauch bekanntlich kaputt. Daran haben die Tüftler von Evo Yachts gedacht, indem sie die Helferlein redundant entwickelten und zur Not eine Art Handbetrieb bieten. Wenn der Transformer bei niedrigem Sonnenstand in der Badebucht nicht mehr auf die App hört und alles wieder einpackt, kann man mit dem iPhone wenigstens den Techniker in die Marina bestellen.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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