Blog

Wie viel selbst machen?

Autor: Erdmann Braschos

Die Übernahme eines Bootes ist der Schritt in ein anderes Leben. Man entert eine Welt jenseits des Alltags. Die Auszeit auf dem Wasser, der Betrieb des Bootes verlangt Zuwendung und handwerkliche Fertigkeiten, auf die man sich gerne einlässt. Die anfängliche Begeisterung verführt aber dazu, den Aufwand für die Pflege und Reparaturen zu unterschätzen. Bei aller Freude am Schiff: bleiben Sie realistisch. Beginnen Sie nur Jobs, die Sie auch packen.

Wie viel selbst machen?
Ruder Reparatur© Peter Andrin Steiner

Wie im sonstigen Leben auch, bewegt man sich mit seinem Boot in der Zeit- und Kostenschere. Wer Zeit hat und wenig Geld für‘s Boot ausgeben möchte, erledigt übliche Arbeiten an Bord selbst: Die Politur vor der Saison, Anschleifen des Unterwasserschiffs und Antifouling malen bis hin zum Einwassern, all diese Arbeiten sind in wenigen Wochenenden selbst gemacht. Hinzu kommen Reparaturen oder Änderungen am Boot. Auch diese wird der kostenbewusste Eigner weitgehend selbst machen. Wer das nötige Werkzeug und die erforderliche Routine hat, erledigt das ruckzuck selbst.

Wer beruflich eingespannt ist, möchte sich am Wochenende ausruhen und Zeit mit seiner Familie verbringen statt mit Politur, Werkzeug und Farbeimer Samstagmorgen zum Boot zu verschwinden. Ich kenne viele Eigner, die sich das nicht geben und Routinearbeiten am Boot daher grundsätzlich machen lassen. Denn zur Arbeit an Bord kommen die Stunden für die Besorgung der Teile und die Fahrerei zum und vom Boot noch dazu. Ich habe in meinem Segler- und Bootsbasterleben schon viele Stunden in Baumärkten, in Fachgeschäften für Spezialwerkzeug oder beim Händler für Bootszubehör verbracht. Manchmal hatte ich es einfach nur satt. Hinzu kommt die Vorbereitung von Arbeiten, die man noch nie gemacht hat. Ausserdem bin ich als Hobbyhandwerker nicht besonders effektiv.

Einer der Gründe, warum Frauen dem Thema Boot reserviert gegenüberstehen und Boote oft zum Beziehungskiller werden, ist, das der Hobbyschrauber zuhause selten gesehen wird, wenn er sich mit zu vielen Projekten am Schiff verzettelt. Auch ist man mit verschiedenen Materialien und Gewerken an Bord beschäftigt: GfK, Holz, Metallbau, Elektrik, Sanitär, Lackierarbeiten, Motorentechnik bis hin zur Gasanlage. Das sind alles Lehrberufe. Wer handwerklich geschickt ist, eignet sich etwas davon an. Nach meiner Erfahrung ist aber der Weg zu einem guten Ergebnis, mit dem man auf Dauer zufrieden ist, lang. Ich habe an Bord meines Bootes alle diese Sachen selbst gemacht – mit grossem zeitlichem Aufwand. Manches haben mir Segelfreunde gezeigt. Manchen Job machte ich zwei oder drei Mal. Vor einer Weile schnitt ich mit einem Winkelschleifer alte Borddurchführungen aus dem Schiff. Eigentlich keine grosse Sache, aber eine dreckige und gefährliche Arbeit. Bis zum Einbau der neuen Armaturen dauerte es ein Vielfaches der Zeit, die ich angenommen hatte.

Reparatur Steuerstand Reparatur Steuerstand © Jan Böhm (Lütje Werft)

Im Herbst baute ich den Reitbalken und Steuerstand meines Bootes aus. Er hatte von der Montage eines grösseren Rades im Jahr zuvor einen Knacks bekommen. Ich brachte ihn einem Bootsbauer, dem ich vertraue. Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft sah sich die Sache mit seinem Kollegen Sven ein paar Minuten an. Dann erklärte er mir in wenigen Sätzen, was zu tun ist, damit die Sache künftig hält. Da wurde mir nochmal deutlich, dass ich von manchen Jobs besser gleich die Finger lasse und zu einem Handwerker gehe, der es kann. Denn ich möchte ja segeln statt die nächsten Jahre endlos am Reitbalken meines Bootes nachbessern.

Natürlich sind mit dem Gang zum Bootsbauer oder Spezialisten nicht alle Probleme gelöst. Leider fangen sie damit manchmal erst an. Sie brauchen Zeit, bis sie den richtigen Mechaniker für die Maschine, einen Schlosser zum Richten des Bugkorbs, einen Fachmann für die Elektrik oder die Gasanlage an Bord finden, der sein Geld wert ist. Ich habe viel überteuerte, lieblose, schlechte Arbeit gesehen.

Bereits deshalb mache ich entscheidende Sachen an meinem Boot selbst. Ich brauche die Gewissheit, dass beispielsweise die Püttinge und Rüsteisen für die Wanten richtig montiert sind. Den Ausbau von Teilen wie den Reitbalken zur Überholung übernehme ich auch aus Kostengründen selbst. Den etwa eintägigen Einbau des überholten Steuerstands auch. Diese Stunden kann ich gar nicht bezahlen.

Hören Sie sich um, wer zuverlässig ist, termintreu arbeitet und tragen Ihren Teil zu einem guten Ergebnis bei, indem Sie früh anfangen. Wichtig zu wissen: in vielen Bootslagern darf man keine eigenen, externen Handwerker beschäftigen. Da muss der Fachmann vor Ort genommen werden, weil die ansässigen Betriebe das Geschäft haben wollen. Meine Erfahrung: Je schwieriger die Liegeplatzsituation für Sie als Eigner an gefragten Revieren ist, je später Sie mit einem Job kommen, desto teurer und schlechter wird die Arbeit. Ganz gleich, ob Sie wenig oder viel an Bord machen lassen. Es lohnt sich, ein paar gute Kontakte zu Spezialisten vor Ort zu haben.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Cantiere Sangermani

Cantiere Sangermani

Die Yachten der ligurischen Sangermani-Werft kennen nur Insider. Das liegt an ihrer unscheinbaren Noblesse und daran, dass sie selten sind. Man erkennt sie an den charakteristischen drei Punkten am Ende der gelben oder mit Blattgold in die Bordwand gravierten Ziergöhl. Die Punkte stehen für das S des internationalen Morsealphabets, für «S», wie Sangermani.

Welches Motorboot für Anfänger?

Welches Motorboot für Anfänger?

Für die Auszeit auf dem Wasser braucht es einen schwimmenden Untersatz. Wenn Sie keine Erfahrung haben, eignet sich zum Einstieg ein kleines Schlauchboot mit Aussenbordmotor, ein offenes Sportboot mit festem Rumpf aus pflegeleichtem Kunststoff oder ein handlicher Flitzer mit kleiner Kajüte.

Webb Chiles: Zufrieden unterwegs

Webb Chiles: Zufrieden unterwegs

Der Amerikaner Webb Chiles kennt zwei Lebensweisen. Die Erwartung des richtigen Lebens und das Leben des richtigen Lebens. Für Chiles ist richtig Leben Segeln. Und zwar schön lange Seereisen. Deshalb ist er, von Pausen abgesehen, seit 1974 auf den Weltmeeren unterwegs. Mit gebrauchten, simplen und verblüffend kleinen Booten.

aquaboat.ch
Kooperationspartner
YACHTboote
Kundenfeedbacks
Feedbacks“Das Boot konnte innerhalb 4 Tage seit Inserierung verkauft werden! Toll Toll Toll !”
Zahlungsarten
Visa MasterCard American Express Postcard PayPal Rechnung

Visa, MasterCard, American Express, Postcard, PayPal oder Rechnung

Sicherheitssystem
No Spam

Unser Sicherheitssystem schützt Sie sicher vor Werbe-E-Mails und Onlinebetrügern.

© 2002 – 2019 boot24.ch