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Das «One Minute Boat»

Autor: Michael Kunst

Eine 55-Fuss-Hochsee-Rennyacht aus dem 3D-Drucker, die ausschliesslich aus recyceltem Plastik gebaut werden soll. Ein weiteres kreatives Projekt, das den Kampf gegen die Plastikflut in den Meeren aufnehmen will.

Das «One Minute Boat»
Das «One-Minute-Boat» – Eine weitere, eher machbare Studie

Beim Engagement gegen den Plastikmüll in den Meeren ist Kreativität gefragt. Und Mut, um dieselbe einzusetzen. So treibt derzeit die erste Ocean CleanUp-Müllsammelbarriere des 24-jährigen (!) Niederländers Boyan Slat 500 Kilometer vor der kalifornischen Küste im Pazifik, um unter realen Bedingungen ihren Job als «Müllfängerin» auszuüben. Später sollen bis zu sechzig dieser Barrieren den grossen «Pazifischen Müllstrudel» um bis zu 50 Prozent verkleinern. Auch wenn das angesichts einer geschätzten Menge von 125 Millionen Tonnen Plastikmüll, die allein in dem Bereich zwischen Hawaii und Kalifornien «kreisen», ein ambitioniertes Ziel sein dürfte.

Das Prinzip der Ocean CleanUp-Müllbarriere ist einfach, wenn auch an seiner Entwicklung und Realisierung ein Team aus zwei Dutzend Wissenschaftlern und Technikern arbeitete: An einem bis zu 600 Meter langen, u-förmig ausgerichteten, treibenden und nicht verankerten Schlauch hängen Fächer, die Plastikteile «einfangen» sollen. Plastik, das später von Müllsammelschiffen abgeholt und an Land recycelt werden soll.

Plastiktüte im Meer Plastiktüte im Meer © Oceancleanup

Müllbarrieren und Müllmarane auf See, Apps im Supermarkt

Oder nehmen wir als weiteres Beispiel Yvan Bourgnons «Müllmaran». Der Schweizer Segel-Abenteurer hat einen riesigen Katamaran entworfen, zwischen dessen Schwimmern Müll auf Hoher See «eingefangen» und gleich an Bord recycelt werden soll. Mit dem 70 Meter langen Viermaster können angeblich 250 Tonnen pro Törn gesammelt werden.

Darf es etwas weniger gigantomanisch, aber umso kreativer sein? Ausgehend von der Tatsache, dass mehr als zwei Drittel des in den Ozeanen treibenden Makroplastiks nicht anderes als Verpackungsmüll ist, bekämpft der Verein «Küste gegen Plastik» in Norddeutschland das Übel an der Wurzel – mit einer App. Mit «Replace Plastic» kann jeder Verbraucher direkt im Supermarkt Produkte scannen, deren Verpackung ihnen unsinnig, übertrieben oder sogar unnötig erscheint. Eine entsprechende Protestnote geht dann direkt an die Hersteller.

Auch wenn dies nur drei Beispiele aus Dutzenden Initiativen sind, die allein in Europa für Furore sorgen, so gilt doch: Je kreativer und gewagter, desto effektiver die Bemühungen, um dem Plastik-Wahnsinn in den Ozeanen den Garaus zu machen.

Yacht aus dem 3D-Drucker?

Ein niederländisches Projekt (schon wieder!) zeigt nun neben einer bemerkenswerten technischen Initiative eine deutliche wassersportliche Affinität. Mit ihrem «One Minute Boat» – ein 55 Fuss langer Hochsee-Segelrenner – will Willemijn Peeters den vielzitierten Schritt weiter gehen: Das Boot soll ausschliesslich mit Teilen aus dem 3D-Drucker gebaut werden. Das «Futter» für den Drucker besteht aus recyceltem Plastik, das grösstenteils an den Küsten gesammelt und aus den Meeren gefischt wurde oder das davor bewahrt wurde, in die Meere zu gelangen.

Zukunftsmusik? Keineswegs, denn mit ihrem Unternehmen «Searious Business» steht Peeters kurz vor der Produktion des ersten «One-Minute»-Bootes – die Baukosten von ca. drei Millionen Euro sollen von Sponsoren respektive Partnern übernommen werden und gelten mittlerweile zu einem grossen Teil als «gesichert».

Das Projekt heisst «One Minute Boat», weil in einer Minute 20 Tonnen Plastikmüll in die Meere gespült werden. Ein Gewicht, das wiederum genau der Verdrängung der angedachten Yacht aus recyceltem Plastik entspricht. Allein für den Rumpf werden etwa 1 Million recycelte PET-Flaschen eingesetzt, von denen übrigen auch jedes Jahr nach Angaben von Umweltforschern mehr als 1 Milliarde in den Ozeanen statt im Recycling-Kreislauf landen.

Ganz offensichtlich geht es beim Riss des Bootes darum, zunächst Aufmerksamkeit zu erregen. Ob das One Minute Boat später tatsächlich so aussehen wird, steht wohl in den Sternen Ganz offensichtlich geht es beim Riss des Bootes darum, zunächst Aufmerksamkeit zu erregen. Ob das One Minute Boat später tatsächlich so aussehen wird, steht wohl in den Sternen © Searious Business

20 Tonnen Plastik in einer Minute

Nach Angaben von «Searious Business» soll mit der Verwendung des recycelten Plastikmülls als Baustoff Energie- und Wasserverbrauch sowie die CO2-Emission minimiert werden. So kann der Energieaufwand beim Bau des Yacht-Rumpfes im Vergleich zu herkömmlichem Yachtbau um mehr als 30 Prozent gesenkt werden. Und die Verwendung von recyceltem statt neuem Kunststoff spart knapp 70 Prozent Produktionskosten.

Im Prinzip geht «Searious Business» mit dem «One Minute Boat» auch ein Problem an, das die Bootsindustrie seit dem ersten Einsatz von GFK und Karbon im Bootsbau beschäftigt: Wohin mit den alten Bootswracks, deren Verrottungszeit mit Tausenden von Jahren angegeben wird? Denn eine Yacht aus recyceltem Plastik kann am Ende ihrer Tage auseinander genommen und in den Müllkreislauf zurück gebracht werden.

Nun sollen aber nicht nur Energie gespart und recyceltes Plastik verwendet und somit (vorübergehend) aus dem Müllkreislauf geschafft, sondern auch «Nachahmungstäter» gefunden werden. Schliesslich will Willemijn Peeters mit ihrer Idee weit mehr erreichen, als «nur» ein Boot aus aus einem halbwegs vernünftigen Material zu bauen. Vielmehr soll das «One Minute Boat» als eine Art Botschafter für die Verwendung von recyceltem Plastik im Bootsbau während einer Weltumseglung die wichtigsten internationalen Häfen anlaufen. Um dort für die Belange der Ozeane zu werben und gleichzeitig darüber aufzuklären, dass Plastik mit Sicherheit eine Geissel der Ozeane ist. Aber die Menschheit als Verursacher dieser Misere eine Menge dafür tun kann, dass die Plastikflut nicht zu einem Tsunami wird. Der alles vernichtet, was sich ihm entgegen stellt…

Plastikmüll soweit das Auge reicht Plastikmüll soweit das Auge reicht

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Segeln

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Michael Kunst

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Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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