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Yachtkonstrukteure12 min Lesezeit

Håkan Södergren

Vielseitige Kapazität schwedischer Bootskonstruktion

Håkan Södergren
Håkan Södergren entwirft seit 1971 Motor- und Segelboote © Södergren Yacht Design

Der Schwede entwirft von der vernünftigen Kompaktklasse über Regattaboote bis zum hinreissenden Retroschlitten. Auch bei den Motorbooten ist Södergren vom handlichen Modell bis zum rasanten Gleiter vielseitig. Seine Boote der 70er und 80er Jahre sind gebraucht eine gute Wahl. Und die gemeinsam mit Sohn Oskar entwickelten Neubauten sind eine Versuchung.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 10.03.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • vom 1 m Modellboot über Minizwölfer der 2.4mR Klasse bis zum 93-Füsser
  • Erfolge bei der schwedischen Langstreckenregatta Gotland Runt
  • Södergrens Kompromiss aus Verkäuflichkeit und Segelspass
  • Entwürfe für Comfortbåtar, Hanse, Helmsman, Finngulf, Flipper Boats, Lito Marin, Lidköpings Båtsnickeri, Sirena
  • 15 Entwürfe allein für die Helmsman Range
  • 5,5er und Schärenkreuzer-Neubauten
  • Södergrens IKEA-Boot
  • die Shogun 43 und 50
  • eigene Erfahrungen mit zwei Södergren-Booten
  • 25 Motorboote von kompakt bis zum kühnen Retroschlitten
  • neue Konstruktionen

Segelboote sind Kompromisse aus widersprüchlichen Erwartungen. Dem Segelspass steht der Komfort gegenüber, der Eleganz die Stehhöhe, dem Speed = Länge die Liegegebühr. Es geht um Agilität oder Gewicht, um akzeptablen Tiefgang oder Am-Wind-Performance.


Vor einer Weile wurden Törns an der Côte d’Azur und entlang der italienischen Riviera mit einem flachbordigen 9 m langen Drachen gesegelt. Süddeutsche und Schweizer genossen auf dem Bodensee die schönsten Wochen des Jahres zwischen den schlanken Planken eines Lacustre. Damals erlebten vierköpfige Familien im 7,70 m langen Folkeboot oder einem Jollenkreuzer die Freiheit des Ostseesegelns. Pantry, Klo und Waschgelegenheiten gibt es in jedem Hafen.


Nun haben sich die Erwartungen an den Komfort geändert. Heute wollen auch junge Leute Hotelstandard mit Stehhöhe und Nasszelle an Bord. So bietet bereits das 9,10 m Einsteigermodell wie die Hanse 315 vier Kojen in zwei separaten Kabinen, Pantry, Waschraum und Salon. Die enorme Höhe, die Breite von 3,35 m und ein Längen-Breitenverhältnis von 2,7 machen es möglich. Moderne Boote werden als Plattform zum Angeln, Baden, Chillen, fürs Internet, zum Kochen, Grillen, Feiern und unter anderem auch Segeln gesehen. Dabei geht es um zwei Fragen: das Platzangebot und den Preis. Wie in jedem Hafen zu sehen, macht der Tunnelblick auf diese beiden Gesichtspunkte moderne Boote etwas eintönig.

Darf es etwas schlanker sein?

Seit den Siebzigerjahren schreibt Håkan Södergren den skandinavischen Yachtentwurf auf seine Weise mit einem seglerischen Akzent und sehenswerten Booten fort. Er ist überwiegend im Norden bekannt. In Mittel- und Südeuropa allenfalls Insidern, obwohl es einige seiner Kreationen am Bodensee gibt. Höchste Zeit also für dieses Porträt.

Drei der etwa hundertmal gebauten 38-Füsser Helmsman Carrera
Drei der etwa hundertmal gebauten 38-Füsser Helmsman Carrera © Archipelagoraid CC BY-SA 4.0

Flushdeckfeilen für Segelnerds

Wie das Foto der drei „Carrera 38“ zeigt, ist sein Kompromiss so rattenscharf, dass er bereits im Hafen fährt. Ein Ergebnis der skandinavischen Begeisterung für elementares Segeln, der entspannten Liegeplatzverhältnisse am Ufergrundstück, an der Boje oder im nächstgelegenen Klub.

In Deutschland müssen 84 Millionen Einwohner mit ganzen 964 km Ostseeküste auskommen. 10 Millionen Schweden stehen 8000 km Küste zur Verfügung. Die Einheimischen bezeichnen das Archipel der ost- und westschwedischen Schären als Skärgård. In diesem Paradies segelt man mit der richtigen Feile genüsslich zur Bucht irgendwo weit draussen, wo das Land zur Ostsee ausfranst. Stehhöhe gibt es auf den Klippen, wo abends der Grill aufgebaut wird und man glücklich aufs Boot guckt.

Im weitläufigen Norden kann das Boot flachbordig, schlanker und länger sein als das eingangs erwähnte und heute übliche multioptionale Kompaktboot. Als Södergren in den Siebzigerjahren anfing, ging es den Schweden so gut, dass unzählige Werften mit immer neuen Modellen im boomenden Bootsbau mitmischten. Södergren zeichnete konsequent für den Nischenmarkt ansehnlicher und gut segelnder Exemplare. Bootsbau war damals beeindruckend vielfältig, ein Metier segelbegeisterter Überzeugungstäter, weniger von Betriebswirten.

So erscheinen seine Kreationen heute wie von einem anderen Planeten. Siehe die „Carrera 38“ mit 1,35 bis 1,50 m Bückhöhe unter Deck oder die abgefahrene „Cayenne International 42“. Sie sehen aus wie Cupper. Die Carrera war mit ihren ins Deck eingelassenen Cockpits, dem halben Harken-Katalog an Winschen, Schienen und Blöcken bis zum rasant hobelartigen Spiegel von den damaligen 6-mR-Regattabooten abgeleitet. Wie es sich für richtiges Segelspielzeug gehört, wird mit Pinne und Pinnenausleger statt Rad gesteuert, getrimmt mit einem über die volle Bootsbreite reichenden Traveller, mit Achter- und Backstagen. Diese Boote waren seglerisch so anspruchsvoll wie die Stereoanlagen der Achtziger und optisch so gewöhnungsbedürftig wie ein Lamborghini Countach. Und sie sehen nicht nur schnell aus. Damit wurden angeblich schon 14, 16 und sogar 21 Knoten unter Spinnaker bei etwas mehr Wind gesegelt. Die Spurtreue des V-förmigen Rumpfes macht es möglich.

Sollten Sie über die Modellbezeichnung schmunzeln, gucken Sie sich mal eine Carrera oder Cayenne an. Es gibt sie in norddeutschen, dänischen oder schwedischen Häfen. Erstaunlich ist, dass diese Flushdeck-Feilen aus heutiger Sicht in unglaublichen Stückzahlen gebaut wurden.

Carrera Modelle

  • Carrera 38, 11,50 x 2,40 m, Entwurf 1977, seit 1985 nationale schwedische Klasse, etwa 80 Boote, davon 60 in Schweden. Meist als Halbfabrikat (Rumpf und Deck) bei Tufa-Marin, später Roslagsbåtar und anderen Werften gebaut
  • Cayenne International 41, 12,55 x 2,72 m, Entwurf 1981, Comfortbåtar/Schweden, über hundert Boote, Gewinner Gotland Runt
  • Carrera 29/290, 9,90 x 2,88 m, Entwurf 1992, Edgecomb Marine Group (USA), mehrere Boote

Die 1976 entworfene Helmsman Queen 55 mit kühn geneigtem Vorsteven und Spiegel
Die 1976 entworfene Helmsman Queen 55 mit kühn geneigtem Vorsteven und Spiegel © Kirchner & Mares

Helmsman Yachten

Nachdem der unermüdliche Bootshändler Kapitän Lothar Köhler 1970 den Flensburger Yacht Service gegründet hatte, verkaufte er allein zweihundert Exemplare der bald variantenreich von Södergren gezeichneten Helmsman-Modelle nach Deutschland. Die Helmsman Queen 55 ist ein Traumschiff für den schnellen Ritt auf der Ostsee, dem Mittelmeer oder zur Karibik. Dass es bei wenigen Exemplaren dieses Modells blieb, ergibt sich aus der Länge von 55 Fuss.

16,70 m waren damals und sind immer noch eine Ansage. Der Zugang zur Kajüte erfolgt wie beim Panzer oder den Sparkman & Stephens Konstruktionen der finnischen Werft Nautor’s Swan jener Jahren von oben durch die Luke über eine steile Treppe. Die 13 schnittig schlanken Tonnen gehen bei viel Wind gut zur Sache. Ich habe mir mit meiner Swede 55 bei einer Begegnung mit dieser Helmsman Queen 55 mal eine üble Packung geholt. Das V-förmige Unterwasserschiff verrät, dass dieses Schiff fürs Meer gedacht ist. Zweckmässig sind auch das bis auf halbe Länge Skeg-geführte Ruder (Kursstabilität und robuste Bauweise) und der Propeller in nicht allzu grossem Abstand davor. Da wird das Ruder angeströmt und das Boot dreht rasch beim Manövrieren im Hafen. Die Helmsman Queen 55 ist gebraucht ein tolles Schiff, robust gebaut und zum bezahlbaren Tarif zu haben. Eine Versuchung für Segler, die ein richtiges Boot und keinen Schwabbelkram brauchen.

Der V-förmige Rumpf mit dem gemässigten Flossenkiel und Skeg geführten Ruder der Helmsman Queen 55
Der V-förmige Rumpf mit dem gemässigten Flossenkiel und Skeg geführten Ruder der Helmsman Queen 55 © Kirchner & Mares

Übersicht der Helmsman Modelle

Södergrens Helmsman Range gibt es von der 9,60 m langen Senorita Helmsman über die Lady Helmsman bis zur erwähnten 16,70 m langen Helmsman Queen 55 in 15 verschiedenen Modellen. Hier ein Auszug:

  • Helmsman 34, Entwurf 1974, Masnedø Bådeværvt bei Vordingborg/Dänemark
  • Helmsman 26, Entwurf 1975, Gewinner Gotland Runt
  • Helmsman 31, Erfolgreich bei Gotland Runt
  • Helmsman 31, Gewinner Gotland Runt
  • Helmsman 35, Gewinner Gotland Runt
  • Helmsman 23, Entwurf 1974, Nautor Small Boats
  • Helmsman 31, Entwurf 1975, Masnedö Bådeværvt
  • Lady Helmsman, 12,10 x 2,70 m, Entwurf 1975, 185 Boote gebaut
  • Senorita Helmsman, 9,60 x 2,36 m, Entwurf 1975, Lito Marin Finnland
  • Helmsman 34, Entwurf 1976
  • Queen Helmsman 55, 16,70 x 3,70 m, Entwurf 1975, zehn Boote
  • Lord Helmsman, Entwurf 1976, knapp hundert Boote gebaut,
  • Helmsman Barracuda 35, Entwurf 1977
  • Helmsman 21, Entwurf 1975
  • neue Lord Helmsman, MK II Version mit 10 cm mehr Freibord, Entwurf 1982, von Svenska Koster in Uppsala febaut

Södergrens 55er Schärenkreuzer

1981 zeichnete Södergren mit seiner modernen Interpretation eines klassischen 55er Schärenkreuzers eines der vielleicht schönsten Boote überhaupt. Es ist bei ganzen 2,54 m Breite 15 m lang und bietet im offenen Schiebeluk volle Stehhöhe, ansonsten unter Deck mittlere Bückhöhe. Es entstand fünfmal in moderner Kunststoff-Bauweise mit Divinycell-Schaumkern und pflegeleichtem Gelcoat.

Moderner 55er Schärenkreuzer
Moderner 55er Schärenkreuzer © Södergren Yacht Design

Der keilförmige Kajütaufbau und die kühne Spiegelneigung lassen mehrmals hingucken. Einzelheiten finden Sie in diesem Artikel. Solche Spiegel gibt sonst nur bei modernen 5,5ern. Für diese Klasse hat Södergren ebenso entworfen, wie jüngst einen 30er Schärenkreuzer. Doch bleiben wir einen Moment noch bei seinem Werdegang.

Södergrens 55er Schärenkreuzer von 1984: Agil, sensibel und am Wind ein seglerisches Nirwana
Södergrens 55er Schärenkreuzer von 1984: Agil, sensibel und am Wind ein seglerisches Nirwana © Tore Källmark

Södergrens Minizwölfer und die 1.0m Modellbootklasse

Als Meteryachten durch die schwedischen America’s Cup-Herausforderungen mit dem Zwölfer „Sverige“ 1977 und 80 vor Newport gefragt waren, zeichnete Södergren sogenannte Minizwölfer zum Einhandsegeln anhand der 2.4mR Formel. Sie ist aus International Rule der Meteryachten abgeleitet. Das Boot ist 4,20 m lang, 81 cm breit und hat 99 cm Tiefgang. Gewicht 260 kg, 7,5 qm am Wind Besegelung. Seit 2000 als paralympische Bootsklasse anerkannt.

Die Swede Star 370 wurde 37 mal von der Lidköpings Båtsnickeri gebaut
Die Swede Star 370 wurde 37 mal von der Lidköpings Båtsnickeri gebaut © Södergren Yacht Design

Ich hatte mal Gelegenheit, Minizwölfer zu segeln. Dieses Go-Kart macht dank der Nähe zum Wasser sagenhaft Spass. Gesteuert wird mit den Füssen per neben dem Mastfuss sitzenden Pedalen. Ein phantastisches Segelspielzeug. Die Begeisterung für sein Metier wird an zahlreichen Entwürfen für die 2.4m Konstruktionsklasse - er zeichnete sie von 1977 für die Stegesunds Varv bis 1996 für Master Yachts in fünf verschiedenen Varianten - und 2005 die 1.0m Klasse deutlich.

Der neulich liebevoll restaurierte Södergren 1/2 Tonner „Blues“ im passenden Retro Hellblau
Der neulich liebevoll restaurierte Södergren 1/2 Tonner „Blues“ im passenden Retro Hellblau © Södergren Yacht Design

Södergrens Regattaboote

Seit seinem Debüt als Autodidakt mit dem Halbtonner „Murena“ (erster Platz bei Gotland Runt 1972), der bald als Kunststoffboot in Serie ging und 150 Mal gebaut wurde, zeichnete Södergren zahlreiche Regattaboote. Die Nagelprobe war dabei oft der Langstreckenklassiker Gotland Runt. 15 Mal haben seine Entwürfe diese renommierten Rennen gewonnen. Hier eine Übersicht seiner Regattaboote.

  • 1/2-Tonner Murena
  • Barracuda 35, Gewinner Gotland Runt
  • 1/2-Tonner „Blues“ und „Hjelmer Bryd“, Entwurf 1979, Gewinner Gotland Runt
  • Minitonner, Entwurf 1982
  • 3/4-Tonner "Matriarch", 1981, 3 x gebaut
  • 3/4-Tonner für deutschen Eigner, Entwurf 1982, Gotland Rund Sieger 1983
  • 3/4-Tonner „Supernova“, Entwurf 1982, Gewinner Gotland Runt
  • 3/4-Tonner „Tim Hamilton“ für deutschen Eigner, Entwurf 1982
  • Eintonner „Amanda“, Entwurf 1983 für Volvo-Chef Pehr Gyllenhammar und von der finnischen Baltic Werft gebaut
  • 5,5er Vasa
  • 5,5er Kungsörnen, Entwurf 1980
  • Finngulf 34, 3/4-Tonner, Entwurf 1981, Finngulf Marin Finnland
  • Elixir 38, 1986 gebaut

Kompakte Serienboote

Auf der Regattabahn zeigen Konstrukteure ihr Talent. Ihr Renommee zahlt sich idealerweise mit in grossen Stückzahlen gebauten Serienbooten aus. So hat der 1943 geborene Schwede auch vernünftiger gezeichnet, nämlich familientaugliche Fahrtenboote, die in übliche Boxen und Pfahlweiten passen und wo die Familie und Freunde einfach eine gute Zeit haben. Er entwarf für 42 Werften, und zwar von Albin bis Victory Yachts, darunter Baltic Yachts, Carrera Yachts, Comfortbåtar, Delphia, Elan, Finngulf, Hanse Yachts, Helmsman, Linjett/Rosättra und Sirena.

Die beliebte „Athena 34“ von Södergren
Die beliebte „Athena 34“ von Södergren © Södergren Yacht Design

1980 entwickelte Södergren einen 34-Füsser namens Athena für den skandinavischen Markt. Ein handliches und bei Gotland Runt erfolgreiches Boot. Södergren erinnert es als eines seiner gelungensten Entwürfe. Hier eine Übersicht seiner Serienboote.

Die beliebte „Athena 34“ von Södergren
Die beliebte „Athena 34“ von Södergren © Södergren Yacht Design

  • Inferno 29, Gewinner Gotland Runt
  • Elixir 38, Gewinner Gotland Runt
  • Murena IOR-Halbtonner aus Holz, Entwurf 1971, 150 Gfk-Serienboote
  • Athena 34, Entwurf 1980, etwa 100 Boote in Schweden und Norwegen von Poseidon Yachts gebaut, Gewinner Gotland Runt
  • Shipman 26, Entwurf 1976
  • Stormfågeln, Entwurf 1999, 7 Boote bei Sirena/Finnland gebaut
  • Minerva, Entwurf 1979, Albin Marin
  • Siesta 32, Entwurf 1980, etwa 50 Boote von Lito Marin/Sirena gemeinsam mit Artekno in Finnland gebaut
  • Sirena 38, Entwurf 1979, über hundert Boote von Lito Marin/Sirena in Finnland gebaut, Gewinner Gotland Runt
  • Sirena 44, Entwurf 1983
  • Inferno 29, Entwurf 1981, 1982–1992 von Tallberg Oy in Finnland gebaut, davon 50 Boote im ersten Jahr
  • Inferno 31, Finngulf, ab 1983 gebaut
  • Two Star 36, Entwurf 1984, 30 Boote von Bornö Båtar in den Achtzigerjahren gebaut, Gewinner Gotland Runt
  • Victory 42, Entwurf 1987
  • Finngulf 34, Entwurf 1981, Finngulf Marin, Finnland, Gewinner Gotland Runt
  • Inferno 33, Entwurf 1982, 1984–1990 25 Boote bei NaBoats/Tabasco Marine in Finnland gebaut
  • Finngulf 31, 1982 für die schwedische Werft Crown Marine entworfen, bei Gotland Runt erfolgreich, dann als Finngulf 31 gebaut
  • Finngulf 36, Entwurf 1990
  • Finngulf 38, Entwurf, 1983
  • Finngulf 32, Entwurf 1994
  • Finngulf 41, Entwurf 1995
  • SeRa 29, Entwurf 2001, kleine Serie in Finnland gebaut
  • Finngulf 36 DC, Entwurf 2003
  • Finngulf 33, Entwurf 1988, 1983–1990 25 Boote von Finngulf Yachts gebaut, auch als Inferno vermarktet
  • Finngulf 335, 1995–99, 20 Boote gebaut
  • Finngulf 37/38, 1987–95, 23 Boote gebaut
  • Finngulf 39, 1982–2005, 109 Boote gebaut, Gewinner Gotland Runt
  • Finngulf 39 Deckssalon, 1999–2002, 3 Boote gebaut
  • Finngulf 44, Entwurf 1998, 14 Boote 1991–2005 von Finngulf Yachts gebaut
  • Swede Star 370, Entwurf 2006, 37 Boote von Lidköpings Båtsnickeri gebaut
  • Swede Star 415, Entwurf 2007 für Lidköpings Båtsnickeri, dann Najad Werft, zwei Boote gebaut
  • Tarac 33, Entwurf 2006, zunächst bei CMI in Visky/Gotald gebaut, neuerdings Dyvig Marina, Dänemark
  • Shogun 50, Entwurf 2017, gemeinsam mit Oscar Södergren, 1 Boot gebaut
  • Shogun 43, Entwurf 2020, gemeinsam mit Oscar Södergren, 2 Boote gebaut

Die Stormfågeln entstand nach einer Artikelserie über das ideale Fahrtenboot: kompakt, breit und mit flachem U-Spant
Die Stormfågeln entstand nach einer Artikelserie über das ideale Fahrtenboot: kompakt, breit und mit flachem U-Spant © Södergren Yacht Design

Die im deutschsprachigen Raum bekannteste Södergren-Konstruktion ist die 1994 bis 2002 zahlreich in Greifswald gebaute Hanse 331. Damals begann der clevere Werftgründer Michael Schmidt sein ostdeutsches Bootsbau-Startup in Greifswald per Neuauflage fertig entwickelter Modelle mit der zuvor in Finnland gebauten Finngulf 33.

Eines der sieben Sturmvogel-Exemplare in Aktion
Eines der sieben Sturmvogel-Exemplare in Aktion © Södergren Yacht Design

Södergrens IKEA-Boot

1984 entwarf Södergren für einen Landsmann mit der „Two Star 36“ einen innovativen Allrounder mit einem variablen und komplett demontierbaren Interieur. Es war leicht und an einem Aluminiumgestell montiert, liess sich mit wenigen Handgriffen an die Bedürfnisse des Bordlebens mit grösser werdenden Kindern anpassen und für Regatten auch ganz herausnehmen. Da es wie die schwedischen Möbel als Bausatz geliefert wurde, ist das 30-mal gebaute Modell als IKEA-Boot bekannt.

Blick in Södergrens IKEA-Boot mit einem leichten und variablen Innenausbau
Blick in Södergrens IKEA-Boot mit einem leichten und variablen Innenausbau © Södergren Yacht Design

Learning by doing

Wie es losging

Wie seine Kollegen Dick Carter, Ron Holland oder Pelle Petterson brachte er sich den Yachtentwurf selbst bei. Der 1943 geborene Södergren ist Quereinsteiger. 1963 hatte er eine Ausbildung in der Tischlerei der Carl-Malmsten-Werkstattschule in Stockholm gemacht und war anschliessend für den Aufbau des Tischlereibetriebs bei Malmstens Capellagården auf Öland verantwortlich. Malmsten (1888–1972) war ein einflussreicher schwedischer Gestalter und Holzmöbelbauer. Danach studierte Södergren Innenarchitektur und begann 1966 im namhaften Stockholmer Architekturbüro Tengbom zu arbeiten.

1971 zeichnete er in seiner Freizeit einen Halbtonner anhand der damals neuen International Offshore Rule (IOR). Diese seinerzeit junge Formel zum Hochsee-Regattasegeln ersetzte die Vorschriften des amerikanischen Cruising Club of America (CCA) und des englischen Royal Ocean Racing Club zum internationalen Regattasegeln. Überraschend gewann Södergren mit „Murena“ die Gotland Rund Regatta, deren 331-Seemeilen-Kurs im Uhrzeigersinn von Sandhamn um Gotland führt. Ermutigt von diesem Erfolg machte sich Södergren im selben Jahren als Yachtkonstrukteur selbstständig und zeichnete in den Siebzigern zwanzig Boote, darunter die erwähnten Helmsman-Yachten, einen 3/4-Tonner, ausserdem für Comfort Boats, Finngulf, Poseidon und Sirena Yachts. Bald folgten seine ersten Motorbootentwürfe für Flipper in Finnland.

Die 28,40 m Slup vom Typ Rivolta 92 entstand 2002 in den USA
Die 28,40 m Slup vom Typ Rivolta 92 entstand 2002 in den USA © Södergren Yacht Design

Södergrens Florida-Periode 1990 bis 2003

Wie seine schwedischen Konstrukteurskollegen Prof. Sven Olof Ridder und Lars Bergström (bekannt durch Erfindung des Windex-Verklickers und des Bergström-Riggs) übersiedelte Södergren nach Florida, wo er etwa ein Jahrzehnt lebte und 2001 für Piero Rivolta, bekannt durch die italienischen Sportwagen, mit der „Rivolta 92“ eine für damalige Verhältnisse stattliche Fahrtenyacht zeichnete. Um in den flachen Gewässern Floridas zu segeln, erhielt sie einen Hubkiel, Wasserballast und eine Doppelruderanlage. Weitere Entwürfe, darunter ein Motorboot im traditionellen amerikanischen Lobster Boat Stil, folgten.

Traumschiff Swede 68

Wie der 2008 präsentierte Entwurf der Swede 68 zeigt, kehrte Södergren auch gestalterisch wieder in die Stockholmer Schären zurück. Bei diesem 3,81 m breiten Entwurf löste er gemeinsam mit Sohn Oskar den eingangs erwähnten Kompromiss zwischen Bordleben, Eleganz und am Wind Segeleigenschaften auf urschwedische Weise anhand der Länge. Das machen Schweden mit ihren klassischen Schärenkreuzern seit Anno 1908 so.

Schlanke Linie, L-Kiel und Säbelruder. Die Swede 68 wird gut segeln
Schlanke Linie, L-Kiel und Säbelruder. Die Swede 68 wird gut segeln © Södergren Yacht Design

Das 20,60 m lange Entwurf bietet dank moderat angehobenem Freibord und unter dem niedrigen, gestreckten Aufbau Stehhöhe. Södergren gab ihm mit etwas breiterer Achterschiffspartie mehr Formstabilität und somit ein besseres Segeltragevermögen, auch zugunsten schneller Raumschotskurse. Das hatte er schon bei der einen oder anderen Helmsman gemacht, wobei Södergren seit einer Weile auf einen modernen U‑ statt V-spantigen Rumpf setzt. Das reduziert die wasserbenetzte Fläche und lässt mehr Platz für ein möglichst gestrecktes Kielprofil. Weitere Einzelheiten finden Sie in diesem Artikel.

Noch ist dieser Södergren-Entwurf ein Rendering
Noch ist dieser Södergren-Entwurf ein Rendering © Oscar Södergren Design

In den vergangenen Jahren machten die Södergrens mit der viel beachteten Shogun-Range von sich reden. Dem 50-Füsser, einem Leichtbau für die kleine Crew mit Hubkiel, folgte ein bislang zweimal gebautes 43-Fuss-Modell.

Die gestalterischen Finessen wie der Spritzwasserabweiser vorn, schnittige Fensterformen und der gefalzte Spiegel zeigen, dass auch bei kompakten Booten mit vernünftigen Abmessungen pfiffige Lösungen möglich sind. Nun wird die bemerkenswerte Karriere des Malmsten-Schülers für Möbeltischlerei bis zur Kreation reizvoller Boote, zunehmend von Oscar Södergren fortgesetzt. Södergren-Boote älteren Baujahrs sind für Kenner eine gute Wahl.

Södergren mit seinem Sohn Frederic an Bord seiner Tarrac 33 in Stockholmer Gewässern
Södergren mit seinem Sohn Frederic an Bord seiner Tarrac 33 in Stockholmer Gewässern © Södergren Yacht Design

Zuletzt segelte Södergren eine Tarrac 33. Ein funktionales und entsprechend beliebtes Boot, mit dem man flott zur Sache kommt. Und weil er auch im fortgeschrittenen Alter gern auf dem Wasser ist, ist er seit einer Weile mit einem Motorboot vom Typ Flipper 717 natürlich von seinem Reissbrett unterwegs. Der Stockholmer Schärengarten ist zu schön, um dort ohne schwimmenden Untersatz zu leben.

Södergrens Motorboote

Mit dem Cabrio Cruiser der schwedischen Marke J-Craft gelang den Södergrens ein grosser Wurf ein grosser Wurf mit kühnem Barrel Back. Hier wurde das klassische Runabout der Sechzigerjahre mit rundem Spiegel und Unterschlupf im Vorschiff so weit zum veritablen Day-Cruiser vergrössert, dass man in den Stockholmer Schären mit Stehhöhe im Vorschiff leben kann. Mit 40 bis 50 Knoten sind Ligurien und Sardinien von der Côte d’Azur erreichbar.


Der J-Craft Gleiter ist von den Riva-Runabouts inspiriert
Der J-Craft Gleiter ist von den Riva-Runabouts inspiriert © J-Craft


Ansonsten gelang Södergren mit zahlreichen Entwürfen für die finnischen Motorbootmarken Agapi, Flipper oder Uttern der Spagat vom Retroschlitten zum bezahlbaren Zugang zum Wasser. Etwa 25 Motorboote zeichnete es. Hier ein Auszug:

  • verschiedene Flipper-Modelle, Entwurf 1980–2006, darunter Flipper 717, 777 und 909
  • sechs verschiedene Uttern-Modelle 2004-6
  • Vator 27, Entwurf 2005, etwa 30 Boote von der finnischen Vator-Werft gebaut
  • Dyvig Eagle 25, Entwurf 2006, Dyvig Marine Dänemark
  • Rivolta 38 Coupe, 4.0, Entwurf 2008
  • fünf Agapi-Modelle von der 750 bis zur 950 Open, Entwurf 2011-17
  • Golden Cut, Entwurf 2008, 8,5 m Day-Cruiser im Stil eines klassisch geklinkerten schwedischen Holzbootes, 10 Exemplare
  • J-Craft 42, Entwurf 2009


Die Rivolta 38 erinnert an die amerikanischen Lobsterboote
Die Rivolta 38 erinnert an die amerikanischen Lobsterboote © Södergren Yacht Design


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