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Mobylette der Meere

Autor: Michael Kunst
  

Sie läuft und läuft und läuft und läuft…die Bénéteau First 210 alias Bénéteau First 211 alias Bénéteau First 21.7 und Bénéteau First 20 (wie sie heute genannt wird), gilt als einer der erfolgreichsten seegängigen Kleinkreuzer in der modernen Sportschifffahrt. Das «Boot mit dem langen Atem» wird in diesem Jahr 25 Jahre alt – Zeit für ein Porträt.

Mobylette der Meere
First 20 als Daysailor © benéteau

«Im besten Alter» ist bekanntlich ein Spruch, der bei holder Weiblichkeit als auch bei Yachten mit gewissen Risiken behaftet ist. Ist sie vielleicht schon zu alt und man(n) will einen eher desolaten Zustand nur noch verbal beschönigen? Hat sie eigentlich ihre besten Tage längst hinter sich und der Ausspruch ist nur noch eine Reminiszenz an längst vergangene Zeiten? Anders gefragt: Kann eine Kleinstyacht, die seit nunmehr 25 Jahren nahezu unverändert auf dem Markt ist, überhaupt noch mit dem Qualitätsmerkmal «beste» assoziiert werden?

Sicher, es gibt Holzyachten, die erst «ü-50» zu wahren Schönheiten gereift sind. Bei denen das «beste Alter» tatsächlich erst dann eintritt, wenn moderne Kunststoffyachten längst zum alten Eisen, pardon: GFK gehören.

Doch in der unendlich erscheinenden Vielfalt moderner und meist rasch vergänglicher Kunststoff-Sportboote gibt es rühmliche Ausnahmen, auf die ein gewisser Alterungsprozess eben nicht oder nur bedingt zutrifft. Und die dabei nicht nur State of the Art für eine ganze Branchenkategorie wurden, sondern zudem bis heute richtungweisende Merkmale besitzen.

Sportliches Boot, das auf jedem Meer zuhause ist © benéteau Sportliches Boot, das auf jedem Meer zuhause ist © benéteau

Ein Vierteljahrhundert jung

Vor 25 Jahren wurde die erste Bénéteau First 210 von den Mitarbeitern der Werft Bénéteau zu Wasser gelassen und vor der französischen Atlantikküste ausgiebig getestet. Mit einer Länge von 6,40m, sportlichen 2,48m Breite, einer eher bescheidenen Verdrängung von 1,1 Tonnen und einer Segelfläche von 25m2 (am Wind) sowie einem 37,4m2 grossen Spi machte «die Kleine» reichlich was her.

Nach einer einwöchigen Testphase mit Windstärken von einem bis sieben Beaufort, bei rauer und nahezu glatter See brachten es die Benéteau-Werkssegler bei der Segelpremiere auf den Punkt: «Das Boot ist ein Hammer! Das kann alles, und zwar immer!».

Womit sie recht behalten sollten. 1992, also im gleichen Jahr, ging das kleine Boot mit der grossen Zukunft in Serie und Bénéteau versprach schon im ersten Prospekt selbstsicher, dass man alleine oder sogar mit Familie mit der Bénéteau First 210 «sicher und schnell auf dem Meer segeln könne.».

Moment mal; ein 6,50m-Serien-Böötchen, das explizit für sicheres Segeln auf See angepriesen wurde? Das war damals tatsächlich eine kleine Sensation. Doch die Franzosen, sowieso mit reichlich Respekt, aber auch mit einer gewissen Lässigkeit gegenüber ihren Heimatrevieren «Meer» (Mittelmeer) und Ozean (Atlantik) gesegnet, nahmen die Werft Bénéteau beim Wort.

Und so stürzten sich, nachdem die Fachpresse die Bénéteau First 210 einhellig als grossen Wurf bezeichnet hatte, vor allem junge Familien mit eher schmalem Geldbeutel auf den damals wie heute modern wirkenden Kleinkreuzer. Und jung gebliebene, ältere Herr- und Frauschaften, die unabhängig von unzuverlässigen Vorschotern einfach dann segeln wollten, wann es ihnen passt, fanden in dem agilen Boot das ideale Einhand-Boot.

Tatsächlich galt die Bénéteau First 210 bei ihrer Geburt als eine Art «segelnde Wundertüte». Und viele würden das sogar noch heute unterschreiben. Nicht nur, dass man in der «Kurzen» mit ein wenig Komfort-Einschränkungen zu Viert übernachten konnte (im Bug Doppelkoje + Schlafplatz jeweils back- und steuerbords), auch tagsüber bot das Innere dank bewusst spartanischer Einrichtung erstaunlich viel Platz.

Selbst 1,90m-Bretonen sitzen (damals wie heute) aufrecht am optionalen Kajüt-Tisch, ohne sich dauernd den Kopf zu stossen. Vor Anker oder am Steg konnte das Kajütdach hochgeklappt werden, so dass im Niedergangsbereich für (fast) alle Stehhöhe geboten wurde. Auf raumfüllende Accessoires wie Toilette oder Kombüse wurde geflissentlich verzichtet, vielmehr sollte der seegängige Kreuzer (Kategorie B) entweder als Daycruiser von Hafen zu Hafen schippern oder als trailerbares Regattaboot zunächst im Yardstickverfahren, später bei Klassenregatten «Silber holen».

Interieur der First 20 © beneteau Interieur der First 20 © beneteau

Geht gut ab

Womit wir bei den Segeleigenschaften wären. Denn genau davon waren die damals wie heute segelverrückten Franzosen höchst begeistert. Tatsächlich war es dem First 210-Konstrukteur Jean-Marie Finot gelungen, dank einer überproportionalen Breite und eines über seine gesamte Länge im Wasser segelnden Rumpfes (gerader Steven) die Bénéteau First 210 per se sportlich auszurichten. Soll heissen: Das Ding geht ab wie Schmitz’ Katze. Ganz zu schweigen davon, dass die Bénéteau First 210 auch noch richtig schnittig und rasant wirkt..

So freu(t)en sich die Bénéteau First 210-Eigner über aussergewöhnlich gute Geschwindigkeiten bei eher leichten und über ein sicheres Segelverhalten bei starken Winden. In höheren Seegang setzt die First 210 mit ihrem 1,80m langen Kiel (Bombe) am Wind zwar nicht gerade sanft und weich ein, doch das störte die in erster Linie auf Segelspass und nicht – Komfort ausgerichtete Klientel nur wenig. Viel wichtiger war es, dass mit der Bénéteau First 210 dank ihres breiten Hecks auf raumen Kursen unter Spinnaker (und später unter Gennaker) rasch Gleitfahrten möglich waren. Nicht umsonst war und ist die Groupe Finot bei den (übertakelten) Minis als erfolgreiches Konstruktionsbüro bekannt.

Ebenfalls ungewöhnlich auf einem Serienboot dieser Grössenklasse war der konsequente Einsatz einer Doppelruderanlage. Abgeschaut hatte sich das Finot bei den grossen Open-Rennern, mit denen die französischen Hochseehelden damals gerade Furore machten. Die beiden aufholbaren Ruder halten das Boot bei nahezu allen Windeinfallswinkeln treu auf Kurs. Ein aus «aus dem Ruder laufen» bei starker Lage ist unter Bénéteau First 210-Seglern nahezu unbekannt.

Zwischen den Rudern bringen die meisten First 210-Eigner ihren Aussenborder an, mit dem das Boot relativ «spurtreu» eingeparkt werden kann.

Auf Spasstour mit der First 210 "Spirit" © benéteau Auf Spasstour mit der First 210 "Spirit" © benéteau

Seit einem Vierteljahrhundert klasse

Der Clou dieser kleinen Geschichte? Ganz einfach: All das, was oben in der Vergangenheitsform geschrieben wurde, gilt bis heute. Die Werft Bénéteau hat es tatsächlich geschafft, über 25 Jahre hinweg den seinerzeit First 210 getauften Winzling unter den Serien-Kunststoff-Yachten bis heute «in Form zu halten».

Zwar wurde das Nachfolgemodell 211 dank zusätzlichem Klein-Equipment nochmals deutlich aufgewertet (allerdings auch teurer), die Version Bénéteau First 21.7. kommt lediglich mit chicer Farbgebung etwas sportlicher im Geschmack der Jahrtausendwende daher und die seit 2012 «aufgelegte» Bénéteau First 20 wartet mit so etwas wie einem Fathead-Gross auf (bei kürzerem Mast).

Die Beseglung macht heute den einzigen nennenswerten Unterschied zur ersten Bénéteau First 210 aus: Mit einem 11,65m2 Grosssegel, einem 8,3m2 kleinen Vorsegel und einem 24,6m2, asymmetrischen Spinnaker wird eine Reminiszenz an moderne Riggs eingesetzt.

Weder am Rumpf noch an den Aufbauten (die keine sind) wurde in den letzten 25 Jahren etwas geändert. Und dennoch kommt das Boot erstaunlich «modern» daher – gutes Design ist eben (meist) zeitlos! Eigner aller vier Versionen loben immer wieder die Robustheit und Verlässlichkeit des kleinen Alleskönners. In Foren wurden bereits mehrere Atlantikumrundungen und Pazifiküberquerungen dokumentiert (vor allem die älteren Modelle sind in Französisch Polynesien beliebt).

Jährlich werden «lange Schläge» Mittelmeer, auf der Ostsee, entlang der Französischen und spanischen Atlantikküste und auf Binnen«meeren» wie dem Boden- und Genfer See gesegelt. Kurz: Das «Mobylette der Meere», wie die 6,40m-First von ihrer Werft Benetéau genannt wird, ist nicht kleinzukriegen – knapp 3.000 Boote segeln derzeit.

First 210 mit Hauptzielgruppe: Junge Familie © benéteau First 210 mit Hauptzielgruppe: Junge Familie © benéteau

Das wirkt sich auch auf den Gebrauchtmarkt aus – vor allem die älteren Modelle sind sehr gefragt! Nicht zuletzt, weil sie sich in sehr interessanten Preiskategorien «bewegen», die unterm Strich also ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis schaffen. Lediglich an der Rumpffarbe wird mitunter gemeckert. Sie wirkt bei Modellen mit blauer Farbgebung häufig ausgekreidet, angeblasst und verlebt. Obwohl gerade jüngere Eigner genau das schon wieder kultig finden…

Hier ist eine (eigentlich nicht typische) reiche Auswahl nahezu aller Bénéteau First 210, Bénéteau First 211, Bénéteau First 21.7 und Bénéteau First 20-Versionen in allen Preiskategorien. Schnell «zuschlagen», bevor sie auf und davon gesegelt sind…

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Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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Feedbacks“Endlich nach vielen, vielen Monaten konnte ich das Boot verkaufen. Besten Dank an Boot24! Ihr macht einen guten Job. ”
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