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Die Dieselpest an Bord

Autor: Erdmann Braschos

Bootseigner mit einer Einbaumaschine - Motorbootfahrer wie Segler - werden zunehmend durch die sogenannte Dieselpest beunruhigt. Das tückische dabei: man bemerkt das Problem erst, wenn es zu spät ist, die Maschine aus heiterem Himmel stehen bleibt.

Die Dieselpest an Bord
Nach einer Weile setzen sich die Bakterien als schwarze Masse unten im Behälter ab© Dr. Guido Marx

Zwar kündigt sich die Dieselpest mit Dreck im Schauglas des Vorfilter-Gehäuses an oder mit schleimigen im Diesel herumschwappenden Ablagerungen auf dem Tankboden. Aber wer guckt schon regelmässig den Vorfilter an? Und wer schraubt freiwillig das Inspektionsluk des Tanks auf und leuchtet mit der Taschenlampe rein? Ein Boot soll Spass, nicht Arbeit machen.

Die Dieselalgen gedeihen als Mikroorganismen, als Bakterien, Hefen oder Schimmelpilz im Sprit. Die Mikroorganismen ernähren sich von Kohlenwasserstoffen und leben im Wasser. Das ist bereits in kleiner Menge im Diesel enthalten. Durch die Schwitzwasserbildung im Tank kommt ständig Feuchtigkeit dazu. Die Algen scheiden ein Sekret aus. Daraus wird eine schwarze Gallert-artige Masse, eine Art Glibber oder ein Schwamm. Es verstopft Filter und Leitungen, bis die Maschine nicht mehr genug Sprit bekommt und stehen bleibt. Der Effekt ist schon länger bei saisonal bis selten benutzten Bau-Maschinen, in der Landwirtschaft, bei Notstromaggregaten, Wohnmobilen oder Booten bekannt.

Leider fördert sogenannter Bio-Diesel, wie es ihn heute fast ausschliesslich gibt, die Verschleimung des Kraftstoffs, wenn er lange im Tank verbleibt. Genau das ist aber bei Segelyachten mit wenigen Motorstunden im Jahr üblich. Bei selten genutzten Schiffen mit einem grossen Tank bleibt der Sprit Jahre an Bord. Das ideale Biotop für die Dieselpest. Soweit die schlechten Nachrichten. Die gute lautet: Es lässt sich etwas dagegen tun.

Wenn sich dunkle Schwebeteile im Schauglas des Vorfilters zeigen, wird es Zeit den Tank zu leeren, ihn zu öffnen und zu reinigen Wenn sich dunkle Schwebeteile im Schauglas des Vorfilters zeigen, wird es Zeit den Tank zu leeren, ihn zu öffnen und zu reinigen © Dr. Guido Marx

1. Tanken Sie möglichst keinen Biodiesel.

Fragen Sie an der Tankstelle gezielt nach Sprit ohne Bio-Beimischungen. Solchen Diesel gibt es beispielsweise bei ARAL oder Shell. In Skandinavien bieten Wassertankstellen speziellen Marine-Diesel an der keine Bio-Anteile enthält.

2. Tanken Sie an der Tankstelle Ihres Vertrauens.

Tanken Sie dort, wo aufgrund des grossen Durchlaufs an Sprit mit kurzen Lagerzeiten an der Tankstelle, also von Haus aus relativ sauberem Sprit zu rechnen ist. Segler sollten lieber den 25l Kanister an der häufig frequentierten Strassentankstelle füllen als mit dem Boot zur selten benutzen Wassertankstelle fahren.

3. Halten Sie Ihren Tank immer voll.

Bereits durch die Schwitzwasserbildung infolge Temperaturschwankungen kommt ständig Kondenswasser dazu. Der Wasserantel im Diesel fördert die Verschleimung und so die Dieselpest. Halten Sie besonders vor langen Liegezeiten im Hafen oder Standzeiten im Winterlager den Tank randvoll.

4. Machen Sie sich das Leben mit Chemie einfach.

Für LKW Fahrer, die auf den zuverlässigen Betrieb ihrer Maschine angewiesen sind, ist das längst Routine. Ich mache seit Jahren bei meinem Bootsmotor mit einem Produkt unter dem Markennamen Bakzid gute Erfahrungen: Das ist ein Additiv auf Bis-oxazolidin-Basis. Zunächst habe ich nach einer Tankreinigung eine grössere Menge als Schockbehandlung in den Tank gegeben. Die Dosierung steht auf dem Behälter. Besorgen Sie sich dazu in der Apotheke oder Drogerie eine kleine Spritze. Nach der ersten höher dosierten Schockbehandlung wechseln Sie vorsorglich die Spritfilter. Machen Sie dann bei jedem Tanken die Zugabe des Additivs zur Routine. Bei Bakzid sind es etwa 4 ml auf 20 Liter Diesel. Sie können, müssen so ein Additiv aber nicht im Bootszubehör kaufen. Das gibt es günstiger im Auto und LKW-Zubehör.

5. Werfen Sie irgendwann mal einen Blick in den Tank.

Gerade bei einem gebauchten Boot, wo Sie das „Innenleben“ des Dieseltanks nicht kennen, sollten Sie den Tank bei nächster Gelegenheit leer fahren, damit Sie nicht so viel Sprit in den Reservekanister abpumpen müssen. Schrauben Sie den Inspektionsdeckel ab und gucken, wie es im Tank aussieht. Arbeiten Sie mit Latexhandschuhen, sonst haben Sie den Dieselgestank tagelang an den Fingern. Ein Rolle Küchenpapier und eine Tüte zum Loswerden der gebrauchen Tücher und ein Dieseltank üblicher Grösse ist in einer halben Stunde ausgewischt.

Dann tanken Sie den genannten Sprit und machen die Zugabe der empfohlenen Chemie zur Routine. Halten Sie den Tank immer möglichst voll. Schauen Sie ab und zu das Filtergehäuse, auch die Filtereinsätze an. Kümmern Sie sich selbst um den regelmässigen Wechsel der Spritfilter, etwa 1 x jährlich. Dann haben Sie Ruhe.

Wenn Sie sich näher mit dem Thema beschäftigen wollen, werfen Sie mal ein Blick in den Test der Zeitschrift Segeln von März 2009 (http://www.mikrofiltertechnik.de/upload/4137099-76-7). Dort wurden sieben Additive mit den Ergebnissen gut bis sinnlos getestet.

Motorenhändler und Bootsausrüster bieten auch sogenannte Algenzertrümmerer an. Dieses Gerät wird an die Spritleitung zwischen Tank und Vorfilter montiert. Selbst die Verkäufer solcher Gerätschaften geben hinter vorgehaltener Hand zu, dass die Funktion eher Glaubenssache ist. Bei der aufwändigen Messreihe der Fachzeitschrift Segeln konnte die Wirkung des Apparats nicht nachgewiesen werden.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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