Boote im Porträt3 min Lesezeit

Schwimmender Transformer, nicht nur für die Bucht

Dieses Faltboot verblüfft mit zahlreichen Gadgets

Schwimmender Transformer, nicht nur für die Bucht
Blick auf das ausgeklappe Achterdeck © evoyachts.com

Ein Motorboot sollte cool aussehen, flott zur Badebucht brettern, Platz zum Chillen bieten und mit ruppiger See zurechtkommen. Prima, wenn es dem Nachbarn in der Badebucht noch die Socken auszieht.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 24.04.2019

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie dieses Motorboot üblicher Größe in der Bucht plötzlich breit wird
  • welche Technik dahinter steckt
  • wie die zahlreichen Helfer bedient werden

Zunächst mal sieht die Evo der gleichnamigen neapolitanischen Marke aus wie eine der mittlerweile zahlreichen Wally-Nachahmungen. Steiler Bug, maskuline Linie, klare Kante, seitliche Lufteinlässe. Das ganze clean, ohne den üblichen nautischen Klöterkram.

Dass die Evo-Range offener Motorboote und Weekender mehr als ein Wally-Verschnitt ist, zeigt sich bei Ankunft in der Badebucht. Da entpuppt sie sich als schwimmender Transformer. Auf Knopfdruck hebt sich den Anker aus dem Vorschiff, das Achterdeck erreicht Megayachtbreite. Dahinter wird ein Wassermotorrad ausgesetzt. Bei der Gelegenheit wird die schönste Badeanstalt der Welt, das Meer, über die Freitreppe zugänglich. Dazu wird ein privater Bootssteg aus dem Heck geklappt. Als Sonnenschutz, oder wenn es abends abkühlt, lässt sich das Cockpit wie beim Cabrio mit einem semiautomatischen Klappverdeck schließen.

Das entfaltete Boot mit Badenixe im Buchtmodus
Das entfaltete Boot mit Badenixe im Buchtmodus © evoyachts.com

Auch die Lehnen der Sonnenliegen machen keine Mühe. Um die kümmert sich ein weiteres hydraulisches Helferlein. Bedient werden die Finessen per Touchscreen auf dem vertrauten Tablet oder Smartphone. Ebenso wird der Fußboden unter Deck zum Mittelteil einer Liegewiese oder Tisch angehoben. Eine Fläche, drei Ebenen, drei Funktionen.

Wenn sich zuhause die Garage, das Rollo, die Heizung oder Klimaanlage per App fernsteuern lässt, geht das auch mit den Gadgets an Bord, meinen die neapolitanischen Konstrukteure und Bootsbauer von Evo Yachts. Evo steht für Evolution.

Nun gibt es Tischlein Deck-Dich-Lösungen auf sehr großen Yachten bereits in der einen oder anderen Form. Dort ist bekanntlich nichts unmöglich. Aber auf 43 Fuß, wie dem vor einigen Jahren vorgestellten Prototypen der 2015 gegründeten Werft, hat das noch keiner gemacht. Sowas trauen sich in solcher Konsequenz nur italienische Bambinis.

Der um 18 Grad aufgekimmte Rumpf vereint Rauhwasser-Eigenschaften mit dem zugunsten der Gleitfahrt wünschenswerten Auftrieb. Bewegt werden die circa 12 t von Volvo Penta IPS Antrieben mit wahlweise 740 der 870 PS. Damit sind 30 Knoten Reisegeschwindigkeit und Vollgas sogar 38 Knoten drin.

Die Badeplattform wird hydraulisch aus- und eingeklappt
Die Badeplattform wird hydraulisch aus- und eingeklappt © evoyachts.com

Am Ankerplatz für den Tag angekommen wischt man am Armaturenbrett oder dem Tablet herum - als wäre so ein schwimmender Transformer die selbstverständlichste Sache der Welt. Das Boot gibt es in Batmanschwarz, Schneewittchenweiß und sämtlichen denkbaren Metalliclackierungen. Die 43er ist der Auftakt einer Motoryacht-Range, die 2019 um drei weitere Modelle namens R3, R5 und R6 ergänzt wird. Auch bei den Typbezeichnungen kann man mal aufräumen.

Nicht ganz so einfach ist die hinter den Gadgets steckende Technik. Elektrik und Hydraulik an Bord funktionieren im Prinzip einwandfrei. Zweifellos, wenn Sie neu ist. Im korrosivem Salzwasserbetrieb verlangt sie jedoch Zuwendung und regelmäßige Pflege. Auf Megayachten gibt es dafür den Bordingenieur. Solche Sachen stehen sich durch Vernachlässigung und seltenen Gebrauch leider kaputt. Daran haben die Tüftler von Evo Yachts gedacht, indem sie die Helferlein redundant eingebaut haben und zur Not eine Art Handbetrieb bieten. Wenn der Transformer bei niedrigem Sonnenstand in der Badebucht nicht mehr auf die App hört und alles wieder einpackt, kann man mit dem iPhone wenigstens den Techniker in die Marina bestellen.

Die Badeanzüge passen farblich zum Boot 
Die Badeanzüge passen farblich zum Boot  © evoyachts.com

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