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Geräusche an Bord

Autor: Erdmann Braschos

Alles an Bord kündigt sich mit einem Geräusch an. Deshalb Ohren auf, der Ursache nachgehen und sie abstellen.

Geräusche an Bord
© Swedesail / E. Braschos

Vor einer Weile war ich mal an Bord eines hübschen Motorbootes auf dem Bodensee eingeladen. Im Tiefflug ging es von Kressbronn nach Konstanz. Als passionierter Segler fahre ich nie Motorbootes. Ich gebe zu, sogar eine gewisse Abneigung gegenüber Spritsäufern zu hegen. Aber diesen Einblick in eine mir bis dahin unbekannte Welt vergesse ich nicht. Es ging alles so leicht, unbeschwert und schnell. In voller Gleitfahrt über den glatten Lago gen Konstanz zu preschen fand ich klasse.

Nach einem herrlichen Ausflug kreuz und quer über den Untersee, Baden und Picknick vor der Insel Reichenau, machte sich bei der Rückfahrt auf dem Rhein vor dem Paradies genannten Konstanzer Stadtteil ein singendes Geräusch bemerkbar. Es dauerte ein bisschen, bis es sich gegenüber dem kernigen Sound der beiden Achtzylinder durchsetzte. Zunächst wurde es ignoriert. Doch bald meldete es sich nicht bloss ab und zu, sondern permanent. So gingen wir der Sache im Konstanzer Hafen nach. Niemand an Bord hatte an diesem herrlichen Sommertag Lust zu einem Blick in den Motorraum, auf Handbücher, Telefonate und den Gang zur Tankstelle. Als Getriebeöl mit der geeigneten Viskosität nachgefüllt war, ging es weiter.

Hätten wir das Singen überhört und wären der Sache nicht nachgegangen, wäre es teuer geworden. Fazit: Unübliche Geräusche, sei es irgendein seltsames Summen oder Singen oder eine ohne eigenes Zutun veränderte Drehzahl der Maschine sind ein unmissverständlicher Hinweis, dass beim Motorbootes etwas nicht stimmt. Lieber ein Mal zu oft angehalten, im Motorraum nachgeguckt als zu wenig.

Auch unter Segeln fährt man mit offenen Ohren besser. Bisher nicht gehörtes Klappern muss nicht gleich etwas Schlimmes ankündigen. Doch alles was an Bord herumdengelt, wird früher oder später lästig. Zumal der Segler ja gerade die Stille sucht. Das Fall, das lose herumbaumelt, wird durchgesetzt und neu belegt. Vielleicht ist der Anker nicht richtig verstaut. Liegt etwas lose an Deck herum? Knackt oder knistert es im Rigg? Vor Jahren begann der an Deck stehende Mast meines Bootes im Seegang zu Knarzen. Ich hörte und guckte es mir aus der Nähe an und wusste, dass unbesorgt weiter gesegelt werden kann. Der Fuss des biegsamen Masts bewegte sich leicht auf der Schiene.

Der versierte Segler hört und spürt auch unter Deck in seiner Koje liegend, ob oben alles richtig gemacht wird und es läuft. Er hört es am Wassergeräusch, an eingebeulten oder flatternden Segeln. Er merkt anhand fehlender Krängung, wenn der Steuermann zu hoch am Wind segelt also pennt und «parkt».

Der mitdrehende Propeller des segelnden Bootes macht sich unter Deck mit rotierender Welle bemerkbar. Der Hohlraum des Kiels, der sich nach und nach mit Wasser füllt, kündet mit schwappender Bilge von einer Leckage. Man hört es unter Deck Glucksen. Winschen mit vernachlässigtem Innenleben klingen heiser und metallisch. Die Klinken gewarteter Winschen dagegen rasten mit gleichmässig sattem Klang ein. Bei schlechter Sicht hört der Segler die Motoren und die Bugwelle der Grossschifffahrt zuerst. Auch plötzlich auffrischenden oder drehenden Wind hört man unterwegs und auch vor Anker unter Deck: Das Rauschen der Bäume rings um die Ankerbucht und die Wellen am Ufer sagen: Sieh mal nach dem Rechten.

Früher wurde ohnehin nach Gehör navigiert. Wer nachts oder mit ausgefallener Elektronik unterwegs ist, hört auch heute noch besser gut hin. «Beyond the clouds, beyond the waves that roar, there may indeed, or may not be, a shore» feixte der Expeditionssegler H. W. Tilman (siehe: Der Gebrauchtbootsegler (HW Tilmann)).

So praktisch die modernen Goretex-Segeljacken sind. Deren Kaputze ziehe ich nie über den Kopf. Der bewährte Südwester oder die praktische Pudelmütze lässt dagegen die Ohren frei. Da höre ich sofort, wenn etwas nicht stimmt.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Bootsnamen - Wohin mit dem Buchstaben?

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Bisher war die Sache klar. Der Bootsname gehört ans Heck. Darunter steht der Heimathafen und der Club, wo das Boot registriert ist. Früher waren die Buchstaben aus Messing (angeschraubt) oder in den Rumpf geschnitzt und mit Gold ausgelegt. Die Entwicklung ist über gemalte Buchstaben oder solche aus selbstklebender Folie hinweg.

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