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Antifoulingentfernung II: Schleifen

Autor: Erdmann Braschos

Wenn Sie ein gebrauchtes Kunststoffboot kaufen oder eines haben, möchten Sie auf Dauer einen Haken zum Thema Osmose machen. Dazu sollten eines Tages alle Schichten des Unterwasseranstrichs bis auf’s blanke Gelcoat runter. Ist das Laminat gesund, wird das Unterwasserschiff mit einer neuen Feuchtigskeitssperre versiegelt. So können Sie das Thema für viele Jahre vergessen.

Antifoulingentfernung II: Schleifen
© E. Braschos

Nach schlechten Ergebnissen mit Antifoulingsabbeizern blieb für mich die mechanische Methode. Es bieten sich vier Varianten an. Man kann die alten Anstriche mit der Klinge abschaben. Es gibt Farbhobel, die das Antifouling abtragen. Oder der Rumpf lässt sich Sandstrahlen. Auch lässt sich die Farbe mit dem Exzenterschleifer entfernen.

Ich habe es zunächst mit dem Farbschaber probiert. Jeder gut sortierte Baumarkt hat Schaber mit einem breiten, gut in der Hand liegenden Griff. Unangenehm beim Schaben ist, dass die Klinge quietschend über die Bordwand ruckt. Die Sache ist mühsam. Die Gefahr, das Gelcoat mit einem verkanteten oder abrutschenden Schaber zu beschädigen ist gross. Nach dem Schaben müssen in jedem Fall noch Farbreste weg geschliffen werden.

Der Vorteil des Farbhobels ist, das sich der Abtrag damit genau einstellen lässt. Das teure Gerät muss jedoch gemietet werden. Die Maschine ist schwer. Das macht die Arbeit anstrengend. Hinzu kommt, dass man damit nicht in die Rundungen der Kielwurzel oder des Skegs gelangt. Wie beim Abschaben muss nach dem Einsatz des Farbhobels zusätzlich geschliffen werden.

Sandstahlen ist eine interessante Methode, weil sich der Abtrag damit gut einstellen lässt, loses Gelcoat entfernt wird und etwaige Blasen aussen am Laminat gleich in einem Arbeitsgang geöffnet werden. Vom Aufwand, der Vorbereitung und Geschick bei der Handhabung kommt Sandstrahlen nur für Spezialisten wie Peter Wrede Yacht Refits in Frage.

Bleibt das Abschleifen. Ich entschied mich für diese Methode. Mit dem Exzenterschleifer schaffte ich etwa 5m2 am Tag. Wer den Exzenterschleifer plan an die Bordwand drückt und auch bei mehrstündiger Arbeit vorsichtig handhabt, schleift keine Riefen in das Unterwasserschiff. Voraussetzung dazu sind mehrere Pausen. Man arbeitet sich Schicht für Schicht durch die Farbe und sieht anhand der Aufhellung, wann Zeit für eine feinere Körnung ist. Wurde das Unterwasserschiff mit verschiedenen Farbtönen gestrichen, sieht man den Fortschritt gut. Angesichts des unebenen Rauhfaserlook der etwa 15 Antifoulinganstriche meines Bootes begann ich mit grober 60er und 80er Körnung und wechselte dann auf 100er Papier.

Mühsam wird das Abschleifen von früher üblichen Weichantifoulings. Reibung und Wärme verklumpt die Farbe nach wenigen Minuten millimeterdick mitten in der Klettscheibe. Wer ungeduldig ist, doll aufdrückt, lange auf der gleichen Stelle schleift und keine Pausen macht, hat den gleichen Effekt und muss nach wenigen Minuten wechseln. Manchmal geht es mit wiederholt ersetzten Klettscheiben nur Quadratzentimeterweise voran.

Achten Sie auf Ihre Gesundheit

Der Job ist laut und schmutzig. Auch wenn Sie mit der selbstverständlichen Absaugung durch die Klettscheiben des Exzenterschleifers und einem Industriestaubsauger arbeiten, staubt es. Ich stand 60 Stunden unter dem Boot. Ohne gescheiten Atemschutz, Schutzbrille, Handschuhe und Gehörschutz geht es nicht.

Sie brauchen einen Exzenterschleifer mit Absaugvorrichtung, einen Industriestaubsauger auf Rollen und ein grosses Sortiment an Schleifscheiben verschiedener Körnung. Ich brauchte gut 200 Klettscheiben. Damit die Absaugung klappt müssen die Schleifscheiben exakt zum Teller passen. Schleifgeräte von Fein oder Festo sind der Mercedes. Der Kauf teurer Profigeräte lohnt, wenn die Maschine mit Schleif- und Polierfunktion später beim alljährlichen Aufpolieren des Bootes gebraucht wird. Nachdem zwei reichlich gebrauchte Profigeräte von Fein nach tagelangem Dauereinsatz den Geist aufgaben, beendete ich die Arbeit mit einem eigenen Exzenterschleifer von Bosch (einfache Heimwerker Qualität). Mit dieser Maschine schleife ich heute noch jedes Frühjahr das Unterwasserschiff an.

Achten Sie auf eine passende Kupplung des Exzenterschleifers zum Schlauch, damit Sie zügig arbeiten können. Leider hat jede Marke ihr eigenes System. Ein fahrbares Malergerüst oder zwei Leitern mit einer langen Standfläche erleichtern die Arbeit. Wenn Sie richtig stehen und in bequemer Höhe schleifen, halten Sie länger durch. Das andauernde Andrücken des Schleifers an den Rumpf und die konzentrierte Führung ist anstrengend. Abschliessend die Feinarbeit: Zum Wasserpass hin wurde mit immer feinerer Körnung bis hin zu 240er Papier geschliffen. Die Farbreste auf den Rundungen am Steven, der Kielwurzel und rings um den Skeg meines Bootes brauchten weitere fünf Stunden.

Arbeiten Sie mit einem Plan

Entfernen Sie die Altanstriche am besten im Spätsommer oder Herbst. Nehmen Sie das Boot dazu etwas früher als üblich aus dem Wasser. So bleibt nach dem Abschleifen Gelegenheit zum Nacharbeiten und zur Prüfung des Unterwasserschiffs. Sie haben nach der anstrengenden und dreckigen Arbeit garantiert «die Nase» voll.

Der nächste Schritt, die Prüfung und Versiegelung des Unterwasserschiffs mit den richtigen Produkten bei geeigneter Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist ein Thema für sich. Das sollten Sie separat angehen.

Fazit: 60 Stunden Arbeit für den Schliff von 33,5m2 und etwa 500 € Kosten für Gerätemiete, Werkzeug und Verbrauchsmaterial stehen überschlägig 2.300 € der professionellen Antifoulingsentfernung gegenüber.

Kosten Beispiel für circa 33m2
(alle Preise inkl. MwSt.)

Yachtwerft Klemens in Grossenbrode Ostsee: Antifoulingentfernung von ca 30m2 Unterwasserschiff bis aufs Gelcoat im Winterlager Grossenbrode: 2.320 €

Peter Wrede Yachtrefit mit vier Standorten in Norddeutschland: Farbentfernung im sogenanntem Softblasting Sandstrahl-Verfahren: 2.265 €

Bootsbau Markus Hamma in Kressbronn am Bodensee kratzt dicke Hartantifoulings mit einem Schaber ab. Am schwierigsten ist die Entfernung von VC Tar. Das wird geschliffen. An einem 10m Segler, geteilter Lateralplan, wird etwa 25 Stunden geschabt. Nachschleifen circa 10 Stunden, Kleinigkeiten mit Epoxi spachteln, nachschleifen und säubern nochmal 3 Stunden. Kosten 2.961 € inkl. MwSt.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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