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GfK ist die beste Wahl

Autor: Erdmann Braschos

Beim Fachsimplen über Boote kommt ziemlich bald das Gespräch auf Alternativen aus Aluminium, Holz oder Stahl. Anscheinend ist Vielen nicht klar, dass bereits ein pflegeleichtes GfK-Boot genug Arbeit macht.

GfK ist die beste Wahl
Swede 55 Bordwand fertig poliert© E. Braschos / Swedesail

Ein Holzboot mit klar lackiertem Rumpf, umlaufender Mahagoni Fussleiste, Teakdeck, Kajütseiten und Süll aus edlem Mahagoni ist wunderbar. Gerade klassische Holzboote sehe ich mir immer mit grosser Begeisterung an, besonders, wenn das Mahagoni glänzend im Lack steht. Da für mich als Segler mit begrenzter Freizeit aber der Gebrauch des Bootes im Vordergrund steht, würde ich mir aber bei aller Bewunderung die Arbeit dafür nicht antun.

Seit Jahren segle ich ein pflegeleichtes Boot aus Glasfaserverstärktem Kunststoff. Im zweiten und dritten Jahrzehnt dieses GfK-Bootes waren und sind Winschen, Pumpen, Borddurchlässe, Seeventile, Schläuche, Bodenbretter, Polster, die Panelen der Kajütdachverkleidung, das Holz der Teak belegten Plicht zu erneuern. Auch standen und stehen Wanten, Stagen, zu ersetzende Fallen, neue Segel, verschlissene Beschläge wie Decksumlenker, bessere Fallenstopper, reparierte Lukendeckel auf dem Zettel. Das Ruder, auch die Maschine habe ich wiederholt aus- und eingebaut, letztere für den turnusmässigen Austausch der Saildrive-Dichtmanschette. Wer diese Arbeiten nicht für die hierzulande üblichen Stundensätze machen lässt, erledigt sie in den Wintermonaten in seiner Freizeit bis zum Beginn der nächsten Saison selbst. Man spart damit einen Batzen Geld, hat die Gewissheit, dass die Jobs ordentlich gemacht wurden und lernt, worauf beim nächsten Mal zu achten ist. Man braucht dazu aber Zeit und zahlt, wenn man die Dinge zum ersten Mal macht, Lehrgeld. Vieles davon hätte vielleicht nicht gemacht werden müssen. Da ich aber lieber mit einem Boot unterwegs bin, das in Ordnung ist, als die Dinge schleifen zu lassen, wurde und wird es gemacht.

Blick in die Teambelegte Plicht Blick in die Teambelegte Plicht © E. Braschos / Swedesail

Zu den üblichen Arbeiten an einem Kunststoffboot gehört: den Rumpf des aufgebockten Bootes unten rum einmal mit dem Exzenterschleifer glätten, übliche Stellen am Kiel spachteln und schleifen, den Wasserpass mit Antigilb reinigen, das Unterwasserschiff mit Antifouling malen. Abschliessend die Politur von Bordwand und Kajütaufbau, Süll und Plicht. Bei meiner 16 Meter langen Swede 55 sind das vier Wochenenden Arbeit. Zum Einwassern, Mast stellen, Trimm und Auftakeln gehen zwei weitere Wochenenden drauf, sofern ich alles selbst mache. Das sind sechs Wochenenden im Frühjahr, allein für die laufende Arbeit - bei einem pflegeleichten GfK-Boot wohlgemerkt.

Nun gab es bei mir in den vergangenen Jahrzehnten kein Frühjahr, wo allein die üblichen Arbeiten anstanden. Jedes Schiff hat Mängel, die seit der Inbetriebnahme, sprich ab Werft existieren und nicht beseitigt wurden. Alltäglich sind leider auch Wartungsrückstände, die man beheben möchte. Ausserdem sind mal der Motor oder beispielsweise die Winschen zu warten. Auch die Verschleissteile des Riggs verlangen Aufmerksamkeit. Je nach Projekt und handwerklichem Geschick kommen somit jedes Jahr weitere Tage Arbeit dazu.

Zeit, die nach einer anstrengenden Arbeitswoche zuhause nicht für’s Familienleben, den samstäglichen Wochenmarktbesuch, für Besorgungen, Freunde, Sport, oder einfach mal Abhängen und Nichtstun am idealerweise arbeitsfreien Wochenende zur Verfügung steht. Also: bereits der Aufwand für ein modernes, pflegeleichtes GfK-Boot langt.

Natürlich kann, aber muss ein Gfk-Boot nicht alljährlich poliert werden. Ebenso lässt sich Schleifen und Spachteln des Unterwasserschiffes auch mal auf das nächste Frühjahr verschieben. Die Bordwand sieht nicht so gut aus, aber die kosmetische Vernachlässigung schadet dem Gelcoat nicht. Ein rauhes Unterwasserschiff spielt beim Fahrtensegeln keine Rolle.

Ganz anders sieht es bei einen Holz-, Aluminium- oder Stahlschiff aus. Bei diesen Materialien duldet die Konservierung keinen Aufschub. Ist die Feuchtigkeit erst unter den Lack eines Holzbootes gekrochen, sieht es zunächst nur unansehnlich aus. Früher oder später muss die schadhafte Stelle grossflächig ausgebessert werden. Das ist wie beim Zahnarztbesuch. Kein klar denkender Mensch schiebt eine Karies- oder Parodontosebehandlung auf.

Diese Arbeit wird am Holzboot nur von einem handwerklich versierten Eigner mit Zeit und entsprechendem Werkzeug selbst zufriedenstellend erledigt. Es gehen Tage in die Vorbereitung und den Farbaufbau bereits einer Bordwandseite. Es gibt für diese Arbeiten einen zeitlichen Korridor, in dem sie erledigt werden müssen: Platz, Feuchtigkeit, Temperaturen, Licht, Sauberkeit am Stellplatz des Bootes entscheiden, wann es geht und wann nicht.

Von schlecht zugänglichen Stellen unter Deck, die zunächst mit der Ziehklinge in geduldiger Fleissabeit frei zu legen sind, ganz zu schweigen. Gleiches gilt für Aluminiumrümpfe, deren Farbaufbau am Unterwasserschiff bei gebrauchten Booten ein Thema ist. Welches Antifouling auf welcher Grundierung hält, bleibt eine Wissenschaft für sich. Manchmal muss Quadratzentirmeterweise alles bis auf’s blanke Metall runter geholt werden. Da steht der Eigner dann Tage für eine wahre Fron unter seinem Schiff. Für eine Arbeit, die keiner freiwillig unbezahlt machen würde – wäre er nicht drin: hätte er nicht die Bürde, den Aluminiumrumpf zu erhalten.

Antifoulingschliff Antifoulingschliff © E. Braschos / Swedesail

Noch schlimmer ist es bei Stahl: Da ist ständig etwas zu machen, sofern der Farbaufbau nicht von vorherein sehr gut gemacht wurde und das Boot erst wenige Jahre alt ist. Bis jetzt war beim Holz, Alu-, und Stahlboot nur vom Erhalt des Status Quo die Rede. Die üblichen Arbeiten, die bei einem Boot, beispielsweise einer Segelyacht immer anfallen - ich habe sie zuvor aufgezählt - kommen noch hinzu.

Natürlich hat das Aluminium- und Stahlboot zwei unschlagbare Vorteile: Ein Metallrumpf hat wahre Nehmerqualitäten. Sie können damit auf hoher See auf einen Container brummen. Sie können mit dem Boot stranden. Es kann sogar beim Trockenfallen umkippen. Mehr als Ihr Schrecken, eine Delle oder gehörige Beule bleiben kaum nach. Kein modernes, unter Kostendruck sparsam laminiertes GfK-Boot übersteht das. Auch wenn Sie in Ihrem Seglerleben niemals stranden, aufbrummen oder umkippen werden: die gefühlte Sicherheit, das Bewusstsein mit einem unkaputtbaren Boot unterwegs zu sein, ist ein grosses Plus.

Der zweite Vorteil: ein betagtes Holz-, Alu- oder Stahlboot ist vergleichsweise günstig. Den eigentlichen Preis erfahren und zahlen Sie erst nachher, wenn sie es haben und instand halten, solange sie es besitzen: Sie brauchen neben Zeit, handwerklichem Geschick und Geld nicht zuletzt eine Partnerin, die es auf Dauer aushält, wenn sie regelmässig am Schiff arbeiten.

Also, wenn sie nicht wie Heide und Erich Wilts mit Ihrer Freydis auf Expeditionstörns gehen oder wie Uwe Röttgering mit seiner Fanfan um die Welt brettern. Wenn Sie keine Eisklasse brauchen, weil Sie zur 95-prozentigen Mehrheit der Bummel-, Fahrten- und Freizeitsegler gehören, die mehrmals im Jahr ihre Wochenenden und den grossen Sommertörn an Bord verbringen. Ein Boot aus pflegeleichtem GfK ist die richtige Wahl. Ein Wochenende zu Einwintern des Bootes im Herbst und die genannten Wochenenden im Frühjahr für die laufende Arbeit reichen. Mit GfK stimmt der Mix aus Pflege und Nutzung des Bootes soeben noch.

Wenn Sie nun hier auf boot24.ch ein Kunststoffboot in Erwägung ziehen, dann kaufen Sie entweder ein relativ neues, wo noch wenig dran zu tun ist, oder ein älteres Baujahr eines pingeligen Eigners, der sein Boot gepflegt hat.

Der richtige Mix aus Pflege und Segeln - ein GfK Boot Der richtige Mix aus Pflege und Segeln - ein GfK Boot © E. Braschos / Swedesail

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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