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Ohne Altersbeschwerden

Autor: Michael Kunst
  

Sie ist die älteste Frau, die jemals eine Solo-Nonstop-Weltumseglung geschafft hat. Sie ist die älteste, die jemals um alle fünf Kaps einhand und ohne Unterbrechung gesegelt ist. Und sie ist die erste Frau überhaupt, die für diesen Trip die nordwestliche Pazifikküste als Ausgangsort gewählt hat. Dabei wirkt die 70jährige Jeanne Socrates, als sei sie 20 Jahre jünger. Mindestens!

Ohne Altersbeschwerden
Jeanne Socrates, die älteste Rekordseglerin der Welt

Oh doch, frau kann sich durchaus beschaulichere Möglichkeiten vorstellen, den Ruhestand zu geniessen. Aber eben nur vorstellen – die Realität sieht bei der topfitten „Rentnerin“ Jeanne Socrates derzeit etwas anders aus. „Es ist wie eine Sucht, ich muss einfach segeln. Alles andere ist verschwendete Zeit! Also suchte ich mir die Möglichkeit aus, am längsten, alleine auf dem Boot unterwegs zu sein – und das ist eben die Nonstop-Weltumseglung!“ Diese Sätze sagte sie kurz vor dem Start zu ihrer (vorerst) letzten grossen Reise, die wohl die Krönung ihrer Seglerkarriere bleiben wird.

Aller guten Dinge sind Drei

Dass sie dies in einem etwas forschen Ton sagte liegt daran, dass sie bereits zwei Versuche hinter sich hatte – und jedes Mal ihre Reise … nein, nicht abbrechen, sondern unterbrechen musste. Sie kenterte, verlor ihren Mast, hatte Probleme mit der Wasserversorgung, setzte ihr Schiff 60 Meilen vor dem Ziel auf einen Sandstrand… „All’ diese Dinge, mit denen frau sich als Weltumseglerin eben so rumschlagen muss, dear!“ erzählte sie locker Queen Elizabeth, die sie nach ihrem vorletzten Rekordversuch eben schnell im Buckingham Palace empfing. „Doch nach jeder Unterbrechung segelte ich weiter und schloss immer den Kreis!“.

Heimat? Das Meer!

Jeanne Socrates ist in England eine der ganz grossen Langfahrt-Ikonen – allerdings erst seit wenigen Jahren. Zuvor achtete kaum jemand auf ihre immer weiter führenden Reisen rund um den Globus. Schon vor mehr als 20 Jahren begann sie gemeinsam mit ihrem Mann die Welt auf dem Wasser zu bereisen – bis der seinen jahrelang andauernden Kampf gegen den Krebs bei einem Karibik-Abstecher verlor. „Ich hatte noch das Schiff, Geld, und das bisschen, was ich nicht sowieso schon übers Segeln wusste, brachten mir Freunde bei!“ erinnert sich Jeanne Socrates heute. Also segelte sie weiter, auch in Gedenken an ihren Mann, ohne sich um Publicity oder sonstige Aufmerksamkeiten zu scheren.
Bis sie vor zwei Jahren die „Duchess of Kent-Trophy“ von Sir Robin Knox-Johnston persönlich überreicht bekam: Als älteste Frau, die jemals einhand auf einem Segelschiff mit Unterbrechungen die Welt umrundete. „Bei diesem einen Rekord wird es jedenfalls nicht bleiben!“ soll Jeanne damals zu ihrem Kollegen Robin gesagt haben. Und meinte damit nichts Geringeres als die Weltumseglung nonstop und Einhand.

Immer links liegen lassen

Zwei Versuche Wagte sie, zwei Mal scheiterte sie. „Beim dritten Mal wird’s klappen!“ In British-Columbia rüstete sie im Winter 2011/2012 an der Pazifikküste ihr Boot für die Weltumseglung auf – „obwohl: auf einer Najad stimmt eigentlich immer alles, da muss nur selten mal etwas ausgetauscht oder repariert werden!“ Reiseroute: Kap Hoorn, Kap d. g. Hoffnung, Kap Leuwin links liegen lassen und durch den Pazifik wieder hoch in den Norden. „Da unten kenne ich mich aus, hab’ schon zig Törns dort gesegelt, bloss eben nie aneinander hängend und alleine!“.

Rettungsinsel verloren

Am 22.10 2012 segelte sie schliesslich los, um ihren Traum während des Sommers in der südlichen Hemisphäre zu verwirklichen. Kurz nach dem Start schien ihre Reise schon wieder zu Ende: „In einem eher mässigen Seegang löste sich meine Rettungsinsel vom Heck, stürzte ins Wasser und entfaltete sich – so wie’s ja eigentlich auch sein sollte. Nur diesmal gab es einfach keinen Grund dafür!“ erzählte sie via Satelliten-Telefon. Unmöglich, das Teil wieder zusammen zu falten oder sonst wie an Bord zu verstauen. Und ohne wolle frau sich nun mal nicht auf die wildesten Meere dieses Planeten wagen.
Also erkundigte sie sich en détail nach den Regeln für ihre Rekordfahrt und siehe da: „Eine Rettungsinsel darf von einem fahrenden Boot aus übergeben werden, nur dürfe niemand an Bord kommen bzw. sonstiges Werkzeug übergeben!“ Na bitte – zwei Tage später fuhr ein Boot längsseits, übergab den Rettungskasten… und Jeanne segelte regelkonform weiter auf ihrem Rekordtörn.

Kap Hoorn umrundete sie bei „erstaunlich glatter See, mit wenig Wind!“ an Heiligabend; auf ihrem weiteren Weg durch den südlichen Atlantik hielt sie sich so nördlich wie möglich, wegen gemeldeter Eisberge, berichtete sie auf ihrem Blog.

Unterhaltsam

Überhaupt: Ihr Blog. Hier zeigt Jeanne Socrates, dass sie in jeder Hinsicht eine aussergewöhnliche Siebzigerin ist. Obwohl sie ja nun nicht gerade zur IT-Generation zählt, nutzt sie ihren Blog täglich für lange bis sehr lange Lageberichte. Minutiös berichtete sie ihrer von Tag zu Tag anwachsenden Fangemeinde, wie sie das Kap der Guten Hoffnung links liegen lässt, wie sie in den Mast klettern musste – sie hatte nach alter Weltumsegler-Sitte Steigbügel daran ansetzen lassen – um „kleinere Probleme“ zu lösen oder „mittelgrosse Katastrophen“ aus dem Weg zu räumen.

Natürlich ist es immer eine Frage der Sichtweise, aber schon während ihrer Weltumseglung berichtete Jeanne Socrates auf ihrem Blog, dass „ihre Reise eine ruhige“ sei.
Understatement? Denn einfach war es sicherlich nicht, schon gar nicht für eine Siebzigjährige, mag sie noch so fit sein; aber „ich kam eben ohne grössere Katastrophen aus“, berichtete sie. Einmal hätte sich beinahe der Unterwant verabschiedet, mitten im Southern Ocean. Den habe sie eben repariert, erzählt sie später lapidar. Für die Reparatur der Windinstrumente musste sie in den Mast, doch „diese Tortur bis dort hoch war umsonst,“ berichtet sie, der Fehler lag irgendwo anders im System. Radar und Windgenerator wurden von schwerer See im Südmeer weggefegt, als sie in einem Sturm beigedreht lag. Und als dann im gleichen Sturm noch die Selbststeuerung beschädigt wurde, schickten Neptun und Poseidon in Personalunion der älteren Dame auf dem Meer eine anschliessende Flaute, so dass sie in aller Ruhe tauchen konnte, um das defekte Ruder des Windpiloten zu reparieren.

Sie segelt und segelt und segelt

Bei der Ansteuerung von Kap Leuwin/ Australien muss sie durch wirklich harte See, schlägt sich durch dichten Nebel. Mehrmals reisst ihr die Genua am Vorliek, doch sie hängt verständlicherweise an dem Segel, repariert und richtet es immer wieder.
In der tasmanischen See feiert sie sechs Monate auf See, ohne einer Menschenseele begegnet zu sein. Später muss die „Sailing Grandma“, wie sie mittlerweile alle Welt nennt, ihre Solar Panels wieder instand setzen und repariert sogar ihren Generator.
Alles in Ruhe, alles entspannt.

An Tag 104 segelt sie offiziell von der westlichen in die östliche Hemisphäre, als sie den Greenwich Meridian überquert. Am Tag 131 hat sie die halbe (berechnete) Strecke geschafft. Jeanne Socrates segelt und segelt und segelt.
Überhaupt, die Zeit. Da sie keinen Geschwindigkeits- sondern einen Altersrekord anpeilt, fährt sie nicht immer den „logischen Weg“ (wie Bernard Moitessier das formuliert hätte), sondern macht durchaus auch „Schlenker“, um näher an Inseln oder am Festland vorbei zu kommen. Der Grund dafür fliegt fast immer um sie herum – Jeanne Socrates liebt Vögel über alles. Sie fotografiert jeden fliegenden „Gast“, der sich auf seiner Reise auf ihrer Najad 380 ausruht, sie spricht mit den Albatrossen über ihr, sie kennt jede Vogelart, die sich in ihrer Nähe blicken lässt. „Es sind meine Glücksbringer“, schreibt sich, „auch wenn sich das auf hoher See absurd anhören mag!“.

Wie auch immer: Glück hat sie reichlich gehabt, und glücklich, sogar überglücklich kehrt die Britin in ihre Wahlheimat British Columbia zurück. Die letzten Tage seien aussergewöhnlich anstrengend gewesen, spricht sie leise in die Mikrofone der lokalen TV-Sender, die am Steg auf sie warten. Zuviel Flaute und eine alte See. Deshalb habe sie sich auch um ein paar Tage verspätet.
Aber was macht nach 260 Tagen auf See schon der eine oder andere Tag aus?

Thema

Segeln

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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