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Antifoulingentfernung I: Theorie und Praxis

Autor: Erdmann Braschos

Wenn Sie ein gebrauchtes Kunststoffboot kaufen oder eines haben, möchten Sie auf Dauer einen Haken zum Thema Osmose machen. Dazu sollten eines Tages alle Schichten des Unterwasseranstrichs bis auf’s blanke Gelcoat runter. Ist das Laminat gesund, wird das Unterwasserschiff mit einer neuen Feuchtigskeitssperre versiegelt. So können Sie das Thema für viele Jahre vergessen.

Antifoulingentfernung I: Theorie und Praxis
Einsprühen des Rumpfes mit Antifouling-Abbeizer© Swedesail / E. Braschos

Es gibt verschiedene Methoden. Die beste ist: Erkundigen, wer ordentlich arbeitet, Angebot einholen und es machen lassen. Bei 33,5m2 Fläche des Unterwasserschiffs hätte es mich 2.300 € gekostet.

Wenn Sie das Boot in der Nähe haben, handwerklich geschickt sind und sparen möchten, können Sie es auch selbst machen. Leider ist es eine schmutzige und ungesunde Arbeit. Bedenken Sie auch Ihre eigene Arbeitszeit und die Kosten für spezielles Werkzeug.

Ich habe das vor einigen Jahren bei meinem Boot (12,80x2,65m Unterwasserschiff mit 2,10m Tiefgang) selbst gemacht. Zunächst werden zu entfernende Teile wie Propeller (Verletzungsgefahr), die bündig unter die Bordwand geklebte Saildrive Abdeckplatte, Loggen- und Echolotgeber entfernt. Schwergängige, in die Jahre gekommene Seeventile wechseln Sie bei dieser Gelegenheit am besten gleich mit.

Zunächst versuchte ich es mit Abbeize zum Ablösen der Altanstriche. Das ist theoretisch eine elegante und das Boot schonende Methode. Den Rumpf damit einschmieren, einen Kaffee trinken und den Dreck lässig runterschieben. So hatte ich es mir gedacht. Die Praxis sah leider anders aus. Denn die Chemie ist auf Temperaturen über 10° eher 15° angewiesen. Die gibt es in Mitteleuropa draussen ab September kaum noch, ab Mai mit Ach und Krach wieder. Doch möchte ich mein Boot in der Saison nutzen.

Ich habe es mit drei verschiedenen Produkten versucht. Erstens «Peel Away», einem Erzeugnis, das nach dem Auftragen von einer mitgelieferten Folie abgedeckt wird. Theoretisch lässt sich das Tuch samt Antifouling überwiegend bis komplett von der Bordwand ziehen. So verspricht es der Hersteller. Meine Peel Away-Resultate in den Herbstmonaten waren ernüchternd. Es wurden gerade mal ein Drittel, vielleicht die Hälfte der 10-15 Altanstriche abgetragen. Nach mehreren Arbeitsgängen und Beschichtungen musste ich beim Abschaben der angelösten Farbe immer noch energisch mit dem Schaber aufdrücken.

Tipp: nicht an der Schichtstärke der aufzutragenden Abbeize sparen. Es sollte eine mehrere Millimeter dicke Schicht (Apfelsinenhaut) am Rumpf hängen. Der Vorteil gegenüber dem Abschaben der unbehandelten Bordwand ohne Chemie war, dass keine Farbsplitter durch die Gegend flogen, sondern die Farbe als zäher Schleim herunterfiel. Ein ähnliches Ergebnis erzielte ich mit einem Produkt namens «Dilunett».

Die Entfernung der vielen Antifoulingschichten erwies sich auch mit Abbeize als zeitraubend zähes Geschäft. Ich habe es nach wiederholten Versuchen und einigen Stunden mit gerade mal zwei in Ansätzen freigelegten Quadratmetern von 33 aufgegeben. Aufwand und Ergebnis standen in keinem Verhältnis: Über hundert Euro plus Pinsel und Malerfolie für kaum freigelegte Bordwand. Hinzu kam die Vorbereitung: der Boden muss mit Malerfolie abgedeckt werden. Die Abbeize war zwar an senkrechten Flächen mit der Quaste noch problemlos aufzutragen. Anders sieht es an überhängenden Partien der Bordwand aus, aus denen ein Unterwasserschiff aber nun mal überwiegend besteht. Da flog mir die gallertartige Masse oft vom Pinsel entgegen.

Beim Abschaben hatte ich es mit einem übelriechenden Schleim zu tun, der am Schaber, an den Handschuhen und Schuhen hängen blieb. Der üble Geruch führte zu Kopfschmerzen. Ich hatte den Gestank Tage und Nächte in der Nase.

Immerhin erzielte ich mit dick aufgetragenem «Dilunett» auf dem ausgebauten und ebenerdig liegenden Ruderblatt passable Ergebnisse. Die überschaubar kleine Fläche des Ruders (1,5m2) war mit Dilunett in drei Stunden weitgehend vom Antifouling befreit. Dennoch waren auch hier noch Farbreste herunter zu schleifen.

Im Frühjahr liess ich mich von einem befreundeten Bootsbauer überreden, der mit «Rotec Hydro Farbablöser» von Hartmann Kulba-Bauchemie arbeitete. Auch dieses Produkt habe ich regulär bezahlt. Einmal aufgetragen, durchwandern der farbablösende Alkohol und Wasserstoffperoxyd die Farbe theoretisch bis zum Untergrund, wo eine chemische Reaktion Sauerstoff-Gas freisetzt und die Farbe im Idealfall von der Bordwand drückt. Aussen bildet die Abbeize eine Art Feuchtigkeitsbarriere, die den Sauerstoff hält und den chemischen Prozess zum Abschluss kommen lassen soll. Das komplette Unterwasserschiff wurde vom Bootsbauer in einem Arbeitsgang mit einer Hochdruck-Sprühvorrichtung mit der Abbeize beschichtet und später mit einem Druckreiniger gereinigt. Aufwand: Abplanen der Umgebung (damit die Nachbarboote nichts abbekommen) und des Bodens, Abkleben des Freibords ab Wasserlinie, Einsprühen, Assistenz des Manns an der Sprühvorrichtung, Aufräumen und Reinigung der Arbeitsgeräte, zusammen 13 Stunden. Nächster Tag: Zunächst manuelles Abschieben mit Schaber, Verfahren des Schiffes, wo über einer Abscheidevorrichtung im Siel des Kranplatzes mit Hochdruckspritze gearbeitet wurde (abends retour), erneutes Abplanen des Schiffes. Abschaben durch 3 Personen. Aufräumen und Reinigung der Arbeitsgeräte, Entsorgung der Planen. Ergebnis nach 38 Stunden Arbeitszeit und 35kg Materialeinsatz (für damals 500 €): Das Antifouling war gerade mal zur Hälfte runter. Eine Riesen-Schweinerei und ausser Spesen war wenig erreicht.

Die Erklärungen der Hersteller und Verkäufer für den Unterschied zwischen Labor/Theorie und Bootslager/Praxis sind vielfältig. Man kennt die Zusammensetzung und Schichtstärke des abzulösenden Antifouling nicht. Auch sind die Temperaturverhältnisse und Verdunstung von Anwendung zu Anwendung so unterschiedlich wie das handwerkliche Geschick des Verbrauchers. Ein Profi wie der Bootsbauer Markus Hamma aus Kressbronn am Bodensee meint dazu: «Antifoulingabbeizer sind deshalb uninteressant, weil sie mit Rücksicht auf das Gelcoat, die Verarbeitung durch Laien und die Entsorgung zu harmlos für die Farbe sind.» Bei den heute an den Privatmann verkauften Antifouling Abbeizern handelt es sich aus gutem Grund um relativ umweltverträgliche, das heisst milde Farbentferner, die sich am Kranplatz mit dem Hochdruckreiniger von der Bordwand waschen lassen.

Fazit: Vergessen Sie Chemie! Lassen Sie es machen oder holen Sie das Antifouling von Hand herunter. Im nächsten Blog-Beitrag erkläre ich, wie es geht. Einzig in den Winkeln des Spritzwasserabweisers eines Motorbootrumpfes oder den Ecken im GfK-Imitat eines geklinkerten Rumpfes, die schleifend oder schabend kaum zu erreichen ist, würde ich es mehrmals mit Abbeize versuchen.

Einsprühen des Unterwasserschiffs mit einem Abbeizer Einsprühen des Unterwasserschiffs mit einem Abbeizer © Swedesail / E. Braschos

Vorbereitung

1. Um welche Fläche geht es? Die gängigen Formeln der Yachtfarbenhersteller lauten beim Segelboot für Langkieler: 0,75xLWLx(Breite+Tiefgang) = Oberfläche in m2. Für moderne Kurzkieler: 0,55xLWLx(B+T) = Oberfläche in m2.

2. Wenn Sie die Massnahme planen, erkundigen Sie sich, ob am Stellplatz ihres Bootes überhaupt die Beschäftigung externer Handwerker gestattet ist und ob sie es selbst vor Ort machen dürfen. Oft ist das im bereits Kleingedruckten des Vertrages zur Bootslagerung ausgeschlossen. Viele Stellplatzvermieter möchten den Job selbst haben oder einem Kollegen übergeben.

Andere haben mit Do-it-Yourself Eignern schlechte Erfahrungen gemacht. Keine Abdeckung des Bodens, Dreck, Belästigung der Nachbarn, schlampige Entsorgung.

3. Prüfen Sie ob es genug Platz und Licht rings um’s Schiff gibt. Hallenplätze sind selten geeignet, da zu dunkel. Ausserdem bleibt es in der Halle im Frühjahr mangels Sonne lange kalt.

Kosten Beispiel für circa 33m2

(alle Preise inkl. MwSt.)

Yachtwerft Klemens in Grossenbrode Ostsee: Antifoulingentfernung des Unterwasserschiffs bis aufs Gelcoat im Winterlager Grossenbrode: 2.320 €

Peter Wrede Yachtrefit mit vier Standorten in Norddeutschland: Farbentfernung im sogenanntem Softblasting-Verfahren: 2.265 €, Behandlung der Fuge am Überhang Bilge/Bleikiel. Stahlen für neuen Farbaufbau des untergebolzten Kiels 1.011 €

Bootsbau Markus Hamma in Kressbronn am Bodenses macht immer einen Versuch. «Meist kratzen wir es mit einem Schaber ab. Das geht am besten bei dicken Hartantifoulings. Am schwierigsten ist VC Tar zu entfernen. Geht nur mit Schleifen, ist aber zeitintensiv.

An einem 10m Segler, geteilter Lateralplan, kratzen wir etwa 25 Std, wenn es akzeptabel runtergeht. Nachschleifen circa 10 Std, Kleinigkeiten mit Epoxi spachteln, nachschleifen und saubermachen nochmal 3 Std., Kosten 2.961 € Brutto

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Realistischer Preis­

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Als Eigner des einst teuren und über die Jahre mit einigem persönlichen und finanziellen Einsatz erhaltenen Bootes haben Sie wahrscheinlich eine selbstbewusste Preisvorstellung. Es gibt angesehene, wertbeständige und entsprechend gefragte Bootsmarken, die ordentliche Preise erzielen.

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