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Jeanneau NC 11: Die Lässige

Autor: Michael Kunst
  

Wer gerade auf der Suche nach einem ausgefallenen und eleganten, zudem soliden und verlässlichen Gebrauchtboot für coole Daytrips und Wanderausfahrten ist – bei der Jeanneau NC 11 kann man beruhigt «andocken».

Jeanneau NC 11: Die Lässige
Ein lässiger Cruiser, der reichlich Spass macht © Jeanneau

«In selbstsicherer Weise ungezwungen und ohne grosse Förmlichkeit», umgangssprachlich auch «leicht, ohne Schwierigkeiten» – selten passte eine Wortbedeutung laut Duden so klar zu einem Motorboot. Denn die Jeanneau NC 11 wird seit Jahren in verschiedenen Tests und Beschreibungen treffend mit «lässig» beschrieben. Eine Bezeichnung, die sich das Boot durchaus verdient hat.

Nun ist es natürlich bei einer Gebrauchtbootempfehlung nicht mit einem einzigen Wort getan. Und dennoch sei hier von Anfang an gesagt: Dieses Boot begeistert. Und ist gerade deshalb relativ rar auf dem Markt. Wer also eine Chance erhält, sollte sie rasch und unbesorgt nutzen. Denn die NC 11 wird noch lange als State of the Art in einem Bootssegment gelten, das von Jeanneau weiterhin zurecht mit «das neue Raum- und Lifestyle-Konzept» bezeichnet wird.

Die Jeanneau NC 11 kam 2010 auf den Markt und wurde prompt 2011 zum «Powerboat of the Year» gekrönt. Und das nicht etwa wegen ihrer schieren Kraft, sondern aufgrund eines ganz besonderen Durchblicks (bitte wörtlich nehmen) und einer, wie sich heute schon rausstellt, zeitlosen Eleganz.

Yacht mit Durchblick

Eigentlich ist es gewagt ein Boot, das ja mehrere Jahre auf dem Markt bleiben soll, mit der Abkürzung NC für «New Concept» zu versehen. Denn jedes neue Konzept ist bekanntlich irgendwann veraltet. Und dennoch, bei der NC 11 scheint eine Ausnahme gelungen. Das Boot hat auch sieben Jahre nach seiner Markteinführung nichts von seinem aussergewöhnlichen Charakter eingebüsst.

Steuerstand © Jeanneau Steuerstand © Jeanneau

Die seinerzeit werksseitige Umschreibung «eine neue Art von Boot» ist auch aus dem heutigen Blickwinkel noch gerechtfertigt. Das Design hatte Jeanneau seinerzeit im Vergleich zu seinen anderen Konstruktionen grundlegend geändert: Sonnendach und Salon-Fahrstand und das nach achtern übers Cockpit gezogene Kabinendach galten als Reminiszenz an ähnlich geschnittene skandinavische Boote. Dass die «Terrasse» im Heckbereich dann jedoch mit ähnlichen Designmerkmalen wie bei einer Wally verglichen wurde, kann man gelinde gesagt als «etwas vollmundig» bezeichnen.

Appartement mit Terrasse © Jeanneau Appartement mit Terrasse © Jeanneau

Nord, Süd oder beides?

Doch das ändert nichts am gelungenen Gesamtkonzept des Bootes. Jeanneau wollte damals und will heute einerseits den nördlichen Markt in Angriff nehmen und bot für Interessenten in der Ost- und Nordsee gleich eine Heizung mit an – für den ebenfalls angepeilten südlichen (Mittelmeer-)Markt steht sinnvollerweise eine Klimaanlage zu Wahl.

Möwenperspektive © Jeanneau Möwenperspektive © Jeanneau

Aber grundsätzlich dürfte sich das Konzept des Bootes eher für nördliche Gefilde oder für ausgedehnte Fahrten entlang bretonischer oder normannischer Küstenlandschaften bei nicht ständig brüllender Hitze eignen. Anders formuliert: Die hervorragende Rundumsicht und das enorme Glasdach (das übrigens vollständig geöffnet werden kann) sind eben dafür gedacht, dass man DAHINTER und DARUNTER Schutz vor den Elementen findet. So ist die Jeanneau NC 11 in erster Linie etwas für Cruiser mit einem gewissen Sinn für Stil, Eleganz und… Lässigkeit.

«In Style»

Der oben liegende Salon vermittelt – nicht zuletzt, weil er immer maximal lichtdurchflutet ist – ein grosszügiges Raumgefühl. Vom (französisch-kurz-ausgefallenen) Fahrerstand kann man die NC 11 hervorragend mit der gebotenen Rundumsicht durch Fjorde, Archipelageos und sonstige Küstenlandschaften steuern. Ungewohnt aber willkommen, dass für den oder die Beifahrer gleich in der Verlängerung des Fahrersitzes noch eine Bank vorgesehen ist. So kann man wirklich gemeinsam die Fahrt geniessen.

In den unteren Räumen dann zeitlose, skandinavisch angehauchte, manche behaupten sogar Zen-inspirierte Eleganz. Helle Hölzer, geschmackvolles Design in der Pantry und in den Nasszellen.

Also doch für den Skandinavischen Markt? Blonde Frau beim Anlegen an typischem Schärenstein © Jeanneau Also doch für den Skandinavischen Markt? Blonde Frau beim Anlegen an typischem Schärenstein © Jeanneau

Die Eignerkabine ist mit einem grosszügigen Bett und viel Bewegungsfreiheit aussenrum ausgestattet – auch hier fällt reichlich Licht ein. Die Kabine für die Mitsegler fällt dagegen etwas spartanisch aus, liegt aber weiterhin über dem Niveau der meisten anderen, vergleichbaren Boote. Die Designer von Jeanneau zeigen so ihre Konsequenz bei der Umsetzung des Grundkonzeptes: ein Boot für coole, gerne auch mehrtägige Ausfahrten mit Familie und unter Freunden, alles «in style» und funktionell.

Grosszügige Eignerkabine © Jeanneau Grosszügige Eignerkabine © Jeanneau

Durchschnittlicher Verbrauch

Die NC 11 ist mit einem Z-Antrieb ausgestattet, der etwas nach innen versetzt wurde, damit die Yacht bei «Hebel auf den Tisch» mit dem Bug nicht so weit aus dem Wasser kommt. Doch diese Fahrweise sollte sowieso nicht präferiert werden: Zwar bringen es die zwei Volvo Penta D 300 Dieselmotoren dank zusammen 400 PS auf beeindruckende 30 Knoten Spitze.

Allerdings sind selbst bei einer Marschgeschwindigkeit von 20-25 Knoten noch 50 bis 70 Liter Kraftstoff (Angaben von Eignern in Internetforen) pro Stunde fällig. 700 Liter fasst der Treibstofftank, was also einer ungefähren Reichweite von 250-300 Seemeilen entspricht – eine Leistung, die nicht gerade als sparsam bezeichnet werden kann, aber auch nicht den Vergleich mit direkten Mitbewerbern scheuen braucht.

Bad © Jeanneau Bad © Jeanneau

Vor- und Nachteile

Jeanneau NC 11 besticht also in erster Linie durch eine buchstäbliches «Neues Konzept» in Design und Funktionalität, verzichtet aber auf technischen Schnickschnack, was diese Yacht wiederum besonders verlässlich macht. Wir haben uns in Internetforen umgeschaut und bei drei NC 11-Eignern umgehört. Dabei sind folgende Vor- und Nachteile aufgeführt worden:

  • Das Boot vermittelt tatsächlich das Gefühl eines «Appartements mit Terrasse»
  • Das aufschiebbare Glasdach ist schlicht «gigantisch» und vermittelt ein völlig neues Cruising-Gefühl.
  • Helle, verhältnismässig grosszügig wirkende Räumlichkeiten
  • Verlässliche Motoren, relativ einfacher technischer Aufbau.
  • Wenn auch schmal, so doch «Walkaround-Decks»
  • Verschiebbare Cockpit-Sitze vermitteln grösseres Raumgefühl, wenn die «Heck-Terrasse» nicht genutzt wird.
  • Grosszügige Toiletten und Bad.

Was weniger gut gefiel:

  • Sehr enger, zu schmaler Zugang zur Bilgepumpe (wichtig im Notfall)
  • Wenn man ncht Gerade zu zweit ist, wird esd auf der beschriebenen Terrasse etwas eng
  • Das elektrisch betriebene Schiebedach muss regelmässig gewartet werden
  • Manche Eigner behaupten, dass die NC 11 im Vergleich zu ähnlichen Bootstypen im Detail reparaturanfälliger sei. Doch wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um essentielle Schäden oder Reparaturen handelt.

Fazit: Wer einen Second Hand Cruiser mit wirklich «anderen» Merkmalen für einen coolen, zurückhaltenden Auftritt will, der ist mit der lässigen Jeanneau NC 11 bestens bedient.

Französisches Design (nicht nur) für skandinavische Gewässer © Jeanneau Französisches Design (nicht nur) für skandinavische Gewässer © Jeanneau

Technische Daten

Lüa: 11.15m
Breite: 3.74m
Tiefgang: 1.0m
Gewicht mit zwei Motoren: 6.5 Tonnen
Kraftstofftanks: 720 l
Wassertanks: 375 l
Motoren: Volvo D6 330DP (wird derzeit nicht mehr verbaut) oder 2 x D3 200DP (aktuell angebotene Motorisierung)

Preis neu: 265.000 Euro
Preis gebraucht: bei boot24.ch ab ca. 149.000 Euro

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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