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Azimut 43: Italienische Grandezza

Autor: Michael Kunst

Die Azimut 43 ist in ihren verschiedenen Versionen seit Jahren eines der gefragtesten Gebrauchtbootmodelle ihrer Klasse. Warum dem so ist zeigen wir in unserer Gebrauchtbootempfehlung.

Azimut 43: Italienische Grandezza
Azimut Atlantis 43, ein bezahlbarer Sport Cruiser© Azimut Yachts

Das mit den Klischees und Stereotypen ist so eine Sache. Die einen verstehen sie grundsätzlich als abwertend, eingefahren, abgegriffen oder sogar als Abklatsch. Andrerseits müssen sie nicht unbedingt negativ bewertet sein – Klischees können durchaus auch Positives vermitteln. Zumindest dann, wenn man nicht in jeder klischierten Bemerkung gleich einen Angriff auf die persönliche Intelligenz sieht. In diesem Sinne sei klargestellt: Die nun folgenden beiden Klischees bzw. Stereotypen sind durchweg positiv gemeint und mit null Ironie belastet.

Klischee Nummer 1:
Italienische Yachten sehen immer irgendwie edler aus als schwimmende Untersätze aus anderen Ländern.

Klischee Nummer 2:
Manche Yachten erscheinen grösser als sie sind.

Ihr gemeinsamer Nenner? Beide Klischees treffen auf die Azimut 43 zu. Ohne wenn und aber – basta!

Womit wir schon mittendrin sind in der Kaufempfehlung für eine Motoryacht, die es in vielerlei Hinsicht «in sich hat»: Die Azimut 43 macht optisch aussen wie innen richtig «was her», sie zeugt somit von echter italienischer «Grandezza». Und sie wirkt wirklich wie ein Boot aus einer anderen Grössenkategorie: Den 43 offiziellen Fuss addiert man unwillkürlich fünf bis acht Fuss hinzu. Wahre italienische Grandezza!

Layout Atlantis Azimut 43 Layout Atlantis Azimut 43 © Azimut Yachts

Vom Bootsverleih zur Luxusyachten-Werft

Wer sich auch nur im Ansatz für Motorboote interessiert, wird eher früher als später über den Namen Azimut «stolpern». Denn kaum eine andere Motorbootwerft in Europa kann auf einen derart konsequent gesteuerten Erfolg zurückblicken, wie die italienische Nobelwerft in Viareggio.

Wobei Erfolg bekanntlich nicht unbedingt im quantitativen Sinne definiert wird. Denn es gibt sicherlich grössere und umsatzstärkere Werften, doch kaum eine hielt im Laufe der Jahrzehnte so beständig an ihren ursprünglichen Werten fest: Hohe Wertstabilität für den Kunden, das Unternehmen und die Teilhaber. Auch wenn sich das schon wieder stereotyp lesen mag.

Azimut wurde 1969 als Bootsverleih und Yachtcharter-Unternehmen von dem Studenten Paolo Vitelli gegründet. Die Geschäfte liefen von Beginn an hervorragend und schon ein Jahr später klopften einige grössere Yachtwerften bei dem jungen Vitelli an und fragten nach, ob er nicht ihre Boote in seine Range aufnehmen könne und gleichzeitig noch etwas verkäuferisch tätig werden wolle.

Das gefiel dem Italiener mit dem Faible für Noblesse und er begann – mehr aus dem Stegreif als mit Konzept – unterschiedliche Yacht-Marken zu promoten. Als er manche Modelle dann buchstäblich «reihenweise» verkaufte, wurde die italienische Branche endgültig auf ihn aufmerksam und hofierte ihn und seine verkäuferischen Fähigkeiten. Doch Vitelli wollte mehr als nur die Yachten «der anderen» veräussern…

Er entwarf «spasseshalber» erste Motorboote, die in einem Joint-Venture mit «Amerglass» aus Fiberglas hergestellt wurden. Die 43-Fuss-Yacht «Bali» erreichte Anfang bis Mitte der Siebzigerjahre bereits erstaunliche Verkaufserfolge, die jedoch 1977 mit der AZ 32 «Targa» noch deutlich getoppt wurden. In der Szene bezeichnete man das Modell seinerzeit als den «Ford T» der Motoryacht-Branche. Und 1982 wagte sich Azimut sogar an den Entwurf des 105-Fuss-Modells «Failaka» – damals die grösste Serienmotoryacht in Europa.

1985, also 16 Jahre nach Firmengründung, erwarb «Azimut» mit «»Benetti» in Viareggio eine der traditionsreichsten Werften Italiens (seit 1873). Jetzt konnte Vitelli in der Azimut/Benetti-Group Yachten nach eigenen Vorstellungen und mit selbst gesetzten Standards bauen.

Dabei zeigten Vitelli und sein Designteam sowie die renommierten Bootsbauer von Benetti konsequent Klasse. Sie entwarfen und bauten Luxusyachten mit völlig neuer, konsequent rassiger Linienführung, sie setzten Standards bei der Ausführung des Innendesigns und zeichnen verantwortlich für richtungsweisende Premieren im Luxusbootsbau wie grosse Fenster ohne Rahmen, elektrisch verstellbare Sitze oder Innenausbau in Walnussholz.

State of the Art

Doch zurück zur Azimut 43. Sie kann in ihren verschiednen Bauvariationen als eine der erfolgreichsten Yachten in der Geschichte der Azimut/Benetti-Gruppe bezeichnet werden. Der knapp 13 Meter lange Luxus-Cruiser wurde im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte als Hardtop- und Flybridge-Yacht angeboten und gilt derzeit als eines der gefragtesten Gebrauchtboote in der gehobenen Mittelklasse.

Azimut 43-Modelle werden gebraucht auf boat24.com bereits ab 110.000 Euro inkl. Mwst. angeboten (ältere Jahrgänge); im Mittel liegen die Yachten bei einem Gebrauchtboot-Verkaufspreis von 260.000 Euro (Stand Januar 2018).

Im Hause Azimut gelten die Versionen der «43» – ganz egal, ob als Hardtop mit einem riesigen Schiebedach und/oder als Flybridge-Yacht – als «State of the Art» in Sachen Performance und Preis-Leistung-Verhältnis. Das Boot bietet wie kaum ein anderes in einer vergleichbaren Grössenklasse grosszügig und funktional angelegten Raum und jede Menge Stil.

Azimut 43 Atlantis mit Schiebedach Azimut 43 Atlantis mit Schiebedach © Azimut Yachts

Die Eignerkabine besticht durch Platzangebot mit Doppelbett und reichlich Gehraum; die Gästekabine ist (standesgemäss?) deutlich kleiner geraten, verdient aber ebenfalls die Bewertung «luxuriös». Der Salon und die Flybridge gelten als vergleichsweise riesig in der Bootsklasse – hier finden bequem bis zu acht Personen am Tisch Platz.

Überhaupt, der Platz: Es bleibt uns nichts anderes übrig, als nochmals das Klischee zu bedienen: Ja, diese 43-Fuss-Yacht wirkt letztendlich wie ein 48-Fuss-Boot – ohne Übertreibung.

Lediglich in der Gästekabine wird in Foren und in den Sozialen Medien mitunter ein zu geringes Raumangebot moniert. Ein Aspekt, der beim Kauf einer gebrauchten Azimut 43 unbedingt in Erwägung gezogen und persönlich überprüft werden sollte.

Platz und Licht bis zum abwinken in der Eignerkabine der aktuellen Azimut 43 Atlantis Platz und Licht bis zum abwinken in der Eignerkabine der aktuellen Azimut 43 Atlantis © Azimut Yachts

Das gewisse Etwas

Das Interieur ist (schon wieder diese Klischees) typisch italienisch: Stylisch, geschmackvoll abgestimmt, ohne pompöse Farbabenteuer… das gewisse «Etwas» kommt in dieser Yacht voll zum Tragen.

Selbstverständlich ist hierbei zu beachten, dass sich «Geschmack» und «Stil» bekanntlich im Laufe von Jahrzehnten durchaus ändern. Soll heissen: Gerade bei älteren Booten, etwa aus den Neunzigerjahren, müssen andere Stilkriterien zugrunde gelegt werden, als etwa in der neuesten Atlantis-Ausgabe (siehe Video). Letztendlich gilt wie immer bei Modellreihen, die über längere Zeiträume Erfolge feiern: Die Geschmäcker sind verschieden und unterliegen grundsätzlich einer höchstpersönlichen Note.

Auch mit ihren äusseren Werten zeigt die Azimut 43 in allen Ausführungen durchweg italienische Klasse. Auf den ersten Blick, etwa im Hafen am Steg, mögen ihre Linien vielleicht sogar etwas klobig wirken – einmal in Fahrt, ist sie eine Augenweide. Wer die Azimut – egal ob mit Flybridge oder in Hardtop-Version – von einer gewissen Distanz im Gleitmodus betrachtet, erkennt sofort das Potential der eleganten und effizienten Rumpflinien. Hier waren Könner am Werk, die das Leistungsvermögen solch einer Yacht auch durch ausgeklügeltes Balancieren der Innenraumfunktionen auf optimale Leistungsfähigkeit trimmen.

So haben internationale Fachmagazine bei unterschiedlichen Testfahrten (mit diversen Modellen) bei den neueren (Atlantis)-Azimut-Versionen Spitzengeschwindigkeiten von 37 Knoten erreicht und die Gleitfahrt soll bereits bei einer Geschwindigkeit von 19-20 Knoten einsetzen. Nicht schlecht für ein Boot, das voll beladen immerhin 13,3 Tonnen in der modernsten Version verdrängt. Bei älteren Varianten beginnt die Gleitfahrt nach Eigner-Aussagen jedoch erst bei weit über 20 Knoten und Spitzengeschwindigkeiten werden mit ca. 30-32 Knoten beziffert.

Ordentlich Druck unterm Hebel

Apropos Geschwindigkeit: Die aktuellen Atlantis Azimut-43-Yachten werden mit zwei Mal 400 Pferdestärken angetrieben und ihr Cruising-Speed wird mit 30 Knoten angegeben.

Bei (voneinander unabhängigen) Bootstests ermittelte man für eine möglichst ökonomische Fahrt Geschwindigkeiten zwischen 24 und 28 Knoten für ca. 200 Seemeilen Aktionsradius. Kein besonders «grüner», aber auch kein Spritvernichter-Wert, sondern in der Bootsklasse rechnerische Mittelklasse.

Eigner von älteren Azimut-43-Yachten geben in Foren und auf Nachfrage (teils auch bei leicht stärkerer Motorisierung) jedoch deutlich höhere Verbrauchswerte an.

Das Fahrverhalten aller Azimut-43-Modelle – also auch der Neunzigerjahre oder kurz nach der Jahrtausendwende – wird allgemein mit gut bis sehr gut bewertet. Gleitfahrten mit der Azimut 43 sind selbst bei leicht bewegter See ein echtes Erlebnis. Schiere Kraft im Mix mit eleganter Anmut… was fällt einem da Besseres als «typisch italienisch» ein?

Wenderadius, Kurvenverhalten, Einsetzen in der Welle werden von Eignern, Testern und Kopiloten gelobt. Vor allem die Seegängigkeit der Azimut 43 wird positiv erwähnt. Allerdings steht längeren Nonstop-Törns der etwas eingeschränkte «Aktionsradius» von nur 150 bis 180 Seemeilen im Wege.

Summa summarum ist eine Azimut 43, ganz egal in welchem Jahr sie das Licht der Welt erblickt hat, ein klasse Daycruiser, ein stylisches Partyboot für kleinere Personenkreise und ein stückweit auch ein Familienboot für durchaus gehobene Ansprüche. Weder in Gesprächen mit Eignern noch in themenspezifischen Internet-Foren oder bei Tests der Internationalen Fachpresse wurden Mängel festgestellt, die mit gravierend zu bezeichnen wären. In jeder Hinsicht sind Azimut 43-Yachten etwas ganz Besonderes von nahezu zeitlosem Wert. Prädikat: Wertvoll!

Daycruiser par excellence Daycruiser par excellence © Azimut Yachts

TECHNISCHE DATEN – Aktuelle Atlantis Azimut 43

Rumpflänge: 13,1 m (43)
Breite: 4,25 m
Tiefgang: 1,1 m
Verdrängung: 13,3 t
Kabinen: 2 (4+1+2 Liegeplätze)
Maschinen: Volvo Penta D6 Stern Drive (2 x 294 kW)
Tankinhalt: 900 Liter
Wassertank: 350 + 60 Liter

Video

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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