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Schotteinbau

Autor: Erdmann Braschos

Obwohl die Reste der herausgeschnitten Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs zuvor bis zur Bordwand entfernt wurden, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober Körnung (24er, 36er oder 40er Klettscheiben) stellt die gute Verbindung des neuen Laminats mit der Bordwand sicher. Mit einem Exzenterschleifer und vernünftiger Absaugung ist das in wenigen Minuten gemacht und geht halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das gesamte Vorschiff gründlich staubgesaugt und bis in die Ecken hinein mit einem feuchten Lappen ausgewischt.

Schotteinbau
Es kann losgehen: Muster und neue Bretter stehen unter dem Schiff© E. Braschos/Swedesail

Hölzer zuschneiden

Das neue Interieur wurde anhand der alten Bretter so weit wie möglich zugeschnitten und mit Umleimern versehen fast fertig an Bord mitgebracht. Bootsbauer Johannes Schultze hat das alles prima vorbereitet. Das beschleunigt den Zusammenbau des Bootes sehr. Auch die obere Kontur unter dem Kajütaufbau und das seitliche Laufdeck ist auf der Trennwand zwischen Bad und Vorschiff fertig zugeschnitten. Nur die Rundung der Bordwand muss anhand des alten Schotts wiederhergestellt werden. Da es sich beim Ausbau im Herbst mit dem Trennschleifer nur mit groben Schnitten um die Längsversteifungen (Stringer) herum aus dem Rumpf schneiden liess, stelle ich die Kontur am alten Schott mit angehefteten Pappstreifen bis auf einen halben Zentimeter genau her. Diese Toleranz lässt sich mit der Hohlkehle aus Epoxidharz, das mit Quarzmehl vom Typ West System 406 zu einer zähen, nicht verlaufenden Masse in die Harz-Härtermischung eingerührt wird, ausgleichen. Nach dem Anrühren des Harzes wird so viel vom weissen Mehl zugegeben, bis man passend zur Temperatur die gewünschte Konsistenz hat. Das ist perfekt für steile und sogar überhängende Verbindungen. Der «Kitt» bleibt am Platz. Die etwa daumenbreite Hohlkehle schafft eine gute Grundlage für das Anbringen der Glasfasergelege. Der Radius vermeidet nachteilige Knicke im Laminat zwischen Bordwand und Schott. Wichtig ist, dass nach dem Anbringen der Hohlkehle bald laminiert, spricht nass in nass gearbeitet wird. Das spart einen zusätzlichen Schliff in schlecht zugänglichen Bereichen und die Hohlkehle verbindet sich gleich mit dem Laminat.

Das Ankerkastenschott ist fertig für den Einbau Das Ankerkastenschott ist fertig für den Einbau © E. Braschos/Swedesail

Die Kontur der Bordwand mit den Stringern war nach einer halben Stunde abgenommen. Der Zuschnitt mit der Stichsäge dauerte eine ¾ Stunde. Die neue Schottwand wurde in beengten Verhältnissen zwischen Rumpf, Kajütdach und dem seitlichen Laufdeck an seinen künftigen Platz geklappt. Deshalb musste ich weitere Einbauten, die das Einbringen des Schotts behindern, vor der abschliessenden Montage ausbauen. Für das Ausrichten nehmen Segelfreund Uli und ich uns Zeit, damit das neue Schott wie früher zwischen den weiteren, ebenfalls neuen Einbauten fugenlos sitzt. Voraussetzung dazu ist, dass der ursprüngliche Ausbau mit Teaksperrholzplatten in den gleichen 12 und 15 mm Wandstärken erfolgt. Nur so lassen sich die alten Masse übernehmen. Zeitraubende Nacharbeit entfällt.

Ankerkastenschott

Ein Thema für sich ist das Ankerkastenschott. Es musste mit derart groben Schnitten mit der Stichsäge und Winkelschleifer aus dem Bug geholt werden, das sich die auf Papier übertragene Schablone kaum eignet. Ich beginne mit einer Pressholzplatte aus dem Baumarkt, ungefähren Massen anhand der alten Schablone und stelle die Rundung des gewölbten Decks in mehreren Schritten mit einer langen Kiefernleiste auf dem Muster her.

Aus einer 12mm Platte entsteht das Muster für das neue Ankerkastenschott Aus einer 12mm Platte entsteht das Muster für das neue Ankerkastenschott © E. Braschos/Swedesail

Das Muster nehme ich als Vorlage zum genauen Zuschnitt der Deckswölbung und der Flanken einschliesslich der grösseren Ausschnitte für die seitlich auf der Bordwand sitzenden Verstärkungen (trapezförmige Stringer). Hier finde ich einen Kompromiss aus möglichst genauem Sitz und der Aussicht, das Schott überhaupt an Ort und Stelle zu bekommen. Die etwas grösseren Spaltmasse lassen sich vor dem Laminieren problemlos mit der beschriebenen Hohlkehle schliessen.

Mit dem alten Schott und Pappschablonen liess sich die Kontur der Bordwand flott zuschneiden Mit dem alten Schott und Pappschablonen liess sich die Kontur der Bordwand flott zuschneiden © E. Braschos/Swedesail

Die Masse werden zum Zuschnitt des Schotts auf das neue Brett aus Bootsbausperrholz übernommen. Der Zuschnitt erfolgt auf einem ausrangierten Tischgestell unter dem Boot. Die Anpassung des Musterbretts und des genau zur Deckswölbung passenden Schotts dauert etwa vier Stunden. Jetzt wird das eigens aus dem Oldtimerzubehör besorgte Kederband mit Heftkammern auf den Stirnseiten des Schotts angebracht und das Brett mit einigen Blechschrauben an Ort und Stelle montiert. Natürlich verschwinden die Schraubenköpfe in vorsichtig angebrachten Bohrungen, mit der Japansäge gekürzten und abschliessend in Maserrichtung beigeschliffenen Querholzdübeln (Pfropfen).

Mit dem Anbringen der Hohlkehle, Anlaminieren, Beschichten der Vorderseite mit Glasfaser und den aufwändigen, für die Stabilität und Dichtigkeit des Vorschiffs entscheidenden Winkellamniate über fast 4 m Länge beschäftigt sich Ulli einen langen Arbeitstag. Die über dem alte Ankerkastenschott versteckte Leckage war Anlass für die ganze Arbeit. Jetzt geht es darum, dass sie sich mit einem ringsum dichten Laminat auch lohnt. Mehrmals sehen wir uns das Laminat an. Wir tasten es auch in schlecht zugänglichen Winkeln ab, um Luftblasen und etwaige Lecks auszuschliessen. Es wird sogar am Tag darauf nochmal in mehreren Gängen nachgearbeitet.

Das neue Bad nimmt mit dem Corianwaschtisch Formen an Das neue Bad nimmt mit dem Corianwaschtisch Formen an © E. Braschos/Swedesail

Nach dem Einbau des vordersten Schotts geht es mit dem Ausbau des Vorschiffs weiter. Der Waschtisch aus Corian, der darunter sitzende Schiebetürrahmen und die aufgemöbelten Ablagen passen und sind in etwa zwei Tagen eingebaut. Es folgt der Schrank mit den Schubladen im Vorschiff, der dank perfekter Vorbereitung durch Johannes Schulze ebenfalls passt wie das Original von Anno 1979. Dennoch stecken in den Einbauten mehrere Tage Arbeit.

Montage des Schubladenschranks im Vorschiff Montage des Schubladenschranks im Vorschiff © E. Braschos/Swedesail

Die Versuchung ist gross, die unansehnlichen alten Bretter bald wegzuwerfen. Man sollte das auf keinen Fall tun, weil die Vorlage für alte Masse und die Übertragung von Löchern wiederholt gebraucht wird.

Natürlich ist der Vorschiffsausbau damit noch nicht komplett. Im Einbau des Wasserhahns, der Dusche, Anschliessen an die Druckwasserpumpe, Beleuchtung von Waschraum und Vorschiff, Anbringen des Himmels, Einbau der Toilette, Verlegen der Schläuche gehen nochmals Stunden, die ich nicht mehr gezählt habe.

Das neue Schott ist drin. Davor die neuen Teile für das Bad Das neue Schott ist drin. Davor die neuen Teile für das Bad © E. Braschos/Swedesail

Laminat

Als Fasermaterial wurde biaxiales, pro Quadratmeter 400 Gramm schweres Gasfasergelege genommen. Je nach Anwendung empfehlen sich hier unterschiedliche Fasern, Zugrichtungen und Faserstärken/Gewichte. Vorgesehen sind vier Lagen aus 10 Zentimeter breiten Gelegen, was ein 1.600 gr/qm Laminat ergibt.

Es werden immer nur kleine Harz-Härter Mischungen angerührt, weil sie sonst warm werden und kochen (die Dämpfe sind ungesund). Praktisch ist, wenn man zu zweit arbeitet, wobei einer das Material (Harz, Pinsel, Gelege) anreicht und einer vor Ort die Flächen zunächst mit der fertigen Epoxidharzmischung einstreicht und dann die Glasfaserstreifen anbringt, zurechtschiebt und sicherstellt, dass alles mit Harz getränkt ist. Der zweite bereitet währenddessen in einem weiteren kleinen Gefäss (Marmeladenglas) die nächste Epoxidharzmischung vor.

Fazit: Der zeitliche Aufwand für den ganze Sache war mit drei strammen Tagen für den Ausbau im Herbst, Planung und Beschaffung der Teile den Winter über und etwa zehn Tagen im Frühjahr gross. Das Ausschneiden der alten Schottwände mit Glasfaserstaub von den abgeflexten Laminatreste war keine Freude. Hinzu kommen die Kosten von knapp 5.000 € für das Material und das vorgefertigte Interieur. Dafür ist das Fussende der Fussschiffskojen jetzt dicht, das Vorschiff sieht aus wie neu und gegen Ende, als Segelfreund Uli und ich Land sahen, hat es sogar Spass gemacht.

Alle erwähnten Produkte wurden vom Autor regulär bezahlt.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Den Schotteinbau vorbereiten

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Zunächst lerne ich, wie umständlich und teuer der Kauf von Bootsbausperrholz geworden ist. Ich beschäftige mich schon etwas länger mit meiner Swede 55. Früher fuhr ich mit den alten Brettern einfach unangemeldet zum Holzhändler, wo es im Hinterhof bei der Firma Rüegg im Norden Hamburgs ein grosses Regal mit Platten aus Bootsbausperrholz gab. Da schnitten zwei zupackende Burschen im Blaumann mit Bleistift hinter dem Ohr ohne langes Fackeln die Bretter gleich zu. Nach einer halben Stunde lag der Einkauf für erträgliches Geld hinten im Kofferraum. Es war fast wie im Baumarkt, nur etwas teurer.

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