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Schottwechsel

Wenn der Augenblick für die Stichsäge gekommen ist

Schottwechsel
Vor dem Ausbau der alten Ankerkastenschottwand wird die Form mit einer Schablone abgenommen © E. Braschos

Bleibt das Deck trotz beharrlicher Suche an einer unzugänglichen Stelle undicht, hilft nur noch der Griff zur Bohrmaschine, Stichsäge und Flex.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 25.08.2020

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie man große Reparaturen an einem GfK-Boot selbst macht
  • gesundheitliche Aspekte, Arbeitszeit, Werkzeug und Kosten
  • wie die weitere Arbeit mit Schablonen vorbereitet wird
  • Überlegungen zum Thema selber Machen oder machen lassen

An jedem Boot gibt es Kleinigkeiten, die so lange nicht behoben werden, wie es im Landleben und an Bord vordringlichere Aufgaben gibt. Nachdem ich Undichtigkeiten am Vorluk, den Püttingen und Fenstern meiner Swede 55 beseitigte, blieb die letzte feuchte Ecke am Fußende der Vorschiffskoje. Wiederholt hatte ich die darüber an Deck sitzenden Beschläge ausgebaut und mit Sikaflex abgedichtet wieder montiert. Im Sommer 17 habe ich den Übergang vom Schott zum Deck über die gesamte, vom Ankerkasten zugängliche Länge nachlaminiert. Im Sommer 19 baute ich die Beschläge nochmals aus, spachtelte und schliff die Dichtflächen darunter. Als der untere Rand des Teakfurniers am Fußende der Vorschiffskoje dann wieder dunkel wurde, beschloß ich die Wand zwischen Ankerkasten und Vorderkajüte durch eine neue zu ersetzen und den Schacht zur Aufnahme der Schläuche vom Einfüllstutzen zum Tank und der Tankentlüftung zu entfernen. Hier vermutete ich die Ursache.

Die Frage, ob sich unter Deck überhaupt eine neue Schottwand einsetzen lässt, beantwortete Bootsbauer Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft im Vorschiff liegend mit einem gelassenen «Ja, das müsste gehen. Zuschneiden, unten aufsetzen und zum Deck hin hochklappen. Zur Not teilst Du das Brett in zwei Hälften und baust sie im Schiff nach der Montage zusammen.»

Anfang Oktober räumten Segelfreund Uli Eichler und ich das Vorschiff aus. Die Verkleidungen, Schwalbennester, Wegerung und Bordwandbekleidung waren nach einem halben Tag draußen. Uli nahm die Form der Schottwand mit einer Papp-Schablone ab. Dann setzte er vorne im Ankerkasten hockend die Bohrmaschine an. Ich guckte im Schiff, wo der Bohrer rauskommt und verband die Löcher mit der Stichsäge zu einem großen Ausschnitt. Zentimeterweise arbeitete sich die Maschine vorne durch das Schiff. Uli fing an, ich machte weiter. Gut zu sehen ist das unten dunkle Teakfurnier.

Da das Schott aus 13 mm Sperrholz zum Ankerkasten hin an den Rumpf laminiert ist, sägte mit wenig Schub und Pausen. Sonst wäre das Sägeblatt im Laminat heiß und stumpf geworden. Es war komisch, im Schiff liegend das eigene Boot zu zerschneiden.

Wo wir einmal dabei waren, bauten wir das Badezimmer an Backbord samt Trennwand zwischen Bad und Vorschiffskajüte aus. Das Waschbecken und der Waschtisch werden erneuert. Die gegenüberliegende Schottwand hatte Uli und ich vor 14 Jahren mal aus optischen Gründen ersetzt. Ich erinnere, dass die Wand damals nach einem Tag angepasst und eingebaut war. Seitdem wusste ich, dass sich in diesem Bereich des Bootes ein Schott problemlos wechseln lässt.

Blick durch das ausgeräumte Vorschiff in den Ankerkasten
Blick durch das ausgeräumte Vorschiff in den Ankerkasten © E. Braschos

Die unten am Rumpf einschließlich des beidseitigen Winkellaminats etwa 21 mm dicke Schottwand wurde mit der Flex möglichst dicht entlang der Bordwand herausgeschnitten. Eine schmutzige Arbeit, die mit Absaugung und Schutzmaske für die Atemwege erledigt wurde. Die Flex schleudert viel Glasfaserstaub durch's Schiff.

Bei der Gelegenheit wurden die Laminat- und Klebereste der Bordwandverkleidung vom Rumpf geholt. Es war so staubig, dass die Motoren zweier Trennschleifer verklebten und die Maschinen aussetzten. Wir hatten die zweite Maschine von Winterlagernachbar Frieder, der in seinem VW Bus einfach alles hat, ausgeliehen. War peinlich. Ich ersetzte ihm ohne langes Palaver seine Maschine durch eine neue Makita. Eine ekelhafte Arbeit, bei ich mich fragte, ob es eigentlich richtig ist, ein Boot zu haben und wie groß der Dachschaden sein muss, sich sowas zu geben. Dabei machte Uli den Hauptteil der Arbeit.

Als Uli schließlich den Schacht um die Wasserschläuche vor dem Ankerkastenschott herraus schnitt, legte er die Leckage unter dem Relingsfuß frei. Es tropfte von einer zuvor im Schacht unzugänglichen Schraube. Da sah mein Segelfreund endlich den Sinn der ganzen Aktion ein. Abends war seine Laune dann schon deutlich besser.

Uli und ich verbrachten 3 ½ Tage an Bord des aufgebockten Bootes im Winterlager, die erste Nacht bei Minus 2 Grad. Später wurde es wärmer. Dafür regnete es. So einen Job auf und in einem draußen stehenden Boot zu machen, ist ein besonderes Vergnügen. Wie beim Segeln nutzten wir die Wetterapp und machten die Draußenjobs in den regenfreien Stunden.

Das Bordleben auf engem Raum zwischen Werkzeug, ausgebauten Teilen und Baustellendreck war kein Spaß. Wir waren abwechselnd von der Arbeit und den Umständen so bedient, dass immer einer den Anderen wieder aufbauen musste. Es half bei der Aktion, mal vom Schiff wegzugehen und während einer Runde über den Hof tief durchzuatmen.

Segelfreund Uli Eichler hat zu DDR-Zeiten in Ostdeutschland zwei Jollenkreuzer selbst gebaut. Er weiß wie es geht und zieht durch.

Als wir am vierten Tag mit dem Auto voller Bretter, Schablonen und Maßen für den neuen Ausbau nach Hause fuhren, war der entscheidende Schritt für ein neues, endlich auch vorne trockenes Interieur getan.

Sichtlich bedient filmte Uli das Projekt. Er meint, es wäre noch viel Arbeit. Ich bin froh, dass der schmutzige Teil gemacht ist. Neues Bootsbausperrholz kaufen, zuschneiden, anschrauben und ins Schiff laminieren, braucht Zeit, ist aber eine viel schönere Aufgabe.

Blick in die Backbordseite des ausgeräumten Vorschiffs
Blick in die Backbordseite des ausgeräumten Vorschiffs © E. Braschos

Tipps

Wenn es irgend geht, wenden Sie sich für diesen Job an einen vertrauenswürdigen Bootsbauer. Laminat aufschneiden ist eine üble und ungesunde Arbeit. Sehr guter Atemschutz ist wichtig. Mit einer hochwertigen Atemmaske der Filterklasse 3 arbeiten, die Mund und Nase umschließt. Kosten etwa 75 €, erhältlich im Werkzeughandel oder gut sortierten Baumarkt. Dazu eine leistungsfähige Absaugung und gescheites Werkzeug. Das Problem: Man möchte die Drecksarbeit zügig machen, muss aber warten, bis sich der Staub gelegt hat und abgesaugt ist. Es staubt sehr. Praktisch ist eine Halogenlampe zum Beleuchten der Kajüte.

Es geht mehr Zeit in die Vorbereitung als die Arbeit selbst: Planung und Zuschneiden von Schablonen, die Beschriftung der ausgebauten Teile, das staubdichte Abkleben der Umgebung und Reinigung der Baustelle zunächst mit dem Staubsauger, dann nasses Aufwischen. Hinzu kommen die Reinigung des Industriestaubsaugers und Reparatur der Winkelschleifer.

Prüfen Sie den Zustand des Holzes: Ist über einen längeren Zeitraum Salzwasser in das Sperrholz des Interieurs eingedrungen und kommt regelmäßig Wasser nach, sackt die Nässe durch das Sperrholz nach unten. Dieser Bereich bleibt auf Dauer feucht. Das ist besonders bei niedrigen Temperaturen und großer Luftfeuchtigkeit unangenehm. Die Kajüte riecht muffig. Die Polster werden klamm.

Die Festigkeit des Holzes lässt sich mit dem Fingernagel oder einem Schraubenzieher prüfen. Ist das Furnier weich, bereits wellig und löst sich von den dahinter liegenden Sperrholzschichten ab, ersetzen Sie das Sperrholz. Prüfen Sie den Zustand der gesamten Platte. Es muss nicht gleich das komplette Brett ersetzt werden. Manchmal geht es auch gar nicht oder der Aufwand für das Zerlegen des Interieurs wäre zu groß. Soweit die Bauweise und Optik es zulässt, genügt es auch, lediglich das angegriffene Holz zu ersetzen.

Planen Sie zwischen dem Ausbau des Interieurs und den Einbau der neuen Bretter eine lange Pause ein. Nach dem Herausschneiden haben Sie für mindestens eine Woche die Nase voll von Ihrem Boot.

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VG