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Soling

Olympia-Kielboot als Evergreen

Soling
Segelzeichen Soling

Für dieses Drei-Personen-Kielboot und seine Klassenvereinigung gab es (zunächst) nur ein Ziel: die Teilnahme bei den Olympischen Spielen. Was auch prompt dank der norwegischen Konstrukteur Jan Hermann Linge gelang: Der war nämlich Mitglied des technischen Komitees der IYRU und erfuhr 1963 als einer der Ersten davon, dass das Olympische Komitee ein neues Kielboot für seine Segelwettbewerbe wünscht. Der mittlerweile zu teuer gewordene 5.5er sollte von einem moderneren Drei-Personen-Kielboot abgelöst werden.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 12.10.2022

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Nur für Olympia?

Linge zeichnete den (späteren) Soling, ließ einen Prototyp bauen und segelte damit erfolgreich 1966 die notwendigen Ausscheidungsrennen vor dem deutschen Ostseehafen Travemünde gegen andere Bootstypen (u. a. die Dyas). Wen wundert’s, bei den Beziehungen: Bereits ein Jahr später war das Boot eine internationale Klasse, 1972 schließlich olympische Klasse. Bis einschließlich zum Jahr 2000 segelten die Soling-Segler unter den fünf Kreisen über die Olympischen Regattabahnen. Dann wurde der Soling vom Yngling abgelöst – dessen Riss stammte übrigens ebenfalls von Herrn Linge.

Segeln wie auf der Schwertjolle

Der Soling wird mit einer (meist kräftigen und gewichtigen) Drei-Personen-Crew gesegelt. Beide, Vorschoter und Steuermann reiten klassisch unterm Fußgurt aus und hängen ähnlich tief außenbords wie etwa die Star-Segler. Obwohl als Kielboot relativ schwer, ist der Soling alles andere als träge. Große Soling-Stars wie etwa der Deutsche Jochen Schümann (u. a. zwei Goldmedaillen im Soling und Weltsegler) bescheinigen „ihrem“ Soling ein Segelverhalten wie das einer kleinen Schwertjolle. Entsprechend sind Finalrennen bei gut besetzten Soling-Regatten auch immer aus strategischer und taktischer Sicht geprägt von spannenden Zweikämpfen und Wendeduellen.

Hängen bis der Arzt kommt

Der Soling wird mit Großsegel, Fock und symmetrischem Spinnaker gesegelt. Am Wind segelt das Boot bei nahezu jeder Windstärke enorme Höhe, unter Spi kann das Kielboot bei entsprechenden Windstärken und Segeltrimm verhältnismäßig rasch ins Gleiten kommen. Der Soling gilt als relativ einfach zu segelndes Boot, das jedoch einen sehr sorgsamen und feinfühligen Trimm von der Crew verlangt.

Nachdem der Soling den olympischen Zirkus verlassen musste, wurde es etwas still um die Klasse. Zudem verbrannte bei einem Werft-Unglück eine große Anzahl neu georderter Solings, die größtenteils nicht mehr nachgeordert wurden. Dennoch richtet die Soling-Klasse heute noch internationale Ranglisten-Regatten sowie sehr gut besetzte Europa- und Weltmeisterschaften aus.

Segelriss Soling
Segelriss Soling

Technische Daten:

  • Länge ü.a.: 8,20 m
  • Länge Wl:: 6,10 m
  • Breite:1,90 m
  • Masthöhe: 9, 60 m
  • Gewicht segelfertig: 1.035 kg
  • Segelfläche am Wind: 24,3 qm
  • Spinnaker: 45 qm