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Yachtkonstrukteure14 min Lesezeit

Håkan Södergren

Eine vielseitige Kapazität schwedischer Bootskonstruktion

Håkan Södergren
Håkan Södergren entwirft seit 1971 Motor- und Segelboote © Södergren Yacht Design

Der Schwede entwirft für die vernünftige Kompaktklasse, Regattaboote oder hinreissende Retroschlitten. Auch bei Motoryachten ist Södergren vom gängigen Modell bis zum exklusiven Gleiter vielseitig. Seine Kreationen der 70er und 80er Jahre sind gebraucht eine gute Wahl. Die seit einer Weile gemeinsam mit Sohn Oskar entwickelten Neubauten eine Versuchung.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 25.04.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • vom 1 Meter langen Modellboot über 2.4mR Minizwölfer bis zum 92-Füsser
  • Erfolge bei der schwedischen Langstreckenregatta Gotland Runt
  • Södergrens Kompromiss aus Verkäuflichkeit und Segelspass
  • Entwürfe für Comfortbåtar, Hanse, Helmsman, Finngulf, Flipper Boats, Lito Marin, Lidköpings Båtsnickeri, Sirena
  • 15 Entwürfe allein für die Helmsman Range
  • 5,5er und Schärenkreuzer-Neubauten
  • 29-Füsser für die Liegeplätze an Schweizer Seen
  • Södergrens IKEA-Boot
  • die Shogun 43 und 50
  • eigene Erfahrungen mit zwei Södergren-Booten
  • Motoryacht Entwürfe von kompakt bis zum kühnen Retroschlitten
  • neue Konstruktionen
  • Übersicht zu den Södergren-Booten (mit Stückzahlen, soweit bekannt)

Segelboote sind Kompromisse aus widersprüchlichen Erwartungen. Dem Segelspass steht der Komfort gegenüber, der Eleganz die Stehhöhe, dem Speed = Länge die Liegegebühr. Es geht um Agilität oder Gewicht, um akzeptablen Tiefgang oder Am-Wind-Performance.


Vor einer Weile wurden Törns an der Côte d’Azur und entlang der italienischen Riviera mit einem flachbordigen 9 m langen Drachen gesegelt. Süddeutsche und Schweizer genossen auf dem Bodensee die schönsten Wochen des Jahres zwischen den schlanken Planken eines Lacustre. Damals erlebten vierköpfige Familien im 7,70 m langen Folkeboot oder einem Jollenkreuzer die Freiheit des Ostseesegelns. Pantry, Klo und Waschgelegenheiten gibt es in jedem Hafen.


Nun haben sich die Erwartungen an den Komfort geändert. Heute wollen auch junge Leute Hotelstandard mit Stehhöhe und Nasszelle an Bord. So bietet bereits das 9,10 m Einsteigermodell wie die Hanse 315 vier Kojen in zwei separaten Kabinen, Pantry, Waschraum und Salon. Die enorme Höhe, die Breite von 3,35 m und ein Längen-Breitenverhältnis von 2,7 machen es möglich. Moderne Boote werden als Plattform zum Angeln, Baden, Chillen, fürs Internet, zum Kochen, Grillen, Feiern und unter anderem auch Segeln gesehen. Dabei geht es um zwei Fragen: das Platzangebot und den Preis. Wie in jedem Hafen zu sehen, macht der Tunnelblick auf diese beiden Gesichtspunkte moderne Boote etwas eintönig.

Darf es etwas schlanker sein?

Seit den Siebzigerjahren schreibt Håkan Södergren den skandinavischen Yachtentwurf auf seine Weise mit einem seglerischen Fokus und sehenswerten Booten fort. Er ist überwiegend im Norden bekannt. In Mittel- und Südeuropa allenfalls Insidern, obwohl es einige seiner Kreationen am Bodensee gibt. Es ist der Anlass für dieses Porträt.

Drei der etwa hundertmal gebauten 38-Füsser Helmsman Carrera
Drei der etwa hundertmal gebauten 38-Füsser Helmsman Carrera © Archipelagoraid CC BY-SA 4.0

Flushdeckfeilen für Segelnerds

Wie das obige Foto der drei nebeneinander liegenden „Carrera 38“ zeigt, ist sein Kompromiss so rattenscharf, dass er bereits im Hafen fährt. So sieht schwedische Begeisterung für elementares Segeln aus.

In Deutschland müssen 84 Millionen Einwohner mit ganzen 964 km Ostseeküste auskommen. In Schweden stehen 10 Millionen Einwohnern 8000 km Küste zur Verfügung. Das Archipel der ost- und westschwedischen Schären nennen die Einheimischen Skärgård, wo die Liegeplatzverhältnisse am Ufergrundstück, an der Boje oder im nächstgelegenen Klub entspannt sind. In diesem Paradies segelt man mit der richtigen Feile genüsslich zu einer Insel irgendwo weit draussen, wo das Land zur Ostsee ausfranst. Stehhöhe gibt es abends beim Grillen auf den Klippen, wo man zufrieden aufs Boot guckt.

Als Bootsbau vielfältig war

Im weitläufigen Norden können Boote flachbordig, schlanker und länger sein als das eingangs erwähnte und heute übliche multioptionale Kompaktboot. Als Södergren in den Siebzigerjahren anfing, ging es den Schweden so gut, dass unzählige Werften mit immer neuen Modellen im boomenden Bootsbau mitmischten. Södergren kümmerte sich um die Nische ansehnlicher und gut segelnder Exemplare. Aus heutiger Sicht war der Bootsbau damals unglaublich vielfältig, das Metier segelbegeisterter Überzeugungstäter, weniger von Betriebswirten und Aktionären.

So erscheinen seine Kreationen heute wie von einem anderen Planeten. Siehe die „Carrera 38“ mit 1,35 bis 1,50 m Bückhöhe unter Deck oder die abgefahrene „Cayenne International 42“. Sie sehen aus wie Cupper. Die Carrera war mit ihren zwei separat ins Deck eingelassenen Cockpits, dem halben Harken-Katalog an Winschen, Schienen und Blöcken bis zum rasant hobelartigen Spiegel von den damaligen 6-mR-Regattabooten abgeleitet. Wie es sich für Segelspielzeug gehört, mit Pinne und Pinnenausleger statt Rad gesteuert, getrimmt mit einem über die ganze Breite reichenden Traveller, mit Achter- und Backstagen. Diese Boote waren so anspruchsvoll wie die Stereoanlagen der Achtziger. Und sie sehen nicht nur schnell aus. Damit wurden angeblich 14, 16 und sogar 21 Knoten Ritte unter Spinnaker bei etwas mehr Wind gesegelt. Die Kursstabilität des V-förmigen Rumpfes macht es möglich.

Sollten Sie über die Modellbezeichnung schmunzeln, gucken Sie sich mal eine Carrera oder Cayenne an. Es gibt sie in norddeutschen, dänischen oder schwedischen Häfen. Eine Carrera liegt in Lemkenhafen, eine Cayenne in Heiligenhafen. Erstaunlich ist, dass die Flushdeck-Feilen in heute unglaublicher Anzahl gebaut wurden.

Die 1976 entworfene Helmsman Queen 55 mit kühn geneigtem Vorsteven und Spiegel
Die 1976 entworfene Helmsman Queen 55 mit kühn geneigtem Vorsteven und Spiegel © Kirchner & Mares

Helmsman Yachten

Nachdem der Bootshändler Lothar Köhler 1970 den Flensburger Yacht Service gegründet hatte, tat er sich 1973 mit Södergren und Arne Linde mit der Helmsman Yachts AB in Vaxholm bei Stockholm, zusammen. Es wurde eine gedeihliche Kooperation, die Södergren gut beschäftigte. Köhler verkaufte etwa zweihundert Exemplare der bald variantenreich von Södergren gezeichneten Helmsman-Range nach Deutschland. Die Helmsman Queen 55 beispielsweise, sie wird auch als Bosun Queen 55 bezeichnet, ist ein Traumschiff für die Ostsee, das Mittelmeer oder den schnellen Ritt zur Karibik. Dass es bei wenigen Exemplaren dieses Modells blieb, ergibt sich aus der Länge von 55 Fuss.

Traumschiff Helmsman Queen

16,70 m waren damals und sind heute immer noch eine Ansage. Der Zugang zur Kajüte erfolgt wie bei den damaligen Sparkman & Stephens Konstruktionen für die finnische Werft Nautor’s Swan durch die Luke von oben über eine steile Treppe. Das V-förmige Unterwasserschiff verrät, dass dieses Schiff fürs Meer gedacht war. Zweckmässig sind auch das bis auf halbe Länge Skeg-geführte Ruder (Kursstabilität und robuste Bauweise) und der Propeller in nicht allzu grossem Abstand davor. Da wird das Ruder bald angeströmt und das Boot dreht rasch beim Manövrieren im Hafen. Die Helmsman Queen 55 ist gebraucht ein tolles Schiff, robust gebaut und zum bezahlbaren Tarif zu haben. Eine Versuchung für Segler, die ein richtiges Boot statt Schwabbelkram brauchen. Die 13 schnittig schlanken Tonnen gehen bei viel Wind gut zur Sache. Ich habe mir mit meiner Swede 55 vor Jahrzehnten mal bei einer Begegnung mit einer Helmsman Queen 55 eine üble Packung geholt. Später überredete ich einen Segelfreund zum Kauf einer gebrauchten Helmsman 47. Auch diese Begegnung ging für mich keineswegs wie es sonst aus.

Der V-förmige Rumpf mit dem gemässigten Flossenkiel und Skeg geführten Ruder der Helmsman Queen 55
Der V-förmige Rumpf mit dem gemässigten Flossenkiel und Skeg geführten Ruder der Helmsman Queen 55 © Kirchner & Mares

Södergrens 55er Schärenkreuzer

1981 zeichnete Södergren mit der modernen Interpretation eines klassischen 55er Schärenkreuzers sein schönstes Boot. Es ist bei ganzen 2,54 m Breite 15 m lang und bietet im offenen Schiebeluk volle Stehhöhe, ansonsten unter Deck mittlere Bückhöhe. Es entstand fünfmal in moderner Kunststoff-Bauweise mit Divinycell-Schaumkern und pflegeleichtem Gelcoat.

Södergrens 55er Schärenkreuzer von 1984: Agil, sensibel und am Wind dank Jollenfeeling ein seglerisches Nirwana
Södergrens 55er Schärenkreuzer von 1984: Agil, sensibel und am Wind dank Jollenfeeling ein seglerisches Nirwana © Tore Källmark

Der keilförmige Kajütaufbau und die kühne Spiegelneigung lassen mehrmals hingucken. Einzelheiten finden Sie in diesem Artikel. Solche Spiegel gibt sonst nur bei modernen 5,5ern. Für diese ehemals olympische Klasse hat Södergren ebenso entworfen, wie jüngst einen modernen 30er Schärenkreuzer. Anscheinend kann er es nicht lassen, tolle Boote zu entwerfen. Doch bleiben wir einen Moment noch bei seinem Werdegang.

Dieser moderne 55er Schärenkreuzer entstand als Kleinserie von 5 Booten
Dieser moderne 55er Schärenkreuzer entstand als Kleinserie von 5 Booten © Södergren Yacht Design

Södergrens Minizwölfer und die 1.0m Modellbootklasse

Als Meteryachten durch die schwedischen America’s Cup-Herausforderungen mit dem Zwölfer „Sverige“ 1977 und 80 vor Newport gefragt waren, zeichnete Södergren sogenannte Minizwölfer zum Einhandsegeln anhand der 2.4mR Formel. Sie ist aus International Rule der Meteryachten abgeleitet. Das Boot ist 4,20 m lang, 81 cm breit und hat 99 cm Tiefgang. Gewicht 260 kg, 7,5 qm am Wind Besegelung. Seit 2000 als paralympische Bootsklasse anerkannt.

Mit Södergren Minizwölfer ist man herrlich nah am Wasser
Mit Södergren Minizwölfer ist man herrlich nah am Wasser © Södergren Yacht Design

Minizwölfer bieten einen preiswerten und elementaren Zugang zum Segeln
Minizwölfer bieten einen preiswerten und elementaren Zugang zum Segeln © Södergren Yacht Design

Södergrens Begeisterung für sein Metier wird an zahlreichen Entwürfen für die 2.4m Minizwölfer Konstruktionsklasse und die 1.0m Klasse deutlich. Ich hatte vor Jahren mal Gelegenheit, bei reichlich Wind auf der Alster Minizwölfer zu segeln. Dieses Go-Kart macht dank der Nähe zum Wasser sagenhaft Spass. Gesteuert wird mit den Füssen per neben dem Mastfuss sitzenden Pedalen. Man ist nah am Wasser. Entsprechend gross ist der Spass. Ein phantastisches Segelspielzeug. Neu erschwinglich und gebraucht ein Schnäppchen.

Södergrens Regattaboote

Seit seinem Debüt als Autodidakt mit dem Halbtonner „Murena“ (erster Platz bei Gotland Runt 1972), der bald als Kunststoffboot in Serie ging, zeichnete Södergren zahlreiche Regattaboote. Die Nagelprobe war dabei oft der Langstreckenklassiker Gotland Runt. 15 Mal haben seine Entwürfe diese renommierten Rennen gewonnen. Hier eine Übersicht seiner Regattaboote.

  • 1/2-Tonner Murena, Entwurf 1971, 150 Boote (1)
  • Barracuda 35, Gewinner Gotland Runt
  • 1/2-Tonner „Blues“ und „Hjelmer Bryd“, Entwurf 1979, Gewinner Gotland Runt
  • Minitonner, Entwurf 1982
  • 3/4-Tonner „Matriarch“, 1981, 3 Boote (1) von Finngulf gebaut
  • 3/4-Tonner für deutschen Eigner, Entwurf 1982, Gotland Runt Sieger 1983
  • 3/4-Tonner „Supernova“, Entwurf 1982, Gewinner Gotland Runt
  • 3/4-Tonner „Tim Hamilton“ für deutschen Eigner, Entwurf 1982
  • Eintonner „Amanda“, Entwurf 1983 für Volvo-Chef Pehr Gyllenhammar und von der finnischen Baltic Werft gebaut
  • 5,5er „Kungsörnen“ Entwurf 1980; 5,5er „Wasa“, Entwurf 2015

Kompakte Serienboote

Auf der Regattabahn zeigen Konstrukteure ihr Talent. Idealerweise zahlt sich ihr Renommee mit Serienboote aus, die in grossen Stückzahlen entstehen. So hat der 1943 geborene Schwede auch familientaugliche Fahrtenboote gezeichnet, die in übliche Boxen passen. Er entwarf für zahlreiche Werften, und zwar von Albin bis Victory Yachts, darunter Baltic Yachts, Carrera Yachts, Comfortbåtar, Delphia, Elan, Finngulf, Hanse Yachts, Helmsman, Linjett/Rosättra und Sirena.

Eine „Finngulf 39“ in Florida
Eine „Finngulf 39“ in Florida © Södergren Yacht Design

1980 entwickelte Södergren einen 34-Füsser namens Athena für den skandinavischen Markt. Ein handliches und bei Gotland Runt erfolgreiches Boot. Södergren erinnert es als eines seiner gelungensten Entwürfe.

Die beliebte „Athena 34“ von Södergren
Die beliebte „Athena 34“ von Södergren © Södergren Yacht Design

Die Stormfågeln entstand nach einer Artikelserie über das ideale Fahrtenboot: kompakt, breit und mit flachem U-Spant
Die Stormfågeln entstand nach einer Artikelserie über das ideale Fahrtenboot: kompakt, breit und mit flachem U-Spant © Södergren Yacht Design

Die im deutschsprachigen Raum bekannteste Södergren-Konstruktion ist die 1994 bis 2002 zahlreich in Greifswald gebaute Hanse 331. Damals begann Werftgründer Michael Schmidt sein ostdeutsches Bootsbau-Startup in Greifswald per Neuauflage fertig entwickelter Modelle mit der zuvor in Finnland gebauten Finngulf 33.

Die Swede Star 370 wurde 37 mal von der Lidköpings Båtsnickeri gebaut
Die Swede Star 370 wurde 37 mal von der Lidköpings Båtsnickeri gebaut © Södergren Yacht Design

1981 schlug der Schweizer Bootshändler Bruno Hunkeler ein kompaktes Kajütboot vor, das von den Abmessungen her auf die Liegeplätze der Schweizer Seen abgestimmt ist. Södergren entwarf die etwa 150 Mal gebaute „Inferno 29“, die in der Schweiz, Deutschland und Skandinavien beliebt ist.

Eines der sieben Sturmvogel-Exemplare in Aktion
Eines der sieben Sturmvogel-Exemplare in Aktion © Södergren Yacht Design

Södergrens IKEA-Boot

1984 entwarf Södergren für einen Landsmann mit der „Two Star 36“ einen innovativen Allrounder mit einem variablen und komplett demontierbaren Interieur. Der Ausbau war leicht und an einem Aluminiumgestell montiert, sodass er sich mit wenigen Handgriffen an die Bedürfnisse des Bordlebens mit grösser werdenden Kindern anpassen und für Regatten auch ganz herausnehmen liess. Da der Ausbau wie die schwedischen Möbel als Bausatz geliefert wurde, wurde 30-mal gebaute Modell als IKEA-Boot bekannt.

Blick in Södergrens IKEA-Boot mit einem leichten und variablen Innenausbau
Blick in Södergrens IKEA-Boot mit einem leichten und variablen Innenausbau © Södergren Yacht Design

Wie es losging

Der 1943 geborene Södergren ist Quereinsteiger. Wie seine Kollegen Dick Carter, Ron Holland oder Pelle Petterson brachte er sich den Yachtentwurf selbst bei. 1963 hatte er eine Ausbildung in der Tischlerei der Carl-Malmsten-Werkstattschule in Stockholm gemacht und kümmerte sich anschliessend um den Aufbau des Tischlereibetriebs von Malmstens Capellagården auf Öland. Malmsten (1888–1972) war ein einflussreicher schwedischer Gestalter und Holzmöbelbauer. Danach studierte Södergren Innenarchitektur und begann 1966 im namhaften Stockholmer Architekturbüro Tengbom zu arbeiten.

Learning by doing

1971 entwarf er in seiner Freizeit einen Halbtonner anhand der damals neuen International Offshore Rule (IOR). Diese seinerzeit junge Formel zum Hochsee-Regattasegeln ersetzte die Vorschriften des amerikanischen Cruising Club of America (CCA) und des englischen Royal Ocean Racing Club zum internationalen Regattasegeln. Überraschend gewann Södergren mit „Murena“ die Gotland Rund Regatta, deren 331-Seemeilen-Kurs im Uhrzeigersinn von Sandhamn um Gotland führt. Ermutigt von diesem Erfolg machte sich Södergren im selben Jahr als Yachtkonstrukteur selbstständig und zeichnete in den Siebzigern zwanzig Boote, darunter die erwähnten Helmsman-Yachten, einen 3/4-Tonner, ausserdem für Comfort Boats, Finngulf, Poseidon und Sirena Yachts. Bald folgten seine ersten Motorbootentwürfe für Flipper in Finnland.

Der neulich liebevoll restaurierte Södergren 1/2-Tonner „Blues“ im passenden Retro-Hellblau
Der neulich liebevoll restaurierte Södergren 1/2-Tonner „Blues“ im passenden Retro-Hellblau © Södergren Yacht Design

Södergrens Florida-Periode 1990 bis 2003

Wie seine schwedischen Konstrukteurskollegen Prof. Sven Olof Ridder und Lars Bergström (bekannt durch Erfindung des Windex-Verklickers und des Bergström-Riggs) übersiedelte Södergren nach Florida, wo er etwa ein Jahrzehnt lebte und 2001 für Piero Rivolta, bekannt durch die italienischen Sportwagen, mit der „Rivolta 92“ eine für damalige Verhältnisse stattliche Fahrtenyacht zeichnete. Um in den flachen Gewässern Floridas zu segeln, erhielt sie einen Hubkiel, Wasserballast und eine Doppelruderanlage. Weitere Entwürfe, darunter ein Motorboot im traditionellen amerikanischen Lobster Boat Stil, folgten.

Die 28,40 m Slup vom Typ Rivolta 92 entstand 2002 in den USA
Die 28,40 m Slup vom Typ Rivolta 92 entstand 2002 in den USA © Södergren Yacht Design

Traumschiff Swede 68

Wie der 2008 präsentierte Entwurf der Swede 68 zeigt, kehrte Södergren auch gestalterisch wieder in die Stockholmer Schären zurück. Bei diesem 3,81 m breiten Entwurf löste er gemeinsam mit Sohn Oskar den eingangs erwähnten Kompromiss zwischen Bordleben, Eleganz und am Wind Segeleigenschaften auf urschwedische Weise anhand der Länge. Das machen Schweden mit ihren klassischen Schärenkreuzern seit Anno 1908 so.

Schlanke Linie, L-Kiel und Säbelruder. Die Swede 68 wird gut segeln
Schlanke Linie, L-Kiel und Säbelruder. Die Swede 68 wird gut segeln © Södergren Yacht Design

Der Entwurf bietet dank moderat angehobenem Freibord und unter dem niedrigen, gestreckten Aufbau Stehhöhe. Södergren gab ihm mit etwas breiterer Achterschiffspartie mehr Formstabilität und somit ein besseres Segeltragevermögen, auch zugunsten schneller Raumschotskurse. Das hatte er schon bei der einen oder anderen Helmsman gemacht, wobei Södergren seit einer Weile auf einen modernen U‑ statt V-spantigen Rumpf setzt. Das reduziert die wasserbenetzte Fläche und lässt mehr Platz für ein möglichst gestrecktes Kielprofil. Weitere Einzelheiten finden Sie in diesem Artikel.

Noch ist dieser Södergren-Entwurf ein Rendering
Noch ist dieser Södergren-Entwurf ein Rendering © Oscar Södergren Design

In den vergangenen Jahren machten die Södergrens mit der viel beachteten Shogun-Range von sich reden. Dem 50-Füsser, einem Leichtbau für die kleine Crew mit Hubkiel, folgte ein bislang zweimal gebautes 43-Fuss-Modell.

Die gestalterischen Finessen wie die Spritzwasserabweiser vorn, markante Fensterformen und der gefalzte Spiegel zeigen, wie sich kompakte Boote mit pfiffigen Lösungen individualisieren lassen. So wird die bemerkenswerte Karriere des Malmsten-Schülers für Möbeltischlerei nun zunehmend von seinem Sohn Oscar Södergren mit einem eigenen Büro fortgesetzt. Södergren-Boote älteren Baujahrs sind für Kenner eine gute Wahl.

Södergren mit seinem Sohn Frederic an Bord seiner Tarrac 33 in Stockholmer Gewässern
Södergren mit seinem Sohn Frederic an Bord seiner Tarrac 33 in Stockholmer Gewässern © Södergren Yacht Design

Nach Jahrzehnten an Bord seiner neuen Kreationen, namentlich der „Carrera 38“, segelte Södergren zuletzt eine Tarrac 33. Ein funktionales und entsprechend beliebtes Boot, mit dem man flott zur Sache kommt. Und weil er auch im fortgeschrittenen Alter gern ablegt, ist er seit einer Weile mit einem Motorboot vom Typ Flipper 717 von seinem Reissbrett unterwegs. Der Stockholmer Schärengarten ist zu schön, um unbebootet zu leben.

Södergrens Motorboote

Mit dem Cabrio Cruiser der schwedischen Marke J-Craft gelang den Södergrens ein grosser Wurf mit kühnem Barrel Back. Hier wurde das klassische Runabout der Sechzigerjahre mit rundem Spiegel und Unterschlupf im Vorschiff so weit zum veritablen Day-Cruiser vergrössert, dass es Stehhöhe im Vorschiff bietet. Mit 40 bis 50 Knoten sind Ligurien und Sardinien von der Côte d’Azur in glattem Wasser flott erreichbar.


Die „J-Craft 42“ ist von den Riva-Gleitern inspiriert
Die „J-Craft 42“ ist von den Riva-Gleitern inspiriert © J-Craft


Mit Konstruktionen für skandinavische Motorbootwerften wie Agapi, Flipper oder Uttern gelang Södergren der Spagat von erschwinglichen Modellen bis zum luxuriösen Retroschlitten. Hier eine Übersicht seiner bislang realisierten Motorbootentwürfe:

  • Duvnäs Motorbåt: Entwurf 1987, 30 Boote (1)
  • Arne Johnson 31: Entwurf 1996, 11 Boote (1) von Arne Johnson in USA gebaut
  • Flipper 717: Entwurf 1987, 15 Boote (1) von Flipper Marine
  • Flipper 777 Patrol: Entwurf 1987, 15 Boote (1) von Flipper Marine
  • Flipper 788: Entwurf 1990, 60 Boote (1) von Flipper Marine
  • Flipper 750C: Entwurf 20023, 60 Boote (1) von Bella Boats
  • Flipper 605 HT: Entwurf 2002, 50 Boote (1) von Flipper Boats
  • Flipper 605 WA: Entwurf 2002, 10 Boote (1) von Flipper Boats
  • Vator 27: Entwurf 2005, 30 Boote (1) von der finnischen Vator-Werft gebaut

Södergren Entwurf Vator 27
Södergren Entwurf Vator 27 © Södergren Yacht Design

  • Rivolta 38 Coupe/4.0: Entwurf 2000, 8 Boote (1) von Rivolta Marine in Florida gebaut
  • Agapi 950: Entwurf 2013, 15 Boote (1)
  • Agapi 980: Open, Entwurf 2019, 5 Boote (1)
  • Uttern X55: Entwurf 2004, in grosser, unbekannter Stückzahl gebaut
  • Uttern S 49: Entwurf 2005, in grosser, unbekannter Stückzahl gebaut
  • Uttern D66 TC: Entwurf 2003, zahlreich von Utternbåtar gebaut
  • Uttern D 66 DC: Innenborder, Entwurf 2004, 70 Boote (1) von Utternbåtar gebaut
  • Golden Cut: Entwurf 2008, 8,5 m Day-Cruiser im Stil eines klassisch geklinkerten schwedischen Holzbootes, 10 Exemplare
  • J-Craft 40 (Vorläufer der J-Craft 42): Entwurf 2009, 17 Boote (1) von J-Craft in Visby/Gotland gebaut
  • Agapi 750: Entwurf 2011, 25 Boote (1)

Die „Rivolta 38“ ist von den amerikanischen Lobsterbooten inspiriert
Die „Rivolta 38“ ist von den amerikanischen Lobsterbooten inspiriert © Södergren Yacht Design

Weitere Informationen

Website Carrera Klassenvereinigung auch zur Cayenne 42
Website Håkan Södergren
Website Oscar Södergren

Übersicht zu Södergrens gebauten Booten

Für Gebrauchtbootkäufer ist vielleicht die Flotte der jeweils gebauten Södergren-Entwürfe interessant. Die genannten Zahlen stammen von verschiedenen Quellen. Bei den mit (1) markierten Angaben handelt es sich um Schätzungen des Konstrukteurs.

Carrera Modelle

  • Carrera 38: 11,50 x 2,40 m, Entwurf 1977, seit 1985 nationale schwedische Klasse, etwa 80 Boote, davon 60 in Schweden. Meist als Halbfabrikat (Rumpf und Deck) bei Tufa-Marin, später Roslagsbåtar und anderen Werften gebaut. Insgesamt 110 Boote (1)
  • Cayenne International 41: 12,55 x 2,72 m, Entwurf 1981, Comfortbåtar/Schweden, 125 Boote (1), Gewinner Gotland Runt
  • Carrera 29/290: 9,90 x 2,88 m, Entwurf 1992, Azzurra Performance Yachts/Edgecomb Marine Group (USA) 40 Boote (1)

Übersicht der Helmsman Modelle

Södergrens Helmsman Range gibt es vom 21 Fuss Einsteigermodell über die beliebte Senorita oder Lady Helmsman bis zur 16,70 m langen Helmsman Queen 55 in verschiedenen Modellen. Hier eine Übersicht:

  • Helmsman 21: Entwurf 1975, 30 Boote (1)
  • Helmsman 23: Entwurf 1974, Nautor Small Boats, 40 Boote (1)
  • Helmsman My: (Daysailer-Version der Helmsman 23), 60 Boote (1)
  • Helmsman 25: Entwurf 1975, 12 Boote (1)
  • Helmsman 26: Entwurf 1975, Gewinner Gotland Runt, 50 Boote (1)
  • Helmsman 31: Entwurf 1975, Gewinner Gotland Runt, Masnedø Bådeværvt bei Vordingborg/Dänemark, 30 Boote (1) gebaut
  • Helmsman 34: Entwurf 1974, Masnedø Bådeværvt bei Vordingborg/Dänemark, 35 Boote (1)
  • Helmsman 35: Gewinner Gotland Runt, Masnedö Bådeværvt, 25 Boote (1)
  • Helmsman Barracuda 35: Entwurf 1977, in unbekannter Stückzahl in Deutschland gebaut
  • Lady Helmsman: 12,10 x 2,70 m, Entwurf 1975, 125 Boote (1)
  • Lord Helmsman: Doppelender, Entwurf 1976, 60 Boote (1), zwei Weltumsegelungen
  • Lord Helmsman MK II Version: mit 10 cm mehr Freibord, Entwurf 1982, 4 Boote (4) von Svenska Koster in Uppsala gebaut
  • Senorita Helmsman: 9,60 x 2,36 m, Entwurf 1975, Lito Marin Finnland, 140 Boote (1)
  • Helmsman Barracuda 47: Entwurf 1981
  • Queen Helmsman 55: 16,70 x 3,70 m, Entwurf 1975, zehn Boote

Södergrens Minizwölfer und Modellboote

  • 2.4 mR Minizwölfer: Entwurf 1977, 20 Boote (1) von Stegesunds Varv gebaut
  • 2.4 mR Minizwölfer Mark II: Entwurf 1977, 40 Boote (1)
  • 2.4 mR Minizwölfer Mark III: Entwurf 1990, 25 Boote (1)
  • 2.4 mR Minizwölfer Mark IV: Entwurf 1994, 20 Boote (1)
  • 2.4 mR Minizwölfer Mark V: Entwurf 1995, 8 Boote (1)
  • 2.4 mR Minizwölfer Mark VI: Entwurf 2005, 6 Boote (1)
  • Int. 1.0 m Modellboot: Entwurf 2005, 2 Boote (1)
  • Int. 1.0 m Modellboot: Entwurf 2008, 20 Boote (1)

Södergrens Serienboote

  • Athena 34: Entwurf 1980, 120 Boote (1) von Poseidon Yacht gebaut
  • Inferno 29: Entwurf 1981, Gewinner Gotland Runt, 100 Boote (1) von Tallberg Oy gebaut
  • Inferno 33, Entwurf 1982, 40 Boote (1) von Tallberg Oy gebaut
  • Murena IOR-Halbtonner aus Holz: Entwurf 1971, 150 Gfk-Serienboote (1)
  • Athena 34: Entwurf 1980, Gewinner Gotland Runt, etwa 100 Boote in Schweden und Norwegen von Poseidon Yachts gebaut
  • Stormfågeln: Entwurf 1999, 7 Boote bei Sirena/Finnland gebaut
  • Siesta 32: Entwurf 1980, etwa 50 Boote (1) von Lito Marin/Sirena gemeinsam mit Artekno in Finnland gebaut
  • Sirena 38: Entwurf 1979, Gewinner Gotland Runt, 120 Boote (1) von Lito Marin/Sirena in Finnland gebaut
  • Sirena 44: Entwurf 1983, von Lito Marin und teils von Baltic Yachts gebaut, 10 Boote (1)
  • Tabasco 26: Entwurf 1983, 60 Boote (1) von Tabasco Marine gebaut
  • Inferno 29: Entwurf 1981, 100 Boote (1) 1982–1992 von Tallberg Oy in Finnland gebaut, davon 50 Boote im ersten Jahr
  • Degerö 35: Entwurf 2001, 30 Boote (1) gebaut
  • Colibri Jolle: Entwurf 1981, 60 Boote (1) gebaut
  • Two Star 36: Entwurf 1984, Gewinner Gotland Runt, 70 Boote (1) von Bornö Båtar in den Achtzigerjahren gebaut
  • Victory 42: Entwurf 1987, 25 Boote (1) von Victory Yachts gebaut
  • Finngulf 28: Entwurf 1985, 20 Boote (1) von Finngulf gebaut
  • Finngulf 31: Entwurf 1982, 110 Boote (1) von Finngulf gebaut
  • Finngulf 34: Entwurf 1981, 3/4 Tonner, Gewinner Gotland Runt, drei Boote (1) von Finngulf gebaut
  • Inferno 33: Entwurf 1982, 1984–1990 25 Boote bei NaBoats/Tabasco Marine in Finnland gebaut
  • Finngulf 31: 1982 für die schwedische Werft Crown Marine entworfen, bei Gotland Runt erfolgreich, dann als Finngulf 31 gebaut
  • Finngulf 36: Entwurf 1990, 100 Boote (1)
  • Finngulf 38: Entwurf, 1983, 50 Boote (1)
  • Finngulf 32: Entwurf 1994, 15 Boote (1)
  • Lito 35: Entwurf 1996, 35 Boote (1) von Lito Marine gebaut
  • SeRa 29: Entwurf 2001, 12 Boote (1) von Se-Ra Yachts in Finnland gebaut
  • Finngulf 33: Entwurf 1988, 1983–1990, 90 Boote (1) von Finngulf Yachts gebaut, auch als Inferno vermarktet
  • Stormfågeln: Entwurf 1999, 8 Boote (1) von Sirena Yachts gebaut
  • Finngulf 335: 1995–99, 20 Boote (1) gebaut
  • Finngulf 37/38: 1987–95 23 Boote (1) gebaut
  • Risto 32: Entwurf 1980, 5 Boote (1)
  • Finngulf 39: 1982–2005, Gewinner Gotland Runt, 125 Boote (1)
  • Finngulf 39 Deckssalon: 1999–2002 drei Boote gebaut
  • Finngulf 44: Entwurf 1989, 15 Boote (1) 1991–2005 gebaut
  • Swede Star 370: Entwurf 2006, 37 Boote von Lidköpings Båtsnickeri gebaut
  • Swede Star 415: Entwurf 2007 für Lidköpings Båtsnickeri, dann Najad Werft, drei Boote (1)
  • Tarac 33: Entwurf 2006, zunächst bei CMI in Visby/Gotland, dann von Dyvig Marina in 17 Exemplaren (1) gebaut
  • Tabasco 26: Entwurf 1983, 60 Boote (1) von Tabasco Marine gebaut
  • Artekno 23: Entwurf 1983, 20 Boote (1) von Artekno gebaut
  • Two Star 36: Entwurf 1984, 70 Boote (1) von Bomö Båtar gebaut
  • Vator 27: Entwurf 2005, 30 Boote (1) von Vator gebaut
  • Shogun 50: Entwurf 2017 gemeinsam mit Oscar Södergren, 1 Boot gebaut
  • Shogun 43: Entwurf 2020 gemeinsam mit Oscar Södergren, 2 Boote gebaut
VG