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«Heroina» das Boot zum Mast und Kiel

Die Patchworkyacht des argentinischen Ästheten German Frers

«Heroina» das Boot zum Mast und Kiel
Übersichtlich und schlicht: "Heroina" am Wind © Fraser Yachts

Es ist interessant, was Yachtkonstrukteure für sich selbst entwerfen und segeln. Ihre Boote zeigen, was sie als schön und praktisch empfinden, wie die Architekten ticken: Zum Beispiel das 23 m Familienboot «Heroina» von German Frers. Für dieses Schiff gab es zunächst nur einen Mast und einen Kiel.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 13.06.2019

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie German Frers „Heroina“ entwarf und warum der Bau so lange dauerte
  • wie Frers sein Boot zum Kiel einer 12 mR-Yacht und dem 33 m Mast eines Maxis entwickelte
  • gestalterische Vorlieben und Merkmale von Frers Entwürfen
  • warum das Boot so heißt

Vor einer Weile besuchte ich mal den argentinischen Yachtkonstrukteur German Frers in Mailand. Als ich ihn zum Abschluß des Interviews fragte, was er selbst segele, druckste er herum. «Es ist so eine Art Patchworkboot und wird nicht fertig, weil ich keine Zeit habe, mich darum zu kümmern. Es begann damit, dass ich mal den 33 m Mast eines Maxi und den Kiel eines America’s Cup Zwölfers geschenkt bekam. Dazu habe ich mir dann ein Boot ausgedacht.» Er zeigte die Pläne einer eleganten Slup, dessen Deck von einem eckigen und flachen Aufbau überragt wird, wie ihn die Bootswelt von der Wally 77 «Genie of the Lamp», «Magic Carpet», «Askherout», «Slingshot» oder «Yam», der 104 füssigen «Mandrake» und «Rrose Selavy» kennt. Ich versprach Frers erst darüber zu schreiben, wenn er es verkauft hat.

Wir hatten zuvor über Deckshäuser gesprochen und Frers hatte seine sogenannte Tischform, einen niedrigen kantigen Aufbau mit eingelassenem Fensterband, dessen Dach an den Ecken von Säulen gehalten wird, als sein Ideal beschrieben. Frers hatte diese Form Ende der Achtziger schon für den Aufbau von Giovanni Agnellis vielbeachteten 36 m Schlitten «Extra Beat» vorgesehen. Agnelli wollte aber ihn aber anders haben. Frers mag reduzierte, klare und schlichte Formen. Man kann es an vielen seiner Boote sehen.

Schlicht und aufgeräumt ist das Boot auch unter Deck mit einem Interieur von Gae Aulenti
Schlicht und aufgeräumt ist das Boot auch unter Deck mit einem Interieur von Gae Aulenti © Fraser Yachts

Wie bei der letzten Generation der Amerika Pokal Zwölfer üblich sollte der sogenannte Upside Down Kiel das Blei bei limitiertem Tiefgang so niedrig wie irgend möglich unterbringen. «Der Rio de la Plata ist ein Flachwasserrevier, da gehen drei Meter Tiefgang gerade noch" berichtete Fres. Er hatte es in Feierabend-Arbeit, gewissermaßen heimlich zuhause entworfen. Er wollte keine Kommentare seiner Mitarbeiter. Gebaut wurde es in Argentinien bei der Werft Astilleros Sarmiento aus einer formverleimten Holz-Epoxid Schale mit Glasfaser-beschichteter Außenhaut.

«Am schwierigsten war der Ausbau des Bootes, den meine Frau und ich oft änderten», bis Frers die italienische Architektin Gae Aulenti fragte. Das Ergebnis ist ein von achtern bis zum Vorschiff offenes Interieur. Es ist in glänzend lackierter Kirsche mit weißen Deckenpaneelen und mattweiß gehaltener Wegerung ausgebaut. So stilvoll und praktisch richten Südländer ein Schiff fürs Bordleben bei hochsommerlichen Bedingungen ein.

Blick aus dem Vorschiff von Heroina
Blick aus dem Vorschiff von Heroina © Fraser Yachts

Als Patriot nannte Frers sein Boot «Heroina» – nach der privaten Fregatte eines Landsmannes, der Anfang des 19. Jahrhunderts mit kühnen Kaperfahrten die Falklandinseln für Argentinien beanspruchte. «Heroina» wurde von Buenos Aires zu den Balearen überführt, von wo die Familie Frers dann einige schöne Segelsommer rings um Korsika, Sardinien, auf dem thyrrenischen Meer und in der Ägäis an Bord verbrachte. «Ich habe mir Zeit gelassen mit «Heroina» und ich glaube, sie ist ganz schön geworden. Sie ist gewissermaßen von selbst gereift» meinte Frers später bei einem zweiten Treffen mit dem für ihn typischen scheuen Lächeln.

Blick auf den Steuerstand, die Plicht und über das aufgeräumte Deck
Blick auf den Steuerstand, die Plicht und über das aufgeräumte Deck © Fraser Yachts

Frers mag keine senkrechten Vorsteven. Das Deck seines Bootes ist abgesehen vom Aufbau flach und bietet Sicht nach vorn. Es endet über der Rundung eines klassisch positiv geneigten Yachthecks. Das ist bei Fahrtenbooten praktisch, weil es ein Maximum an Decksfläche bietet. Ein schlichtes, ansehnliches Tourenboot für sportliches Segeln, mit Platz zum Legen der Segel oder Herumlungern an Deck. «Heroina» erhielt zugunsten der Formstabilität des Rumpfes und des Platzes an und unter Deck eine gewisse Breite. Die 14 t Blei standen in Gestalt des vorhandenen Kiels bereits fest. Wie der Kiel greift das säbelartige Ruderblatt 3 Meter tief ins Wasser. Es ist ein modernes, leicht drehendes, säbelartiges Vollschweberuder.

Ein ansehnlicher Mix aus traditionellem Look und modernem Yachtbau, zusammengefügt mit der unaufgeregten stilistischen Finesse des argentinischen Ästheten. «Heroina» segelt heute an der amerikanischen Ostküste. Man findet die gestalterische Gelassenheit des Argentiniers bei den gediegenen Swan Yachten der angesehenen Nautor Werft, die auch gebraucht eine ausgezeichnete Wahl sind.

Frers vor einigen Jahren an Bord seines Bootes
Frers vor einigen Jahren an Bord seines Bootes © German Frers

Heroina

Entwurf German Frers (Buenos Aires/Mailand)
Werft Astilleros Sarmiento (Argentinien)
Bau 1989 bis 1994
Länge 22,55 m
Wasserlinie 17,76 m
Breite 5,70 m
Tiefgang 3 m
Verdrängung leer 36 t
Ballast 14 t
Segelfläche 223 qm
Maschine 163 PS Steyr
750 l Diesel
850 l Wasser

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