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Gescheit festmachen

Autor: Erdmann Braschos
  

Ein Blick in Clubs, Häfen und Marinas zeigt, wie gedankenlos Boote angebunden sind. Variabler Wasserstand, Schwell, oder der nächste Sturm werden nicht bedacht. Hinweise zum vorausschauenden Vertäuen des Bootes.

Gescheit festmachen

Es ist praktisch, ein bewohntes Boot nah am Steg oder zur Kaimauer liegen zu haben. So braucht es nur einen kleinen Schritt von Bord an Land und zurück. Aber viele Boote sind auch unbewohnt so eng angebunden, dass der bei modernen Yachten übliche Vorbau bei sinkendem Wasserstand am Steg aufsetzt.

Bei kurzer Leine werden Schwell und sinkender Wasserstand zum Härtetest für Klampen und Festmacher. Ein Boot, das sich nicht bewegen kann, strapaziert das Tauwerk. Die Festmacher werden irgendwann reissen. Besser ist es, die Leinen beim Verlassen des Bootes so weit zu lösen das es sich in Grenzen bewegen kann und übliche Schwankungen des Wasserstands ausgeglichen werden.

Trick für schwankenden Wasserstand

Eigner, die ihr Boot in Tidengewässern liegen haben, kennen das Thema. Aber es spielt auch in Revieren ohne Gezeiten eine Rolle. Der Liegeplatz in einer weit ins Land eingeschnittenen Bucht (Förde oder Fjord) oder am meernahen Fluss ist schwankenden Wasserständen besonders ausgesetzt. Weht es über mehrere Tage stark bis stürmisch auflandig, steigt der Pegel deutlich. Weht es ablandig, wird das Wasser abgesogen. An der Ostsee kann es je nach Liegeplatz +/- ein Meter, bei extremem Wetter mehr sein. Das Boot muss also mit Rücksicht auf erhebliche Wasserstandsschwankungen angebunden sein. Ihr Hafenmeister, der Nachbar oder ein Online- Informationsdienst für Ihr Gewässer kennt die Schwankungen.

Wenn Ihr Boot nicht an einer Mooring, sondern, wie an vielen Seen und nördlichen Gewässern üblich, zwischen Pfählen liegt, dann nutzen Sie folgenden Trick: Bringen Sie den Festmacher nicht oben am Pfahlende an sondern bei normalem Wasserstand in Deckshöhe. Dann hängt Ihr Boot bei Niedrigwasser nicht sofort in den Seilen und stösst bei Hochwasser wegen loser Festmacher nirgendwo an – einfach weil Sie den Festmacher in der mittleren Höhe angebracht haben. Wenn Se dann noch etwas Lose eingebaut haben - perfekt.

Heckleinen in Deckshöhe © E. Braschos/malsegeln Heckleinen in Deckshöhe © E. Braschos/malsegeln

Damit das Auge des Festmachers im entspannten Zustand nicht am Pfahl ins Wasser rutscht, sichern Sie ihn mit einem Bändsel an einem der oberen Haken.

An Land belegen

In vielen Häfen ist es aus gutem Grund nicht erwünscht oder sogar verboten, bei längerer Abwesendheit das Boot mit an Land um Poller oder Klampen (auf Slip) gelegten und an Bord zurück geführten Leinen zu vertäuen. Weil dann der Hafenmeister oder der Nachbar die Leinenlänge nicht von Land aus anpassen kann. Ein Knoten am Steg, mit etwas Reserveleine, ein Kopfschlag auf der Klampe an Bord, ebenfalls mit Reserveleine, ist besser. Dann lässt sich die Festmacherlänge sowohl an Land wie an Bord ändern.

Klampe und Kopfschlag

Apropos Klampe und Kopfschlag: Die Klampe lädt zugegeben dazu ein, den Festmacher ziemlich oft verdreht um den Beschlag zu wickeln, nach dem Motto: viel hält viel. Meistens hält es ja. Aber leider lässt sich so eine Bandage schlecht lösen. Schon gar nicht, wenn es schnell gehen muss. Bei Sturm müssen sich an einer Klampe auch mal zwei Festmacher übereinander belegen lassen. Das klappt nur, wenn der Kopfschlag richtig gemacht wurde. Wie ich schon in diesem Blog hier (Manöver ohne Gedöns) schrieb, muss nicht alles an Bord immer wie in der Segelschule gelernt (Sprechen Sie Nautisch? praktiziert werden. Aber das Vertäuen eines Bootes schon. Binden Sie Ihr Boot mit einem gescheiten Kopfschlag richtig an.

der Kopfschlag - Ein vermeintlicher einfacher Knoten der Kopfschlag - Ein vermeintlicher einfacher Knoten

Elastisches Tauwerk nehmen

Viele Boote sind mit dehnungsarmem Tauwerk, wie es für Schoten, Fallen oder Trimmleinen genommen wird, vertäut. Das ist schlecht, weil es nicht nachgibt. Zum Vertäuen nehmen Sie Festmacher aus elastischer Ware. Dreikardeelige Leinen oder besser noch sogenanntes Quadratgeflecht, auch Squareleine genannt, sind geeignet, weil sie federn. Das schont die Beschläge, das Tauwerk, das gesamte Boot und auf Dauer ihre Nerven. Achten Sie bei der Auswahl des Tauwerks darauf, dass der Durchmesser zum Gewicht des Schiffes passt.

Scheuerstellen vermeiden

Führen Sie den Festmacher möglichst direkt von der Klampe an Land. Vermeiden Sie Scheuerstellen an Klüsen, Fussleisten oder Relingsstützen, am Bug- oder Heckkorb. Das macht sich am Liegeplatz mit Schwell bald mit angescheuertem Tauwerk, unter Deck mit lästigem Lärm bemerkbar. Bleibt Ihr Schiff länger am Liegeplatz lohnt es sich, Festmacher an absehbaren Scheuerstellen mit einem Lappen oder Schlauch zu schützen.

Wenn Sie Ihr Schiff über Wochen oder Monate in einem fernen Revier im Wasser lassen, binden Sie es besonders lang an und schützen Sie die Festmacher mit Tüchern oder Plastikschläuchen gegen Durchscheuern. Aufgeschnittene Plastikflaschen wehren ungebetenen Besuch durch Ratten ab. Doppelte Mooringleinen oder ein Zweitanker halten das Boot auch bei viel Seitenwind an seinem Platz. Denken Sie bei der Mooring und der eigenen Ankerkette oder Ankerleine an eine Zugentlastung und Lappen oder Schlauch zum Schutz vor Scheuerstellen.

Augspleiss statt Knoten

Wussten Sie, dass Knoten die Bruchlast von Tauwerk halbieren? Deshalb sollten Sie in Ihre Festmacher, die beispielweise um Heckpfähle gelegt sind, Augen einspleissen. Ein Spleiss mindert die Festigkeit nicht.

Doppelt hält besser

Vertäuen Sie Ihr Boot so, dass Sie es unbesorgt auch bei Sturm, starken Seitenwind oder Schwell im Hafen lassen können. Wenn Ihr Boot an einem exponierten Platz mit absehbarem Seitenwind oder Schwell liegt, vertäuen Sie es gezielt mit doppelten Leinen. Diese Festmacher sollten an verschiedenen Punkten an Bord belegt sein. So verteilen sich die Kräfte. Zum Beispiel an beide Klampen, jeweils an steuer- und backbord. Nutzen Sie die Elastizität des Festmachers. Je länger die Leine, desto ruhiger liegt das Boot. Entsprechend weniger werden die Klampen und Poller an Deck beansprucht. Deshalb binden erfahrene Eigner ihr Boot auch am Heck über Kreuz an.

Alte Festmacher ersetzen

Denken Sie daran, altes, hartes Tauwerk auszumustern. Irgendwann ist die Leine von der UV-Stahlung hart und federt kaum mehr. Das macht sich mit Knarzen unter Deck bemerkbar und man kann an Bord schlecht schlafen. Spülen Sie Ihr Tauwerk am Ende der Saison oder zwischendurch allenfalls mit Frischwasser, niemals mit Waschmittel. Dann wird es spröde.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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