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Seemannschaft7 min Lesezeit

Mayday, Pan‑Pan oder Securité?

Warum eine klare Abgrenzung zwischen den drei Notrufen so wichtig ist.

Mayday, Pan‑Pan oder Securité?
Damit es nicht so endet: Welcher Notruf für welche Hilfsanforderung? © mauro sbice /unsplash

Drei einfache Funksprüche können auf See Leben retten. Mayday, Pan‑Pan und Sécurité sind international abgestufte Not‑, Dringlichkeits‑ und Sicherheitsrufe. Doch viele Freizeitkapitäne verwechseln sie oder drücken grundsätzlich die rote Taste am Funkgerät. Der Beitrag erklärt, was hinter den Worten steckt und wie sie im Notfall richtig eingesetzt werden .

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 10.07.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Beschreibung des Notrufs Mayday und die Folgen.
  • Warum Pan-Pan nicht mit Mayday verwechselt werden sollte.
  • Wieso Securité für alle wichtig sein kann.

Die Abkürzung ITU steht für die International Telecommunication Union – auf Deutsch „Internationale Fernmeldeunion“. Sie ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit 194 Mitgliedstaaten und über 1 000 institutionellen Partnern . Die ITU ist die älteste UN‑Agentur und hat ihren Sitz in Genf. Sie soll die weltweite Konnektivität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien fördern, indem sie unter anderem für die Zuteilung von Funkfrequenzen und Satellitenpositionen sorgt, internationale technische Standards für nahtlose Interoperabilität von Netzen und Diensten entwickelt und Entwicklungsländer beim Ausbau ihrer Telekommunikation unterstützt.

Es gibt Wörter respektive Ausrufe, die auf See kein Zögern, keine Unentschlossenheit dulden. Wörter, die nach Empfang sofortige Reaktion und Aktion fordern: Mayday, Pan-Pan und Sécurité. Wer sie über Funk, aber auch auf dem Mobilphone spricht, ruft und mitunter sogar verzweifelt schreit, sollte sich über die Konsequenzen vollständig im Klaren sein. Drei Worte, drei Stufen der Dringlichkeit, drei klar getrennte Lagen: unmittelbare Gefahr, ernste technische Problematik, wichtige Sicherheitsinformation. Dass diese Unterscheidung international standardisiert ist, hat einen einfachen Grund: Auf See darf im Zweifel keine Zeit daran verloren gehen, erst einmal zu klären, wie schlimm es eigentlich ist. Die Funkwörter sollen genau das verhindern. Die ITU unterscheidet deshalb strikt zwischen distress, urgency und safety.

© sebastian bill/unsplash
© sebastian bill/unsplash

Gerade weil das Thema heikel ist, lohnt ein nüchterner Blick. Im Alltag vieler Freizeitkapitäne fristet das Sprechfunkverfahren ein Dasein zwischen „Hauptsache, ich mach’s in der Prüfung richtig“ und dem vagen Vorsatz, „es im Ernstfall schon irgendwie richtig zu machen“. Klar, wer auf dem Wasser unterwegs ist, muss nicht jeden Funktext auswendig herunterbeten können. Aber die Grundlogik sollte sitzen: Mayday ist nicht einfach die dramatischere Version von Pan-Pan, und Sécurité ist nicht bloss ein französisch klingender Hinweis für schlechtes Wetter. Die drei Signale bilden eine Hierarchie – und genau diese Hierarchie kann im Ernstfall Leben retten.

Es geht um Menschenleben

Der strengste dieser drei Rufe ist der bekannteste. Mayday ist das internationale Sprechfunkwort für eine Notlage, also für eine Situation mit schwerer und unmittelbarer Gefahr für Schiff und/oder Menschen an Bord. Die ITU ordnet Distress Communications absolute Priorität über alle anderen Sendungen zu; die Royal Yachting Association fasst den praktischen Massstab für Wassersportler als „grave and imminent danger“ zusammen – also etwa Feuer an Bord, Sinken, schwere Kollision, Mann-über-Bord-Lage mit akuter Lebensgefahr oder eine Situation, in der das Boot zu Sinken droht. Wer Mayday sendet, sagt damit nicht: „Wir haben ein ernstes Problem.“ Er sagt: Wir brauchen jetzt Hilfe – ohne wenn und aber.

Mayday gilt zwar heute als klassisch maritimes Wort, seine moderne „Karriere“ respektive Nutzung begann aber in der Luftfahrt. Offenbar wurde der Begriff Anfang der 1920er Jahre am Flughafen Croydon bei London eingeführt. Der dortige Funkoffizier Frederick Stanley Mockford sollte ein gesprochenes Notsignal finden, das englische und französische Funker gleichermassen gut verstehen konnten – wichtig, weil viel Verkehr zwischen Croydon und Paris lief. 1923 wurde Mayday für den Funkverkehr über dem Ärmelkanal eingeführt; 1927 übernahm die Internationale Radiotelegraphenkonvention das Wort offiziell als Radiotelefonie-Notruf. Der ältere Morse-Notruf SOS blieb dabei für die Telegraphie bestehen.

© sean malone/unsplash
© sean malone/unsplash

Dass die Herkunft aus dem Französischen kein blosser Seefahrer-Mythos ist, lässt sich sogar regulatorisch belegen. Die ITU beschreibt das Radiotelefonie-Distress-Signal MAYDAY ausdrücklich als ein Wort, das wie der französische Ausdruck „m’aider“ (Übersetzung: mir helfen, help me) ausgesprochen wird. Allen politischen und sozialen Spitzfindigkeiten zum Trotz, die Grossbritannien und Frankreich auch damals grabentief trennte – Funkoffizier Mockford hat für damalige, englische Verhältnisse ein nahezu ideales „Fantasiewort“ gefunden, das allein aufgrund seiner Aussprache als völkerverbindend bezeichnet werden kann.

Von wegen Seefahrerrromantik

Das erklärt auch, warum Mayday auf Kanal 16 so knapp, formalisiert und fast spröde wirkt. Die US Coast Guard nennt in ihrer Standardabfolge die immer gleichen Elemente: dreimal „Mayday“, dann „This is“, dann der Schiffsname, die Position, die Art der Notlage, die benötigte Hilfe, die Zahl der Personen an Bord und weitere Angaben, die die Rettung erleichtern. Der Funktext ist kein Ritual aus alter Seefahrerromantik, sondern eine Arbeitsanweisung in Sprachform. Er soll dafür sorgen, dass die Menschen an Land oder auf benachbarten Schiffen in wenigen Sekunden verstehen, wer in Not ist, wo die Notlage stattfindet und welche Hilfe gebraucht wird. Auf See wird ein Mayday-Ruf im UKW-Seefunk grundsätzlich auf Kanal 16, also 156,8 MHz, abgesetzt. Das ist international der Anruf-, Not- und Sicherheitskanal der Seefunkwelt.

Wichtig ist dabei auch, was NACH einem Mayday passiert. Die ITU-Regeln schreiben vor, dass Stationen, die einen Notruf empfangen, störende Sendungen sofort einstellen und sich auf den nachfolgenden Notverkehr vorbereiten. Distress hat Vorrang. So trocken dieser Satz klingt, so grundlegend ist er: Funkdisziplin ist auf See keine Höflichkeitsfrage, sondern Teil der Rettungskette. Wer in einen laufenden Notverkehr hineinfunkt, blockiert nicht einfach nur einen Kanal – er stört womöglich die Koordination einer Rettung.

Pannen und schwere Störungen

In seiner Dringlichkeit etwas schwächer bewertet, also unterhalb dieser höchsten Stufe kommt Pan-Pan. Der Ausdruck bezeichnet eine (meist technisch basierte) Dringlichkeitsmeldung, also eine ernste Lage, die Aufmerksamkeit und oft auch Hilfe erfordert, aber noch keine unmittelbare Lebensgefahr bedeutet. Die RYA nennt als Beispiele etwa Maschinenausfall, erhebliche Schäden am Boot oder einen medizinischen Fall, der ernst ist, aber im Moment nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Entscheidend ist die Schwelle: Es ist dringend, aber noch nicht katastrophal: Wir haben ein Problem, es ist ernst, wir brauchen Unterstützung oder besondere Aufmerksamkeit – aber es ist noch kein Mayday.

© Emma Valerio / unsplash
© Emma Valerio / unsplash

Auch bei Pan-Pan ist die französische Herleitung nahezu sicher. In den Regelwerken wird das Urgency-Signal PAN PAN als Ausdruck beschrieben, der wie das französische „panne“ ausgesprochen wird – also wie eine Panne, ein Ausfall, eine Störung. Pan-Pan ist für jene Situationen an Bord gedacht, in denen sinnbildlich etwas aus dem Ruder läuft, aber das Boot oder die Menschen an Bord bisher nicht in unmittelbarer Todesgefahr schweben.

Das Frühwarninstrument

Gerade diese mittlere Stufe wird im Freizeitskipper-Kosmos gern unterschätzt. Tatsächlich ist Pan-Pan für jene Fälle gedacht, die auf See häufig passieren (können) : Irreparabler Ruderschaden, Motorausfall, medizinischer Zwischenfall, Ausfall der Hauptmaschine in dichtem Verkehr, Mastbruch. Pan-Pan ist also nicht der kleine Bruder des Notrufs, sondern ein wichtiges Frühwarninstrument. Wer es rechtzeitig nutzt, verhindert unter Umständen, dass aus einer Dringlichkeit erst eine echte Notlage wird.

Im GMDSS-Zeitalter kommt noch ein technischer Unterschied hinzu. Bei Mayday spielt in der Praxis oft zunächst der DSC-Notalarm eine zentrale Rolle – also der Distress-Alarm über die rote Taste am Funkgerät. Im UKW-Seefunk läuft dieser digitale Alarm auf Kanal 70, während die anschliessende Sprachmeldung üblicherweise wieder auf Kanal 16 / 156,8 MHz erfolgt. Für Sportskipper heisst das: Nicht jede ernste Lage gehört automatisch auf die rote Taste am Funkgerät. Wer die Hierarchie der Funkwörter verstanden hat, versteht auch die Logik moderner Funkgeräte besser.

Sicherheit für alle

Die dritte Stufe wirkt im Vergleich fast unspektakulär, ist aber im maritimen Alltag enorm wichtig: Sécurité, in deutscher Sprache Sicherheit, in Englisch Security. Im Sprechfunk wird das Wort international französisch ausgesprochen: Es kündigt wichtige navigatorische oder meteorologische Sicherheitsinformationen an. Securité ist also kein Notruf und keine Dringlichkeitsmeldung im engeren Sinn, sondern eine Sicherheitsdurchsage. Küstenfunkstellen nutzen Sécurité etwa für Navigationswarnungen, Wetterwarnungen oder sonstige sicherheitsrelevante Meldungen an die Schifffahrt. Auch hier läuft die erste Aufmerksamkeit im UKW-Bereich typischerweise über Kanal 16, bevor gegebenenfalls auf einen Arbeitskanal gewechselt wird.

Im Prinzip ist Sécurité damit die unspektakulärste, aber vielleicht häufigste dieser drei Stufen. Ein treibendes Hindernis im Fahrwasser, ein ausgefallenes Leuchtfeuer, eine militärische Sperrung, plötzlicher schwerer Seenebel, Sturmwarnungen oder andere Mitteilungen, die nicht auf ein konkretes Schiff oder Boot in akuter Bedrängnis zielen, wohl aber die Sicherheit der Schifffahrt betreffen. Die Botschaft lautet sinngemäss: Achtung, jetzt folgt etwas, das für DEINE Sicherheit wichtig ist.

Langsam, deutlich, klar

Für Sportschifffahrt und Fahrtensegeln liegt die grösste Schwierigkeit im Umgang mit Mayday und Pan-Pan in der Entscheidungsschwelle. Wann ist ein Problem schon Mayday, wann noch Pan-Pan? Dafür gibt es keine unumstössliche Formel, aber eine brauchbare Faustregel: Geht es um unmittelbare Gefahr für Leben oder den Fortbestand des Bootes, ist man im Bereich Mayday. Ist die Lage ernst, dringend und potenziell eskalationsfähig, aber noch nicht unmittelbar lebensbedrohend, spricht vieles für Pan-Pan. Geht es um eine Warnung an andere oder um sicherheitsrelevante Information, ist es Sécurité.

© jorge coromina / unsplash
© jorge coromina / unsplash

Mindestens ebenso wichtig wie die richtige Einstufung ist die Form. In Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr soll langsam und deutlich gesprochen werden. Das klingt banal, ist aber unter Stress alles andere als selbstverständlich, kann jedoch mit einfachen Regeln verinnerlicht werden: Ruhe bewahren, „erst mal tief durchatmen“ …

Und noch etwas sollte man nüchtern sehen: Moderne Funktechnik nimmt einem nicht die Verantwortung ab. DSC, MMSI, GPS-Position und rote Tasten sind grosse Fortschritte, keine Frage. Sie helfen, schneller und präziser Alarm zu schlagen. Aber sie ersetzen nicht das Verständnis dafür, welchen Alarm man eigentlich auslöst. Wer den Distress-Button drückt, sendet eine andere Botschaft als jemand, der eine Dringlichkeitsmeldung absetzt. Technik macht das Verfahren schneller – nicht beliebiger.

Die Royal Yachting Association (RYA) ist der 1875 gegründete britische Dachverband für den Segel- und Bootssport. Nach eigener Darstellung wurde der Verband zunächst als Yacht Racing Association eingerichtet und hat sich zum „National Governing Body“ für eine breite Palette von Segel- und Bootsaktivitäten entwickelt . Zu seinen Aufgaben zählen u. a. die Förderung des Segel‑ und Bootssports, die Etablierung sicherer Praktiken und die Weiterentwicklung der Standards in der britischen Yacht- und Segelszene; dazu arbeitet er mit über 2 400 anerkannten Ausbildungszentren in 58 Ländern und mehr als 1 500 angeschlossenen Clubs zusammen .