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Verbessern Sie Ihr Bordklima

Maßnahmen für ein geruchsfreies Bordleben

Verbessern Sie Ihr Bordklima
Sind Fenster und Skylights dicht, bleibt die Luft unter Deck rein © Swedesail

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 11.12.2020

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie Muff unter Deck entsteht und wie er vermieden wird
  • wie Bilge und Motorraum sauber gehalten werden
  • wie dichte Luken, Fenster und Decksbeschläge dem Bordklima zugutekommen
  • wie das Boot für lange Standzeiten vorbereitet wird
  • Tipps zum geruchsarmen Bord-WC
  • worauf bei Übernahme eines Gebrauchtbootes achten

Neulich war ich nach einigen Tagen in der Stadt endlich wieder auf dem Wasser. Eine Brise wunderbar frischer Seeluft strich über das Deck. Herrlich. Wir passierten die flache Landzunge eines Naturschutzgebietes in Lee, wo der Duft des Gestrüpps herüber wehte. Dazu das Geschrei und Gequake echauffierter Seevögel – ein Paradies.

Zu meinen schönsten Segelerlebnissen gehört die Ansteuerung der Aaland-Inseln nach einem mehrtägigen Nonstoptörn über die Ostsee. Selten habe ich Kiefern so intensiv gerochen wie bei Erreichen der Schären. Und wie herrlich ist es, nach langer Zeit in frischer Seeluft in einer geschützten Bucht zu ankern. Es duftet nach Feldern, Wiese und vielleicht auch deftiger Landluft.

Düfte ganz anderer Art gibt es dagegen unter Deck. Nach einem langen Am Wind Kurs, wenn sämtliche Luken und Lüfter zum Schutz vor Spritzwasser geschlossen sind, kommt ein übelriechender Odeur zusammen: Es riecht nach Toilette, Schweiß, getragenen Gummistiefeln, klammen Segeln oder muffigen Polstern. Oft ergänzt um Nuancen von Diesel, Essensresten im Spülbecken und was sich im Lauf der Jahre in der Bilge angesammelt hat. Empfindlichen, zur Seekrankheit neigenden Leuten gibt dieser Mix den Rest. Gerade Frauen, die meist eine feinere Nase haben, finden das zum Weglaufen.

Ein Liegeplatz in Windrichtung mit geöffneten Skylights sorgt für Durchzug. Da ist die Pestilenz rasch verflogen. Aber man kann auch sonst etwas dagegen tun. Halten Sie Ihr Schiff, speziell den Motorraum und den Schiffskeller, sprich die Bilge, sauber. Wischen Sie nach jedem Ölwechsel, Tausch der Spritfilter und Entlüften des Kraftstoffsystems mit einem Lappen alles auf. Ein paar Tropfen Spülmittel wirken wunder. Halten Sie die Bilge trocken, leer und sauber. Sie sollte ab und zu gereinigt werden. Auch aus Sicherheitsgründen, weil Dreck, Holzspäne und lose Etiketten die Pumpe verstopfen.

Nach einem deftigen Segeltag wird es unter Deck bereits von den Klamotten feucht
Nach einem deftigen Segeltag wird es unter Deck bereits von den Klamotten feucht © Swedesail

Halten Sie das Schiff unter Deck trocken. Gehen Sie der Ursache für undichte Fenster, Decksbeschläge oder Skylights nach. Das ist mühsam, trägt aber zum angenehmen Bordklima entscheidend bei.

Räumen Sie das Boot im Winterlager aus. Nehmen Sie alle Textilien, Polster und Segel von Bord. Verwahren Sie die Sachen an einem trockenen, belüfteten Ort. Legen Sie das Boot möglichst belüftet still.

Lüften Sie das Boot auch in der Saison regelmäßig. Sonnige Sturmtage, an denen Sie im Hafen bleiben müssen, eignen sich dazu. Ein gelegentlicher Blick in den Motorraum hinsichtlich etwaiger Leckagen hilft ebenfalls.

Steht in der Bordtoilette einige Tagen bei hohen Temperaturen das Salzwasser, stinkt sie. Das ist nicht weiter schlimm, denn der moderige Geruch lässt sich mit wenigen Hüben an der Pumpe beseitigen. Dazu einmal kurz gelüftet und fertig. Anders sieht es bei den Schläuchen aus. Die meisten Werften nehmen aus Kostengründen billige Sanitärschläuche, die eine Weile geruchsfrei bleiben, dann aber den Geruch durchlassen und stinken. Es lohnt daher, die Schläuche stets mit einigen Extrahüben an der Toilettenpumpe zu spülen.

Alte Schläuche eines gebraucht gekauften Bootes sollten Sie bald wechseln. Es ist keine schöne Arbeit. Im Winterlager bei Kälte ist es mühsam, weil das Material dann steif ist. Man kommt schlecht an die Armaturen heran und die Schläuche sind versteckt durch Bohrungen im Interieur verlegt. Erkundigen Sie sich im Fachhandel und kaufen den besten Schlauch. Es lohnt sich. Ersetzen Sie bei der Gelegenheit die Bordtoilette gleich mit. Nehmen Sie das gleiche Modell wie das vorhandene, soweit es sich bewährt hat. Änderungen mit neuen Bohrungen machen zusätzlich Arbeit. Ansonsten empfehle ich die gängigste Bordtoilette von Jabsco, Typ Par Brydon. Die ist günstig, nach meiner Beobachtung zuverlässig und es gibt überall Ersatzteile. Ärgerlich ist der Pumpenkörper aus Plastik, dessen Ober- und Unterteil bei einer Wartung nur mit Gefühl und Geduld am Schraubendreher dicht zu bekommen ist.

Eine gepflegte und möglichst saubere Maschine ohne Öl- und Dieselreste in der Motorbilge trägt zum Bordklima bei
Eine gepflegte und möglichst saubere Maschine ohne Öl- und Dieselreste in der Motorbilge trägt zum Bordklima bei © Swedesail

Kaufen Sie gleich das Ersatzteilset mit dem gängigen Zubehör für die nächste Reparatur dazu. Es sollte an Bord parat liegen. Dann lässt sich die Toilettenpumpe unterwegs mit Bordmitteln reparieren. Montieren Sie die Schläuche ausschließlich mit Nirosta-Schellen. Zur Sicherheit pro Anschluß zwei Schellen nehmen. Ich machte mein Bord-WC vor einigen Jahren mal fehlbedienungssicher, indem ich die Toilette im Boot um einige Zentimeter so weit anhob, dass die Schüssel bei einem Versehen (Hebel in Spülstellung vergessen) zwar voll, aber nicht überläuft. So können die Seeventile immer geöffnet bleiben und ich muss die Pumpe nicht mehr reparieren, weil jemand gegen geschlossene Ventile gepumpt hat. Den Nachteil, dass sich das System nun leer und trocken pumpen lässt, nehme ich in Kauf.

Bei Booten mit großen Frischwassertanks und Seewasser-Entsalzungsanlage lohnt der Betrieb der Toilette mit Frischwasser. Es stinkt nicht wie abgestandenes Meerwasser.

Wenn Sie ein gebrauchtes Boot übernommen haben, räumen sie das Boot komplett aus. Sie werden staunen, was in versteckten Winkeln alles herumliegt und gammelt. Machen Sie einmal gründlich Klar- und Reinschiff. Ist das Boot oben herum dicht, lohnt der Kauf neuer Polster. Segelfreunde von mir haben das neulich gemacht, nachdem die Frau wegen einer Allergie nicht an Bord übernachten konnte.

Lohnend ist der Einbau gescheiter Lüfter. Bewährt sind die sogenannten Doradelüfter. Deren Hutzen sind spitzwassersicher und lassen sich in Windrichtung oder aus dem Wind drehen. So zirkuliert die Luft auch bei unwirtlichen Bedingungen unter Deck und - ganz wichtig, wenn Sie nicht an Bord sind.

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VG