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Yachtkonstrukteure7 min Lesezeit

Golden Opus

Das Traumschiff von Ron Holland, des berühmten Konstrukteurs von Regatta- und Megayachten

Golden Opus
«Golden Opus» mit traditionellem Yachtheck, Deckssalon und Bimini Sonnendach über dem Cockpit © Northrop & Johnson

Es ist interessant, was Yachtkonstrukteure für sich entwerfen und selber segeln. Ihre Boote zeigen, was sie mögen und praktisch finden, gewissermaßen wie die Architekten ticken: zum Beispiel die 22 m Fahrtenyacht «Golden Opus» von Ron Holland.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 07.02.2019, aktualisiert am 19.06.2023

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • die steile Karriere des Autodidakten Ron Holland
  • welche namhaften Regattaboote er zeichnete
  • Merkmale eines typischen Ron Holland Bootes
  • wie ein Freund Ron Holland diese große eigene Yacht ermöglichte
  • wie der Profi seine Frau für eine stattliche Yacht überzeugte
  • Gesichtspunkte beim Entwurf des Bootes und Ähnlichkeiten zu berühmten Ron Holland Megayachten
  • wie ein Boot Freundschaften vertieft
  • was für tolle Törns mit «Golden Opus» unternommen wurden

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In den Siebzigern und Achtzigerjahren war der gebürtige Neuseeländer und langjährige Wahlire Ron Holland Shootingstar der internationalen Yachtkonstruktion. Bemerkenswert ist, dass er seine beeindruckende Karriere aus dem Nichts, von einem neuseeländischen Strand aus, als Schulabbrecher und ohne Ausbildung mit kaum zu bremsender Segelbegeisterung und Neugier schaffte.

Ron Holland 3. von links als Mitglied der «Imp»-Crew
Ron Holland 3. von links als Mitglied der «Imp»-Crew © Imp. The Magical Yacht that changed the sailing world von Bill Barton

Zug um Zug machte er mit dem Vierteltonner «Egythene», dem revolutionären Admiral‘s Cupper «Imp», den Eintonnern «Golden Apple» oder «Big Apple», Edward Heaths letzter «Morning Cloud», mit «Midnight Sun» oder dem Maxi «Kialoa IV» auf den Regattabahnen von sich reden. Es folgte der Trimaran «Colt Cars GB», der Whitbread Renner «Lion New Zealand» und die Entwickung der letzten Americas Cup Zwölfer für Neuseeland. Damals teilte er sich den Entwurf von Grand Prix-Booten mit seinen Rivalen German Frers und Doug Peterson. Holland hatte so viel zu tun, dass er mit einer eigenen zweimotorigen Maschine zum Kunden flog. Für die Fahrt von seinem Büro in Cork langte ihm sein Renault R4.

Blick ins «Imp»-Achterschiff mit einlaminierten Röhren
Blick ins «Imp»-Achterschiff mit einlaminierten Röhren © Imp. The Magical Yacht that changed the sailing world von Bill Barton

Vier Bücher über Ron Holland, seine Entwürfe und sein Leben

Falls Sie sich für Ron Holland, seine Boote und beeindruckende Karriere näher interessieren, empfehle ich diese Bücher:

  • "The Legend of Imp. The story of the magical yacht that rocked the sailing world". Buch von Bill Barton über den berühmten Ron Holland Eintonner von 1977.
  • "Splendour under Sail. The new generatin of Superyachts" von Shoreline Publishing 1988. Gehaltvolles Coffeetable Book mit Einblicken in die anspruchsvolle Arbeit.
  • "Juliet. The Creation of a Masterpiece " von Jack Somer und Peter Neumann. 173 Seiten über den vielbeachteten Royal Huisman Werftbau von 1993. Die 143 Fuß Ron Holland Ketsch galt damals als Meilenstein im Superyachtbau.
  • "All the oceans. Designing by the seat of my pants. Memoir by Ron Holland", Selbstverlag Ron Holland Design Canada Inc., Vancouver 2018

Die Bescgäftigung mit diesen Büchern ist Welten begückender als das abgeschriebene Marketing üblicher Bootszeitschriften, als Netflix, Youtube oder Social Media-Gedödel.

Der Clou des IOR-Eintonners «Imp» war unter anderem, dass Holland die beiden Funktionen wie Schwimmfähigkeit und Festigkeit eines Rumpfes mit einlaminierten Röhren trennte. So wurde ein leichtes und verwindungsarmes Boot geschaffen. Yachtkonstruktion und -bau war damals eine Art Raketenwissenschaft und Holland war da vorne dabei. Die Erfolge von «Imp» auf internationalen Regattabahnen wurden zum Sprungbrett für Maxis wie «Kialoa», America's Cup und Whitbread Round the World Boote und zahlreiche Megayachten.

199-seitiges Paperback über den Eintonner «Imp»
199-seitiges Paperback über den Eintonner «Imp» © Imp. The Magical Yacht that changed the sailing world von Bill Barton

Nach erfolgreichen Jahren auf den Regattabahnen zeichnete der umgängliche Selfmademan Holland mit seinem zeitweise 14-köpfigen Team die ersten Segel-Megayachten wie «Garuda» oder «Whirlwind XII». Diese 31 Meter Segler waren damals enorm große Boote.

Blick in die ringsum sichere Mittelplicht von «Golden Opus»
Blick in die ringsum sichere Mittelplicht von «Golden Opus» © Ron Holland Design Canada Inc.

Der Schulabbrecher und Autodidakt Ron Holland hatte die Verwandlung der behäbigen, V-spantigen Hochseelokomotive zur modernen Rennyacht mit filigranen Anhängseln für Kiel und Ruderblatt vorangetrieben. Man kann das bei den Swan Yachten vom Typ 441, 371, 42, 391 und 43 der Holland-Ära bei Nautor Swan von 1978 bis 90 sehen. Das waren ursprünglich leichte U- statt schwere V-spantige Boote, die raumschots eher ins Gleiten kamen. Dass dieses Trendsetter-Regattakonzept bei schweren Touenyachten weniger funktioniert, war und ist leider die Kehrseite der Medaille. Es gibt bis heute einen eingeschworenen Ron Holland Swan-Fanclub, hierzulande mit der Flushdeckversion der Swan 441 «Best Buddies» und der weit gereisten Tourenversion der Swan 441 «Charisma».

Zu seinen seglerisch interessantesten Serienbooten gehört das 11 Metre One Design, ein leichtes, langes und beeindruckend schnelles offenes Kielboot. Eine ganz schlimmte Feile. Wenn Sie einfach nur schnell segeln wollen: Gebraucht kaufen und auftakeln. Zu seinen schönsten Entwürfen gehört die «Omega 46», ein nobles und tolles Fahrtenboot, das leider nicht mehr gebaut wird.

Nach turbulenten Jahren, in denen er für andere Leute Boote gezeichnet hatte, träumte Holland von einem eigenen Schiff. So schlug er seiner damaligen Frau Joanna bei passender Gelegenheit seine Idee vor. Er bekam die Antwort, die jeder Mann von seiner Frau zum Thema Wasserspielzeug schon kennt. Es war ein entschiedenes, detailliert begründetes und gnadenloses «Nein.» Dabei hatte er die Sache eigentlich clever angebahnt, seine Liebste schick zum Essen ausgeführt und so weiter.

Wie Holland seine Frau von einer eigenen Yacht überzeugte

Nun würde die Geschichte hier enden, wenn Joanna sich durchgesetzt hätte. Doch war Holland vorbereitet in dieses weichenstellende Gespräch gegangen. Er hatte ein paar Asse im Ärmel, erstens einen Freund, der ihm ein stattliches Darlehen für das Boot gab. Außerdem hatte Holland noch zwei Geschäftsideen zum Segelspielzeug. Es würde sich verchartern lassen, was die Betriebskosten und im Idealfall noch etwas mehr einspielen würde. Zweitens war es als Prototyp für eine Flotte gediegener Tourenboote gedacht. An jedem weiteren Exemaplar würde der Konstrukteur dann verdienen. Und dann hatte er ein unschlagbares Angebot der neuseeländischen Werft Sensation Yachts für den Prototyp.

Diesmal sollte es kein Trendsetter für die Regattabahn werden, sondern etwas Bleibendes. Gerade so groß, dass es sich zu zweit handhaben lässt und mit 22 Metern Platz genug für Segelfreunde beim ausgiebigen Sommertörn bietet. Ein Deckssalon mit sicherer Mittelplicht für die Weltmeere – über einem traditionell geneigten Vorsteven, klassisch positivem Yachtheck und einem ansehnlichen Freibord. «Der Deckssprung» – gemeint ist der Schwung zwischen Bug und Heckpartie – «und die Freibordhöhe ist gestalterisch eine der heikelsten Finessen beim Yachtentwurf» berichtet Holland. «Hochbordige Boote sind hässlich. Flachbordige Boote segeln nass.» Raum unter Deck sollte das Schiff natürlich auch haben, damit es sich verchartern lässt. Unter dem mittschiffs angehobenen Deckssalon gibt es Platz für einen gescheiten Maschinen- und Technikraum, der bei einer Blauwasseryacht dieser Größe praktisch ist. Das Boot wurde so ausgerüstet, dass sich das Großsegel vom Rudergänger per Knopfdruck setzen und dicht holen lässt. Die 40 Tonnen Slup erhielt leistungsfähige, hochgeschnittene Segel. Sehenswert ist auch das klassische Yachtheck mit traditionell positiv geneigtem Spiegel. Es verlängert die Decksfläche. Bei den Regattenbooten hatte Holland es genau andersherum gehalten, die Achterschiffe rasant vorwärts geneigt «abgesägt». Dieser Look fährt schon im Hafen.

«Golden Opus» lässt sich zu zweit gut handhaben
«Golden Opus» lässt sich zu zweit gut handhaben © Ron Holland Design Canada Inc.

«Golden Opus» ist ein konventionelles, no nonsense (Das KIS-Prinzip: Keep it simple) Fahrtenyachtdesign, das gestalterisch an seine Superyachtentwürfe «Cyclos», «Juliet» oder «Ethereal» erinnert. «Ich wollte ein ringsum schönes Boot, wobei ich zugebe, dass Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt», sagt Holland in seiner angenehm bodenständigen Art. «Mancher Neubau heute hat Gadgets, die nur dazu da sind, um aufzufallen, aber sonst keinen Zweck erfüllen» ergänzt Holland, der 2003 mit dem gigantischen 75 m Einmaster «Mirabella V» (Der größte Mast der Welt) von sich reden machte.

Unterhaltsam sind auch Ron Hollands Memoiren
Unterhaltsam sind auch Ron Hollands Memoiren © Swedesail

Interessanter als das Boot aber sind die Reisen, die «Golden Opus» unter anderem mit Dave Allen unternahm. Der amerikanische Auftraggeber des berühmten Ron Holland Cuppers «Imp» wollte das Wrack eines Flugzeugs finden, in dem sein Freund als junger Mann im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam. Holland erfüllte ihm diesen Wunsch. Einen Tag, nachdem es nach beharrlicher Suche im Pazifik entdeckt wurde, konnte der bereits von einer schweren Krankheit gezeichnete Segler sterben. Der Konstrukteur und langjährige Eigner der «Golden Opus» segelte kreuz und quer durch den Pazifik mit dem blauwassertauglichen Allrounder.

Das Boot ist über das geöffnete Heck gut zugänglich
Das Boot ist über das geöffnete Heck gut zugänglich © Northrop & Johnson

Der passionierte Hochseesegler Holland, der als 15-jähriger an Bord einer Segelyacht seine Heimat verließ, zeigte seiner Familie die Schönheit des blauen Planeten, bot ihnen und sich wunderbare Erlebnisse auf See und an fernen Ankerplätzen. Nach einigen Jahren verkaufte Holland seine «Golden Opus», von der damals nur ein Schwesterschiff entstand. So ist das mit den Booten und dem dazu erträumten Business. Nicht immer klappt es, gehen alle Wünsche in Erfüllung. Das wichtigste ist die Gelegenheit zu gemeinsamen Seereisen, Erlebnissen und zu Erinnerungen, die bleiben. Da darf man, wie der passionierte Segler Ron Holland, ruhig ein wenig optimistisch sein, sich selbst und der Frau beim Abendessen mal schön was in die Tasche lügen.

Eckdaten «Golden Opus»
Länge über alles: 22,20 m
Länge Wasserlinie: 16,80 m
Breite: 5,60 m
Tiefgang: 2,90 m
Verdrängung: 40 t
Segelfläche: 228 qm
Brückendurchfahrtshöhe: 31,40 m

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VG