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Unter Strom

Autor: Michael Kunst
  

Ähnlich wie die Automobilhersteller, muss sich auch die Wassersportbranche bereits für die nahe Zukunft um möglichst emissionsarme, in vielen Fällen auch emissionsfreie Alternativen zu den herkömmlichen Verbrennungsmotoren kümmern. Die Anfänge sind längst gemacht, technisch wurden in den vergangenen Jahren vielversprechende Leistungssprünge geschafft. Aber nun müssen Verbraucher und Anwender reagieren.

Unter Strom
©torqeedo

Auf immer mehr Binnenrevieren Europas sind Verbrennungsmotoren ganzjährig oder saisonal verboten, Tendenz steigend. Entsprechend haben bereits zahlreiche Ufer-Gemeinden ihre kommunal genutzten Wassertaxis, Personenfähren und Transportboote auf Elektro-Antrieb umgerüstet.

Prominenteste Vertreter sind die Wasserstrassen-Metropolen Amsterdam und Venedig, wo per Gesetz immer mehr Verbrennungsmotoren gegen Elektromotoren ausgetauscht werden aber auch „alternative“ Antriebe (Hybrid, Solar und Brennstoffzellen) zum Einsatz kommen.

„Über den Tellerrand hinweg blicken“ ist eine Anschauung, die sich auch in der Wassersportbranche durchsetzt. Denn steigende Bevölkerungszahlen, eine wachsende Mittelschicht (die nachweislich besonders häufig auf dem Wasser ihre Freizeit verbringt), begrenzte Ölvorräte und die vieldiskutierte Erderwärmung verlangen heute und morgen nachhaltige Lebensstile. „Nach mir die Sintflut“ war gestern, Verantwortung für morgen zeigen, das hat Zukunft!

Zurückhaltung überwiegt

Noch gehen allerdings die Wassersportwirtschaft und deren Klientel eher „zurückhaltend“ mit dem Thema „saubere“ Antriebsarten für den Spass auf dem Wasser um. Ähnlich wie beim Automobilbau versteckt man sich hinter Argumentationsketten, an deren Ende aber doch immer wieder steht: Es muss etwas getan werden. Irgendwann, irgendwie.

Tatsächlich sind derzeit nur wenige Werften und Motorenhersteller bereit, alternative Antriebe zu verbauen bzw. einzusetzen. Das Thema ist zwar immer häufiger in Medien und etwa auf grossen Wassersportmessen präsent, die Umsetzung steht jedoch auf einem anderen, weniger dicht beschriebenen Blatt. Die Nachfrage sei noch zu gering, ist allerorten zu hören.

Immer mehr Sportboote werden auch mit Elektromotoren angeboten ©Ganz Boats Immer mehr Sportboote werden auch mit Elektromotoren angeboten ©Ganz Boats

Im Prinzip stehen derzeit dem Wassersportler, ähnlich wie beim Automobilbau, eine emissionsfreie und emissionsärmere Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor zur Verfügung.

  • Hybrid-Systeme: entweder sorgt der Standard-Verbrennungsmotor (meist Diesel) für Vortrieb oder ein meist parallel zur Welle geschalteter Elektromotor. Oder ein Hochvolt Dieselgenerator lädt das Batteriesystem für den Elektromotor nach. Fachleute sehen für diese Technik eher eine Zukunft bei Verdrängeryachten, der Berufsschifffahrt oder beispielsweise bei sehr grossen Segelyachten. Nicht zuletzt, weil Batterien oder Zweitmotor dem Schiff ein hohes Gewicht bescheren.

  • Elektrische Motoren: Sie unterscheiden sich untereinander neben technischen Details hauptsächlich in der Frage „wie bringen wir den Strom in den Motor?“ . Grundsätzlich gibt es hierfür derzeit drei „gängige“ Wege: Solar, Brennstoffzellen und Stromnetz.

Letzteres ist am weitesten verbreitet und für die Anwender von Elektromotoren die attraktivste Möglichkeit zur „Mobilmachung“. Technisch werden Elektromotoren je nach Magnetfelderzeugung in elektromagnetisch erregte Motoren und in permanentmagnetisch erregte Motoren unterschieden. Die letztgenannte Variante wird derzeit als am besten ausgereifte „gehandelt“, da sogenannte Permanentmagneten das notwendige Magnetfeld erzeugen und somit Verlustleistungen in den Erregerspulen wegfallen.

Vor- und Nachteile

Doch bleiben wir ganz allgemein bei den Elektromotoren. Dessen Vorteile sind hauptsächlich umweltspezifischer Natur:

  • Sie leiten keine Abgase ins Wasser oder in die Luft (im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren)
  • Beim „Betanken“ kann es nicht mehr zu Wasserverschmutzungen kommen und kein Öl tropft aus undichten Leitungen, weil Elektromotoren eben ohne Schmierstoffe auskommen.
  • Elektromotoren sind zwar nicht lautlos, entwickeln aber eine deutlich geringere Geräuschkulisse als Verbrennungsmotoren mit vergleichbar starkem Vortrieb.
  • Moderne E-Motoren sind zumeist Erzeugnisse, die aufgrund von Leichtbau und adäquaten Werkstoffen relativ ressourcen- und klimaschonend gebaut werden. Ihr „Carbon Footprint“ ist – auch dank eines hohen Wirkungsgrades – deutlich niedriger als bei den derzeit (noch) gängigen Verbrennungsmotoren.

Doch wie so oft im Leben, ist auch beim Elektromotor nicht alles gülden, was glänzt:

  • Mit Recht wird immer wieder auf die eingeschränkte Reichweite hingewiesen. Doch auch hier wurden technisch regelrechte Quantensprünge erreicht. Zumindest für den Betrieb auf Binnenseen bzw. als klassischer Flautenschieber oder Hafenparker im Küstensegelbetrieb haben die Elektro-Reichweitenwerte mittlerweile mehr als aufgeholt.
  • Nur in wenigen Ländern kann davon ausgegangen werden, dass der Strom aus der Steckdose zumindest zu einem Grossteil „grün“ ist und nicht etwa aus Kohlekraftwerken stammt, die wiederum den erwähnten „Carbon-Footprint“ des E-Motors ad absurdum führen. Auch die z.B. in Frankreich zum grössten Teil aus Kernkraftwerken gelieferte Energie passt nicht ins nachhaltige Bild der Elektromotoren.
  • E-Motoren sind deutlich teurer als ihre Pendants mit Verbrennungstechnologie.
  • Sportliche Motorbootfahrer vermissen oft den richtigen „Druck auf der Pfanne“, wenn sie den „Hebel auf den Tisch legen“.

Gerade das zuletzt genannte Argument zieht jedoch immer weniger. Nachdem etwa die Schweizer Edel-Werft „Boesch“ für ihre Flotte auch den Elektroantrieb als Option anbietet und ihre Kunden auf den stylischen Holzbooten mit 80 kW (108 PS) starken E-Motoren in Gleitfahrten über die Binnenseen rasen, ist die Branche im wahrsten Sinne des Wortes elektrisiert.

Und spätestens seitdem der deutsche Elektromotoren-Hersteller „Torqeedo“ neben seinen sowieso schon höchst erfolgreichen kleineren E-Aussenbordern (1-20 PS) den Deep Blue ( Aussen- und Innenbordmotor zwischen 40 und 80 PS) auf den Markt gebracht hat, sind Elektromotoren „ziemlich hip“.

Das Starnberger Erfolgsunternehmen (Gründung 2004) wurde in den letzten Jahren mit Ehrungen, Auszeichnungen und Testsiegen regelrecht überhäuft und schaffte es innerhalb kürzester Zeit zum Weltmarktführer für Elektromobilität auf dem Wasser.

Das haben sie mit richtungsweisender Motoren-Technik, überlegener Batterietechnologie (Lithium) und dem einen oder anderen smarten Zubehör (GPS, App etc.) geschafft. Dabei liegen die Preise selbst bei den kleineren Aussenbordern (bis 20 PS) oder ähnlich motorisierten Pod-Modellen weit über dem der Verbrennungsmotoren.

Aber wahrscheinlich liegt ja genau hier die Chance für eine baldige generelle Elektromobilität der Wasserbranche. Denn wer mehr Geld für ein Produkt ausgibt, der wägt auch besser ab und lernt die Vorzüge desselben besser schätzen. Und vielleicht genügt ja auch erstmal „nur“ der Kauf eines kleinen Aussenborders, um sich für die Zukunft mit dem Virus „E-Motor“ zu infizieren, pardon: elektrisieren.

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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