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Ein Mann, ein Schiff, eine Mission

Autor: Michael Kunst

Einmal Seemann, immer Seemann: Der Norweger Kjell Inge Røkke will mehr als Tausend Millionen Euro in die Erhaltung und Erforschung der Ozeane investieren. Das kürzlich auf Kiel gelegte 180-Meter-Forschungsschiff «REV» ist ein vielversprechender Anfang.

Ein Mann, ein Schiff, eine Mission
Die REV – 180 Meter für den Erhalt der maritimen Ökosysteme© www.rosellinisfour-10.no

Eins ist schon mal sicher: Kjell Inge Røkke ist filmreif! Der Mann, sein Leben, sein Erfolg, seine Kreativität und nun sein Engagement für die Meere… all’ das schreit förmlich nach Hollywood und ist per se «grosses Kino». Doch der 59-jährige Norweger lächelt angesichts solcher Vorstellungen nur milde und sagte kürzlich in einem Interview mit der Tageszeitung «Aftenposten», dass man ein Dasein sowieso nie auf ein zwei Filmstunden reduzieren könne. Und erst recht nicht sein Leben.

Lieber Natur statt Schule

Geboren im norwegischen Molde, begeisterte sich Klein-Kjell während seiner Kindheit vor allem für die Fauna und Flora des Midfjord, der sich direkt vor der elterlichen Haustüre ausbreitete. Eine Faszination, die so weit ging, dass er als Jugendlicher in der Schule nach herkömmlichen Massstäben versagte. Also beschäftigte sich Kjell lieber mit Handfestem und fuhr (meist heimlich) mit den benachbarten Fischern hinaus auf See.

Schon im zarten Alter von 16 Jahren kehrte er dann der Heimat den Rücken und haute nach Seattle (USA) ab. Dort heuerte er für einige Jahre auf einem Alaska-Trawler an, kaufte denselben seinem ersten Arbeitgeber bald darauf ab, besass nur wenige Jahre später eine ganze Hochseefischereiflotte, investierte seine Gewinne u.a. in Fischverarbeitungsindustrien und kehrte schliesslich als 38-jähriger Multimillionär wieder in sein Heimatland zurück.

Wo seine Karriere erst so richtig loslegte. Kjell Inge Røkke blieb im «Business mit dem Meer», kaufte verschiedene Unternehmen auf, strukturierte sie um, veräusserte sie zum Teil mit enormen Gewinnen oder gliederte sie in sein immer mehr anwachsendes Firmen-Konsortium ein. 2006 war Røkke der drittreichste Mann Norwegens und stand diversen Unternehmen vor – u.a. (damals) Europas grösster Schiffsbauwerft Aker Kvaerner. Nach einigen wirtschaftlichen Rückschlägen gilt Kjell Inge Røkke heute «nur» noch als achtreichster Mann Norwegens, sein Vermögen wird auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Ausnahme der Regel

Nun ist es so, dass bei den Superreichen – wie in anderen Gesellschaftsschichten auch – gewisse Regeln gelten. Und eine bereits einige Jahre andauernde, relativ enge Zusammenarbeit mit dem WWF gehört in diesen Kreisen bestimmt nicht zum «Muss» für einen ihrer Protagonisten. Doch Kjell Inge Røkke war eben schon immer etwas anders, zumindest was seine Einstellung zu seiner Umwelt anbelangt. Er sei in seinem Leben mit Sicherheit nicht immer ein Naturschützer gewesen, stellte Røkke in einem seiner seltenen Interviews vor einigen Jahren klar. Doch seine Liebe zum Meer habe er seit seiner Kindheit beibehalten. Was wiederum einer der Gründe dafür ist, warum der Milliardär mitunter stark polarisiert.

Denn zunächst einmal ist Røkke bekannt für seinen höchst aufwändigen Lebensstil. Er baute sich eine «Jagdhütte» für 16 Millionen Euro, lässt sich Herrenhäuser errichten und schippert auf der «Reverie», einer der grössten Motoryachten unseres Planeten über die Meere. Wenn er etwas schneller unterwegs sein muss, nutzt er gerne seine eigene Boeing 737 oder rast im Lamborghini Diablo durch die Landschaft.

Gleichzeitig legt Kjell Inge Røkke immer Wert darauf, ein «Mann des Volkes» geblieben zu sein. Er habe seine Herkunft nie verleugnen wollen, gibt der Milliardär gerne zu Protokoll. Deshalb investierte er in Fussballteams (u.a. Wimbledon) und baute dem heimatlichen Verein FC Molde gleich ein ganzes Stadion mit 12.000 Plätzen.

Apropos «volksnah»: Als er vor zehn Jahren wegen einer undurchsichtigen Korruptionsaffäre für eine Monat in den Knast musste, erlebte er auch diese Facette des «normalen» Lebens. Nach seiner Entlassung spendierte er Gefängnis-Kollegen monatelang einen Pizza-Dienst. Schliesslich wisse er nun, was die Jungs im Bau wirklich brauchen.

Überhaupt gab sich Kjell Inge Røkke schon immer gerne hemdsärmelig. So fuhr er vor zehn Jahren wochenlang immer donnerstags auf seinem aufwändig und luxuriös für 2,5 Millionen Euro umgebauten Fischkutter im Osloer Stadthafen vor, um dort seinen Krabbenfang eigenhändig zu verkaufen. Dass solche Aktionen einen starken «PR-Geschmack» haben, ist offensichtlich. Doch die Norweger lieben «ihren Kjell» für solche Auftritte.

Vielleicht auch deshalb runzelte auch keiner ungläubig die Stirn, als der Milliardär Ende letzten Jahres bekannt gab, dass er einen Grossteil seines Vermögens zum Schutz der Meere, vor allem aber für die Säuberung derselben ausgeben wolle. Wer, wenn nicht Kjell Inge Røkke, sollte schon auf so eine Idee kommen?

Expeditionsschiff zum Schutz der Meere

Es liegt nahe, dass ein Mann wie Røkke immer dann, wenn er an «Meer» denkt auch gleich das Wort «Schiff» in den Mund nimmt. Und nein, im Zusammenhang mit seinem Meeresschutz-Versprechen sollte es dann selbstredend keine Luxusyacht sein, auf der er aktiv werden wolle. Vielmehr gab er im Mai dieses Jahres bekannt, dass er in ein 181,6 Meter langes Forschungs- und Aktionsschiff namens «REV» investiere, mit dem er und ein Team aus Wissenschaftlern, Forschern und Seeleuten die Meere befahren will, um dort hauptsächlich…Müll zu sammeln. Moment mal, einer der reichsten Männer Norwegens wird zum Müllmann? «Wohl eher ein forschender Müllsammler,» soll Røkke grinsend dazu geäussert haben.

Also liess der Milliardär kürzlich die «REV» (Research Expedition Vessel) in der norwegischen Werft «Vard» auf Kiel legen. Ein Schiff, das auf dem neuesten Stand der Forschungstechnik und initiiert von einem «Privatmann» genau dort aktiv werden soll, wo umweltspezifisch (neben dem Klimawandel) derzeit der grösste Bedarf besteht: Bei der Verschmutzung der Meere. Dass Røkke bei der Planung, Konzeption und beim späteren Einsatz der REV erneut den WWF an seiner Seite haben wird, versteht sich da fast schon von selbst.

Mit Hubschrauber, U-Boot, eigenen Laboren und Platz für internationale Wissenschaftler-Teams Mit Hubschrauber, U-Boot, eigenen Laboren und Platz für internationale Wissenschaftler-Teams © www.rosellinisfour-10.no

Schwimmendes Forschungs- und Umweltschutz-Labor

Die REV zeichnet sich technisch u.a. durch den Einsatz von Tiefsee-U-Booten aus, die an speziellen Kranvorrichtungen bis auf eine Tiefe von 6.000 Metern eingesetzt werden können. Sie sollen den Meeresboden untersuchen, Wasserqualitäten messen und beispielsweise versunkene Wracks auf giftige Inhalte untersuchen.

Zudem wird das Forschungsschiff mit den neuesten technischen Hilfsmitteln ausgestattet sein, um Studien in typischen Problemzonen des maritimen Ökosystems vornehmen zu können: Flora, Fauna, der Meeresboden, die grossen Meeresströmungen, die zunehmende Vermüllung mit «grobem» Plastik und Micro-Plastikteilen etc.

In High-Tech-Laboren werden sofortige Analysen vorgenommen, die wiederum als Grundlage für weitere Forschungen dienen.

Das «private» Forschungsschiff soll nach dem Willen seines Finanziers ausschliesslich zum Wohle der Meere und somit zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden. Es wird internationalen Wissenschaftler-Teams genauso zur Verfügung stehen wie etwa unterschiedlichen Umweltschutzorganisationen. Dass sich Røkke zudem vorbehält, mit geladenen oder zahlenden Gästen an einigen Expeditionen teilzunehmen, finden die Norweger nur allzu verständlich. Schliesslich soll ihr Kjell auch seinen Spass haben…

Insgesamt können 90 Personen an Bord der «REV» leben. Røkke will nach seinen Aussagen mehr als 60 Wissenschaftler und Seeleute für die «REV» fest anheuern und finanzieren.

Worauf Umweltschützer in besonderem Masse gespannt sind: Die «REV» soll auch als Müllsammel-Schiff aktiv werden. Auf dem Forschungsschiff wird eine Müllsauganlage installiert, mit der schwebende Mikro-Plastikteile oder ganze Müllteppiche von der Wasseroberfläche abgeschöpft werden können. Dieser Müll soll dann gleich an Bord emissionsfrei verbrannt und in zusätzliche Energie für die «REV» umgewandelt werden. Es ist von bis zu 5 Tonnen möglicher Müllverarbeitung pro Tag die Rede…

Das Forschungs- und Müllsammelschiff wird weltweit aktiv sein – bei einer Reichweite von 21.120 Seemeilen sind im Prinzip alle noch so entfernten Gegenden unserer Ozeane erreichbar. Schon 2020 soll das auf 150 Millionen Euro Baukosten geschätzte Forschungsschiff vom Stapel laufen.

Kjell Inge Røkke sieht die «REV» als einen Anfang, dem weitere, ähnliche Projekte folgen sollen. «Die Ozeane bedecken 70 Prozent unseres Planeten,» schreibt er auf seiner Website. «Wir müssen sie mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, schützen – vor uns Menschen und vor den Auswirkungen unserer Achtlosigkeit.»

Røkke hofft, dass weitere Superreiche seinem Beispiel folgen werden und einen Teil ihrer immensen Vermögen in die Erhaltung der Ozeane investieren. «Man sagt immer so leichtfertig, dass man mit gutem Beispiel vorangehen müsse,» erzählte er kürzlich gegenüber norwegischen Journalisten. «Gerade deshalb ist für mich «REV» eine Herzensangelegenheit. Nicht zuletzt, weil ich den Ozeanen enorm viel zu verdanken habe, ist es nun an der Zeit, dass ich ihnen etwas zurück gebe!»

Ein Forschungsschiff der Superlative für einen dreistelligen Millionenbetrag – die REV Ein Forschungsschiff der Superlative für einen dreistelligen Millionenbetrag – die REV © www.rosellinisfour-10.no

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
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