Do-it-Yourself 5 min Lesezeit

Leckende Fenster ersetzen

Wie Undichtigkeiten an Deck beseitigt werden

Leckende Fenster ersetzen
Die Fensterausschnitte im Salon. Auch der Handlauf darunter wurde abgenommen © E. Braschos

Wenn Sie ein Boot übernehmen, spritzen Sie es am Liegeplatz mit einem Schlauch ab. So sehen Sie bald, unter welchen Luken, Fenstern und Beschlägen es tropft. Feuchte Polster, eine nasse Koje, klamme Klamotten sind lästig. Ärgerlich ist ein nasses Handy, die Kamera oder Portemonnaie.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 01.06.2018

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Tipps zum Tausch der Bootsfenster
  • was sich sinnvoll selbst machen lässt
  • was es kostet und wieviel Arbeit es macht
  • Erfahrungen mit einem dänischen Lieferanten

Wasser findet durch leckende Beschläge oder Fenster immer einen Weg nach innen. An Bord meiner Swede 55, eines Kunststoffbootes Baujahr 1979, schlage ich mich eine Weile schon mit lästigen kleinen Leckagen herum. Nachdem ich vor Jahren die alten Skylights ersetzte, baute ich sämtliche Decksbeschläge für die Wanten (sogenannte Püttinge) aus und setzte sie neu mit Sikaflex ein. Ein Bootsbauer arbeitete den Vorlukdeckel mit elegant abgewinkelter Frontpartie auf. Seitdem ist auch er ringsum dicht. An den zehn Fenstern im vorderen Kajütaufbau habe auch der Kosten halber wiederholt "gebastelt", es mit neuen Dichtungen und schließlich mit Sikaflex versucht. Ein arbeitsintensives Provisorium, von dem ich angesichts dürftiger Ergebnisse abrate.

Der alte Fensterrahmen eines norwegischen Herstellers nach dem Ausbau
Der alte Fensterrahmen eines norwegischen Herstellers nach dem Ausbau © E. Braschos

Bei den meisten Kunststoffbooten besteht das Fenster aus einem Außen- und Innenrahmen aus Aluminium. Beide Hälften sind mit Blechtreibschrauben verbunden. Der Zug auf den Schrauben hält die Fensterscheibe in einer Neoprendichtung zwischen den Rahmen und drückt die Dichtung des Außenrahmens auf die Kajütwand. Sofern der Ausschnitt zum Rahmen passt, die Dichtung nicht versprödet ist und alle Schrauben gleichmäßig angezogen wurden, ist das Fenster theoretisch dicht.

Die Praxis sieht leider anders aus. Wellige Fensterausschnitte mit ausgefranstem Gelcoat, geschrumpfte oder verzogene Dichtungen führen zu lästigen Leckagen. Hinzu kommt, dass ein Boot im Seegang arbeitet, sich die Rumpf- und Decksschalen verwindet. Deshalb sind im Hafen dichte Fenster unterwegs auf See undicht. Die Leckage zu finden ist mühsam. Reparieren lässt es sich kaum. Denn bei alten Fenstern sitzen die Niroschrauben infolge von Elektrolyse wie angeschweißt im Aluminium. Einige Schrauben ließen sich mit einem Spezialwerkzeug, einem Schlagschrauber, lösen. Bei anderen rissen die Köpfe ab. Dann lässt sich der Rahmen nicht mehr retten.

Spätestens jetzt ist es Zeit für neue Fenster. Dazu wurden die alten Fenster beim Einwintern des Bootes ausgebaut, die Fensterausschnitte ausgemessen:

- Länge und Höhe der Ausschnitte im Boot
- vorhandene Radien
- Wandstärke der Aufbauseiten
- Krümmung der Kajütseitenwand

Anhand dieser Maße machte ich Zeichnungen der vorhandenen Fensterausschnitte. Jeder Bootsfenster-Hersteller arbeitet mit anderen Profilen, Biegewerkzeugen und Radien.

Schablonen der neuen Fenster erleichtern die Anpassung der alten Ausschnitte
Schablonen der neuen Fenster erleichtern die Anpassung der alten Ausschnitte © E. Braschos

Nach beharrlicher Suche wurde ich auf die dänische Firma Ertec aufmerksam. Dort geriet ich an einem Verkäufer namens Sam Shad. Er erklärt gut. Seine Beratung war auf den Punkt. Sie orientierte sich zweckmäßig am Fensterausschnitt und nicht am Außen- oder Innenmaß des Rahmens. Das Design ist schlicht und formschön, der Preis im Vergleich zu anderen Anbietern in Ordnung. Ich kaufte acht Fenster montagefertig mit vorgebohrten Löchern im Innenrahmen.

Vor allem ist die Bauweise anders als bei alten Fenstern. Die Außendichtung ist ab Werk mit dem Aluminium verklebt. Ebenso bilden der Außenrahmen und die Scheibe eine Einheit, durch die kein Wasser dringen kann. Meine Anfrage wurde prompt beantwortet und meine E-Mails zur technischen Klärung ebenso. Besonders interessant ist die 9,5 mm breite Dichtfläche zwischen Fensterausschnitt und Außenkante des Ertec-Fensters. Diese "Flansch"-Breite verzeiht Fehler beim Anpassen des Ausschnitts in der Kajütwand.

Wichtig bei neuen Fenstern ist auch die etwaige Krümmung der Kajütwand. Diese läßt sich mit einer außen aufgelegten Latte an Bord leicht ermitteln. Eine geringe Krümmung von zwei, drei Millimetern auf beispielsweise 70 cm lange Fenster machen die Rahmen und Scheiben Sam Shad zufolge problemlos mit. Größere Biegungen werden vorgekrümmt geliefert. Die Vorbereitung mit Ermittlung aller entscheidenden Maße ist wichtig.

Die neuen Fenster zuhause im Wohnzimmer
Die neuen Fenster zuhause im Wohnzimmer © E. Braschos

Zugunsten vollständig aufliegender Dichtflächen der neuen Rahmen entschied ich mich für etwas größere Ausschnitte in der Kajütseitenwand. Sam Shad schickte mir die Zeichnungen der Fensterausschnitte 1:1 ausgedruckt. Diese klebte ich mit Prittstift auf eine dünne Faserplatte (Baumarkt), schnitt sie mit der Stichsäge aus und zeichnete die neuen Ausschnitte mit einem Filzstift auf der Kajütseitenwand an.

Zum Anpassen der Fensterausschnitte im Boot gibt es vier Möglichkeiten: Oberfräse (braucht seitliche Führung und Übung, gefährlich in der Handhabung), den Raspel (lässt das das Gelcoat abplatzen), die Stichsäge (reißt ebenso Gelcoat vom Laminat) und die sogenannte Schleifhülse, einen empfehlenswerten, weil preiswerten und einfach zu handhabenden Bohrmaschinenaufsatz. Kaufen Sie im Baumarkt oder Werkzeugfachgeschäft dazu eine Schleifhülse, deren Radius annähernd der Rundung des Fensterausschnitts entspricht. Etwas kleiner sollte er sein. Das spart Arbeit. Kosten 30 €.

Mit einer Schleifhülse auf der Bohrmaschine sind die Rundungen rasch angepasst
Mit einer Schleifhülse auf der Bohrmaschine sind die Rundungen rasch angepasst © E. Braschos

Da Glasfaser-Schleifstaub richtig ungesund ist, unbedingt mit einer hochwertigen Atemmaske der Filterklasse 3 arbeiten, die Mund und Nase umschließt. Kosten ca 75 €.

Die 10 bis 14 mm Wandungen der Aufbauseiten meines Bootes waren mit der Schleifhülse in achtziger Körnung in wenigen Minuten flott angepaßt. Wider Erwarten kam ich mit einer Schleifhülse für alle acht Fensterausschnitte aus. Sogar den geraden Flanken der Fensterausschnitte ließen sich mit der Schleifhülse zügig Material wegnehmen. Abschließend wurde das werftseitig beim Anbringen der Fensterausschnitte beschädigte Gelcoat mit Epoxidspachtel geglättet, um eine breite Auflage der Dichtung zwischen Rahmen und Kajütwand zu schaffen.

Die Montage der Fenster war mit fertig vorgebohrten Rahmen und griffigen 20er Torx-Blechtreibschrauben flott gemacht. Das aufwändigste an der Sache war es zu verstehen wie es geht, den richtigen Bootsfenster-Lieferanten zu finden und die Vorbereitung der Schablonen zum Anzeichnen. Fackeln Sie bei undichten Bootsfenstern nicht lange. Das Herumdoktern an alten Rahmen macht keinen Spaß und ist verschwendete Zeit. Machen Sie es gleich richtig und freuen sich über eine ringsum trockene Kajüte.

Aufwand

Suche des geeigneten Bootsfenster-Herstellers und technische Klärung: 8 Stunden
Ausbau der alten Rahmen: 4 Stunden
Ausbau der Handläufe und Teakleisten entlang der Rahmen: 3 Stunden
Reinigen der alten Fensterausschnitte: 4 Stunden
Anfertigen von drei Schablonen für verschiedene Fenstergrößen: 2 Stunden
Beschaffung Werkzeuge und Atemschutz: 1 Stunde
Anzeichnen der geänderten Fensterausschnitte: ½ Stunde
Anpassen der Fensterausschnitte per Schleifhülse: 2 Stunden
Spachteln: 1 Stunde
Montage 8 Fenster: 1 1/2 Stunden
Einbau der Handläufe und Teakleisten 2 Stunden
Reinigung der Kajüte 2 Stunden
Arbeitszeit: 31 Stunden

Kosten

8 Rahmen 2.250 € inkl. Verpackung/Versand und dänischer Mehrwertsteuer, Werkzeug/Atemschutz ca. 100 €
Lieferzeit ca 6 Wochen

Weiterführende Links

VG